Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022017--21421-3046514
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 586 Dr. Bkochs Wochenschrift Nr. 35 yorker Kehillah, der Jacob Schiff, Adolf Levifohn, M. D. Margulies, Louis Marsball, Professor Friedlander, Felix Marburg, Eyrus Sulzberger beiwohnten, und in der Dr. Magnes präsidierte, wurde die Angelegenheit behandelt und folgende Resolution angenommen: „Nachdem an den jüngsten Skandalen leider Individuen beteiligt sind, welche als Äuden angesehen werden, nachdem diese Skandale einen entsetzlichen Tiefstand der öffentlichen Moral und eine furchtbare politische- Entartung in unserer Stadt offenbaren, beschließt die Versammlung: Als Bürger dieser Stadt und als Juden sehen wir mit tiefer Entrüstung die Entehrung des jüdischen Namens, die durch diese Ereignisse herbeigeführt wurde, und die Verwicklung von Juden in Praktiken und Laster, die bis in die allerneueste Zeit hinein im jüdischen Volke tatsächlich, unbekannt waren. Die Kommission beschlieht, Schritte zu unternehmen, um ein Bureau einzurichten, welches sich bemühen soll, das Gewissen der Bürgerschaft dieser Stadt aufzurütteln und alle Bemühungen privater und öffentlicher Natur zu unterstützen, welche geeignet sind, die Schlupfwinkel des Lasters zu erforschen und zu überwachen." Hinsichtlich der Anschuldigungen des Mayor führte Dr. Magnes folgendes aus: „Der Mayor dieser Stadt benützt sein hohes Amt, um Angriffe gegen die Fremden zu richten. Er sagt, daß jeder Name, der mit dem Falle Rosenthal in Verbindung steht, auf die „entarteten Ausländer" hinweist. Es sind unglücklicherweise Entartete, aber was hat der „Ausländer" damit zu tun? Inwiefern ist diese Stigmatisierung geeignet, die Situation zu Mren? Besagt sie, daß etwa nur Ausländer unter den Spielern anzutreffen sind? Wie steht es mit den Confields und anderen, deren Geburtszeugnis auf die unverfälschteste beste amerikanische Gesellschaft hinweist? Will der Mayor behaupten, daß wir es den Ausländern verdanken, wenn wir korrumpierte Politiker haben? Was sagt der Mayor zu den Enthüllungen der Detektives in Ohio, wo eine waschechte eingeborene Gemeinschaft kompromittiert dasteht? Ober will der Mayor etwa behaupten, dah die Aus-- lönder die Polizei von Newyork korrumpiert haben? Ist es nicht umgekehrt die Polizei, welche hie Fremden ausgebeutet hat? Uebrigens wurden fast alle diese jungen Leute bereits in Amerika geboren und unter dem Einfluh amerikanischer Atmosphäre erzogen. Wo hört der Fremde auf und wo beginnt der Eingeborene? Etwa in dem Augenblicke, ba er die korrupte amerikanische Politik erlernt und die Lehren seiner „ausländischen" Väter vergißt, die niemals Spieler und korrupte Politiker waren? Mir scheint es, dah gerade unsere korrupte Politik und wahrscheinlich einige unserer amerikanischen Institutionen es sind, die die Verantwortung tragen. Der Himmel behüte uns vor dieser Art von Amerikanisierung!" Ankauf jüdischer Zeitschriften für die amerikanischen Bibliotheken. Die amerikanische Regierung hat jüngst den Beschluß gefaht, für die staatlichen Bibliotheken hauptsächlich! jener Städte, in welchen Juden in gröberer Zahl leben, di): jüdischen Zeitschriften des Orients sowie der groben jüdischen Zentren Europas zu bestellen und vorhandene ältere Jahrgänge von denselben anzuschaffen. Die Anregung hiezu bot die Tatsache, dah die Einwanderung von Juden aus dem Orient nach Amerika in den letzten Jahren größere Dimensionen angenommen hat und das Verlangen nach einem geistigen Kontakt zwischen den eingewanderten Juden und ihren alten Heimatsländern wiederholt laut geworden ist. Die hebräische Sptache den klassischen Sprachen glc'ich- ' gestellt. Aus Johannesburg (Südafrika) wird berichtet, dah die Kolonialregierung nach längeren Unterhandlungen mit den offiziellen Vertretern der dortigen Judenschaft den Beschluß gefaht hat, die hebräische Sprache an den Mittel- und Hochschulen als gleichwertig mit lateinisch und griechisch anzuerkennen. Es wird fortan dem Schüler, der in einer der alten klassischen Sprachen Examen zu halten haben wird, freigestellt bleiben, eine der drei anerkannten klassischen Sprachen, und zwar lateinisch!, griechisch oder hebräisch:, zu wählen. Dieses Verlangen haben die Juden von Johannesburg deshalb gestellt, weil sie darin ein Mittel erblicken, die Jugend dem Judentume zu erhalten. Die Juden von Johannesburg haben für die Entwicklung dieser Stadt so Hervorragendes geleistet, daß die Regierung ihrem Wunsche unter Anerkennung ihrer Verdienste entsprochen hat. Ein interessantes Gesuch um Namensänderung. Der Newyorker Richter Justice Goff hätte vorige Woche ein interessantes Gesuch auf Namensänderung zu erledigen. Das Gesuch stammt von dem ältesten Enkel des bei der „Titanic"-Katastrophe verunglückten Isidor Strauß und lautet folgendermaßen: „Ich beabsichtige, meinen Namen in Isidor Strauh umzuändern, weil mein Vater der älteste Sohn des verewigten Isidor Strauß ist, und ich bin sein ältester Enkel. Die Mitglieder 'der Familie des Heimgegangenen Isidor Straub haben den sehnlichsten Wunsch, daß der Name des Isidor Strauß in der Familie ununterbrochen fortbestehe und jetzt von seinem ältesten Enkel getragen werde. Der Bittsteller ist überzeugt, dah diese Namensänderung ihm wesentlich zu Nutz und Frommen dienen wlerde, da er das Andenken an seinen verstorbenen Großvater so hoch in Ehren hält, daß schon die Tatsache allein, dah er einen solchen Namen trägt, für ihn ein Ansporn sein wird, diesen Namen bis an sein Lebensende in Ehren und unbefleckt zu erhalten. Jesse I. Strauh." Pogromhelden And straffrei. Die Petersburger Blätter berichten über einen Fall russischer Justiz, der verdient, dem Urteile der gesitteten Welt überantwortet zu werden. Im Jahre 1910 veranstalteten die Bauern des Dorfes Zerzen aus einem nichftigen Grunde im Einverständnisse und unter Beihilfe der Bauern der umliegenden Dörfer einen regelrechten Pogrom auf die dortigen Juden, indem sie dieselben blutig schlugen und ihre Häuser plünderten und zuM Teile auch demolierten. Aus diesem Grunde wurden 22 Bauern unter Anklage gestellt. Bei der vor einiger Zeit stattgefundenen Verhandlung wurden die Angeklagten zu Gefängnisstrafen zwischen 40 Tagen und 5 Monaten verurteilt, drei wurden ganz freigesprochen. Infolge Berufung des Staatsanwaltes hat wohl das Appellationsgericht auch diese drei zu Gefängnisstrafen verurteilt-, jedoch gleichzeitig beschlossen, an den Zaren ein Gnadengesuch zu richten, die Strafe der Verurteilten mit Rücksicht auf das Motiv ihrer Handlungen auf 7 Tage herabzusetzen, um ihnen ihre politischen Rechte zu belassen. Tatsächlich hat der Zar diesem Wunsche entsprochen und alle Angeklagten wurden, da auch diese 7 Tage Arrest als abgebüht betrachtet wurden^ sofort auf freien Fuß gestellt. , Wahl eines Wachams bei den russischen Karaiten. Unter den Karaiten Rußlands herrscht jetzt nicht geringe Aufregung. Sie stehen vor der Wahl eines Chachams, des geistlichen Oberhauptes sämtlicher Ka-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.