Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 35 (30.8.1912)
- Date
- 1912-08-30
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Hrodna 1× ep/1044655
- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 35 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 585 diese Studenten nichts anderes als ein willfähriges Werkzeug in den Händen der klerikalen Reaktionäre find. Alle diese Redner wurden unter dem Vorwände, daß sie Fremde seien, von der Versammlung niedergeschrien und aM Weiterreden verhindert. Wohl wnrde von keinem der Redner der Name „Jude" erwähnt, doch wurde in den Angriffen auf die „Fremden" stets darauf hingewiesen» datz diese fremden Barbaren aus Rußland und Rumänien stammen. Man wird dem einen Kontraredner recht geben müssen, der, als er von den reaktionären Studenten lärmend unterbrochen wurde, schließlich die Tribüne mit dem Ausrufe verlieh: „Frankreich ist zu bedauern, wenn Ihr seine Zukunft seid!" Ein wichtiger Erlaß dies amerLkanisjchm Handels lmmstrrs. Der amerikanische Handelsminister Ragl (kein Jude) hat dieser Tage einen Erlaß herausgegeben, der mit Rücksicht auf die große jüdische Auswanderung verdient, auch in den jüdischen Kreisen bekannt gegeben zu werden. Laut diesem Erlasse erlangen die Kinder jener ameri^- kanischen Einwanderer, welche das amerikanische Bürgerrecht erworben haben, gleichfalls das amerikanische Bürgerrecht von dem Momente an, da sie ihr ursprüngliches Heimatsland verlassen. Diese Verfügung ist deshalb von großer Wichtigkeit, weil besonders jüdische Familienväter oft selbst nach Amerika auswandern und lassen ihre Familienmitglieder so lange in der alten Heimat zurück, bis sie sich in .der Reuen Welt eine Existenz gegründet haben. Oft ist das Familienhaupt bereits im Besitze der amerikanischen Bürgerdokumente, während die Familie noch im Lande der Bedrückung weilt. Es sind nun Fälle vorgekommen, daß Mitglieder der Familie eines solchen eingewanderten Bürgers in Nervyork aus irgend einem Grunde nicht ans Land, gelassen wurden, was ganze Familientragödien zur Folge ■ hatte. Durch die neue Verfügung des Handelsministers werden solche traurige Fälle in Zukunft ausgeschlossen sein. Gin »euer „Tischa-be-Ab“. Den 16. August 1912 wurden 15 Familien aus dem Dorfe Chortitz und anderen Dörfern (Gouv. Cherson) herausgefiedelt. Die unglücklichen beraubten Juden baten die Verwaltung, nur übernachten zu dürfen, aber man hat ihnen das nicht erlaubt. Deutsche Kolonisten haben sich der Juden erbarmt — und ihnen Pferde gegeben, daß sie noch Nachts ihre Wohnungen, wo sie 15 Jahre lebten, verlassen können. Mögen die jüdischen Organisationen nicht bloß den »Tischa-be-Ab« beweinen, sondern mit vereinten Kräften eine neue Heimat für die russischen Juden schaffen. — An das Emigrations-Bureau der Abteilung der I. E. G. in Kriwoi'Rog wenden sich Kolonisten, die nach Brasilien mit Hilfe der Jca emigrieren wollen — mit der Frage, ob es wahr ist, daß in Brasilien das gelbe Fieber existiert und es überhaupt klimatische Schwierigkeiten gibt. — Die jüdischen Kolonisten werden sehr dankbar sein, wenn die Jca oder andere Personen darüber ihre Meinung in der „Oesterr. Wochenschrift" aussprechen werden. Paul Dolschc-nski. Maffenmisweisungen von Juden. Die „R. I. K." berichtet aus Odessa: Wir stehen zurzeit in einer Aera großzügiger Ausweisungen, die alles in den Schatten stellt, was seit den großen Moskauer Ausweisungen von 1891 ein bis zum Delirium gesteigerter Judenhaß auf diesem Gebiete gemistet hat. Neben den Ausweisungen aus dem Kreise Teischi, aus den Gouvernements Grodno und Iekaterinosläw, haben uns diese Tage eine neue Ueberraschung gebracht, die auch in der Aera der jüngsten großrussischen „nationalen" Politik ihresgleichen sucht. Die patriotische Siegespalme errang sich diesmal der Chersoner Gouverneur, Herrj v. Grevenitz. Er annullierte einfach aus eigener Machtvollkommenheit das bekannte Stolypinsche Wohnrechtszirtülar und verfügte über mehr als 10,000 Juden, die kraft dieses Zirkulars auf dem Lande leben, die kurzfristige Ausweisung. Daß die Vollstreckung dieser harten Maßregel den völligen wirtschaftlichen Ruin für die Betreffenden, die von dem in dieser Kornkammer Rußlands sehr ausgedehnten Getreidehandel leben, bedeuten würde, braucht nicht erst gesagt zu werden. Man sollte aber glauben, daß die Rücksicht auf die Interessen der Landwirtschaft, der mit der freien Konkurrenz eines lebhaften Vermittlerdienstes die günstigen Absatzbedingungen abgeschnitten werden, unsere weisen Satrapen von dieser unsinnigen Aktion abhalten würde. Allein, unsere idealistisch gesinnten Vaterlandsretter kennen keine merkantilen Interessen, wenn die Ehre und der Ruhm des Vaterlandes auf dem Spiele stehen. Besonders Bedroht ist die jüdische Bevölkerung von Nikolajew. wo von 23,000 Juden etwa die Hälfte verjagt werden dürfte. Kaiserliche Auszeichnung für Pogromhekden m Kifchinew. Als Zeichen der Zeit und als Beweis dafür, daß die russischen Juden vom Zar absolut nichts zu erwarten haben, muß die Mitteilung des russischen Amtsblattes angesehen werden, daß der Kaiser von Rußland einem gewissen Siniadinow, einem ganz unintelligenten Menschen, dessen Hauptverdienst darin besteht, daß er anläßlich der Organisierung der Iudenmassakres in Kischinew die rechte Hand Kruschewans war, den russischen Adel verliehen hat. Siniadinow hat seinerzeit den vorerst aufgehetzten Pöbel von Kischinew selbst gegen die Juden angeführt und ihnen die Häuser gezeigt, in denen Juden wohnen. Der russische Adel kann sich zu seinem neuen Mitgliede gratulieren. Eiril improvisierter Pogrom m einer jüdischen Kolonie. Wie uns aus Petersburg berichtet wird, kam es dieser Tage in der Kolonie Briczewo, welche hauptsächlich von jüdischen Feldarbeitern bewohnt wird, während des dortigen Jahrmarktes zwischen den Moldauischen Bauern und den jüdischen Kolonisten zu einer Schlägerei, die alsbald in einen veritablen Pogrom ausartete. Der Streit entstand wie gewöhnlich aus einer geringfügigen Meinungsverschiedenheit, doch bald fanden sich die Führer des Volksverbandes aus der Umgebung ein, welche die versammelten Bauern so lange hetzten und reizten, bis sie eine feindliche Stellung gegen die Juden einnahmen, ihre Häuser türmten und schließlich auch zwei Häuser in Brand steckten. Die Juden setzten sich mutig zur Wehr, wodurch ein größeres Gemetzel verhindert wurde. Polizei war wie gewöhnlich nicht zur Stelle und die Feuerwehr rückte erst aus, als der Brand durch die Juden selbst gelöscht wurde. , Der Pollzeiskandak. Der Rewyorker Polizeiflandal hat durch eine Aeußerung des Mayor von Rewyork, Gaynor, der sich schon früher durch nicht gerade einwanderungsfreundliche Gesinnung hervorgetan hat, eine etwas antisemitische Rote erhalten. Der Mayor benützte nämlich diesen Skandal» der doch in allererster Linie die Polizei wie den ganzen Verwaltungsapparat der Union bloßstellt, dazu, um einen Stein auf die Einwanderer zu werfen. Er behauptet» datz alle mit dem Fall in Verbindung stehende Personen „degenerierte Ausländer" seien. In einer letzten Sonntag abgehaltenen Sitzung des Erecutivcomitees der Nerv-