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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3 ) Dr. Vlochs Wochenschrift «eite 58 t panov l’misrach b’darom machsir panov l’zaphon b’zaphon machsir panov l’därom nimzau kol jisroel m’chawnin es libon l’makom echad . . . 161 sch’kol piios ponim elow . . Aus diejem Wortlaut, dessen Uebersetzung für den Kundigen überflüssig ist, erhellt, daß alle Andächtigen des Erdkreises, einerlei, in welcher Himmelsrichtung immer, aus jeder Stadt, jedem Haus, jedem Gemach ihre Eebetrichtung nach dem Allerheiligsten Jerusalems zu wenden haben, nach der Stätte des Allerheiligsten, welche alle Gemüter gleichsam mit zentripetaler Macht an sich zieht und in welche sie sich, wie die Strahlen in einen Brennpunkt sammeln. Eine bezeichnende Stelle hiesür bietet Daniel 6, 11: w’ chawin p’sichin le b’ilise neged j’ruse’lem: Offene Fenster hatte Daniel (in Babylon, also in südöstlicher Richtung von Jerusalem), von wo aus er dreimal täglich an Gott betete und flehete (also nach Westen hin mit dem Antlitz gerichtet); vgl. Tosaphoth Erubin 18 b. Es läßt sich überhaupt die Theorie der nördlichen Eebetrichtung (Nr. 33 Ihrer Zeitschrift), wie „auch andere Richtungen" (Nr. 34) in die altehrwürdige überkommene Richtung ,.zum Allerheilrgsten hin" mit Leichtigkeit einfügen; es kommt eben hauptsächlich auf den Standpunkt des Betenden an; Inl. Baba bathra pag. 25 b: k’gon aton d’jat’wit’u b’zfonoh d’erez jisrael adrimu adromi . . Ist nun die Gebetrichtung nach dem Allerheiligsten in religiöser Hinsicht quellenmäßig begründet, so ist diese Richtung in religions geschichtlicher Hinsicht von großer Tragweite. In weiten, auch jüdisch-intelligenten Kreisen herrscht nämlich das Vorurteil (wie der Unterzeichnete seitens eines seiner intelligentesten Gemeindemilglieder aus Erfahrung weiß), als ob unsere in Westeuropa übliche Gebetrichtung ..nach Misroch" auf die alles belebende und erhallende Sonne zurückgehe, ein Einfluß des Heraklitisch-Aristotelischen Wettsystems und eine Theorie, die offenbar durch D u p u i s', W i s l i c e n u s' und Böttger's Hypothesen betreffs der Adonis- und Osirisfeste auch in jüdische Kreise gedrungen ist. Dem stehen aber folgende, gerade den Sonnenkultus scharf perhorreszierende Schriftstellen, die ich von ungefähr auswähle, entgegen: Deuter. 17, 2 f meinen Bund zu übertreten, und sich beugen vor der Sonne, oder dem Monde, oder irgend einem Himmelsgestirne, was ich nicht befohlen; desgleichen im Buche der Könige II. 23, 5: Und er (Iosijah) verwies die Räuchernden vor dem Baal, der Sonne, dem Mond, ebenso Ezechiel 8, 16, und in unzweideutigem Sinne: Baba bathra jpag._25a: Der blinde Rav Schescheth sagte zu seinem Diener: Nach allen Wettgegenden kannst Du mich im Gebete richten, nur nicht nach Osten, weil die Sonnenanbeter (gemeint sind offenbar die persischen Magier) diese Eebetrichtungen anordnen. Weit entfernt also von sonnenkultischen Motiven, geht unsere östliche Gebetrichtung vielmehr auf das biblische Gebot: Deuter. 12, 5 zurück: Nur zu dem Orte, den der Herr Euer Gott erwählen wird, seinen Namen dahin zu setzen, sollt ihr wallen, dorthin sollst Du kommen (Mendelssohns Uebersetzung), worin man mit S. R. Hirschs Kommentar einen Protest „gegen die antike Weltanschauung" auch im Sinne gegen den willkürlichen Laren- und Penatenkultus erblicken darf. Unsere östliche Gebetrichtung, also nach einem Zentrum, welches als „Wiege der Menschheit" gilt, ist uns aber endlich auch in seelischer Hinsicht nicht weniger deshalb bedeutsam, weil es bei aller Liebe zum Vaterlande uns auch die Stätte des Vaterlandes ist. Blickt der Hindu zur Sonne, der Buddhist zum Dalai Lama, der Beduine nach Mekka, so hat doch wohl der Jude alle Ursache, seine Gebetrichtung nach jenem schönen Land am blauen Meeresstrand zu bestimmen, das mit dem Schweiße und den Tränen seiner Edelsten benetzt ist. Der in jüdischen Kreisen sowohl im Leben als auch im Tode bewahrte pietätsvolle Brauch, das Antlitz nach dem Osten hin zu richten, welcher fromme Reisegesellschaften heute immer noch unwiderstehlich anlockt, er ist also nach mehrfacher Richtung hin .wichtig, denn er entquillt religiösen, geschichtlichen und psychischen Quellen. Neutitschein, August 1912. Simon Mandl. Me «»«entdeckte« Obe« Salamos. Die letzten Jahre haben drei für die Geschichte und Literatur des Judentums überaus wichtige und bedeutungsvolle Funde ans Tageslicht gefördert. Die Papyri von Elephantine haben ein neues Kapitel in der jüdischen Geschichte erschlossen und vielleicht auch eine alte Spruchsammlung dem Judentume zurückerobert. Schechters neueste Veröffentlichungen aus der Genisa über eine bisher unbekannte Sekte zurzeit der Entstehung des Christentums wird lange die Gelehrtenwelt beschäftigen, bis man die Bedeutung dieses Fundes im Ganzen wie im Einzelnen erkannt haben wird. Der dritte Fund hat bereits eine kleine Bibliothek hervorgerufen und fand meistens in Tgeologenkreisen Beachtung. Von jüdischer Seite wurde dieser wichtigen Entdeckung bi-her wenig Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl wir sicherlich Psalmen und Oacn jüdischer Sänger vor uns haben. Auch in der Ueberlieferungsgeschichte der altchristlichen Lteratur sind diese Oden als vollwertige Bestandteile der heiligen Schrift b.zeugt. Wir meinen die von Rendel Harris entdeckten und zum ersten Male veröffentlicht m Oden Salamos (The Ödes and Psalmes of Salomon. Cambridge, 1909). Das Alter, wie a ich der Inhalt der Oden, die Theologie und die Frömmigkeit des Sängers (oder der Sänger?) erheben Anspruch darauf, daß auch die weiteren Kreise diese Gesänge, die wahre und reine Religiosität verbreiten, kennen lernen. Die Oden in ihrer heutigen Gestalt und Form sind gewiß in christlicher Bearbeitung zu uns gelaugt (s. Harnack, ein jüdisch-christliches Psalmbuch aus dem ersten Jahrhundert. Leipzig, 1910, p. 5) trotzdem müssen oder vielleicht gerade deshalb müssen wir es tief bedauern, daß uns diese kostbaren Perlen verloren gegangen sind Die vorgenommenen Rückübersetzungen ins Hebräische zeigen ja am besten die nahe Verwandtschaft der Oden mit den kanonischen Psalmen (s. P. Chajes, im Hagoren 8, p. 24 ff. h). Man braucht nur die Psalmanfänge K. 6: wie die Hand über die Zither geleitet und die Saiten ertönen, so redet in meinen Gliedern der Geist des Herrn, K. 7: wie der Sturmlauf des Zornes gegen die Ungerechtigkeit, so ist der stürmische Lauf der Freude zu dem Geliebten hin, K. 15: wie die Sonne die Freude für diejenigen ist, die den Tag suchen, so ist meine Freude Gott, K. At. 16: wie das Werk des Landmanns der Pflug ist und des Schiffers das Ziehen des Sch ffes, so ist auch mein Wirk das Lied des Herrn, K. 28: wie die Flügel der Tauben über ihren Jungen und der Mund ihrer Jungen zu ihrem Munde, so sind auch die Flügel des Geistes über meinem Herzen, K. 40^ wie der Honig träufelt aus der Wabe der Biene und die Milch fließt aus dem Weibe, das ihre Kinder liebt, so auch meine Hoffnung auf dich mein Gott mit den kanonischen zu vergleichen (wie z. B. die Bilder Ps. K. 127,4. 123, 2, lautet ganz ähnlich wie K. 14: wie die Augen des Sohnes auf seinen Vater gerichtet sind, so sind m-ine Augen auf Gott gerichtet, Ps. 42, 2, u. a. m.), so wird man an der äußeren Form schon die nahe Verwandtschaft erkennen können. Auch aus dem Sprachgebrauch des Sängers läßt sich noch die jüdische Abstammung erkennen. Wie in der Schrift ist hier vom Weg der Weisheit, der Wahrheit, d.s Glaubens, der Ewigkeit die Rede — im Gegensatz der Weg des Irrtums, der Torheit und des Verderbens (s. Wortregister bei Harnack). So haben wir auch in d>r Schrift d.en Weg des Guten und der Rechtschaffenheit (1. Sam. 12, 23), den W:g der Frömmigkeit (Ps. 101, 2 und 119, 1), den Weg der Torheit (Roverb. 12, 15), der Bosheit und Schlechtigkeit (250, I s. 55, 7). Ebenso deuten die Ausdrücke Antlitz Gottes 2".n^rr '12 (etwa 15 mal) und Namen Gottes ‘*r cts> (etwa 20 m il). ebenso wie die Bezeichnungen: Finger Gottes (23,19), vnxx, Geist Gottes 'i rm, Geheimnis Gottes 'i tid (8, 11) auf eine eingehende Kenntnis des Sängers der heiligen Schrift. Das jüdische Bewußtsein des Säugers, auf das besonders Fciedländer in seiner Studie (die unentdeckten Oden Salamos, Wien 1911) hingewiesen hat. machen es zur Gewißheit, daß wir es mit Oden eines jüdischen Sängers, ja gottbegnadeten Psalmisten zu tun haben, dessen herrliche Psalmen den kanonischen mit keinem Grade nachstehen würden, wenn sie in ursprünglicher Form erhalten geblieben wären, ohne von einem christgläubigen Juden eine wesentliche Umarbeitung zu erfahren. Jedoch daran, was der Bearbeiter nicht gestrichen hat, können wir seinen Standpunkt er keinen und bleibt noch so manches übrig, was für den Sänger selbst charakteristisch ist. Der Sänger, wie auch der Bearbeiter lebten noch vor Zerstörung des Heiligtums durch Titus. Der Säuger sagt vom Tempel: Niemand verändert deinen heiligen Platz, mein

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