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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-30 · 35 (30.8.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
35 (30.8.1912)
Date
1912-08-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 580 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 38 sich in ihrer Wärme bei beiden. Einem Venetianer gegenüber, der die Ehre hatte, in privater Audienz am Vorabend der allgemeinen Wahlen von 1909 empfangen zu werden, äußerte sich der Papst wörtlich: „Sonst fehlte nichts, als daß sie mir Romanin-Iacur schlagen.... meinen alten Freund; es ist zwar schade, daß er ein Jude ist; aber er ist ein sehr vornehmer und guter Mensch und ich möchte, alle Christen glichen diesem Juden!" Noch wird erzählt: Der Papst Sarto war Bischof von Mantua, wo viele reiche Juden wohnen. Eignes Tages befand sich der Bischof in Audienz bei Leo XIII. Der alte, human gesinnte Papst frug ihn: „Sagen Sie mal, Monsignore, wer sind die besten Katholiken in Mantua, die edelsten und freigebigsten in Werken der Menschenliebe und sozialen Fürsorge, sind es die Aristokraten oder die Bürgerlichen?" — „Erv. Heiligkeit," antwortete der Bischof, „die besten Katholiken von Mantua sind die Juden." Weltmeister in der Fechtkunst. Dr. Eugen Fuchs, d^r bekanntlich die Weltmeisterschaft in der Fechtkunst für die ungarischen Farben errang, hat nach „Egyenlöseg" bei seiner Rückkehr nach Budapest nicht jene Ehrungen erfahren, die einem solchen Erfolge entsprechen würden. „Egyenlöseg" führt dies auf die Konfession des berühmten jüdischen Fechters zurück. Die erste Pilotm OesterreW-Ungarns, Lilly Steinschneider, ein Budapester jüdisches 'Mädchen, hat in Wiener-Neustadt die Pilotenprüfung mit Erfolg bestanden. Auszeichnungen in Frankreich. Wie wir dem Pariser „Journal Offkciel" entnehmen, wurden der Profeffor der Philosophie am College de France, Henri Bergson, und der Profeffor für Medizin, Dr. Netter, zu Offizieren der Ehrenlegion ernannt. — Der Astronom an der staatlichen Sternwarte in Paris und Profeffor an der technischen Schule für Uhrenfabrikation, Charles Nordmann, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Die Ernennung Nordmanns, der heute kaum 30 Jahre alt ist, wird in dem Ernennungsdekret mit den außergewöhnlich hervorragenden Verdiensten des jungen Gelehrten auf dem Gebiete der Wissenschaft begründet. Der Pariser Philosoph Bergson. Ein moderner Philosoph ist kürzlich zum Offizier der Ehrenlegion ernannt worden. Diese Auszeichnung bildet nur einen Teil der Huldigung, die ihm in Frankreich entgegengebracht wird. Der „Matin" erzählt darüber folgendes: Während sämtlicher Semester scharte sich ganz Paris vor dem „College de Frarce", man stieß und drängte sich, um M. B e r g s o n über die Eoolutionslehre sprechen zu bören. Bergson ist der Begründer einer neuen optimistischen Philosophie, die sogar schon in den Pariser Salons Eingang gefunden hat. Um sich ihren Erfolg zu erklären, muß man ihre Originalität kennen. Vor allem fei erwähnt, daß der Bergsonismus kein System ist, sondern weit eher eine philosophische Methode. Aber dieser Methode wohnt die mächtige Kraft inne, die Welt von einigen ihrer pessimistischen Konklusionen zu befreien. Bisher wurde der Menschheit unaufhörlich gesagt, daß sie niemals in die letzten Geheimnisse des Lebens dringen werde. Man versprach ihr allerdings, dank der wissenschaftlichen Errungenschaften, eine immer größer werdende Kenntnis der Naturgesetze, aber keine Aufklärung der Geheimnisse des Daseins, für deren Ersoffen unsere Gehirntätigkeit, respektive Gehirnbeschaffenheit nicht ausreicht. Während die Philosophen also darin wetteiferten, uns ewige. Blindheit anzukündigen, suchte die Wissenschaft gleichzeitig uns die Unfreiheit unseres Willens zu beweisen. Dieser Auffaffung tritt M. Bergson entgegen. Es ist allerdings wahr, sagt er, unsere Intelligenz ist nicht imstande, uns über die Rätsel des Daseins aufzuklären. Aber das ist gar nicht ihre Mission. Nach der Meinung Bergsons bestand von jeher der Irrtum der Philosophen in der Annahme, daß die Intelligenz allein das menschliche Bewußtsein ausmacht. Er erkennt auch noch eine zweite geistige Fähigkeit, unabhängig von der ersten und ebenso wichtig wie diese, die Intuition. Die Intuition dringt in die Tiefe des Daseins, während die Intelligenz nach außen wirkt. Letztere hat sich unter äußeren Einflüssen entwickelt und ist dazu bestimmt, sich im praktischen Sinne zu betätigen, Erfindungen zu machen, Maschinen zu bauen und von der Erde Besitz zu ergreifen. Die Intuition errät die Vorgänge der Nckur und führt uns in die innersten Regionen des menschlichen Bewußtseins; sie wird uns vielleicht einmal den Schlüssel zu.den großen Problemen des Daseins geben. Das ist in wenig Worten die Bergsonsch- Methode. Sie begrenzt das Königreich des Verstandes und trennt die Wiffenschaft von der Philosophie. Die Intelligenz erscheint künftig als Werkzeug der Wiffenschaft und hat ihre Mission im praktischen Leben zu erfüllen. Aber an die Daseinsrätsel soll sich die Philosophie nur mit Hilfe der Intuition wagen. Die Weltanschauung Bergsons steht in dem Menschen die Krone der Schöpfung und enthält die frohe Verheißung, daß Kräfte in ihm schlummern, die alle Hindernisse besiegen, jeden Widerstand überwinden werden, vielleicht sogar einmal den Tod. Es ist begreiflich, daß diese Auffaffung Anhänger findet. Berason hat seinen philosophischen Ideen in mehreren Werken Ausdruck gegeben. Ein jüdischer Eugemft des 13. Jahrhunderts. Löbliche Redaktion! Bezugnehmend auf Ihren Artikel in der Nummer vom 18. August „Der Internationale Eugenistenkongreß und die jüdische Hygiene" erlaube ich mir auf eine Tatsache aufmerksam zu machen, von der ich mich wundere, daß sie nicht von einem der gelehrten Herren Rabbinen anläßlich des Kongresses hervorgehoben wurde. Das Judentum hat nicht nur bewußt und unbewußt seit Jahrtausenden Eugenismus getrieben, *8 hat auch eigentlich das Wort erfunden und das erste eugenistische Werk geliefert auf einem Gebiet, wo Wiffenschaft und Mysticismus hart yneinanderstoßev, denn mathematisch wird sich die Natur ihr Geheimnis wohl nicht ablauschen lassen, in welcher Geist und Gemütsverfassung die Eltern waren, als sie einen Moses, Spinoza oder Rafael schufen. Wir meinen das hochinteressante Werk „Iggeret lia- Kodescli“ „über die Heiligkeit der Ehe", des in feinem Jahrhundert (er starb um 1270) tonangebenden Gelehrten Moses b. Nachman, Ramban Gerundi, das im Jahre 1556, also über dreihundert Jahre nach feinem Erscheinen zum erstenmal gedruckt wurde und in christlichen und jüdffchen Kreisen sowohl bei seinem ersten Erscheinen als nach seiner ersten Drucklegung ungeheures Aufsehen machte. Das Buch, das von unschätzbarem moralischen Wert süt das Judentum war, weil Nachman darin einer aus dem mittelalterlichen Christentum in das Judentum damals eindriugenden Richtung zur Askese und Verachtung der Ehe Halt gebot, gilt als das philosophisch gehaltvollste des berühmten, aber starr an der Orthodoxie festhaltenden Verfassers. Er glaubt, daß durch ethische Verhaltungsmaßregeln, wie sie der Talmud und die Tradition schon lange lehrten und zu denen er als Arzt und Moralphilosoph noch neu hiuzufügte, ein Teil des Urgeistes von den Eltern auf das zu kommende Kind herabgezogen werden könne, d. h. ein vollkommener Mensch erzeugt werden könne. Bei den großen Kreisen, die gegenwärtig sich für die Frage interessieren, würde es wieder für den Gedankenreichtum des mittelalterlichen Judentums zeugen, wenn ein Gelehrter die Stellen des Talmud und die Vorschriften des großen spanischen, mittelalterlichen Gelehrten, befreit vom Wüste kabbalistischer Schwärmerei für ein größeres Publikum, edieren würde. In vorzüglicher Hochachtung Clotilde Benedikt. Die Gebetrichtirug in den altjüdischen Synagogen, Löbliche Redaktion! Diese nach mehrfacher Richtung hin wichtige, in Nr. 33 und 34 Ihrer gesch. Zeitschrift erörterte Frage findet ihre erschöpfende Behandlung im Talmud Babli, Traktat Perachoth pag. 30 2-, deren Text ich drucktechnischer Einfachheit halber in lateinischen Typen Wiedergebe: .... haja omöd bchuz l’arez j’chawin es libo k’neged erez jisrael sebene1 (Melachim 1, 8): w’hispal’lu elacha derecb arzom, haja omed be’erez jisrael j’chawin es libo k’neged j’ruschalajim scheue' (schom) w’hispal’lu el hascbem dereeh hair ascher bacharta, haja omed bi’ruschalajim j’chawin es libo k’neged bös hamikdosch sebene' (chron. 2, 6) w’bispal’lu el habajis hase, haja omed b’wes bamikdasch j’chawin es libo k’neged bös kodschg kodaschim sebene’ (Regn. 1, 8) w’hispal’lu el hamakom hase, haja omed b’wes kodsche kodaschim j’chawin es libo k’neged bes hakapores, haja omed achure bes hakapores jireh azmo k’ilu lif’ne hakapores, mmza omed b’misrach machsir panov l’marev,' b’marev machsh

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