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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Scire 572 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 34 Wie man sich in NutzAnjüdischer Dumakandwaten entledigt. Die WaWbewegung in Rußland für die vierte Reichsduma ist -erärts in vollem Gange. In denjenigen Städten, roo die Juden eine Majorität oder eine einflußreiche Minorität bilden, sind die jüdischen Wähler entschlossen, im Einvernehmen mit den progressiven Parteien eigene jüdische Kandidaten aufzustellen. Dies wird jedoch durch die Regierung auf echt russische Weise vereitelt. Rach dem russischen Wahlgesetz haben die Juden nur dort das passive Wahlrecht, wo sie auch das aktive Wahlrecht besitzen. Dies gibt nun der russischen Bureaukratie die Handhabe, die jüdischen Kandidaten unter irgend einem Vorwände aus der Wählerliste derjenigen Stadt zu streichen, in welcher sie kandidieren. So wurde der berühmte Advokat Grusenberg, der in Wilna kandidiert, aus der dortigen Wählerliste gestrichen, weil er nicht in Wilna seinen ständigen Wohnsitz hat. Ebenso wurde der bekannte Schriftsteller Rahüm Sokolow aus der Wählerliste von Vyalistok, wo er zu kandidieren beabsichtigte, gestrichen. Zur Beilis-Affäre. Aus Kiew wird der „R. I. K." geschrieben: Untersuchungsrichter Maschkewitsch, der mit der erneuten Untersuchung in Sachen der Ermordung Iuschlschinskps beauftragt wurde, soll seine Tätigkeit bereits abgeschlossen haben. Vor einigen Tagen begab er sich in Begleitung des Staatsanwalts der Kiewer Gerichtskammer. Tschaplinsky, des Staatsanwalts des Preisgerichts, Saziepin, und von Vertretern der Polizei nach Sagorowschtschina, wo er die Fundstätte der Leiche Iuschtschinskys, wie auch die Ziegelfabrik Saizews (wo Beilis bekanntlich als Angestellter diente) und die Umgegend genau besichtigte. Sehr befremdend wirkte die Tatsache, daß der berüchtigte Hooliganenhäuptling, Student Golubiew, an der Besichtigung tätigen, ja sogar führenden Anteil genommen hat. Am folgenden Tage wurde Wjera Tscheberiak, die bekanntlich von Brasul-Brusch-- kowsky und dem gewesenen Chef der Geheimpolizei Krassowsky als die Anstifter in und Hauptmilschuldige des Mordes bezeichnet wurde, vom Untersuchungsrichter Maschkewitsch vernommen. Frau Tscheberiak will sich übrigens in die Rolle einer Angeklagten durchaus nicht schicken. Und so hat sie denn dieser Tage gegen Krassowsky einen Prozeß wegen Verleumdung angestrengt. Und es scheint, daß Herrn Krassowsky seine schlecht angebrachte Wahrheitsliebe teuer zu stehen kommen wird. Bekanntlich war Herr Krassowsky ursprünglich mit der Leitung der Untersuchung in der IuschLschinsky-Angelegenheit betraut worden. Da er aber eine für einen russischen Kriminalbeamten „taktlose" Gradlinigkeit bekundet hatte, so wurde er später, als in maßgebenden Kreisen die Parole des Ritualmordes ausgegeben wurde, einfach beseitigt. Er setzte aber seine Recherchen privatim fort, bis er schließlich gemeinsam mit BrasubVruschkowsky den wahren Tätern auf die Spur kam. Da man seine frappanten Indizien nicht gut ignorieren konnte, so entschloß man sich, wenn auch ungern, dazu, eine erneute Untersuchung des Knabenmordes anzuordnen, schwor aber dem unbequemen Wahrheitsjäger bittere Rache. Und so wurde denn plötzlich gegen den gewesenen Kriminalbeamten das Verfahren wegen eines angeblich vor Iahren begangenen Dienstoerbrechens eingeleitet. Auf diese Weise sollte die Zuverlässigkeit seiner Enthüllungen in Zweifel gezogen werden. Dieser Tage wurde nun Krassowsky verhaftet. In der Muße der Einzelhaft wird er Betrachtungen über die Aufgaben und Pflichten eines russischen Kriminalbeamten anstellen können. Vermischtes. Gratulationen anläßlich des - Festes zugunsten der Chewra-Kadischa. Einem seit Jahren eingebürgerten Brauche folgend, laden wir unsere p. t. Leser ein. Neujahrsgratulationen durch eine Anzeige in der „Oesterreichischen Wochenschrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diese Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeitig die Förderung einer unserer ältesten und würdigsten jüdischen Anstalten. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem Roschhaschanoh-Feste vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 11. September l. I. gegen Einsendung einer Spende von mindestens K 4.—, zugunsten der Chewra-Kadischa Wien. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 8. September 1912. Wien. Herr Simon Deutsch, bisher Oberkantor in Neutra, wurde nach einem Probevortrage vom Tempelvorstande des 20. Bezirkes als Kantor ausgenommen. Wien. (M e i d l i n g.) Unter außergewöhnlich lebhafter Beteiligung wurde am Sonntag den 18. d. M. einer unserer Besten, der durch seine Verdienste um unser Gemeinde- und Vereinsleben hochverdiente Bethausvorsteher Herr Ludwig Spitzer zur letzten Ruhe geleitet. Nach den ergreifenden Trauerpsalmen, die vom Ersten Kantor Schleifer und dem Chor vorgetragen wurden, zeichnete unser Herr Rabbiner Dr. G r u n w a l d in warmen Freundesworten getreu das Charakterbild des Verstorbenen. Herr Kommerzialrat Baß rief ihm noch im Namen unseres Talmud-Thora-Vereines einen Scheidegruß nach. Die Bezirkskommission, di Chewra-Kadischa und andere Vereine sah man vertreten Es war eine aufrichtige Trauerkundgebung. Wien. (Jüdischer Handln ngsgehilfen-Verband.) Das Büro dieses Verbandes und Verbandslokal befinden sich ab 16. August II., Tabor st raße 11b (Ecke Gredlerstraße). Vorträge oder Diskussionen jeden Dienstag, 8 Uhr abends. Gäste stets willkommen. Der Verband unterhält ferner ein Lesezimmer, welches ab I^Uhr abends zur freien Benützung geöffnet ist, und besitzt eine unentgeltliche Stellenvermittlung, auf welche die P. T. Chefs besonders aufmerksam gemacht wrrden. Männliches und weibliches Personal befindet sich in Vormerkung. Äutritte ans dem Judentum Vom 11. August bis inkl. 17. August 1912. Breier Sidonia, geb. 1873 in Nemetujvär-Gössnig, Ungarn, XII., Wilhelmstrasse 39 Glück Lily, geb. 5. April 1888, Brünn, XVII., Ortliebgasse 17 Gärtner Olga, Verkäuferin, geb. 28. Juni 1880, Prerau, XVII., Wichtelgasse 76 Herzl Victor Wilhelm, Vertreter, geb. 26. Dezember 1885, Krems, XVIII., Kreutzgasse 15 Klatschko Anna geb. Swoff, Prokuristensgattin, geb. 7. November 1860 in Sumpheröpöl. IV., Belvederegasse 3 Lenczguski geb. Klang Klara, geb. im Juli 1875, Tarnopol, VIII., Josefstädterslrasse 22 Wellisch Marie, Privat, geb. 13. April 1889, Wien, VIII.. Löwenburggasse 24 Dürrmaul. Unser seit mehr als 100 Jahre erbautes Gotteshaus ist noch mit einem Holzdache versehen und ist wieder reparaturbedürftig. Die hier noch seßhaften 15 Familien sind trotz des besten Willens nicht imstande, ein feuersicheres Dach aus eigenen Mitteln Herstellen zu lassen, und hat es der Kultusvorsteher übernommen, durch Spenden den nötigen Betrag von K 2000 aus nbringen. Einem Ansuchen zufolge hat Se. Hochwohlgeboren H.rr Graf Walter von Berchem in Kuttenplan zu diesem Zwecke in hochherziger Weise den Betrag von K 300 gespendet und hat somit den Beweis erbracht, daß er ebenso wie seine Ahnen ein Freund der hierortigen Juden ist, da diese zu allen Zeiten die hiesige Gemeinde unterstützt haben. Von Seite des Kultusvorstandes wurde dem Herrn Grafen eine Dankadresse überreicht.

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