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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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>Jti. 34 Dr. Blochs Wochenschrift Ek'U 571 KörLl, Kohner, F. Popper, Ewald Stein, Bendrener, Frankl, Fritz Elbogen, Brandeis. Doktor, Kulik; weiter Direktor Popper der Kraluper Mineralölraffinerie, Großhändler Adolf von BroLowsky, Oberrechnungsrat der Statthalterei Wellemin, Dr. Fritz Porges u. a. Weiter erschienen Abordnungen mehrerer Vereine, welchen der Verblichene angehört, so für den Kreuzerverein eine Abordnung mit kaiserlichen Rat Robert Fuchs und Börserat Strauß an der Spitze, der Zentralverein mit dem Geschäftsleiter Dr. Theodor Weltsch, für den Deutschen Turnverein Sprechwart Josef Müller und für den Fürsorgeverein für schwachsinnige Kinder kais. Rat Stadler, Dr. Josef Popper und Großhändler Julius Glauber, schließlich zwei Vertreter der Lese- und Redehalle der deutschen Studenten. Nach Absingen eines Trauerspalmes durch den Oberkantor der Tempelgemeinde Mirsky und den Tempelchor hielt der Prediger Dr. Schwarz eine tiefempfundene Rede, welche auf alle ergreifend wirkte. Sodann sprach Dr. Ludwig Bendiener namens der Tempelgemeinde für geregelten Gottesdienst und pries den Verblichenen als Wohltäter, dessen Andenken stets gesegnet sein wird. Für den Kreuzerverein hob kaiserl. Rat Robert Fuchs die Verdienste des Toten um die Waisenkinder hervor und Dr. Weltsch pries den Verblichenen als treuen Berater des Z-ntralvereins. Hierauf wurde der Sarg gehoben und unter Absingen von Psalmen durch die Kantoren Mirsky, Premitke und den Chor zum Grabe getragen. Während der Temp'lchor das Mendelssohnsche „Es ist bestimmt in Gottes Rat" sang, wurde der Sarg ins Grab hinabgelassen. Die „Messe" in der Synagoge. Aus Budapest wird uns geschrieben: Vor der großen Synagoge in Ofen spielte sich dieser Tage die folgende rührende Szene ab. Der Gottesdienst war gerade zu Ende, der Tempeldiener ging gerade daran, die Synagoge zu schließen, als er am Synagogeneingange zwei Kinder, ein Mädchen und einen Knaben im Alter von 8 bis 10 Jahren sah, die scheu um sich blickten. „Was sucht ihr hier?" ruft der Tempeldiener, worauf das kleine Mädchen traurig antwortete: „Unser kleiner Bruder ist sehr, sehr krank, und wir möchten für ihn eine Messe lesen lassen." „Eine Messe?" frug der Tempeldiener. „Mein Kind, hier ist eine jüdische Synagoge, und Messen pflegt man nur in christlichen Kirchen zu lesen. Vielleicht sucht ihr eine christliche Kirche?" „Nein," sagte mutig das Mädchen, „wir sind absichtlich hierher gekommen in den jüdischen Tempel. Hier wollen wir zu Gott flehen, denn es scheint mir, daß er hier näher ist. Ich bitte Sie, guter Mann, betet für unser Brüderchen, damit es nicht sterbe." Dieses kindliche Flehen rührte den alten Schames der Ofner Hauptsynagoge, Moritz Frank, so sehr, daß er von dieser merkwürdigen Szene dem Oberrabbiner Meldung erstattete. Dieser gab sofort den Auftrag, ein Minjan zusammenzurufen und für das kranke Kind Gebete zu verrichten. Die Kinder wohnten diesem Gottesdienste bis zum Ende an und gingen dann nach Hause, wo sie ihren Eltern meldeten, daß sie im jüdischen Tempel eine Messe lesen ließen. Einige Tage nach diesem Vorfälle erhielt der Präsident der Ofner Iudengemeinde einen Brief, in welchem der Vater des kranken Kindes, ein ehrbarer Schmiedemeister, mit dankerfülltem Herzen die Mitteilung macht, daß das kranke Kind, für welches die kleinen Geschwister im jüdischen Tempel eine Messe lesen ließen, sich außer Gefahr befinde. Ein antisemitischer Advokat. Berlin. Eine Säule der antisemitischen Bewegung, Herr Rechtsanwalt Paul Bredereck, ist seit einigen Tagen, um im Amtsstil zu sprechen „unbekannt verzogen". Schon als Student hat er durch seine Tiraden gelegentlich der Lesehallen-Wahlen zu großen Hoffnungen berechtigt, die er auch später vollauf erfüllt hat. Ein Vertrauter des sattsam bekannten Bruhn, den er in den mannigfachen Beleidigungs-Prozessen verteidigte. Nur weil auch er so tapfer schmähen konnte, wenm es fich um den angeblich unlauteren Erwerbssinn unserer Stammesgenvssen handelte, sei die folgende nicht eben vornehme Handlungsweise des Gt flüchteten nach der Schilderung der „Voffischen Zeitung" hier wiedergegeben: Heber das Vorgeben des Nechisauwalt Bredercck in seiner Eigenschaft ats Verteidiger des Defraudanten Haas? sei noch mitgeteilt, daß der Anwalt sich, nachdem er Haaie su einem Geständnis bewegt hatte, schmrrrstracks zur American Expreß Compagnie begab und hier den Geschäftsführern mitteilte, daß er jedenfalls leinen Klienten veranlassen könne, das Versteck, wo er das v.runtreute Geld aufbewahre, zu nennen. Er fragte dann gleichzeitig an, ob er, wenn er das Geld herbeischaffen werde, die ausgesetzte Belohnung von 4000 Mk. erhalten werde. Natürlich erklärten sich die beiden Herren, um ihnr Gesellschaft wieder zu dem Gelds zu verhelfen, gleich damit einverstanden. Rechtsanwalt Bredereck fuhr darauf wieder zu» Untersuchun^saefäiignis und ließ sich zu Haase führen, zu dem auf seinen besonderen Mansch inzwischen niemand hereinzel' ssen worden war. Nach der zweiten Rück pracbe mit dem Defraudanten wandte er sich dann an den Untersuchungsrichter, dem er vorher gesagt hatte, daß er weg müsse, um einen wichtigen Termin wahrznnehmen, und gab das Geständnis Haases und den Aufbewahrungsort des Geldes an. Durch die benachrichtigte Kriminalpolizei wurde es dann auch unter Beisein des Rechtsanwaltes, des Untersuchungsrlchters und des Defraudanten auf dem Tewpelhofer Felde ausgegrabeu. Am nächsten T'ge erhielt der Anwalt die Summe von 4000 Mk. von der American Expreß Comp gnie als „Belohnung" ausbezahlt. Als die Oeffentlichkeit auf das Sonderbare dieses „el»nehnunden Wesens" aufmerksam machte, lieferte Brederkck die 4000 Mk. der Mutter des Verbrechers aus. Noch weniger vornehm ist die Handlungsweise Br. 5 aus den Anfangsjahren seiner Anwaltscarriere, als er das Sozietätsverhältnis mit dem Justizrat Bredereck, seinem Onkel, löste. Das „Berliner Tageblatt" berichtet hierüber-: Dem Onkel mißfiel seine Spiclleidenschaft, und er bemühte sich, den jungen Anwalt davon abzubringen. Das paßte aber dem Ntfftn nicht, und er ging darauf aus, unter Ausnützung der Beziehungen, die er seinen Onkel zu verdanken hatte, sich selbständig zu machen. Er setzte sich hinter dem Rücken des Onkels mit dessen Klienten in Verbindung und tat so, als ob eigentlich er derjenige gewesen sei, der die Sache der Klienten immer zum guten geführt habe. Sogar in schwebende Prozesse griff er mit dem Versuch ein, d'.e Mandanten semes Onkels für sich zu gewinnen. Bekannt wird jetzt auch, wie der „Berliner Lokal Anzeiger" mitteilt, daß zu Beginn des vorigen Monats Freunde und Verwandte eine Bürgschaft in Höhe von etwa 40.000 Mk. für Bredereck übernahmen, um ihn vor einer Strafanzeige zu schützen. Es waren ihm damals, wie verlautet, 40.000 Mk. zur Ablösung einer Hypothek übergeben worden; und als der Mandant auf Erledigung drängte, war Bredercck nicht imstande, die Zahlung zu leisten. Wegen dieser Sache schwebt jetzt ein Betrugsversahren. Sofia. (Die Juden und das Jubiläum.) Aus Anlaß des 25 jährigen Regierungsjubiläums des Zaren fanden kürzlich über Anordnung des Großrabbinats von Bulgarien in allen Synagogen des Königreiches Festgottesdienste statt, die einen glänzenden Verlaus nahmen. In der spaniolischen Zentralsynagoge in Sofia wurde der Gottesdienst in Anwesenheit aller hier weilenden Gemeindemitglieder, des Vertreters der Regierung Herrn D i m i t r o w und des Armeekommandanten Oberst I e l j a w s k i. sowie des armenischen Bischofs, von Herrn Großrabbiner Dr. Ehrenpreis zelebriert. In seiner ergreifenden bulgarischen Rede verglich der Großrabbiner die abgelaufene Regierungsepoche des Zaren Ferdinand mit der Regierung des jüdischen Königs Saul und hob hervor die allgemeine Bedeutung der Feier als ein Fest der Kulturmenschheit, ein Fest menschlicher Arbeit und menschlicher Willenskraft. Die fein pointierte Rede machte großen Eindruck. In den nächsten Tagen wird eine jüdische Deputation Seiner Majestät dem Zaren das Andenken überreichen, das aus Anlaß des Jubiläums vorbereitet wurde, bestehend aus einer eigens hergestellten Thorarolle auf Kunstpergament, mit den dazugehörigen wundervoll ziselierten, traditionellen Silbergeräten. Das kostbare Geschenk, das von erstklaffigen Künstlern in Oesterreich ausgearbeitet wurde, ist ein Kunstwerk ersten Ranges, das seinen Initiatoren zur Ehre gereicht.

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