Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 34 (23.8.1912)
- Date
- 1912-08-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022016--21404-3046496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 670 Dr. Blvchs Wochenschrift Nr. 34 zu Zeit unter Ausnützung des Mitleides mit unseren verfolgten Glaubensgenossen auf eine Schnorr-Reise begeben. Für die wirklich durch die schweren Iudenversolgungen zum Verlassen der Heimat gezwungenen russischen Emigranten ist die Hilfsaktion durch die Israelitische Allianz und ihre Filialen und Schutzkomitees an der Grenze so geordnet, daß ein Wandern und Spendensammeln von Ort zu Ort ganz ausgeschlossen ist. Die Wohltäter, welche unseren bedrängten Glaubensgenossen aus Rußland Hilfe leisten wollen, tun am besten, ihre hochherzigen Spenden an die Israelitische Allianz, Wien, II., Untere Donaustratze 33, zu senden. Eirrie antisemitffchr Wach- und SMrtzgrsEchaft. In Krakau besteht seit einiger Zeit eine Wach- und Schließgesellschaft, welche gegen bestimmtes Abonnement die Ueberwachung der Geschäfte während der Nacht übernimmt. Infolge geschickter Reklame haben fast sämtliche jüdische Geschäftsinhaber die Dienste dieser G,es,ellschaft in Anspruch genommen. Vor einiger Zeit nun erschien in den Krakauer polnischen Blättern ein Inserat, wonach die genannte Gesellschaft 20 Nachtwächterposten zu besetzen hat. Als sich nun eine Anzahl Juden auf diese Posten gemeldet hat, wurde ihnen ein Formular vorgelegt, aus welchem hervorgeht, daß die erste Bedingung für die Anstellung diejenige ist, daß der Bewerber der römisch-katholischen Kirche angehöre. Ueberdies wurde ihnen noch besonders betont, daß Juden in die Dienste dieser Gesellschaft überhaupt nicht ausgenommen werden. Der famose Antisemitismus dieser fast ausschließlich von Juden lebenden Gesellschaft wird voraussichtlich zur Folge haben, daß die jüdischen' Geschäftsinhaber ihre Beziehungen zu diesem judenfeindlichen Unternehmen lösen werden. Der FaMilieutag der Basseuis. Dreihundert Jahren waren es am 19 .d. M., daß dem Prager Bankier und Handelsmann Jakob Bafseui für sich und seine Nachkommen sammt zukünftigen Schwiegersöhnen für ewige Zeiten die Hof-Freiheit verliehen wurde. Aus diesem Anlässe wurde die Nachkommenschaft zu einem feierlichen Familientage nach Budapest eingeladen, wo gestern die solenne Doppelfeier vor sich ging. Nach Veranstaltung eines Dankgottesdienstes zu Edren Seiner Majestät wurde unter dem Vorsitz des Alterspräsidenten Jakob Schück (Pozsony-Nadas) und der Kopräsidentin Frau Hofrätin Dr. Armin Neumanu geb. Amelie Ries die Festsitzung abgehalten. An Seine Majestät wurde eine Huldigungsadresse gerichtet. Ferner wurde beschlossen, in Zukunft alljährlich am 16. August unter der Bezeichnung «Franz Joseph I. Gcburtstagsstipendium" an unbemittelte strebsame Schüler Stipendien zu verteilen. Heuer wurden ein Zögling der Gartenbaulehranstalt des ungarischen israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereines und zwei Zöglinge der in Onod zu errichtenden Ackerbau-, . respektive Gartenbauanstalt mit diesem Stipendium in der Höhe von 200 Kronen bedacht. Sodann hielt der Syndrkus der Familie einen Vortrag. Hinweisend auf die hohe Bedeutung des 18. August für Seine Majestät und für die Familie Bafseui schilderte er die Verdienste Jakob Basseui's, die er sich um das Erzhaus und um seine Glaubensgenossen erworben hat. Lange vor seiner Standeserböhung hat er bei Rudolf II. die Erneuerung der Privilegien der böhmischen Judenschaft erwirkt. Ferdinand II. verlieh Baffem bei Einreihung in den freien Herrenstand den Reichsadel und die Hoffähigkeit, mit Giltigkeit für alle Königreiche und Länder des Erzhauses. Die Familie erhielt das Recht, in allen Ländern des Reiches freien Haus- und Grundbesitz zu erwerben, ihre Angestellten in für Juden sonst geschlossenen Städten anzusiedeln und waren ihre Häuser und Besitzungen als landläfliches Herrrngut liberiert. Außerdem steht der Familie das Recht zu, als Mitglied an den gesetzgebenden und rechtsprechenden Körperschaften der betreffenden Länder und Städte zu wirken. Das Wappen der Baffeuis mit dem freien offenen adel'gen Turnierhelm und der königlichen Krone geziert und wird durch einen schwarzen, mit weisier Querstraße geteilten Schild, in jedem der Felder ein goldener Löwe, in der weißen Straße drei rote Sterne dargestlllt. Der Vortrag wurde mit großem Bnfall ausgenommen. Sodann wuden die Wahlen für das nächste Verwaltunasjahr vollzogen. Präsident wurde H-ckrat Berthold Fürst de Maroth, Kopräsidentinnen: Fron Wltwe Jakob Fürst de Marotd und W»we Frnu Hokra»in Dr Neumann. Mitglieder des Dame,,konnte-«: Freiu Dr. David Schwarz, Frau Moriz Feiwel, Frau Heinrich Nies. F äulein Jda Fürst. Zum Schatzmeister wurde Herr Sigmund Liebstem w-edergewählt. Teplitz - Schönau. Eine in Hamburg erscheinende antisemitische Zeitung, die „Deutschsozialen Blätter", veröffentlicht ein Verzeichnis „Judenreiner Bäder und Sommerfrischen". In diesem Verzeichnis kommt auch unsere Badestadt vor und zwar mit der Bemerkung, daß Auskunft der deutsche Octsrat in Teplitz erteilt. Hieran knüpfte die „Selbstwehr" in ihrem Leitartikel vom 2. August Glossen, die sich gegen Teplitz und den deutschen Volksrat richteten. Der deutsche Ortsrat in Teplitz ist nämlich ein Glied in der Organisation des deutschen Volksrates und dieser Körperschaft, als einer nationalen Schutzorganisation, soll die Förderung parteipolitischer Interessen und insbesondere eine antisemitische Stellungnahme serneliegen. Jüdische Vertreter im Stadtverordneten-Kollegium drangen daher auf Klarstellung mit dcm Erfolge, daß der hiesige Ortsrat sowohl den „Deutschsozialen Blättern", als auch der „Selbstwehr" eine Berichtigung zugehen ließ. Die Berichtigung geht dahin, daß der Ortsrat jener Notiz vollständig fernesteht. Um das Interesse, welches die Stadtvertretung selbst an der Berichtigung nimmt, zu dokumentieren, ist dieselbe vom Bürgermeister mit unterzeichnet. Es muß nicht erst ausdrücklich betont werden, daß in Teplitz Badegäste aller Konfessionen willkommen sind. — Die Bevölkerung unserer Stadt besteht zu 10% aus Juden und von den Badegästen gehören mindestens 20% unserem Glauben an. Hier wird seit 8 Jahrzehnten mit großen Opfern ein Badehospital für arme Israeliten erhalten. Noch nie war hier ein jüdischer Kurgast wegen seines Glaubens einer Verunglimpfung oder auch nur Zurücksetzung ausgesetzt. Der unter dem Deckmantel der Anonymität und unter Mißbrauch des Namens des deutschen Ortsrates unternommene Versuch, Teplitz als sogenannten judenreinen Kurort hinzustellen, richtet sich durch seine Lächerlichkeit. Vor fünfzig Jahren sang ein hiesiger jüdischer Arzt und Dichter, D. Schmelkes, dessen Andenken zu Ehren vor Kurzem eine Straße in Teplitz „Schmelkesstraße" benannt wurde: „Die Quelle, sie heilt der Menschen Gebrechen, Fragt nicht, ob's Deutsche sind oder Tschechen, So heit' auch Du, mein Vaterland. Deine Nationen, Frag' nicht nach dem Namen und nicht, wo sie wohnen." Von der Verwirklichung des patriotischen Wunsches des Dichters sind wir heute wohl noch weit entfernt. Jedenfalls werden aber die Vertreter der jüdischen Bevölkerung in Trplitz darüber wachen, daß, soweit es sich um Kranke handelt, die hier Genesung von ihren Leiden suchen, wenigstens in unserem Kurorte im Sinne dieser Verse nie ein Unterschied zwischen Nationen und Konfessionen gemacht werden wird. Prag. (Advokat Dr. Ludwig Pick.) Von der Zeremonienhalle des israelitischen Friedhofes in Straschnitz aus fand Mittwoch den 14. d. das Leichenbegängnis des in der Sommerfrische plötzlich verschiedenen Prager Advokaten Dr. Ludwig P i ck statt. Es war eine stattliche und erlesene Trauerschar, die dem Toten das letzte Geleite gab. In der weiten Halle war der Sarg aufgebahrt, den Blumenspenden der nächsten Angehörigen schmückten. In der Meng-, welche den Raum füllte, sah man nebst den Leidtragenden die Rabbiner Prediger Dr. Schwarz von der Prager Tempelgemeinde, die Professoren Dr. Kisch und Dr. Hirsch (Karolinenthal) und Abeles (Z 2kow), Herrenhausmitglied Alois Neumann, Präsident der Handels- und Gewerbekammer in Reichenberg, Generaldirektor Hofrat Dr. Böhm, Schloßhauptmann Alfons Zapletal mit Gemahlin, Kammeranwalt Dr. Ludwig Bendiener, Oberfinanzrat Dr. Koscherak und Frau, die Bankdirektoren: Steiner, von Ottenburg, Kux, Stutz, Ziegler, Schick, Prokurist Weiner, Direktor Heinrich Teweles des Kgl. deutschen Landestheaters, Prof. Dr. Egmont Münzer; die Großindustriellen: Emanuel Grab, Alexander Reitler, Richard und Artur Perutz, Dr. Lasch, Simon, Alfred Raudnitz, Leo Fischmann; die kaiserlichen Räte: Gerstl, Ruß, Werfel, die Kommerzialräte Richard Elbogen, Urban, Präsident des Jndustriellenverbandes, P-rutz, Reiser, Sonnenschein, G. Pollak; die Advokaten: Präsident der Advokatenkammer Dr. Fritz Kaufmann, Anton Kiemann, Hammerschlag, Sekretär des Jndustriellenverbandes Herrnheiser, Schedlbauer, Heitler, Julius Wiener, Gintz, Sohr, Grasa, Goppold, Schneider, Geschmay,