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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 568 Dr. Blochs Wochenschrift Nl. 34 geheißen hat. Die (verstorbene) Frau des verdächtigen Siebzigers war bestimmt eine Germanin von dem Stamme jener Lewi. Die Schriftleiter des Landdlattcs den von Rissendingen soviel Witterung und Wissenschaft wie eine Hebamme von Brahmsschen Quintetten. Ob aber nun Meyerheims Tiere noch gut getroffen sind? Französische Grabungen im alten Babylon. Eine französische wissenschaftliche Expedition hat eine Unmenge alter Tontafeln und Tonfiguren, religiöse Texte, Privatbriefe und Votivgegenstände darstellend, ausgegraben. Elf große Kisten voll dieser Gegenstände konnten in das Museum von Stambul gebracht werden. Aber wichtiger als diese Funde ist die Aufdeckung eines großen Tempels mit sehr intereffanter ornamentaler Architektur. Dieser Fund wurde in der Nähe einer alten Burg gemacht und die ganze Struktur ist einem Turme ähnlich wie dem von Birs-Nimrond, den der Volksmund den Turm von Babel nennt, mit dem Unterschiede jedoch, daß der neue Fund bedeutend besser konserviert ist. Die Gebetrichtung in den alljüdischen Synagogen. Die letzte Nummer Ihres geschätzten Blattes bringt wiederum einen Artikel über die nördliche Richtung der altjüdischcn Bethäuser in Galiläa. Diese Erklärungsversuche erscheinen aber, wenn man die Quellen berücksichtigt, in vielfacher Beziehung als unrichtig. Daher erlaube ich mir kurzgefaßt dieses Thema zu berühren. Aus dem in Mag. Abr. zu Schulchan Aruch, Orach CH". lö8, 10 und de 8ilva8 Pri Chad. z. St. aus Benevistes Kh. Hagd. angeführten Responsum ist klar ersichtlich, daß die Synagogen im Orient unabhängig von ihrer geographischen Lage zu Jerusalem das Sarctuarium und ihre Gebetrichtung sowohl gegen Norden als auch gegen Süden hatten. Diese Einrichtung wurde zweifellos bereits aus dem Altertum übernommen. Davon rührt auch der alte Brauch her, daß die Kohanim beim Segenspenden sich an der Nord- und Südseite der Synagoge aufstellten. (ibid.) Der Sinn dieses Brauches, sich im Gebete gegen Norden oder Süden zu wenden, geht aber klar aus manchen alten Anordnungen hervor, wie z. B. aus der von Maimuni Hilchoth Nes. Kap. XV, 9, aus verschiedenen alten Quellen (Babyl. Sota 38 b und Jerus. Gitin V, 6, im Texte divergierend, weil, verschiedene Umstände berücksichtigend) excerpierten Halacha; dieser zufolge haben in Synagogen, deren Besucher ausschließlich Kohanim sind, diese nach Norden und Süden gewendet, ihren Segen den Brüdern dortselbst zu spenden, (onTiKb panaa omaan peaaw > ist der Wortlaut aus Jerus. ibid.) weil im Altertum im Norden und Süden Asiens die meisten Juden lebten. Daß die Juden des Nordens für die des Südens und letztere für die des Nordens beteten uno in bedrängten Lagen für sie auch fasteten, bestätigt eine alte intereffante Notiz in Ber. Rab. c 76: runan bK wy Kia' DK *,rnK ibK ,n&’bab -«Inn mnan n\*n ,omaa> istik ibK ina.ni nriKn ."V'vnai *3ra i3-by n»3?ra nto'bab -iKaav a*r*K n-n'K .rrtea Der Tradent lebte im Norden, darum sagt er 13'bp „unsertwegen im Exile. — Demgemäß ist ja auch ganz plausibel, daß die Juden Galiläas sich im Gebete nach Norden wandten. In der Responsensammlung Maimunis findet sich hingegen eine Anfrage, zweifellos von einer jüdischen Gemeinde im Norden, worin es heißt: amb oma piina pbbanaao, da die Juden des Nordens ihrerseits im Gebete sich nach Süden kehrten. Allgemeine Regel war aber dies auch nicht für sämtliche Synagogen des Altertums. In der talmudischen Literatur werden auch Abweichungen hievon für Synaaogenbanten und Gebetrichtung nicht nur erwähnt, sondern geradezu empfohlen. So heißt es Babyl. Berach.6b, daß, in Nachahmung der bezüglichen Einrichtungen im alten Tempel zu Jerusalem, das Eingangstor der Synagoge im Ost?n und die Gebetrichtung Westen zu sein habe. Dies galt nicht blos für Süd-Babylon, vielmehr findet man diese Norm auch in der nicht in Süd-Baby'on abgefaßten Tosifta Meg. III.: aiyab oma ,pwoi anpa pra rrnab DrrnnKi, also für anderwärts wohnende Juden. Daraus geht hervor, daß die nördliche Gebetrichlung nur zuweilen in Anwendung kam, während sonst aber aus verschiedenen Gründen auch andere Richtungen eingehalten wurden. Wien, August 1912. S. Spinner. Die Erdbebenkatastrophe an der Marmaraküste. Die große Erdbebenkatastrophe, von welcher die Türkei vorige Woche heinigesucht wurde, hat eine Anzahl jüdischer Gemeinden in den von dem Erdbeben betroffenen Städten zerstört. Sowohl längs der Marmaraküste als auch in den Städten der Dardanellen^ Gallipolis, Rodosto, Demotika rc., haben die jüdischen Gemeinden den vollständigen Verlust ihrer öffentlichen Anstalten, Synagogen und Schulen zu beklagen. Besonders stark wurde das jüdische Vierteil in Gallipolis von dem Elementarereignis heimgesucht. Erst rm vorigen Jahre hat die dortige jüdische Gemeinde unter schweren Opfern eine neue Synagoge und eine neue Schule erbaut, die jetzt durch das Erdbeben zerstört wurden. Die Zahl der jüdischen Obdachlosen in dem Erdbebengebiet ist eine überaus große, und es ist bezeichnend, sowohl für die Armut dieser Juden, wie auch für den Mangel an Solidaritätsgefühl unter ihnen, daß, während die anderen Religionsgesellschaften wie die Griechen, Mohammedaner u. a. sofort nach der Katastrophe eine Hilfsaktion in Szene setzten, die jüdischen Opfer des Erdbebens ohne jede momentane Hilfe blieben. Die ZaU der ruMMn! Opfer im rllssW^-jLpanWM Kriege. (Ai.S einer offizi ll.u Stet stik.) Laut einer jüngst veröffentlichten Statistik sind im russisch-japanischen Kriege insgesamt 32.075 Russen ge-, fallen, 127.019 wurden verwundet und verschollen sind 26.277 Mann. Das ergibt zusammen 185.371. Unter ihnen befanden sich Juden in folgendem VerhältniM: Gefallen 1083, verwundet 1015, verschollen 1013, zusammen 3711 jüdische Soldaten. Korrespondenzen. Kaisers Geburtstag. Kaisers Geburtstag feierten die Völker Oesterreichs und mit ihnen die Juden der Monarchie als ein Freudenfest. In der Tat ist auch das Geburtsfest Kaiser Franz Josefs eine Art herzlichen Familienfestes, an dem man über Differenzen aller Art gern und leicht hinwegqeht, dem geliebten, allverehrten Familienoberhaupte zuliebe. Und in der Tat hat seit jeher der Zauber dieses Tages innerhalb des weiten Reiches, das dem Kaiser und König untertan ist, wahre Wunder zu wirken vermocht; Zank und Streit der Völker und der Parteien Hader verstummten und im Bewußtsein der Zusammengehörigkeit wurden die heftigsten Gegner zu versöhnlichen Brüdern. In sämtlichen Synagogen und Bethäusern Wiens wurde in herkömmlicher Weise ein feierlicher Gottesdienst veranstaltet. Im Tempel in der Seitenstettengaffe fanden sich sämtliche in Wien weilenden Mitglieder des Kultusvorstandes mit dem Präsidenten Dr. Alfred Stern, I. Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n ein. Die Beamtenschaft war durch den I. Sekretär kais. Rat Dr. Lieben vertreten. Das Kaisergebet verrichtete Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, die Kaiserpsalmen sang Oberkantor Don Fuchs mit Chor. Eine halbe Stunde später fand der Festgottesdienst im Leopoldstädter Tempel statt, dem gleichfalls das Präsidium der Kultusgemeinde, die Bethausvorsteher und ein zahlreiches Publikum beiwohnten. Hier sprach Dr. Kaminka das Kaisergebet, während die Kaiserpsalmen vom Ersten Kantor Jurberger mit dem Tempelchor gesungen wurden. In gleicher festlicher Weise wurde des Kaisers Geburtstag, wie die eingelaufenen zahlreichen Berichte melden, auch in den Synagogen sämtlicher Provinzgemeinden begangen. * » * Eine herrliche und erhebende Kaiserfeier fand im Jtzeles- Merores-Waisenhaus für Mädchen, XIX., Bauernfeldgasse 40, statt. Alle Räume waren schwarz-gelb drapiert, die Zöglinge trugen Festkleider mit schwarz-gelben Schärpen. Nachmittags wurde ein Theaterstück aufgeführt, das, von Fräulein Paula Böhm ausgezeichnet einstudiert und geleitet, mit großer Verve und voller Hingebung von den Zöglingen gespielt wurde. Als Apotheose umstellten alle Mäpchen die mit Blumen geschmückte Büste des Kaisers und mächtig durchbrausten die Klänge der Volkshymne die weiten Räume. Mit solcher Begeisterung wurde dem gütigen Landesvater von den Waisen gehuldigt, daß sich aller Anwesenden, zu denen auch die rastlos tätige Präsidentin der Stiftung, Adele von Mises, gehörte, tiefe Rührung bemächtigte. Diese Kundgebung von patriotischer Gesinnung wird Allen in Erinnerung bleiben.

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