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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nl 34 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 567 Sir Matthew Nathan. Zu den mehr erfreulicheren Erscheinungen in der englischen Judenheit gehört das Interesse der jüdischen Notabeln für das jüdische Schrifttum. Aus der. letzten Generalversammlung der Vertreter der jüdischen Liferaturvereine in England wurde kein Geringerer als Sir Matthew Nathan, früherer General-Gouverneur von Natal und jetzt Generaldirektor des englischen Schatzamtes, zum Präsidenten der vereinigten jüdischen Literaturvereine gewählt. Sir Matthew Nathan dankte für die Wahl und hielt, wie verschiedene Blätter berichteten, bei dieser Gelegenheit eine Red<e über den Einfluß der hebräischen Literatur auf die westliche Zivilisation, die jedem Universitätsprofessor für Hebräisch Ehre machen würde. Die englische und amerikanische Demokratie haben einen doppelten Ursprung, einen heidnischen und ein,en jüdischen. Der eine Ursprung weist auf die englischen Puritaner, radikale Biblisten, und der andere auf die französischen Enzyklopädisten. Der hebräisch-biblische Einfluß war sozialistisch, der heidnisch-französische individualistisch. Dann setzte der jüdische Würdenträger die Grundideen des posterilischen Judentums seit Hillel auseinander und wies nach, daß das Judentum ein System von ethischen und religiösen Normen ist, das im letzten Grunde auf ein Prinzip zurückzuführen ist: auf den freiwilligen Verzicht des individuellen Wunsches zu Gunsten der Allgemeinheit. Schließlich forderte Sir Matthew die Versammelten auf, nicht nur die hebräische Literatur zu studieren, sondern auch ihre Lehren zu verwirklichen. Man wußte, daß dieser hohe Staatsbeamte ein guter Jude ist, aber niemand vermutete in ihm einen jüdischen Denker und einen jüdischen Patrioten. Judenin der Diplomatie. Ein englisches Blatt beschäftigt sich in einem größeren Aufsatze über die Iuden in diplomatischen Diensten, dem wir die folgenden interessanten Daten entnehmen: Der einzige englische Jude, der im britischen diplomatischen Dienste gestanden hat. scheint Mr. George Samuel, ein Onkel des Lord Pirbright und ein Neffe der Lady Montefiore, gewesen zu sein, der nacheinander der britischen Botschaft in Konstantinope! und Wien attachiert war. Abraham Hoffnung, ein englischer Jude, der vor nicht langer Zeit starb, war einige Zeit hindurch der Charge d'affaire der Havai-Inseln in England, und gegenwärtig ist Baron Albert v. Eoldschmidt-Rothschild aus Frankfurt Attache der deutschen Gesandtschaft in London. Vor ungefähr einem Vierteljahrhundert gehörte Dr. Wilhelm Kahn der deutschen Gesandtschaft in Paris an, Johann Hermann-Detmold, der von 1849 bis 1851 der Vertreter von Hannover in Frankfurt war, war wohl geborener Jude, hatte sich jedoch noch vor dieser Mission getauft. Von den modernen europäischen Staaten hat Italien die meisten Juden in seinem diplomatischen Korps. Von den italienisch-jüdischen Diplomaten ist der bekannte Jsaac Artom, dessen diplomatische Karriere in seiner Ernennung zum bevollmächtigten Minister filr Dänemark in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts den Höhepunkt erreichte. Noch viel früher wurde Graf Salomon Henry D'Avigdor, der später von Napoleon III. in den Fürstenstand erhoben wurde, von der Piemonteser Regierung als Gesandter nach Frankreich geschickt. Von den anderen italienisch-jüdischen Diplomaten seien erwähnt Scowazzo, bevollmächtigter Minister beim Sultan von Marokko im Jahre 1886, Barzilai, der gegenwärtig Italien in Peking vertritt, Giacomo Malvano, der in verschiedenen diplomatischen Missionen nach Paris, Wien, Berlin und Bern entsendet wurde, Luigi Luzatti, der wiederholt Minister in Italien war und dessen diplomatischer Intervention der Abschluß des italienisch-französischen Handelsvertrages zu danken ist. Ferner Graf Hirschel de Minerfe, der Italien in London und anderen europäischen Hauptstädten vertreten hatte, und schließlich Ugo Pisa, der in China, Japan. England und Deutschland gedient hatte. Die marokkanische Regierung hat sich wiederholt der Juden in diplomatischen Diensten bedient. In vier Fällen wurden von Marokko jüdische Gesandte nach London entsendet, und zwar Jakob Jbn Abraham Berider im Jahre 1780, dann 14 Jahre später einen gewissen Sumbal, ferner im Jahre 1820 Samuel Pulp. der sich später in England niederließ, und vor ungefähr einem Jahrhundert Meir Cohen Macnin. Zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts war Samuel Belias der marokkanische Gesandte beim Generalgouverneur der Niederlande. Ben Durand wurde im Jahre 1839 von Abd-el-Kader in Algier mit den Unterhandlungen bei der französischen Regierung betraut. Samuel Palache wurde am. Ende des sechzehnten Jahrhunderts von der rnacouanischen Regierung an den niederländischen Hof entsendet. Der marokkanische Prinz Ben Buker entsendete Rabbi Jakob Sasportas, der später Chacham in London war, in diplomatischer Mission nach Spanien. Andere orientalische Mächte, welche jüdische Diplomaten in ihren Diensten hatten, sind: Zanzibar, das vor einem Vierteljahrhundect den Juden d'Arbella nach Italien und Marokko entsandte, ferner das Tartarenland, dessen diplomatischer Vertreter Meier Aschkenasy auf seiner Reise nach Polen von Räubern gefangen genommen und ermordet wurde. Algier entsandte im siebzehnten Jahrhundert David Salon Azevedo nach den Niederlanden, und Moses Ben Judah Berbi und sein Sohn Judah Berbi waren nacheinander türkische Gesandte in Amsterdam. Spanien und Portugal hatten viele Juden und besonders Marannen zu verschiedenen Zeiten in ihren diplomatischen Diensten. Schon im elften Jahrhundert wurde Isaak Jbn Shalbib von Alfons VI. zu diplomatischen Missionen bei verschiedenen Höfen verwendet. Vier Jahrhunderte später hat König Alfons von Portugal den Juden Lopez d'Almeida sogar mit einer Mission beim Papste Sirius IV. abgesandt. Baron Manuel de Belmont und sein Neffe Francisco de Ximenes Belmonte waren in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts die Vertreter des Königs von Spanien in den Niederlanden. Ein Sprosse dieser Familie, August Belmont, war Geschäftsträger der Vereinigten Staaten irn Haag vor ungefähr 60 Jahren. Fast 150 Jahre hindurch lag die diplomatische Vertretung der portugiesischen Regierung in Hamburg in den Händen der Familie Nunes d'Acosta, und zwei andere portugiesische Juden. Daniel und Jakob Abensur, haben in Polen diplomatische Dienste versehen. Schließlich sei noch erwähnt, daß schon Kaiser Karl der Große einen Juden, Rabbi Jsaac. mit einer wichtigen Mission zu Haronn a! Raschid nach Bagdad entsandte und daß der Rabbi sich seiner Mission mit großem Erfolge entledigte. Meyerheims Rasse. Alfred Kerr schreibt im „Pan": Wenn ein Maler Siebzig wird, gilt es, den Knoten zu entwirren, ob seine Frau Arierin gewesen. Es handelt sich um Paul Meyerbeim, der als zoologischer Maler den Redakteuren der „Deutschen Tageszeitung'' Anteil einflößt. Sie versichern, daß ein rein germanisches Wesen aus dem Werk und dem Menschen spreche. ..Heute können wir nun auf Grund einer Mitteilung von Herrn Proßssor Meyerkeim selbst feststellen, daß er wie seine Gemahlin rein germanischer Abstammung sind." Gott sei Dank. Man hätte sonst nicht einschlafen können. Aber die Behauptung ist unwahr. Da Meyerheim nicht schwindelt, liegt abermals eine Schwindelei des Schollenblattes vor — oder ein mitleidweckendes Aufdenleimgehen. Die taktvoll herangezogene (verstorbene) Frau des Jubelmalerk, eine Jüdin, batte nur mesovotamisches Blut. Den Rassenkomikern sollte bekannt sein, daß beinah alles, was Lehfeld, Lewald, und manches, was Lehmann heißt, vormals Levi

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