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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-23 · 34 (23.8.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
34 (23.8.1912)
Date
1912-08-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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ßeite 664 Dr. Blochs Wochenschrift Ärä4 ist, so enthielt die dabei gewonnene geregelt-e llebersicht über Galiziens ganze wirtschaftliche Lage bereits den Hinweis, nach welcher Richtung man mit dem Aufbau beginnen müsse. Kurze Zeit darauf richtete der Deutsche Hilfsverein sein großherziges Millionenangebot an die maßgebenden Faktoren Galiziens, um das Land mit einem Netz von Banken, Instituten und industriellen Gründungen zu überziehen. Geben war in diesem Falle leicht, aber Nehmen war schwer. Nur eine Vereinigung sämtlicher jüdischer Führer „hüben und drüben", eines vom ganzen Lande autorisierten Konsortiums, das in völligem Einverständnis miteinander handelte, konnte mit der Verwertung eines derartigen Kapitales betraut werden. Djeh Vereinigung gründete sich unter dem Namen „Selbsthilfe", vermutlich deshalb, weil mit fremdem Geld geholfen werden sollte, und sie hätte die Brücke sein sollen, die die zerklüfteten jüdischen Parteien Galiziens über einen Sammelstrom gemeinsamer Interessen führte. Noch waren die Teilnehmer dieser Vereinigung keinen Schritt gemeinsam gegangen, als sich bereits die zu meiner derartigen Vereinigung traditionell gehörigen Streitigkeiten erhoben, welche die Introduktion zu einer endlosen Kampagne bildeten. Die liberalen Parteien lehnen ein Zusammenarbeiten mit den Zionisten ab, die Sozialisten haben sich ihnen angeschlossen, die Zionisten machen für das Scheitern der Aktion die Assimilanten verantwortlich, die Assimilanten die Zionisten, und zu allen Ereignissen läuten die antisemitischen "Zeitungen- Sturm. erklären das Vaterland durch die wirtschaftliche Aktion zu Gunsten der Juden für gefährdet, und so werden in einem unfruchtbaren Streite, in dem bereits Ströme von Tinte geflossen sind, alle Kräfte lahmgelegt. Diese schildbürgerhaften Kämpfe sind die einzige Frucht, die das Anerbieten des Deutschen Hilfsvereines bisher getragen hat, ein Armutszeugnis für das ganze jüdische Galizien, dem nicht einmal geholfen werden kann, selbst wenn man wollte. Indessen wütet in den jüdischen, assimilatorischen, liberalen und antisemitischen Zeitungen eine Polemik, in der die Zeitungsschreiber ihre Talente entfalten und in der Rhetorik, Phrasenhaftigkeit und Unfähigkeit Triumphe feiern, während das galizische Judentum noch immer mit dem Hute in der Hand vor der Türe wartet. Mehr als ein Jahr dauert dieses Interregnum. Wohl erheben sich auch innerhalb der „Selbsthilfe" selbst Stimmen, welche ein friedliches Zusammengehen in dieser Sache fordern, aber gegen Parteiwut ist ein Aufkommen schwer. Die Konferenz in Frankfurt hat an den Zuständen nichts verändern können. Nun wäre wohl ein ernstes Wort in dieser Sache am Platz. Soll denn eine derart wichtige wirtschaftliche Maßnahme wegen einer Reihe von Nebenfragen, welche nicht einmal bei den borniertesten Wählermassen mehr Interesse erregen, einfach ins Wasser fallen? Seit mehr als einem Jahre ruht die „Selbsthilfe" auf den Lorbeeren ihrer Unverträglichkeit aus, das Programm, die ganze Arbeitseinteilung wurden nicht ausgearbeitet, alles stockt, indessen in Galizien die wirtschaftliche Stagnation den Höhepunkt erreicht hat und jeder Tag neue Insolvenzen bringt, die den fürchterlichen Lebenskampf in Galizien besser schildern, als Bände es vermögen. Vermag denn dieses täglich neuej’accuse derartige, in diesem Verhältnis wirklich kleinliche Fragen nicht zu beseitigen? Mag das systematisch radikale und rücksichtslose Vorgehen der Zionisten auch dem Boykott der liberalen Parteien eine gewisse Berechtigung geben, sie sind hier Vertreter eines Teiles der galizisch-jü bischen Bevölkerung und müssen in einem Kollegium, das über so wichtige wirtschaftliche Reorganisationen beschließt, ihren entsprechenden Anteil an Sitz und Stimme haben. Für ganz Oesterreich, das im Handel mit Galizien in Verbindung steht und das die ökonomischen Zuckungen dieses Landes am eigenen Körper zu spüren bekommt, wäre diese Aktion von größter Wirkung. Es ist daher eine Mahnung in letzter Stunde notwendig. Jetzt, in den Ferien, wo alle politischen Leidenschaften auf Urlaub sind, wäre es gerade an der Zeit, die Einberufung einer Konferenz der galizischen jüd. Parteiführer aller Schattierungen zu erwägen, die den Zweck hatte, durch eine Aussprache eine friedliche Beilegung der herrschenden Streitfragen zu erreichen, damit mit der Arbeit der- „Selbsthilfe" endlich begonnen werden kann. Das bißchen Toleranz, das jeder Parteivertreter zu beweisen haben wird, wird dem galizischen Iudentume segensreiche Wirkung bringen. In dieser Konferenz wird sich dann zeigen, wem es ernst um die Hebung Galiziens ist, oder wer bloß auf Kosten Galiziens den Tribunen spieldn will, wer bloß kleinliche, persönliche Interessen oder wer das Wohl seiner Partei vertreten will.; Aber auch hier wird die Saat langsam reif und die Schnitter streiten sich im Felde, statt zu ernten. Wenn aber die offene Hand, die sich so gebefreudig ausgestreckt hat, enttäuscht und entmutigt sich wieder schließen wird, wer von allen denen, die sich so heftig um des Kaisers Bart zanken, wird dem galizischen Iudentume das Verlorene ersetzen können? Thekla Blech-Mer w in. Zur Zentralisierung der Kinderbekleidung. In den allernächsten Wochen werden sich zum zweiten Male eine Reihe von koalierten jüdischen Vereinen vor die mühsame Aufgabe gestellt sehen, sämtliche arme jüdische Schulkinder mit Winterkleidung zu versehen. Ohne aus der Schule der langwierigen Vorarbeiten schwätzen zu wollen, an denen sich meine verstorbene unvergeßliche Frauenhortpräsidentin, Rosa Ziffer er, in so hervorragender Weise beteiligt hat, darf ich wohl verraten, daß sich dieser Anschluß viel langsamer und schwieriger vollzieht, als seinerzeit bei der von kaiserlichen Rat Krüger so erfolgreich inaugurierten Gründung des Wöchnerinnenverbandes. Sind doch auch diesmal weit mehr Vereine, konfessionelle, interkonfessionelle, Herren-, Frauenvereine und „gemischte Chöre" unter einen Hut zu bringen. Nur dem nie rastenden Eifer, dem materiellen Opfermute und der liebenswürdigen Konzilianz des Schöpfers der Zentralstelle, Herrn Heinrich M e n d l, ist es zu danken, wenn der Zusammenschluß der schon koalierten Vereine gewahrt wurde. Aber wehr ist noch zu tun, und mit Neid blicken wir wieder einmal nach dem amerikanischen Westen, wo jedes größere jüdische Gemeinwesen sich der vereinigten Wohlfahrtseinrichtungen (uuiteä Hebrew Charities) erfreut, ja in einigen Fragen die Gemeinden der ganzen Union mit denen Canadas vereint arbeiten. Wenn uns seinerzeit bei 'den Vorarbeiten zum Wöchnerinnenverband von einem der Hauptfunktionäre der österreichischen Armenpflege der Vorwurf entgegengeschleudert wurde, kleinliches Hängen an unseren Präsidialstellen — als ob diese so angenehm und bei einer Vakanz so leicht zu besetzen wären! — hindere uns am Anschluß, so konnte man doch diesmal ein ganz anderes Bild aus den Debatten entnehmen. Nur die Furcht, Gönner und Mitglieder zu verlieren, hindert die Vereine an voreiliger Rayonierung und Zentralisierung. Von einem hochverdienten Mitgliede des vorbereitenden Komitees wurde der Hoffnung Ausdruck verliehen, der künftige Bekleidungsverband werde erziehlich auf seine, Unwürdige protegierenden Mitglieder wirken; meine Wenigkeit machte geltend, den Protektoren würdiger Kinder könne es ja gleichgiltig sein, welcher der Vereine das Kind übernehme, wenn wir vor der O.ffentlichkeit als Verband geeinigt dastehen; es muß jedem Wohltäter ja daran gelegen fein, daß möglichst viel würdige Kinder angezogen werden, gleichviel ob der Verein, dem er gerade als Mitglied angehört, als

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