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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-16 · 33 (16.8.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Blochs WocheMr-ft Seite 557 Stadt verteilt, haben moderne geräumige Wohnungen inne, vom Ghettoleben ist hier keine Spur zu finden. Die Gemeinde besitzt eine recht schöne Synagoge, für welche vor 2 Jahren ein junger Rabbiner aus Florenz, ein Schüler des Professor Dr. Margulies. ausgenommen wurde. Ueberdies gibt es Hier noch etwa ein Dutzend jüdischer Familien aus Marokko, die einen eigenen Chacham haben. In der Synagoge wird täglich früh und abends Gottesdienst gehalten, an Sabbathen und Feiertagen versammeln sich fast sämtliche Juden in der Synagoge zum Gottesdienst. Die Lissaboner Juden stammen zum größten Teile aus MaroUo und Gibraltar, einige kamen aus der Türkei, zwei aus Rußland — zu diesen gehört auch der EXportbureaubesitzer Terlo, der aus den Verhandlungen über das Angolaprojekt in weiteren Kreisen bekannt wurde — ferner leben hier einige jüdische Familfen aus Deutschland und dem Elsaß. Zu diesen gehört auch der jetzige Präsident der jüdischen Gemeinde. Herr Salvador Levy. Die Familie Bensaud ist wohl die bekannteste und vielleicht auch angesehenste jüdische Familie in Lissabon. Ihr entstammen mehrere angesehene Gelehrte und Finanzmänner, und Professor Alfred Deb Saud, Direktor des technologischen Institutes, ist eine der angesehensten Persönlichkeiten in Lissabon. Außer in Lissabon gibt es noch eine kleine Iudengemeinde in Porto, der zweiten großen Hafenstadt in Portugal, während eine nicht allzu große Zahl jüdischer Familien in den übrigen kleineren Städten des Landes zerstreut leben. Auch auf den zu Portugal gehörenden Inseln leben Iuden. Auf einer der reichsten und fruchtbarsten dieser Inseln hat ein jüdischer Kaufmann aus Lissabon große Besitzungen. Bei solcher Lage der Dinge ist plötzlich der Vorschlag aufgetaucht, die Iuden zur Besichtigung der portugiesischen Kolonien in Afrika einzuläden. Ich habe hierüber genaue und eingehende Nachforschungen und Studien gemacht und glaube in der Lage zu sein, in diese Angelegenheit, welche gegenwärtig die jüdische öffentliche Meinung so sehr beschäftigt und doch so wenig bekannt ist, Klarheit zu bringen. Der Kabbi und der Kaiser. In der Gegend von Woloschin, einem Städtchen in Littauen, in dem seit der Zeit des Gaon sich die bedeutendste Ieschiwah der Welt befand, hat sich folgende amüsante Geschichte aus der Zeit des Befreiungskrieges erhalten: „Rabbi „Chajim Woloschimer", der würdige Schüler des Wilnaer .Gaon, war bekanntlich der erste Leiter der Ieschiwah in Woloschin. Als Napoleon mit seinem Heere die Grenze ^überschritt und durch Littauen seinen Weg nach dem Innern Rußlands nahm, zog er auch an dem Städtchen vorbei. Zu Tode geängstigt — da Plünderungen und Mißhandlungen von Iuden durch das französische Völkerheer zu den Tageserscheinungen gehörten — schlossen alle Iuden des Städtchens ihre Häuser und Geschäfte und versteckten sich, so gut sie konnten. Rabbi Chajim kannte aber keine Angst und blieb ruhig im menschenleeren Ieschiwahhaus bei seinen Talmudfolianten. Da kam plötzlich ein Reiter herangesprengt, den der Rabbi für einen französischen Offizier hielt und ehrerbietig begrüßte. Nachdem sich der Fremde im Raume umgesehen hatte und sich alle Einrichtungen der Ieschiwah hat erklären lassen, richtete er an den Rabbi unvermittelt die Frage, wie er über den Ausgang des Krieges mit Rußland denke. „Nur ohne Furcht und Zagen," ermutigt der Offizier den Rabbi, „sage Deine Meinung gerade heraus, mag sie günstig oder ungünstig für uns sein." „Furcht," antwortete der Rabbi unerschrocken, „hegen wir Iuden vor Gott allein, wenn aber Ew. Gnaden die Meinung eines Iuden wissen wollen, so sei dieselbe hier ausgesprochen." Und der Rabbi fing in seiner anschaulichen Art oni „Einst sah ich auf breiter Landstraße einen Grafen in einem Galawagen, der von drei feurigen Pferden gezogen ward. Da geschah es, daß das eine Pferd stolperte, die anderen mit sich riß und den Wagen mit samt den Insassen in den Graben warf. Verzweifelt hieb der Kutscher auf die Pferde ein, diese aber blieben liegen und machten gar keine Anstalten, sich zu erheben. Da kam ein armseliger Bauernwagen mit drei einfachen abgehärmten Gäulen des Weges. Auch diese konnten auf dem holprigen Wege nicht weiter und fielen zu Boden. Es genügte aber eine Drohung, eine energische Antreibung des Bauern, und die Tiere erhoben sich und zogen weiter. Erstaunt sah der Graf auf und fragte den Bauern, wie es komme, daß diese schlechtgenährten Bauernpferde sich zugkräftiger bewähren als seine kostbaren Luruspferde. „Wo stammen diese Pferde her?" fragte der Bauer, auf den Luruswagen hindeutend. „Meine Pferde," antwortete der Graf stolz, „sind Rassentiere, die besten in der ganzen Gegend. Ich hahe sie in verschiedenen Ländern für teueres Geld erworben. Das eine ist ein echter Araber, das zweite kommt vom Marslall der französischen Könige und das dritte ist italienisches Reinblut." „Daran liegt es," sagte der Bauer triumphierend, „das Unglück besteht darin, daß die Pferde aus verschiedenen Ländern stammen und keine Rücksicht aufeinander nehmen. Meine Gäule gehören einer Familie an. so daß der Peitschenhieb, den der eine bekommt, von allen anderen mitenrpfunden wird. Kaum daß ich gedroht habe, flugs machten sie sich mit vereinter Kraft auf und brachten den Wagen aus dem Sumpf heraus. Anders hier. Erhält das eine Pferd Schläge, so empfinden die anderen nicht Angst und Mitleid, sondern Schadenfreude, die ihre Kraft gewiß nicht beflügelt. So verhält es sich auch mit dem französischen Völkerheer," schloß Rabbi Chajim. „Gewiß ist Napoleon der beste Heerführer der Welt, aber was wird er mit einem Kriegsheere beginnen können, das aus Franzosen, Deutschen und Italienern zusammengesetzt ist, die sich gegenseitig befehden. Hier in Rußland dagegen kämpft nur ein Volk für sein Vaterland, eine Familie für ihr Heim. Und diese vereinte Kraft wird voraussichtlich Wunder vollführen. . ." Ob nicht Napoleon — denn dieser war der französische Offizier — später an die Worte des Rabbi gedacht hat? Literatur. Pefsachvorschriften für dir jüdischen Soldaten von Elefantine. Unter den von Eduard Sachau jetzt in einer hervorragenden Ausgabe mit Tafeln publizierten „Aramäischen Papyri und Ostraka aus einer jüdischen Militärkolonie zu Elefantine" ist der Papyrus Nr. 6 ein das Pessachjfest betreffendes Sendschreiben. Es lautet in der Urbersetzung Sachaus: „An meine Brüder: An Iedonjah und Genossen, bas jüdische Heer, euer Bruder Hananjah. 1. Das .Heil meiner Brüder mögen die Götter. . . 2. Und in diesem Iahre, dem Iahre 5 des Königs Darms, ist von dem 3. König an Arsames die Botschaft geschickt worden: 4. Ietzt sollt ihr nun also zählen

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