Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-16 · 33 (16.8.1912) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
33 (16.8.1912)
Date
1912-08-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022015--21386-3046477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 33 Dr. Vlochs Wochenschrift Sette 553 Oberrabbmer Dr. Armin Schnitzer. Se. Majestät hat, wie das ungarische Amtsblatt verlnutbart, dem Komaromer Oberrabbmer Dr. Armin Schnitzer in Anerkennung seiner langjährigen und hingebungsvollen Tätigkeit das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. Schnitzer, der heute im 76. Lebensjahre steht, ist nicht nur eines der ältesten, sondern auch eines der verdientesten und sympathischesten Mitglieder des ungarischen Rabbinerkorps. Seit nunmehr einem halben Jahrhundert waltet er ununterbrochen als Seelsorger der Komäromer israelitischen Gemeinde, und er erfreut sich der Verehrung und der Liebe sämtlicher Kreise der Stadt. Ein gebürtiger Mährer, hat er sich die ungarische Sprache derart angeeignet, daß er auch in dieser einer der eloquentesten Kanzelredner ist. Dabei entfaltet er auch eine umfassende literarische Tätigkeit und hat nebst zahlreichen Predigten vor einigen Jahren sehr interessante Memoiren veröffentlicht. Es ist nicht die erste Auszeichnung, die dem Oberrabbiner Schnitzer von Allerhöchster Stelle zuteil wurde; schon als er sein 25jähriges Seelsorgerjubiläum beging, verlieh ihm der König das goldene Verdienstkreuz mit der Krone: damals zeichnete ihn auch Moriz Jokai — bekanntlich ein gebürtiger Komäromer — durch ein warm gehaltenes Gratulationsschreiben aus. Er nimmt auch am öffentlichen Leben hervorragenden Anteil: so ist er Mitglied des Munizipalausschusses, des städtischen Schulstuhls, Präsident des Landes-Rabbinervereins rc. — Der Franz Joseph-Orden wird Schnitzer nächste Woche im Rahmen einer großangelegten Feier vom Obergespan überreicht werden. MMonenvermächtnis eines Juden. In Budapest starb vorige Woche im Alter von 83 Jahren ein Mann namens Ignaz Hay, der während seines ganzen Lebens den Eindruck eines sehr armen Mannes machte, der nur kümmerlich sein Leben fristete. Er bewohnte ein kleines Kabinett, blieb immer unverheiratet und Hielt auch keine Bedienung, die ihm sein dürftiges Heim in Ordnung gehalten hätte. Nach seinem plötzlich erfolgten Tode fand man ein Testament, aus welchem hervorging, daß er der Besitzer eines ungefähr 2 Millionen betragenden Vermögens war, welches er ausschließlich jüdischen Anstalten vermachte. Zur Verwalterin der Legate setzte Hay die Vudapester israelitische Religionsgemeinde ein, welcher zur Pflicht gemacht wird, den Verwandten dieses Sonderlings, dessen Leben und Tod so sehr an den jüngst in Wien verstorbenen Josef Spitzer erinnert, die Erbschafts summe von 200,000 Kr. auszuzahlen und dafür zu sorgen, daß die im Vermächtnis bedachten jüdischen Anstalten die Zinsen der für sie festgesetzten. Legate pünktlich erhalten. Der Vorstand der Budapester israelitischen Religionsgemeinde hat bisher noch keinen Beschluß gefaßt, ob er auch die Verwaltung dieser Legate übernehme, da der Verstorbene merkwürdigerweise der Gemeinde selbst zur Deckung der Kosten der Verwaltung dieses großen Vermächtnisses nicht mehr als 400 Kronen jährlich stipuliert. Auszeichnungen in Frankreich. Wie wir dem Pariser „Journal Officiel" entnehmen, wurden der Professor der Philosophie am College de France, Henri Bergson, und der Professor für Medizin, Dr. Netter, zu Offizieren der Ehrenlegion ernannt. Der Astronom an der staatlichen Sternwarte in Paris und Professor an der technischen Schule für Uhrenfabrikation, Charles Nordmann, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. Die Ernennung Nordmanns, der heute kaum 30 Jahre alt ist, wird in dem Ernennungsdekret mit den außergewöhnlich hervorragenden Verdiensten des jungen Gelehrten auf dem Gebiete der Wissenschaft begründet. Der Direktor des Semi-Gotha. In das Handelsregister des weimarischen Amtsgerichtes ist dieser Tage eingetragen worden: „Die Firma Otto Reiche. KyMäuser-Verlag in Weimar, und als deren alleiniger Inhaber Schablonenstecher Otto Richard Reiche in Weimar." Das ist die Eintragung des Semi- Gotha-Verlags in die gerichtlichen Register. Bisher war dieser Verlag überhaupt nicht angemeldet und deshalb wurde sein Erzeugnis — das. nebenbei bemerkt, im wesentlichen eine Komplikation antisemitischer Almanache aus Oesterreich ist und geflissentlich der Aufzählung aller Adelsgeschlechter, die Jüdinnen in ihren Stammtafeln führen (wie die antisemitischen Fürsten Liechtenstein) ängstlich vermeidet — konfisziert. Nunmehr ist ein Schablonenstecher, der, wie uns aus Weimar gemeldet wird, bisher Portier bei der Firma Dietsch & Brückner war. als Verlagsdirektor und Verlagsinhaber eingetragen worden. Der bisherige verantwortliche Redakteur des Semi-Gotha ist spurlos verschwunden: die weimarische Staatsanwaltschaft nimmt sogar an, daß er nie existiert hat und daß ein fingierter Name unter die Drucksachen gesetzt wurde. Juden in den türkischen Offiziersschulen. Anläßlich der letzten Offiziersprüfungen in der Konstantinopeler Offiziersschule wurden, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, auch zwei jüdische Militärzöglinge, und zwar Semtov Effendi Revah aus Saloniki und Carmi Effendi Eifenberh aus Rechovoth in Palästina zu Leutnants ernannt. Die beiden Offiziere hatten ihre Prüfung mit Auszeichnung bestanden. Die Curopareisr de; Großrabbinrrs der Türkei. Der Großrabbiner der Türkei. Rabbi Haim Nahum, hat von seiner Regierung einen sechswöchentlichen Urlaub erhalten, den der Chacham Baschi zum Teile in einem Kurorte verbringen und zum Teile zum Besuche einiger europäischer Städte verwenden wird. Rabbi Harm Nahum-will die Gelegenheit benützen, die reichen und einflußreichen jüdischen Organisationen und Persönlichkeiten in Europa für eine Anzahl notleidender jüdischer Institutionen im türkischen Reiche zu gewinnen. Die geplante Reise nach Amerika zu demselben Zwecke wird der Großrabbiner diesmal nicht machen, da er mit Rücksicht auf die momentanen politischen Verhältnisse in der Türkei nicht auf längere Zeit von seinem Amte fernbleiben will. Er beabsichtigt jedoch, ausschließlich zu dem Zwecke eine Reise nach Amerika im Spätherbste oder im nächsten Frühjahr einen besonderen Urlaub zu nehmen. Eine Rabbinerdeputation beim Präsidenten Taft. Wie uns aus Newyork mitgeteilt wird, empfing Präsident Taft kürzlich eine Deputation von Rabbinern. welche ihm für die gute und gerechte Behandlung dankten, die der Präsident den Juden stets hat zuteil werden lasten. Bei dieser Gelegenheit bemerkte der Präsident: ..Ich habe niemals loyalere Leute als die Juden gesehen, und ich freue mich, ihre Gunst zu besitzen. Wie mein Vater, der jeder Raste gleich liberal gesinnt war und der die Juden besonders liebte, da sie aus einem Lande der Bedrückung in ein Land der Freiheit kamen und die Freiheit zu schätzen wisten, betrachte auch ich die Juden als meine besten Freunde. Der Militärdienst der russischen Juden. Vor ungefähr einem Jahre wurde in Rußland eine Spezialkommistion zu dem Zwecke eingesetzt, die Frage zu studieren, ob und in welchem Maße und in welcher Form die Juden zum Militärdienst zugelasten werden sollen. Wie uns von emgewerhter Seite aus Petersburg berichtet wird, hat diese Spezialkommistion

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.