Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 552 Dr. Mochs WochenfchrffL Sir. 3 von der Eigentümlichkeit der jüdischen Religionsgemeinschaft gesprochen als derjenigen der Rasse.) Er sagte unter anderem: „Die Inden leiden weniger wie ihre Umgebung unter dem Alkoholismus, den Geschlechtskrankheiten und in manchen Beziehungen unter den epidemischen Krankheiten. Sie neigen nicht zum Selbstmord. Sie liefern ZU den illegitimen Ehen und zu den Totgeburten einen relativ geringen Prozentsatz. . . . Andererseits sind sie mehr wie ihre Umgebung ausgesetzt der Zuckerkrankheit, den Hämorrhoiden, den nervösen Erkrankungen im allgemeinen, besonders der Blindheit und der Taubstummheit und dem Irrsinn. Die Sterblichkeit der jüdischen Kinder unter 5 Iahren ist viel geringer wie bei der übrigen Bevölkerung. In bezug auf die Schwindsucht sind die Meinungen verschieden. Große medizinische Autoritäten haben behauptet, daß die von den Juden vertretene Rate an der Lungenschwindsucht sehr gering ist, auf jüngere Beobachtungen gegründete Wahrnehmungen erweisen das Gegenteil. Dieser Punkt ist sehr wichtig, und es ist bedauerlich, daß er nicht geklärt ist. Lungenentzündung soll unter den Juden relativ selten sein, doch ich kann keine bestimmten Angaben darüber in der Wissenschaft finden. Um die Bedeutung der angegebenen Tatsachen richtig zu würdigen, müssen einige wohlbekannte Umstände festgehalten werden. Der Jude ist hauptsächlich ein Städter. Er hat keine Neigung zum Landleben und zur Landwirtschaft. Er ist nicht in ansehnlichem Matze unter der industriellen Arbeiterschaft zu finden. So ist er ein ■ geistiger Arbeiter und von sitzender Lebensweise. Inj zucht ist unter den Juden verbreitet. Selten arbeitet die j jüdische Mutter außer dem Hause. Diese Tatsachen i werfen einiges Licht über das Vorherrschen der Zucker- ) und der Nervenkrankheiten und der verhältnismäßig nief deren Kindersterblichkeit unter den Juden. . . Der Umstand, datz der Jude in allen Gegenden^ und Lebenslagen mäßig im Alkoholgenuß ist, dieser Um-ß stand, der über jedem Zweifel erhaben ist, ist geeignet,,, auf die viel umstrittene Alkoholfrage einiges Licht zu J werfen. Es scheint, daß die Mäßigkeit eine jüngere An- * gewöhnung des jüdischen Stammes ist, da in dem jüdischen Schrifttum häufige Hinweise auf die Unmätzigkeit : Vorkommen. Die Juden beweisen, datz der Alkoholmitzbrauch unabhängig vom Klima ist, denn die Juden sind unter allen Zonen mäßig. Sie beweisen auch, datz die Armut und das Elend an und für sich nicht die Ursachen des Alkoholismus sind, denn die Juden des East-End in London bleiben mäßig unter den härtesten und schwersten Lebensbedingungen. Auch beweisen die Juden, wie unrichtig die Behauptung ist, datz Nationen, die vor einigen Generationen reichliche Gelegenheit zum Alkoholgenutz hatten, sich allmählich von dem Alkoholdefekt befreit haben, datz sie sich gewissermaßen „nüchtern getrunken haben". Möglicherweise kommen bei den Juden andere Gründe in Betracht, möglich, datz bei den Juden eher geistige als körperliche Gesetze den Schlüssel zur Erklärung ihrer Mäßigkeit bieten und daß letztere hauptsächlich auf die sittliche Befähigung dieser bemerkenswerten Menschenrasse zurückzuführen ist. Doch diese Frage gehört zu denjenigen, über die ich es vorziehe keine bestimmte und endgültige Entscheidung zu fällen." Die Memoiren des Kapitän Drryfns. Erkapitän Alfred Dreyfus gewährte dieser Tage einem jüdischen Journalisten eine längere Unterredung, in welcher Dreyfus Reminiszenzen aus der Zeit seiner Leiden auf der Teufelsinsel zum besten gab. Das meiste ist noch in guter Erinnerung. Das interessanteste Detail dieser Unterredung bildet die Mitteilung Alfred Dreyfus, daß er an einem Buche arbeite, welches seine Leidensgeschichte sowohl auf der Teufelsinsel als auch nach seiner Rehabilitierung darstellen wird. Diese Memoiren, welche, wie Dreyfus andeutete, sehr schätzbares Material enthalten, werden erst nach dem Tode des Helden der großen Affäre veröffentlicht werden. Eine wackere Tat. Eine Episode, die mit den olympischen Spielen im Zusammenhang steht, verdient allgemein bekannt zu werden. Auf dem Dampfer „Finland" der Red Star Linie war als Gast des Kolonel Thompson, des Vorsitzenden des amerikanischen Komitees für die olympischen Spiele, Herr Felix I. Friedheim aus Cöthen. Am 12. Juli stürzte ein schwedischer Matrose des Dampfers vom obersten Vordeck in die See und wäre sicherlich ertrunken, da er des Schwimmens nicht mächtig war, wenn ihm nicht Herr Friedheim sofort nachgesprungen wäre. Es gelang ihm, den Ertrinkenden schwimmend so lange über Wasser zu halten, bis beide von einer Pinasse aufgenommen wurden. Dem Retter wurden auf dem Dampfer stürmische Ovationen bereitet. Leider hat er sich beim Rettungswerk ziemlich bedeutende Verletzungen an beiden Händen zugezogen. Die Tat des Herrn Friedheim ist um so mehr anzuerkennen, als sich an Bord des „Finland" sämtliche amerikanische Athleten befanden, darunter die besten Schwimmer der Webt. Eine christliche Retterin des jüdischen Theaters in London. Wie berichtet wurde, war es schon feststehende Tat- \ suche, datz das Londoner große jüdische Theater unter jder Direktion Feinmann mangels ausgiebiger Unter-! «stützung seitens der Juden seine Hallen schließen mußte. ./Nun kommt uns aus London die interessante Meldung ü zu, datz die Existenz dieses mit großen Opfern erbauten ^jüdischen Theaters wenigstens für die nächste Saison ^wieder gesichert sei, und zwar habe sich eine Dame der i englischen Aristokratie, Lady Warmington, für die Sache Azu interessieren begonnen und hat aus eigenen Mitteln A500 Pfund Sterling, das sind 12.500 Kronen, für das * Theater zur Verfügung gestellt und überdies eine Aktion unternommen, um auch andere Kunstfreunde der Londoner Gesellschaft für das Theater'zu gewinnen. Bemerkenswert ist, daß die reichen Juden von London selbst auf die Intervention der genannten Dame ihre Unterstützung verweigerten, weil sie nach wie vor der Meinung sind, datz ein jiddisches Theater in London heute keine Existenzberechtigung habe. Korrespondenzen. Auszeichmmg eines orthodoxen GememdepräGdenten. Wie das ungarische Amtsblatt meldet, hat der Kaiser dem Präsidenten der großen Klausenburger orthodoxen Judengemeinde David Sebestyön und seinen gesetzlichen Nachkommen in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste in öffentlichen Angelegenheiten den ungarischen Adel mit dem Prädikate „de Szekelyhidas" verliehen. Der Ausgezeichnete spielt seit 30 Jahren im öffentlichen Leben Siebenbürgens eine hervorragende Rolle. Die Aufdeckung und Ausbeutung der Siebenbürger Bergwerke, von welchen der Staat so großen Nutzen zieht, ist fast ausschließlich das Verdienst David Sebestyons. Er ist seit 25 Jahren Mitglied des Münizipiums des Klausenburger Komitates und mit geringen Unterbrechungen fast genau so länge Präsident der Klausenburger orthodoxen Judengemeinde.