Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 33 (16.8.1912)
- Date
- 1912-08-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 650 Dr. Bkochs Wocheichhrfft Rr. 33 auf den üblichen Ritus und gangbare NorM^ zu schauen, auch auf dem Gebiete der offiziellen Religion ihre Volksanschauung in die Tat umzusetzen und ihre Synagogen Mit der Vorderseite gen Norden zu errichten. Schlachteten im Tempel nach uralter Sitte die Priester nordwärts, so beteten 'die konservativen Volksmänner, die Galiläer, ebenso gegen Norden mit dem Gesicht gewendet. ’ '! ' Volkssitten und -Vorstellungen können nur aus sich und ihrer Umwelt heraus erklärt werden. Perordnungen des offiziellen Rabbinismus dürfen unser Bild des antiken Judentums nicht trüben. Przemysl. Matthias Mieses. Vom Jahrmarkt des Lebens. RaWe Eintreibung einer Kultusstruer. Der Kultusvorstand in HoraLdiowitz hat am 11. Oktober 1908 seinem damaligen Mitgliede, Herrn Moritz Löwy, Tuchhändler in Schlan, für das laufende Verwaltungsjahr eine Kultussteuer von 51 Kronen 60 Heller vorgeschrieben. Der Zahlungsbefehl hierüber erwuchs in Rechtskraft. Mangels Zahlung wurde gegen den sehr vermögenden Schuldner Erekution geführt, dem Herrn Löwy ein Stück Vieh gepfändet und die Feilbietung in Aussicht gestellt. Dagegen rekurrierte Herr Löwy, und seitdem ist es unmöglich geworden, auch nur einen wesentlichen Schritt gegen denselben vorwärts zu kommen. Alle Beschwerden der Kultusgemeinde wegen der Verzögerung, sogar die am 22. August 1911 an das hohe k. k. Ministerium überreichte blieben erfolglos. Am 7. Mai 1912 kam endlich die Erledigung der hohen k. 1. Statthafterer in Prag, laut welcher der Beschluß der k. k. Bezirkshauptmannschaft in Strakonitz vom 26. Iänner 1910, mit welchem dem Ansuchen des Herrn Löwy um Einstellung der Erekution bis zur Erledigung seines Rekurses nicht stattgegeben und entschieden wurde, daß seine Berufung gegen diesen Beschluß keine aufschiebende Wirkung habe, in letzterer Beziehung dahin abgeändert wird, daß alle Erekutionsschritte bis zur Rechtskraft obigen Beschlusses der k. k. Bezirkshauptmannsckaft eingestellt werden sollten, im übrigen aber die Entscheidung der ersten Instanz bestätigt wurde. Seitdem sind wieder Monate verflossen, der Kultusgemeinde ist aber schon die Lust vergangen, neuerlich um Beschleunigung der Angelegenheit anzusuchen und lebt selbe jetzt in steter Angst, daß niemand die Kultussteuer ietzt wird zahlen wollen, noch auch müssen, ganz abgesehen davon, daß nach 4 Jahren selbst vermögende Schuldner zahlungsunfähig werden können. Die Zudem in Orford. (Zur Millenniumsfeier der Oxiorder Universität.) Orford war von jeher ein jüd. Zentrum. Besonders in den letzten zwei Iahrhunderten vor der im Iahve 1290 erfolgten Austreibung der Iuden aus England. Die Juden scheinen um diese Zeit in Orford großen Einfluß besessen zu haben und auch Eigentümer von Häusern und Grundbesitz gewesen zu sein. Die drei Lehrhauser der Universität um jene Zeit wurden nach ihren jüdischen Besitzern, von denen sie gemietet wurden, Moyses Hall, Jacobs Hall und Lumbards Hall genannt. Die Orforder Judengemeinde hatte eine weithin berühmte Schjule, welche auch von christlichen Schülern besucht wurde. Die Tradition in England behauptet, daß, als im Jahre 1290 die allgemeine Judenvertreibung aus England durchgeführt wurde, Orford allein von dieser Maßregel verschont geblieben sei. Allerdings seien die Orforder Juden mangels jeder Verbindung und jeden Verkehres mit ihren ausgewiesenen. Brüdern allmählich in der übrigen Bevölkerung aufgegangen. Interessant ist auch die Tradition, daß Roger Bacon seine hebräischen Kenntnisse den jüdischen Gelehrten von Orford und ferner seiner großen hebräischen Bibliothek zu verdanken habe, welche er von verschiedenen englischen Juden vor ihrer Vertreibung um jüdisches Geld erworben habe. Auch später, bis zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts, stößt man auf historische Daten, welche den Aufenthalt von Juden in Orford um jene Zeit Nachweisen. So zum Beispiel ist es erwiesen, daß am Ende des sechzehnten Jahrhunderts ein um jene Zeit getaufter Jude, Philipp Ferdinand, Lehrer an der Orforder Universität war, und daß, als die große Vodleana im Jahre 1608 gegründet wurde, zwei Juden namens Wolfgang und Jakob Lewita die Erlaubnis erhielten, die Bibliothek zu benützen. In jene Zeit fällt auch das historische Faktum, daß ein gläubiger Jude namens Jacob Barnelt während mehrerer Jahre Lehrer an der Universität war. Eassubon, bei welchem Barnett Sekretärdienste versah, wollte.diesen gelehrten Juden unter allen Umständen zur Taufe bewegen. Barnett schien nicht abgeneigt, diesen Schritt zu tun, und große Vorbereitungen für die Taufe wurden bereits gemacht. Der König und der Erzbischof nahmen großes Interesse an dem Fall, und auch der Vizekanzler äußerte den Wunsch, an dem öffentlichen Taufakt persönlich teilzunehmen. Alles war bereits vorbereitet, doch als der Tag der großen Taufparade gekommen war. war der Taufkandidat nirgends aufzufinden. Er schien sich eines Besseren besonnen zu haben, und ist spurlos verschwunden. Ungefähr zehn Jahre später finden wir bereits den Juden Alessandro Amidei als Lehrer für hebräische Sprache und Literatur an der Orforder Universität. Interessant ist auch die Tatsache, daß das erste Kaffeehaus in England in Orford im Jahre 1650 von einem Juden, Jacob eröffnet wurde. In verschiedenen Geschichtswerken wird auch behauptet, daß Samuel ein Sohn des Manasse Ben Israel, der seinen Vater anläßlich seiner Mission nach England begleitet hatte, an der Orforder Universität zum Doktor promoviert worden sei, doch wurde diese Behauptung bisher noch nicht dokumentarisch nachgewiesen. Nach der Repatriierung in England sinkt die Bedeutung der Orforder Juden immer mehr und ihr Anteil an der Entwicklung der Universität ist kaum fühlbar. Bekannt ist noch die anerkannte Tätigkeit des aus Ungarn stammenden Gelehrten Dr. Adolf Neubauer, der im Jahre 1868 mit der Absicht nach Orford kam, die berühmten und bis dahin unbekannten hebräischen Manuskripte der Vodleana zu katalogisieren und später Bibliothekar und Dozent an der Orforder Universität wurde. Heute wird die Orforder Universität von zahlreichen jüdischen Studenten frequentiert, und groß ist die Zahl der im öffentlichen Leben Englands stehlenden hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten, welche aus der Orforder Universität hervorgegangen sind. Die Sprachonfrage in Palästina. Die in Kairo erscheinenden „Nouvelles Egyptiennes" veröffentlichen in einer ihrer letzten Nummern einen interessanten Artikel über die Sprachenfrage in Palästina, dem wir die folgenden wichtigeren Daten entnehmen: „Die Volkssprache in Palästina ist die arabische. Derjenige, der in diesem Lande Geschäfte hat, ist gezwungen, diese Sprache zu erlernen. Von den ungefähr 650.000 Bewohnern Palästinas gibt es kaum 65.000, die die arabische Sprache nicht sprechen oder zumindest verstehen würden. Das Protektorat Frankreichs über die Katholiken