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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Nr. ä2 Dr. Blvchs WochMschrist Seite 642 uns getilgt und die weiße Unschuld hergestellt werden mußte. So lebhaft mir such dies alles vor der Seele steht, so war doch kein Eindruck so wuchtig wie der jenes\ Abends, wo alle diese Pracht in den Staub sank, der < Abend des Tischo-L'aw. Obwohl ein Hochsommerabend, war es doch in der Synagoge, wenn man eintrat, schon dunkel. Kein Kronleuchter brannte, nur ein einziges Licht war angezündet auf dem Pulte des Vorbeters, wo doch sonst immer zwei Kerzen leuchteten. Ich sah den Chason an seine Stätte gehen, mit gesenktem Haupte dahinschleichend, ohne den gewohnten Gebetmantel. Ganz leise begann er: boruch und wie schaurig war es, wenn in dem hohen dunklen Raum die Gemeinde dumpf-murmelnd antwortete: boruch. — Und wenn so das übliche Abendgebet stehend gesprochen war, dann — als wäre uns das Teuerste entrissen, — setzten wir uns zu Boden auf Fußbänke, und die „Ständer" wurden niedergelegt und ihre Seitenbretter dienten uns als Pulte für den Tert der Klagelieder Jeremias. Es schien alles gestürzt, ein Bild der Zerstörung, und wir saßen, wie ausruhend, auf dew Gang in die Gefangenschaft. Wir saßen in kleinen Gruppen zusammengehockt, je um einen Lichtstumpf herum, den einer mit der Hand halten mußte und den wir nur angezündet hatten, um die Klage zu lesen. Diese kleinen Lichtslammen, von Umlagernden verhüllt, waren noch grausiger, als die vorangegangene Dunkelheit. Das Beängstigendste an dem Abend aber war die heilige Lade ohne Vorhang. Daß man die Bretter sah, einfache Brettertüren an Stelle des Allerheiligsten, das war die Zerstörung des Tempels. Da fühlte ich wirklich: Das Teuerste ist uns entrissen, zerstört, entwürdigt. Der Chason begann das „Echo" leise in abwechselnd kurzen, schmerzhaft zitternden und langgezogen klagenden Tönen: sonst war alles still. Wie das alles mit sinnlicher Eindringlichkeit auf die Phantasie meines Herzens wirkte! Ich hörte die Tochter Zions unaufhaltsam „weinen in der Nacht" und sah „die Träne auf ihrer Wange", sah sie trostlos, vereinsamt, ruhelos, hilflos, sie hatte gesündigt! Ich fühlte es, wenn wir das verzweifelte Wort hörten und sagten: Zion spricht: „Gott hat mich verlassen!" und wenn die Gemeinde den oft wiederholten Kehrreim in immer gleicher Eintönigkeit murmelte: „Wehe, was ist über uns ergangen!" Wir hatten aber auch einen ganz einzigen Chason! Er war ein Seelsorger seiner Gemeinde. Nie hat er Gesänge vorgetragen,' er hat nur laut gebetet, für sich und 'für uns, und so mußten wir ihn natürlich hören. Ost hat er singend gebetet, weil das Herz, den Ausdruck suchend, vom gesprochenen Wort zum gesungenen überging: da haben wir ihn singen hören. All sein Singen und Sagen war aber jedesmal Eingabe des Augenblicks. So hat er unser Gemüt, unsere Stimmung beherrscht in Trauer und Freude und zu allermeist in Wehmut. Am Rausch haschono umhüllte die ganze Gestalt ein wollener Tallis, der auf die rechte Schulter in breiter Falte geschlagen war, so daß der rechte Arm frei blieb. Wenn er den unessamie taukef sagte, oder den ejlii rozaun. vor Mussaf dann zog er den Tallis tief nach vorn über den Kopf auf sein Pult, um' sich ganz abzuschließen und in sich ganz zurückzuziehen. O, er verstand es, mit Andacht, Schauer und Beben zu beten! Leise wimmernd begann er und ward dann lauter und dann wieder leise murmelnd und wieder ganz laut anrufend und wieder leise schluchzend — immer Herz und Stimme auf- und abwogend, wie Sinn und Wort es wollte und wirkte. Dann schlug er den?Tallis zurück und begann laut den Kaddisch, der uns mehr als Glockengeläut zur Andacht rief, und seiner Melodie entsprechend erscholl aus dem Munde der Gemeinde einstimmig das Omen, fr.ctflia bekundend: Ja, wir wollen in Andacht beten! Wie könnte ich alle die Lieder durchgehen, die mir heute noch im Gedächtnis tönen, als hätte ich sie jüngst gehört! So ausrüttelnde, frommstolze Töne sind nie wieder an mein Ohr geschlagen, so sehnsüchtige, langgezogene Klage, so innig freud- und leidvolles Sehnen haben mich nie wieder aus menschlichem Munde gerührt! Literatur. „Di« Quelle.“ Die letzten umfangreichen Hefte der illustrierten bestbekannten Halbmonatsschrift für Literatur, Kunst und Theater gelten Paul Keller, Alfons Petzold und Ludwig Ganghofer und zeichnen sich durch erstklassige Beiträge dieser Autoren aus, denen sich Franz Herold, R. ß. Freund, Ludwig Anton, J. K. Ratislav, Marie von Pistohlkors, Stephan Aiilow, G. A. Grote und der Gründer und Herausgeoer Dr. Robert Reinhard u. v. a. vollwertig anschließen. Diese anerkannt gediegene Halbmonatsschrift, die mit dem 1. Oktober 1912 bereits in den VI. Jahrgang tritt und d. Z. Organ des großen „Deutschösterreichischen Volksbildungsvereines“ ist, verdient die weiteste Verbreitung in allen freiheitlich gesinnten Volkskreisen. — Probenummern der jährlich nur 6 Kronen kostenden Zeitschrift liefert nebst II., III., IV. und V. Jahrg. der Verlag G. A. Grote, Hannover. Kriefkaste«. Heinedenkmal. Auch in Halle a. d. S. soll in nächster Zeit ein Hemedenkmal errichtet werden. Der dortige Heinebund erwarb nämlich vom Bildhauer Schönemann eine Rolossalbüste, die am sogenannten Trothaer Schlößchen ausgestellt werden wird. A. F. Bei den jetzt in Frankfurt a. M. zur Ausführung gelangenden Renovationsarbeiten in der Hauptjynagoge in der Börnestrage fand man in den Rellerräumen unter Schutt vergraben hochinteressante Steine, die von früher auf diesem Platz stehenden Synagogen herstammen. Sie haben vielfach gut lesbare hebräische Inschriften, die über Zweck und Zeit genau Aufschluß geben. A. B. Jede Gemeinde regelt autonom die Trauungs- und Beerdigungstaren auf dem Gebiete ihres Gemeindesprengels. Andere als die vom Vorstande der betreffenden Rultusgemeinde festgesetzten Gebühren zu verlangen, steht keinem Funktionär zu. Andererseits gibt es kein anderes Mittel gegen die von dem Kulkusvorstande Ihrer Gemeinde statutenmäßig beschlossenen Gebühren, als die Herabsetzung derselben durch einen Beschluß des Vorstandes. Dr. R. in V. Besten Gruß und Dank. Dr. L. Dr. Bloch ist derzeit von Wien abwesend. Theobald Uffenhsimer’sche Gewerbestiftung. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je K 200.—. Bewerbungsberechtigt sind: Verarmte oder arbeitsunfähige, wohlverhaltene Gewerbsleute Israel. Konfession. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Zuständigkeitszeugnis, Armuts- oder Alittellosigkeitszeugnis, Ausweis über die Mitgliedschaft bei einer Genossenschaft, eventuell Bestätigung der Genossenschaft, daß der Bewerber sein Gewerbe wegen Arbeitsunfähigkeit zurücklegen mußte, eventuell Verwandtschaftsnachweis mit dem Stifter Herrn Theobald Uflenheimer. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 22. September 1912. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll). Verleihungstag: 28. November 1912. Näheres in den von der Einreichstelle unentgeltlich erhältlichen Gesuehsblanketten. Klara Krasnopolsky-Stiftung für Arme. Anzahl der Plätze: Unbestimmt, zusammen K 100.—. Bewerbungsberechtigt sind: israelitische Arme. Bevorzugt sind: Arme Verwandte der Stifterin. Verleihungstag: 9. Oktober 1912 (28. Tischri). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 31. August 1912. Einreichstelle: I., Seitenstettengasse 4, II. Stock (Einreichungsprotokoll).

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