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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 841 neben Eleazar drängten sich Masan'eU?. Raoul, Edgardo, Tamino. Zampa, Chapelou, George Brown und Lyonei aus ..Martha", und jede männliche Gestalt begleitete eine Partnerin aus der betreffenden Oper. In diesem illustrcn Kreise sang Sontheim drei Lieder mit unverbrauchter Kraft und dem rechten Schmelz seines mächtigen Organs. Das Repertoire Sontheims umfaßte vorzugsweise heroische, aber auch lyrische und Spielpartien. Ein einzigesmal sang er den Tannhäuser, aber weder vorher und nachher wieder eine Wagnerschc Rolle. Wohl kein Sänger hat sich die^ Stimme bis ins hohe Greisenalter in solcher Schönheit bewahrt. Sontheim, der Ehrenmitglied der Stuttgarter Hofbühne war, lebte seit seinem Abgang von der Bühne auch in Stuttgart. ilim (Adolf Buschhof geftorben.) Der aus dem sogenannten „Fantener Ritualmordprozetz" bekannte Schlächter Adolf Buschhof ist im Alter von 72 Jahren gestorben uud unter großer Teilnahme beigesetzt worden. Wer Buschhof war, wissen heut? nur noch wenige, und selbst von denen, die vor etwa 20 Jahren den sogen. Vuschhos-Prozeß, der sich vor dem Schwurgericht in Clewe abspielte, mit fieberhafter Spannung verfolgt haben, hatten dir meisten seinen Namen langst vergessen. Nun wird er durch den Tod ins Gedächtnis zurückgerufen und mit ihm die Erinnerung an eine der nichtswürdigsten antisemitischen Verleumdungen, an irre sogenannte Tantener Ritualmordaffäre. Seinen Verte:- digern gelang es. dir vollständige Unschuld ihres Klienten darzulegen und ein? glänzende Freisprechung zu erzielen. Halle. Geheimrat Prof. Julius V e r n st r i n. der hervorragende Altmeister der Elertropliysiologie, der Sohn des berühmten Philosophen Aron Bernstein in Berlin, feierte am 3. August sein 50jähriges Doitorjubiläum. Aus diesem Anlasse wurde im Physiologischen Institut in Halle eine von berühmten Medizinern und Schülern Bernsteins gestiftete Porträtplalette Bernsteins enthüllt. London. Einer der populärsten Führer der englischen Iüdenheil, Mr. D. Q. Henriques, ist plötzlich im Alter von 62 Jahren gestorben. Der Dabingegangene war an allen großen jüdischen Institutionen der englischen Metropole als aktiver Mitarbeiter beteiligt Im Juni 1910 überreichte er in Begleitung anderer Führer der Gemeinde dem neuen König eine Ergebenheitsadresse. Mit dem gleichen Ehrendienst war er auch betraut, als König Eduard VII. den Thron bestieg. London. Herr Rabbiner Dr. A. Marmor st ein in Skotschau, Oesterreichisch-Schlesien, hat eine Berufung als Professor für das talmudische Lehrfach an das hiesige Rabbiner-Seminar (Iews-,College) erhalten und wird derselben Anfang Oktober dieses Jahres Folge leisten. London. Letzten Sonntag wäre es in Whitechapel fast zu einem regelrechten Pogrom gekommen. Ein herrschaftliches Auto hat ein jüdisches Kind überfahren. Das Kind war sofort tot. Jüdische Passanten hielten den Kutscher an. Es kam zu einem Auflauf und zu einer Schlägerei zwischen betrunkenen Engländern und Juden. Die Polizei hatte viele Mühe, die auf Tausende angeschwollene Versammlung zu zerstreuen. Fast jede Woche kommen im dicht bevölkerten Whitechapel solche Unglücksfälle vor. Die Kinder spielen in der schulfreien Zeit auf der Straße, während die armen Eltern auf dem Markte oder in der Werkstatt ihrem Berufe nachgehen, so daß die Kinder ganz ohne Aufsicht sind. Paris. Herr Josef Szilagyi-Fried, der vor kurzem aus Wien nach Paris Merskedelte, ist hier nach nur kurzer Krankheit im 52. Lebensjahre verstorben. Derselbe Hatte sich während seines Wirkens in Wien und Budapest grotzer Beliebtheit zu erfreuen; sein frühes Hin scheiden hak seine greife Mutter und Geschwister in tiefe Trauer versetzt. Warschau. Demnächst wird in Warschau eine Diamantenschleiferei, die erste im Reiche, eingerichtet werden. Die Begründer sind einige jüdische Diamantenschleifer aus Holland, die ihren Glaubensgenossen in Polen ein neues gewerbliches Betätigungsfeld eröffnen wollen. Feuilleton. Ans der Synagoge. (Eine Iugenderinnerung.*) Rach H. Steiitthals gleichnamigem Aufsatz in „lieber Inden und Judentum" zusamniengestellt von H. Falkenberg. Die Synagoge ist nächst der Kirche das höchste Gebäude meines Heimatstädtchens; sie ragt über alle Häuser hervor, und — ein noch kräftigerer Beweis ihrer Hohe — kein Knabe kann den Ball über sie hinwegwerfen. Von außen trägt sie kein Symbol; nur die Wetterfahne ganz oben auf dem Dache gibt in durchbrochenen Buchstaben das Jahr der Erbauung an. Die Mauern find dick wie für die Ewigkeit bestimmt. Man tritt ein, indem man eine Stufe niedersteigt. Der „Almemor" ist gerade in der Mitte: ihm zur Sei e wie an den vier Umfassungsmauern des Gebäudes sind die Sitze der Männer angebracht, vor denen „Ständer" stehen. Die Frauen finden ihren Platz auf einer Galerie an der Westseite: ein Gitter verbirgt sie, während sie alles überschauen tonnen. Von der Decke herab hängen acht Armleuchter und in der Mitte, über dem Almemor ein Kronleuchter von Kristall. .In der heiligen Lade, über der die beiden Tafeln mit den zehn Geboten von zwei Löwen gehalten werden, steht wohl fast ein Dutzend größerer und kleinerer Thorarolten, von denen etwa die Hälfte auch ihren eigenen silbernen Schmuck trägt. Die eine Rolle zumal war sehr hoch, mit großen Buchstabrn geschrieben und trug zwei Kronen von einer Pracht, die ich nie vergessen werde. An den Reifen und Bögen waren silberne Glöcklein, dazu das große silberne Schild, auf welchem Aaron zu sehen war mit der Stirnbinde und dem Priestergewande. Auch trug er das Brustschild, von Juwelen umgeben; die Platte desselben aber war beweglich. und für den Sabbalh und für ieden Festtag ward eine andere eingeschoben, auf der der Name des Tages eingegraben war. Endlich die Hand mit dem zeigenden Finger, an dem ein Diamant faß. War das eine .Pracht, wenn diese Rolle ausgehoben ward! Es geschah nur an den guten Sabbathen und an den Feiertagen. Dem entsprachen die Kleider der Rollen, die Vorhänge vor der Lade und die Decken über dem Almemor, die teils farbig und mit Goldfäden, teils weiß mit Silberfäden durchwirkt waren. Die letzteren waren für die strengsten Feiertage und die Totenfeier bestimmt. Dann hatten die Vorbeier und sämtliche Balbattim das weiße Sterbehemd angezogen und ihre Ständer mit weißen Tüchern bedeckt. Wie dies alles das Gemüt des Knaben hob, wie es ihn mit frommem Stolze und mit frommer Demut füllte, mit religiöser Andacht und sittlicher Scheu. Wenn am Kol nidre nicht nur alle Leuchter strahlten, sondern auch .die Wachskerzen brannten, von denen jedes Haus eine in die Synagoge gebracht hatte, und alles Licht auf weißes Linnen, weiße Seide und Silber fiel, Gold aber und Buntes so sehr wie möglich ver-' bannt war: da fühlte ich, wie es mir gesagt war. daß die Erinnerung an unsere Sünden vor Gott und in *) Prof. Dr. Steinthals Heimat ist Gröbzig in Anhalt; er ist dort 1823 geboren und 1899 in Berlin gestorben. Die Zeit, die er in diesem Aussatz schildert, ist etwa das Jahr 1835.

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