Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 540 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 32 düse Veranstaltung eminent wohltätigen Zwecken dient und das Neinerträgnis dem erwähnten Vereine, welcher auf humanitärem Gebiete eine langjährige intensive Tätigkeit entfaltet, zuffießt, ist die Hoffnung auf eine lebhafte Teilnahme und zahlreichen Zuspruch seitens des verehrten Publikums an diesem Feste vollauf berechtigt, umso mehr, als das Komitee entsprechende Vorkehrungen getrcfsin hat. um dem Feste einen in jeder Beziehung unterhaltenden und anregenden Verlauf zu sichern. Austritte ans dam Judentum Vom 28. Juli bis inkl. 3. August 1912. Ascher Ester Therese ged Hermann, Kanditenerzeugerin, geb. 18. September 1858, Bucbers i. B., IX., Lustkandlgasse 30 Bauer Arpad, Redakteur, geb. 25. Jänner 1850, Budapest, I., Morzin platz 5 Bricht Benedikt, Journalist, geb. 9. Juli 1852. I., Wallfiscbgasse 6. Goldstern Emilie, Artistin, geb. 19. April 1883, Wien, I., Grande Hotel Guttmann Anna Franziska, Arzlensgattin, geb. 12. Jänner 1874-, IX., Nußdorferstraße 55 Guttmann Dr. Isaak, Arzt, geb. 7. August 1872, Odessa, Rußland, IX., Nußdorferstraße 55 Heidelberg Albert, geb. 18. April 1875, Wien, laut Zuschrift des kgl. Matrikel-Führers Budapest Keil er Josef, Geschäftsführer, geb. 1. Oktober 1883, Stoizendorf N.-Ö. IX., Liechtensteinstraße 8 Keßler Wilhelm, Privat, geb. 27. September 1878, Wien, IX., Müilnergasse 5 Lichlwitz Margarethe, Private, geb. 27. Juni 1887, Troppau, II., Am Tabor 22 Roth Kalman, Ingenieur, geb. 23. November 1879, Fünfkirchen, IX., Schubertgasse 21 Steininger Max, Privatbeamter, geb. 18. April 1883, Prag, IX., Mariannengasse 9 Tischer Erwin, geb. 3. Juli 1885, Wien, laut Zuschrift des kgl. Matrikel-Fübrers Budapest Wi Iheim Margarethe, Private, geb. 4. Juli 1895, Wien, IX., Zimroermanngasse 20 Willheim Oskar, Bürgerschüler, geb. 21. Juli 1898, Wien, IX., Zimmermanngasse 20 Zeisel Isidor, Sänger, geb. 13. Jänner 1878, Wien, II., Kaiser Josefstruße 42 VeLovar. (Todesfall.) Am 31. Juli starb in Gleichenberg, wohin er sich zur Heilung von seinem Leiden begeben hatte, der angesehene hiesige Advokat Dr. Bernhard Rehberger. Der Verstorbene, ein überzeugungstreuer Jude, genoß sowohl als Rechtsanwalt in allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung, wie auch wegen seines humanitären Wirkens allgemeine Achtung. Nicht nur unsere Gemeinde, sondern das kroatische Iudentum überhaupt verliert in Dr. Rehberger ein hingebungsvolles, opferwilliges Mitglied. Prehburg. Die Anstalt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger in Pozsony (Preßburg) hat sich schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens einen Ruf erworben, der ihr jedenfalls zur Ehre gereicht. Die von der Anstalt ausgebildeten Rrankenpflegerinncn, welche bei Franken ohne Unterschied der Ronsession ihren Dienst machen, wurden auch außerhalb Pozsonys gesucht und verrichteten ihren humanen Dienst aus die zusriedenstellendste Art. — Infolge nachahmungswerter munifizenter Spenden ist nun diese Anstalt in die Lage gekommen, fünf neue Wärterinnenstellen zu besetzen. Die Bedingungen der Aufnahme sind: isr. Ronsession, ein Alter von ungefähr 18—40 Jahren, moralischer Lebenswandel. körperliche und geistige Gesundheit, wenigstens Volksschulbildung. Diejenigen Mädchen oder Frauen, die aus diese Stellen reflektieren, mögen ihre Gesuche bis 10. September l. I, an das Sekretariat (Ranzlei des Advokaten Dr. Ludwig B a r a c s, Pozjony, Ralapos-utcza 4) einsenden, wo auch nähere Auskünfte einzuholen sind. Die Aufnahme erfolgt am 1. Oktober l. I. Die Pflegerinnen werden im ersten Jahre theoretisch und praktisch ausgebildet und haben nach gut bestandener Prüfung das Anrecht zur Aufnahme als Stammpflegerin. Als solche erhalten sie im zweiten Jahre von der Anstalt außer gänzlicher Verpflegung und Oberkleidung 280 Rronen Iahresgehalt, welches sich inr dritten, vierten und fünften Jahre ihrer Tätigkeit bis 400 Rronen jährlich erhöht. — Falls die Stammpflegerin fünf volle Jahre im Dienste der Anstalt verbleibt, erhält sie 10 0 0 Rronen als Dien st prämie. Während der Lehrzeit erhält die Pflegerin außer gänzlicher Verpflegung ein Taschengeld von 12 Rronen monatlich. Semlkn. (Kroat) Unter riesiger aufrichtiger Teilnahme der gesauten Bürgerschaft wurde der hiesige Spitalsarzt D-. Jsak I s a ch a r, am 6 d. M. zu Grabe aetrazen. Kaum 26 Jahre alt und am Anfang einer vielversprechenden Praxis, wurde er, der Stolz seiner Familie, nach dreitägiger Krankheit plötzlich vom Tode ereilt. Die Tragik seines so jäh vernichteten, hoffnungsvollen Lebens wird noch vergrößert durch den Umstand, daß er als Opfer seines menschenfreundlichen Berufes sterben mußte. (Ec hatte sich bei der Behandlung eines Schwcrkcanken eine tötliche Infektion zugezogen!) Als Arzt erfreute sich der Verstorbene, dank seiner Fertigkeit und Liebenswürdigkeit, des besten Rufes und war in allen Bevölkerung-schichten allgemein beliebt. Er war ein stammestreuer Jude und edler Charakter. Ehre seinem Angedenken! A. S. Brandeis a. E. „Erzherzog Karl Franz Josef und Erzherzogin Zita empfingen anläßlich ihrer Übersiedlung von Brandeis a. E. den Vorsteher der Brandeiser isr. Kultusgemeinde Herrn Dr. Richard Ullmann in Audienz und verabschiedeten sich von demselben auf das Huldvollste. Vor seiner Abreise übersendete der Erzherzog Herrn Dr. Ullmann sein mit dem eigenhändigen Namenszuge Sr. kais. Hoheit versehenes Bild als Andenken." Kammersänger Heinrich Sontheim gestorben. Heinrich Sontheim, einer der einst nieistgefeierten Künstler derdeutschen Opernbühne, ist in Stuttgart im Alter von 92 Jahren gestorben. Sontheim, der wiederholt in Wien gastierte, bildete mit Reumann und Wachtel das große Tenoristen-Dreigeftirn, das durch eine Reihe von Jahrzehnten an der deutschen Bühne glänzte. An stimmlicher Begabung überragte er beide, denn seine Stimme zählte zu den metallreichsten, welche die Opernbühne je kannte, und sprach in ihren einzelnen Tönen durch mehr als zwei Oktaven gleichmäßig leicht an. Seine schöne \oxmxte und deren echt künstlerische Verbindung mit der Bruststimme gewährte ungetrübten Runstgenuß. Dabei besaß er ein Darstellungsvermögen von impulsiver Rraft, und verstand es, die verschiedenen Gefühlsregungen in Ton und Aktion zu malen und seine ganze Seele in den Gesang zu legen. Berufene Rritiker erklärten ihn für den ersten Heldentenor seiner Zeit, und in das deutsche Urteil stimmten die Franzosen mit ein, welche ihn den „deutschen Duprez" nannten. Und Duprez war damals das größte Gesangtalent der Großen Oper in Paris. Sontheim war am 3. Februar 1820 in Jntenhüusen bei Göppingen als Sohn eines kleinen Rrämers geboren. Als er einst seinen Vater auf einer Wanderung begleitete und gerade ein fröhliches Lied sang, hörte ihn der damalige Minister Vellnagel und war von der Stimme so bezaubert, daß er ihn nach Stuttgart nahm. Mehrere bedeutende Sänger nahmen sich dort dann seiner an und studierten einige Partien mit ihm. Alle waren von seiner musikalischen Begabung überzeugt, nur der bekannte Romponist v. Lindpaintner verkannte sein Talent; denn als Sontheim vor ihm Probe sang, meinte Lindpaintner, Sontheims Stimme reiche nicht für den Chor. Sontheim verlor aber nicht den Mut. Er ging nach Zürich, wo er bei der Birch-Pfeiffer dramatischen Unterricht nahm. Am 18. Oktober 1839 debütierte er am Hoftheater in Rarlsruhe in ,,Norma" als Sever und gewann rasch die Gunst der badischen Residenz. Zehn Jahre wirkte er nun an der Rarlsruhcr Hofbühne; 1850 wurde er sodann nach Stuttgart verpflichtet, und dort erreichte er den Höhepunkt seiner glänzenden Laufbahn. Seine Gastspielreisen machten ihn, da et. wie gesagt, das erste Tenorfach in seiner ganzen Ausdehnung beherrschte, in ganz Deutschland bekannt. Am 15. April 1868 erschien Sontheim zum erstenmal vor deni Wiener Publikum und erregte im alten Rärntnertortheater geradezu Sensation. Ludwig Speidel schrieb nach seinem ersten Auftreten: „Der berühmte East sang den Eleazar in der „Jüdin", eine seiner glänzendsten Rollen seit ein paar Jahrzehnten. Sein Beispiel hat viele Eleazar gemacht, aber sie waren, an Sontheim gemessen, wie Ratzen gegen einen Löwen'. Sein Eleazar ist eine tief-leidenschaftliche Gestalt, voll dramatischen Lebens. Auch das Wiener Publikum konnte sich ihrer Wirkung md)t entziehen und brach dem East gegenüber wiederholt in einem wahren Jubel aus. Ein kaum dagewesener Fall ereignete sich während des vierten Aufzuges. Bei offener Szene legten die Orchestermitglieder ihre Instrumente weg und stürmten mit dem Publikum Beifall." Im Jahre 1874 trat Sontheim, nachdem er sich zwei Jahre vorher von der firen Bindung an eine Bühne zurückgezogen hatte, wieder im Hoföperntheater auf, und auch im Carltheater sowie in der Römischen Oper erschien er, so oft cs seine Zeit erlaubte, als Gast. Im Herbst 1882 unternahm er seine letzte Rünstlerfahrt mit dem Negergeiger Brindis de Calis und der Pianistin Anna Bock; im Jahre 1890 nahm er als Vasco in der „Afrikanerin" von der Bühne Abschied. Erst anläßlich seines achtzigsten Geburtstages erschien er am 3. Februar 1900 wieder aus den Brettern. Die Stuttgarter Hofbühne gab zu diesem Zweck den „Verschwender". Das Fest in dem Hause Flottwells war als ein Maskenfest gedacht, und es erschienen auf der Bühne sämtliche ersten Mitglieder in den Masken der Operngestalten, welche Sontheim mit besonderer Vorliebe zu verkörpern pflegte;