Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Vlochs Wochenfchrfft Seite 539 sie bedeutet die Auferstehung einer sittlichen Ungeheuerlichkeit, von der man gedacht hatte, daß sie bereits aus der Welt geschwunden sei. Es ist sicherlich das Interesse eines jeden zivilisierten Staates, daß der langsame und mühselige Fortschritt der Menschheit keine rückläufige Bewegung mache. England hat das Recht, einen neuen Ausbruch der iDerfolgungswut öffentlich anzuklagen, genau wie es gegen die Erneuerung der gerichtlichen Folter in irgend einem europäischen Lande zu protestieren berechtigt wäre. Jeder Staat der zivilisierten Welt ist befugt, wenn nicht auf andere Weise, so doch wenigstens auf dem Wege der Anklage gegen die Hemmung der Zivilisation aufzutreten. Vermischtes. Die Kaiserfeier in den Wiener Synagogen. Anläßlich des Allerhöchsten Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers finden Sonntag, den 18. August 1912, in den Gemeindebethäusern der Wiener israelitischen Kultusgemeinde feierliche Gottesdienste statt und zwar: Im Stadttempel, I., Seitenstettengasse 4, um 9 Uhr vormittags; im Leopoldstädter Tempel, II., Tempelgasse 3, um 7*10 Uhr vormittags; im Fünfhauser Tempel, XV., Turnergasse 22, um 7 Uhr früh; im Ottakringer Tempel, XVI., Hubergasse 8, um 1j28 Uhr früh; im Währinger Tempel, XVIII., Schopenhauerstraße, um 7 Uhr früh; im Floridsdorfer Tempel, XXI., Schindlergasse 4, um 9 Uhr früh. Wien. (Auszeichnung) Der Kaiser hat dem Juwelier Julius B e l l a k in Wien den Titel eines kaiserlichen Rates verliehen. Wien. (Königlicher Rat Philipp Löw.) Der Kaiser hat dem Wiener Schriftsteller und Redakteur des „Fcemden-Blatt" Herrn Philipp Löw in Anerkennung seiner publizistischen Leistungen den Titel und Charakter eines königlichen Rates verliehen. Diese Auszeichnung gilt einem Journalisten, der sich allgemeiner Sympathien erfreut. Herr Löw hat sich schon vor geraumer Zeit dem Studium der Balkankunde gewidmet und auf diesem Gebiete Arbeiten veröffentlicht, die allgemein wohlverdiente Anerkennung gefunden haben. Professor Julius Epsteins achtzigster Geburtstag. Der Altmeister der Wiener Pianisten Julius Epstein beging am siebenten August seinen achtzigsten Geburtstag. Still und bescheiden, wie es des Künstlers Art ist. In Baden, in der Pension Rollett. hat Professor Epstein seit Wochen sein Sommerquartier aufgeschlagen, betreut von seiner geistvollen Gattin Frau Aw6lie. Möglicherweise verläßt der Jubilar in den nächsten Tagen sein Badener Laon retiro, um einer Einladung der Familie Miller v. Aichholz nach Gmunden zu folgen. Am liebsten hätte sich der Veteran, der noch lange kein Invalide ist, allen geräuschvollen Sympathiekundgebungen entzogen. Epstein ist kein Freund von lärmenden Ovationen. Zeit seines Lebens ist er mit ruhiger Würde, jede Reklame verschmähend, seines Weges gegangen. Hochgeschätzt von den Musikern und Mufikkennern des In- und Auslandes, gefeiert als der b e st e Mozart-Spieler, gewürdigt als der Freund von Brahms und G o l d m a r k, geliebt von seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen; verehrt von seinen Kameraden und anerkannt als feinsinniger Interpret klassischer und moderner Tondichter. Julius Epstein ist eine Wiener Figur. Man sieht ihn, der Last der Jahre spottend, über die Straßen eilen; unter dem Zylinder wallt das volle Haar hervor und um den Mund huscht ein in liebenswürdigen Spott getauchtes Lächeln. Ohne einen Widerspruch befürchten zu müssen, darf man behaupten, dieser Meister besitzt nur Freunde. Feindschaft ist ihm nie genaht, und obgleich Epstein durch Dezennien als ausübender Pianist und als Professor des Konservatoriums mitten in den heißesten musikalischen Kämpfen stand, verstund er es. seinen Anschauungen über Kunst und Künstler stets einen vornehmen Ausdruck zu geben. Und er hatte nicht blos ein Amt, er hatte auch eine Meinung, die ec mit Entschiedenheit, ohne Bösartigkeit, zu vertreten wußte. En begeisterter Dolmetsch der Klassiker, ebnete er mit schwärmerischer Leidenschaft neuen Begabungen die Pfade. Dieses nie versagende Wohlwollen, diese von jeder Geschäftigkeit immer losgelöste Hingebung an das als gut und wertvoll Erkannte verschafften Epstein einen großen Kceis von Anhängern und aufrichtigen Verehrern. So werden sich denn an seinem Jubeltage alte und junge Leute sonder Zahl zusammenfinden, um einen Mann zu ehren, der der Besten Einer ist. Wien. (Todesfall.) Am 5. d. M. starb in einem Wiener Sanatorium, im jugendlichen Alter nach langem und schweren Leiden, der Rabbiner des Vereines „Emunas Awes", Herr M. A. Für st. Der Verstorbene, ein Sohn des Rabbiners S. F ü r st von der Schiffschul, stand trotz seiner Jugend im Rufe eines bedeutenden Talmudgelehrten, der sich dabei auch ein umfassendes allgemeines Wiffen erworben hat. Ein ausgezeichneter Redner, hatte er sich auch wegen seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften die Sympathien der weitesten Kreise erworben und sah einer großen Zukunft entgegen. Leider hat ihn der Tod inmitten seines Entwicklungsganges aus seinem Studium geriffen und damit nicht nur seinen hochgeachteten Vater und den Verein, in dem er als Rabbiner wirkte, sondern auch seine zahlreichen Freunde in tiefe Trauer versetzt. Die Leiche wurde noch am selben Tage in die Wohnung des gramgebeugten Vaters gebracht, woselbst auch die rituelle Einsargung vorgenommen wurde. Im Hofe der Schiffschul hielt Herr Rabbiner S. F ü r st seinem so früh verstorbenen Sohne einen ergreifenden Nachruf, worauf der Obmann des Vereines „Emunas Awes". Herr Filipp H o f b a u e r, namens des Vereines tiefempsu rdene Worte des Abschieds sprach. Sodann wurde der Sarg zur Aspangbahn gebracht, um nach Eisenstadt überführt zu werden, wo der Verstorbene, seinem letzten Wunsche entsprechend, an der Seite seiner ihm im Tode vorangegangenen Mutter unter überaus großer Teilnahme beigesetzt wurde. Wien?. Der seit dem Jahre 1902 bestehende Verein „Vikur Chaulim", I., Seitenslettengasse Nr. 4, bezweckt, anläßlich der Besuche in sämtlichen Krankenanstalten Wiens einerseits unseren Kranken und verlassenen Glaubensgenossen Erfrischungen und sonstige Naturalspenden zu verabreichen, anderseits den mittellosen Patienten entsprechende Geldunterstühungen angedeihen zu lassen. Weiters fällt in unseren Wirkungskreis: Die Verabreichung von Koscherkost. Unterbringung Erholungsbedürftiger in Kurorten. Zuweisung von Kiurbeiträgen und Darbringung von Zeitungs- und Bücherlektüre. Eine besondere, wenn auch schwierige Aufgabe erblicken wir darin, den externen Kranken die entsprechenden Reisemittel, einen Zehrpfennig für die Fahrt und etwaige Bekleidungsstücke zur Verfügung zu stellen und ihnen die Möglichkeit zu bieten, in deren Heimat zurückzukehren. Die Durchführung dieser Aktionen stellt verhältnismäßig hohe Anforderungen an unsere finanziell leider unzulänglichen Mittel. Um eme entsprechende Stärkung unseres Dereinsfondes zu erzielen, und in Konsequenz dessen unseren Kranken und bedürftigen Glaubensgenossen rechtzeitige und ausgiebige Hilfe leisten zu können, appellieren wir an edle Wohltäter und Menschenfreunde und bitten um Beitritt als Mitglieder oder Gewährung von hochherzigen Spenden. Wir sind gerne bereit, Rechenschafts-- berichte, Statuten-Auszüge und Beitrittserklärungen den wohlwollenden Interessenten zu übermitteln. Wien. (Verein „K r a n k e n b e i u ch".) Sonntag den II. August l. I. findet zugunsten des Mädchen- und Frauenvereines „Krankenbesuch- (Likur Chaulim) ein Verkautstag von Kanditen in Sauerbrunn (Savanyukut) statt. In Anbetracht des Umstandes, daß