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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 32 Seite 537 Dr. Blochs Wvchenschrfft jüdischen Kurgäste augewendet, während die übrigen von dieser Maßregel ganz unberührt bleiben. Ein angesehener galizischer Rabbiner, der sich darüber beschwert, wurde von einem Polizisten deshalb gröblich mißhandelt. Dies war auch der Anlaß zu einer Protestversammlung der jüdischen Kurgäste, die vorige Woche stattfand und in welcher nach eingehender Besprechung der unglaublichen Zustände die folgenden Resolutionen gefaßt wurden: 1. Der Polizeimann, der sich gegen den Rabbiner so arg vergangen hat, soll seines Amtes enthoben werden. 2. Die unglaubliche Verordnung bezüglich der Ausfolgung der Mineralwässer. die sich ausschließlich gegen die Iden richtet, ist außer Kraft zu setzen. 3. An die Angestellten der Badeverwaltung soll der Auftrag ergehen, daß sie sämtlichen Kurgästen ohne Unterschied der Konfession eine gleich menschliche Behandlung zuteil werden lassen. 4. Insolange die Verwaltung den jüdischen Kurgästen nicht volle Genugtuung verschafft, verpflichten sich die Kurgäste, sämtliche Einrichtungen der Kurverwaltung zu boykottieren. Diese Protestresolutionen werden der Kurverwaltung durch eine Deputation überreicht und in den jüdischen Blättern zur Darnachachtung veröffentlicht. Professor Baron Emanuel Herczel. Kaiser Franz Joseph hat dem Direktor des Sankt Rochusspitales in Budapest, Prof. Dr. Emanuel Herczel. die Baronie verliehen. Baron Herczel ist einer der bedeutendsten Chirurgen in Europa und hat besonders die Chirurgie in Ungarn zu großem Ansehen gebracht. Baron Herczel wurde wiederholt vom Kaiser ausgezeichnet und erst vor 8 Icchren in den Adelsstand erhoben. Kennzeichnend für die Verhältnisse in Ungarn ist es, daß dieser hervorragende Gelehrte es noch nicht zur ordentlichen Professur an der Vudapester Universität bringen konnte, denn er ist auch heute noch außerordentlicher Professor. Wiederholt wurde ihm die ordentliche Professur unter der Bedingung angeboten, daß er seinen Glauben wechsle, doch ist Baron Herczel, der aus einer alten, gut jüdischen Familie stammt und selbst ein überzeugter treuer Jude ist, allen diesen Versuchungen gegenüber standhaft geblieben. Auch an dem jüdischen Kulturleben in Ungarn nimmt Professor Baron Herczel lebhaften Anteil. Lin jüdischer SepLemvir 'n Kroatien. Wie wir dem kroatischen Amtsblatte entnehmen, wurde der bisherige Richter an der kroatischen Banatstafel, Michael Heim, zum Septemvir, das heißt zum Mitgliede des Obersten Gerichtshofes in Kroatien, ernannt. Es ist dies der erste Fall, daß ein Jude Mitglied des Septemvirates ist, und hoffentlich ist das als Zeichen dafür anzusehen, daß auch in Kroatien der Liberalismus zu dämmern beginnt. Unterbrechung der Assentierung an den jüdischen hohen Feiertagen. Die diesjährigen Assentierungen werden mit Rücksicht auf die späte Erledigung des Wehrgesetzes in Oesterreich und Ungarn in der Zeit von Mitte August bis Ende September durchgeführt. Da in denselben Zeitabschnitt auch die diesjährigen jüdischen hohen Feiert aze fallen,, hat der ungarische Landesverteidigungsministec, Samuel Hazai, angeordnet, daß am 12., 13. und 21. September, das ist an den zwei Rosch-Haschanah-Tagen und am Iomkippur, die Assentierungen unterbrochen werden sollen. In jenen Fällen, wo aus Dienstesrücksichten die Assentkommission auch an diesen Tagen in Aktion bleiben mutz, dürfen die jüdischen Assentpflichtigen unter keinen Umständen für diese drei Tage einberufen werden. Es ist uns nicht bekannt, daß der österreichische Landesverteidigungsminister für Oesterreich dieselbe Verfügung getroffen hätte. Bischof BalthazLr gründendes Mitglied der JTO. Der ob seines echten Liberalismus hochgeschätzte Debreczener reformierte Bischof Dr. Desider Balthazür hat an den Redakteur des in Budapest erscheinenden «Egvenlöseg», Max Szabolesi ein Schreiben gerichtet, in welchem er seinen Beitritt als. gründendes Mitglied in die ungarische Gruppe der JTO aumeldet. In diesem Schreiben heißt es unter anderem: ..Als ich das Wesen der ITO-Bewegung erkannt hatte, fühlte ich sofort, daß die Odyssee. zu der das Judentum verurteilt ist. sich ihrem letzten Kapitel nähere. Dazu bedürfte es eines neuen Moses. Eines Mannes, wie es Israel ZangwiU ist. Die Kanaanisierung der Juden hat er in die richtigen Bahnen geleitet. Auf dem von ihm gewiesenen Wege können alle Juden der egyptischen Gefangenschaft entrinnen, die den in den Staaten mit und ohne Kultur gegen sie lodernden unchrötlichen Haß für unerträglich finden . . . Ich vertraue dem Erfolge der ITO. Insbesondere, wenn Iangwill dessen Feuersäule auf dieser Erde sein wird. Er tat am Wiener Kongreß den Aussprucb, daß die ITO auch christliche Mitglieder habe. Er hat mir also ein Tor geöffnet, durch welches ich in die Reihe derjenigen treten kann, die im Dienste einer philanthropischen Bewegung stehen. Es sei mir gestattet, der ungarischen Gruppe beizutreten. Ich fordere keine Rechte, aber ich nehme gerne die Verpflichtungen, an einem solchen humanitären Unternehmen mitzuarbeiten, aus mich." Die Aufdeckung der Blutlüge in Polen. Die Ermordung des Kaufmannslehrlings Musial, an die sich in der Folge die tollsten Gerüchte bezüglich eines „Ritualmordes" knüpften, ist nunmehr zum Teil dank den Recherchen eine; Berliner Kriminalkommissars in ihren Einzelheiten enthüllt worden. Es wird unfern Lesern in Erinnerung sein, daß Ende Juni in Posen der rätselhafte Raubmord, der am Pfingst-Samstag an dem 16jährigen Kaufmannslehrling Musial verübt wurde, das größte Aufsehen erregte. Der Tod Musials war dadurch verübt worden, daß ihm gleichzeitig die Schlagadern an den beiden Handgelenken geöffnet worden waren. Nicht lange dauerte es. so durchschwirrten Gerüchte von einem „Ritualmord" die Stadt, die besonders bei der niederen polnischen Bevölkerung eiu williges Ohr fanden und. so viel wir wissen, auch von der polnischtalholischen Geistlichkeit agitatorisch verwertet worden sind. Der Inhaber des Konfektionsgeschäftes, in dem Musial Lehrling war. ein jüdischer Herr Kessel, der aus die .polnische Landkundschaft angewiesen ist, wurde von dieser daraufhin streng boykottiert und hat durch diesen Boykott empfindlichen Schaden erlitten. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde sah sich deshalb veranlaßt, eine Belohnung von 3000 Mark auf Entdeckung des Mörders auszusetzen. Run hat der anfangs so rätselhafte Mord, dank den Bemühungen des Berliner Krimrnalkemmissärs Mädelmann, seine lange erwartete Lösung gefunden. Der unglückliche junge Musial ist das Opfer einer Dirne, eines Zuhälters, den sie geheiratet, und eines Kellners geworden, die sämtlich, wie Musial, polnische Katholiken sind. Es sind dies die 22jährige Prostituierte Szafranskä, geb. Urbaniak, ihr Ehemann, der frühere Fleischergeselle Szafranski, der sie vor einigten Monaten geheiratet hat, und der Kellner Boleslaus Kutzner, der mit jenem befreundet war und gleich, nach der Mordtat verschwunden ist. Das übel beleumundete Paar hatte zur Zeit des Mordes eine Wohnung in der Schwalbensiraße. etwa 100 Schritte von dem Fundorte der Leiche entfernt. Sie kamen gleich nach der Auffindung der Leiche in Verdacht der Täterschaft, mußten aber wieder aus der Haft entlassen werden, da sie ihr Alibi Nachweisen könnten. Gleich darauf gaben sie ihre Wohnung auf und brachten die Möbel auf einem Speicher unter. Durch große Geldausgaben und luxuriöses Auf-

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