Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 536 Dr. Blvchs WchhMchrfft Nr. 32 rielle Förderung, die er bei seiner hohen Mission verdienen würde. Der Bericht beginnt daher mit einem Appell an die jüdische Oesfentlichkeit und setzt dann fort: Dieser Teilnahme können wir in Zukunft um so weniger entraten. als wir in dem Berichtsjahre leider' wieder die Erfahrung gemacht haben, daß der Verein den gesteigerten Anforderungen, bei den seit einem Dezennium sich stetig verringernden Einnahmen an Mitgliedsbeiträgen. Subventionen und Spenden» selbst in dem bisherigen Matze nicht mehr gewachsen ist. Ein Vergleich des Zöglingsstandes und der Einnahmen der Jahre 1900 und 1910 wird die Richtigkeit dieser Behauptung illustrieren: 1900 1910 Zöglingsstand 715 777 Mitgliedsbeiträge ft. 11.839.— ftT 8.561.32 Spenden ft. 1.330.— ft. 507.— Subventionen ft. 9.951.— 51. 2.290.— Tempelspenden ft. 3.291.— ft. 1.965.— Summe ft. 26.411.— ft. 13.223.32 Das ist eine Einbutze von 13.187.68 ftronen gegenüber einem um 62 höheren Zöglingsstand. Der Mangel an zureichenden Mitteln gestattet nicht einmal die volle Ausnützung des Lehrlingsheims, weil sie die jährlichen Ausgaben um 8- bis 10.000 ftronen erhöhen würde; eine Tatsache. die um so betrübender ist, als mehr als 20 Plätze unbenutzt bleiben müssen. Hiezu kommt noch, datz die Zahl der Meister, welche den Lehrlingen ganze Verpflegung gewähren, sich sehr vermindert, was die Unterbringung der von auswärts zu uns gelangenden ftnaben bedeutend erschwert. Wir stellen deshalb an die Spitze unseres diesmaligen Berichtes die dringende Bitte: Die Gönner und Freunde unseres Vereines möchten mit dem vollen ihnen zu Gebote stehenden Einflüsse die Zahl unserer Mitglieder zu vermehren suchen, und erlauben uns hierbei darauf hinzuweisen, daß nach unseren Erfahrungen eine Agitation in dieser Hinsicht nur dann einen Erfolg hat, wenn und soweit sie persönlich ausgeübt wird. Mit großer Befriedigung können wir konstatieren, datz im laufenden Jahre eine größere Anzahl ehemaliger Zöglinge in die Reihe unserer Mitglieder eingetreten ist. Einer derselben, ein Hutsabrikant in Mähren, hat sich auch erbötig gemacht, einen Zögling unseres Vereines aufzunehmen und ganz auf feine ftosten heranzubilden. Die Tatsache, datz ehemalige arme ftnaben durch unsere Unterstützung zu einer Stellung gelangt sind, welche sie befähigt, für ihre Glaubensgenossen ihr Scherflein beizutragen, ist wohl der glänzendste Beweis für die segensreiche Tätigkeit unseres Vereines. Mit den Gefühlen innigster Dankbarkeit gedenken wir hier der uns auch in diesem Jahre gewidmeten Subventionen und geleisteten Rückvergütungen und sagen der Direktion der I. österreichischen Sparkassa in Wien, den israelitischen ftultusgemeinden in Wien, Brünn, Lemberg, Prag etc., ferner dem fturatorium des mährisch-jüdischen Landesmassafonds, dann dem fturatorium der Baron Hirsch-Stiftung und dem jüdischen Hilfsverein für die notleidende Bevölkerung in Galizien in Wien besten Dank mit der Bitie, uns auch fernerhin ihre Unterstützung angedeihen zu lassen. An dieser Stelle statten wir auch diesmal Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Freymann in Holleschau, Herrn Ai. Grab Söhne in Prag, Herrn Josef Hauser in Mitzlitz und Herrn Dr. Gustav B r u ck m a n n, Advokat in Olmüh. für ihre Bemühung durch Besorgung des Inkassos von Mitgliedsbeiträgen unseren innigsten Dank ab. Wir gedenken ferner in tiefster Dankbarkeit jener im Vorjahre verstorbenen Wohltäter, welche nicht nur bei Lebzeiten unseren: Vereine die wärmsten Sympathien und werktätigste Unterstützung entgegengebracht, sondern auch letztwillig seiner nicht vergessen haben. So hat Frau Rosa Z i f f e r e r, die Gemahlin unseres verewigten hochverdienten Präsidenten Donat Z i f f e r e r, welche unserem Vereine wiederholt Beweise seltenen Interesses geliefert hatte, ihm testamentarisch einen Betrag von 1000 ftronen zugewendet, der durch eine vom Herrn k. k. Baurat v. E o t t h i l f im Namen der ftinder der Verblichenen übermittelte Spende um 500 ftronen vermehrt wurde. Den Herren Dr. Alphonse, Louis und Eugen Freiherren v. Rothschild verdanken wir den Betrag von 5000 ftronen. welchen sie als Erben nach ihrem Vater, Herrn Albert Freiherrn v. Rothschild, aus der von demselben für wohltätige Zwecke gewidmeten Summe uns zuzuweisen die Güte halten. Roch knapp vor Schluß des Jahres wurde durch den Tod des Herrn kais. Rates Bernhard Pollak v. Parnau eine Lücke in den Reihen unserer Mitglieder gerissen, die wir um so schmerzlicher empfinden, als der Verblichene uns im Leben seiner besonderen Gunst für wert hielt. Wir werden das Andenken unserer Wohltäter stets mit inniger Dankbarkeit bewahren. Lazar Bloch. Aus Brody wird uns geschrieben: Kultuspräsident Herr Lazar Bloch vollendet am 15. d. M. sein 70. Lebensjahr. Wir tonnen diesen Tag nicht herannahen sehen, ohne seine persönlichen Eigenschaften und sein gemeinnütziges Wirten einer besonderen Würdigung zu unterziehen. Seine große Frömmigkeit, sein tiefes, hebräisches Wissen mit umfassender Weltlicher Bildung und edelster Toleranz vereint, machen ihü zu einer in unseren Tagen seltenen Erscheinung. Sein männlich offenes Wesen, welches aus seiner strengen Rechtlichkeit und absoluten Objektivität resultiert, hat ihm die größte Wertschätzung, sogar die seiner politischen Gegner, erworben. In richtiger Erkenntnis dieser hervorragenden Eigenschaften hat ihn die jüdische Gemeinde unserer Stadt zu ihrem Präsidenten erkoren. Dieses verantwortungsvolle und oft in sehr heikle Situationen bringende Amt verwaltet er seit vielen Jahren in der uneigennützigsten und gewissenhaftesten Weise. Außerdem ist er Handelskammerpräsidenr, Senior der Inspektion der israelitischen Knaben- und Mädchenschule, Obmann der Verwaltung des israelitischen Siechenhauses, Präsident des Humanitären Vereines „Chessed Weemeth" und Verwaltungsmitglied beinahe sämtlicher hier eristierender Wohltätigkeitsanstalten. Ueberall, wo es gilt, Bildung zu verbreiten, Gewerbe zu fördern und Wohlfahrtsanstalten ins Leben zn rufen und durch persönliche Arbeit emporzubringen, stellt Herr Präsident Bloch seinen Mann. In natürlicher Konsequenz dieses hervorragenden Wirkens auf so vielen Gebieten wurde er gelegentlich des Negierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers durch Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Joseph-Ordens ausgezeichnet, was bei seinen ^zahlreichen Freunden und Verehrern große Befriedigung hervorrief. Wem das Schicksal besch'eden, dieses schöne Fest zu feiern und wer wie unser Jubilar auf ein so arbeitsreiches' Leben Zurückblicken kann, für den mischt sich in diesen Freudenbecher der Wermutstropfen, daß man seine Zeit überlebt und am Ende seiner Kraft und seines Schaffens sei. Nicht so Herr Präsident Bloch. In vollkommener geistiger und körperlicher Frische steht er auf der Höhe seiner Zeit, seine bewunderungswürdige Arbeitsfreudigkeit den zahlreichen Institutionen leihend, denen er angehört, den Alten zur Freude, den Jungen ein Beispiel. Möge es ihm beschieden sein, das hohe Al^er seines sel. Vaters (des Rektors am Budapester Rabbinerseminar Moses Bloch), der erst voriges Jahr, 95jährig, starb, zu erreichen! Wer wie er 70 Jahre alt geworden, richtiger jung geblieben. hat noch vieles im Leben zu schaffen und zu wirken. Gott erhalte ihn seiner Familie, der er stets ein fürsorglicher, zärtlicher Vater war und ist, seinen zahlreichen Freunden, die ihn hochschätzen, und der Stadt, die mit Fug und Recht auf diesen ihren Bürger stolz sein kann! Wir schließen mit dem Wunsche: Ad multos annos! Protest lundgebung gegen cimn antisemitischen Kurort in Galizien. In dem galizischen Kurorte Szczawnica herrschen, wie uns von dort berichtet wird, ganz merkwürdige Sitten. Die zahlreichen Kurgäste, die zumeist aus Juden bestehen, dürfen wohl die teuren Mietpreise bezahlen, erhalten die Heilbäder und Mineralwässer nur dann zugewiesen, wenn sie ein ärztliches Zeugnis vorweisen, welches ihnen die Benützung dieser Heilmittel vorschreibt. Diese an sich ganz merkwürdige Verfügung der Kurverwaltung wird jedoch seltsamerweise nur gegen die