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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 535 verspreche. Der Kardinal erwiderte, „recht gern eisüllb ich Ihren Wunsch, aber ich schicke Ihnen auch Geld", und aus meine ablehnende Bemerkung, daß seine Unterschrift jeden materiellen Wert weit übersteige, sagte er, „nein, das lasse ich mir nicht nehmen". Nach einigen Tagen bekam ich den gewünschten Brief, in welchem ein hoher Geldbetrag eingeschlossen war. Nur der Kölner Kardinal und der Erzbischof von Bamberg haben damals unter den hohen Kirchenfürsten ein wohlwollendes Wort für die Juden ausgesprochen. Zeitungen, die in 'Rom erschienen, Haben diese ungewöhnliche konfessionelle 'Gesinnung hervorgehoben und betont, daß auch der 'Papst ein teilnehmend Wort aussprechen möge. Der Ruf der judenfreundlichen Stellung des Kardinals zu den Juden verbreitete sich über die Grenzen Deutschlands hinaus. Einst schrieb mir mein Kollege, der Oberrabbiner von Wien. Dr. Güdemann, angesichts des 'schrecklich überhandnehmenden Antisemitismus in Oesterreich, besonders in Wien, ob ich nicht den Kardinal Fifcher veranlassen könnte, an seinen Kollegen, den Kardinal Gruscha in Wien, zu schreiben, letzterer möge seinen hervorragenden Einfluß aufbieten, um die hochgehenden Wogen des Judenhasses niederzuschlagen. Gewiß. wie ganz anderes sähe es in Oesterreich und anderswo aus. wenn die hohen Kirchenfürsten wie der Kölner Kardinal reden und sagen würden: „In meiner Diözese dulde ich keinen konfessionellen Haß, keinen Antisemitismus!" Ich habe es daher auch nicht unterlassen, als ich am 22. Mai 1911 die Ehre hatte, dem Kaiser vorgestellt zu werden und Höchstderselbe sich nach dem Wohlstand und dem Wohlergehen der hiesigen Gemeinde, sowie nach den Beziehungen zwischen den verschiedenen Konfessionen erkundigte, in meiner Antwort hervorzuheben, das; wir in .Frieden und Harmonie mit den übrigen Konfessionen leben und das» unser Kardinal in seinem menschenfreundlichen Sinn sehr viel zum friedlichen Zusammengehen beiträgt. Noch vieles könnte ich aus meinem häufigen Zusammentreffen mit dem hochwürdigen Oberhirten berichten, aber diese wenigen Züge mögen genügen, um einesteils den Edelsinn des Verblichenen, die Betätigung seiner Menschenliebe gegen jedermann hervorzuheben, andererseits aber auch, um uns Bekenner des Judentums zu veranlassen, das Andenken des Heimgegangenen festzuhälten und in inniger Verehrung ihm weit über das Grab hinaus Liebe und Dankbarkeit in unseren Herzen .zu bewahren. Ja. es darf die hiesige Synagogengemeinde einen Ehrenkranz an dem Sarge Kardinals Fischer niederlegen, denn an ihm bewährt sich der allbekannte Nachruf „Das Andenken des Frommen schafft Segen." Korrespondenzen. Samuel Heil. Am 2. August d. I. verschied nach langem, schweren Leiden, 78 Jahre alt, Seniorchef und Begründer der hochgeachteten Firma S. Heit in Wien. Mit seinem Tode schloß ein arbeitsreiches, dem Wöhle seiner Mitmenschen gewidmetes Leben. Samuel Heit gehörte zu jenen Kaufleuten der guten alten Schule, die durch, ihre solide, aber dennoch moderne Auffassung vom Kaufmannsberufe zur Hebung dieses Standes beigetragen haben. Er genoß deshalb die besondere Wertschätzung seiner Berufsgenossen. die ihn wiederholt in den Eremialrat entsandten. S. Heit hat sich zur Zeit der liberalen Aera in Wien auch politisch betätigt und zählte zu den verläßlichsten und vernünftigsten Mitgliedern dieser Partei, die er viele Jahre hindurch im Bezirksrale der inneren Stadt vertrat. Der Verstorbene zählte nicht zu denjenigen, die ob ihres Liberalismus ihr Judentum verleugneten. Er war stets dort zu treffen, wo die Not unserer Brüder nach Hilfe schrie. An der Entwicklung der Wiener Kultusgemeinde nahm Heit lebhaftes Interesse und war als eifriges Mitglied der Bezirkskommission für den ersten Bezirk sehr geschätzt. Die Chewra Kadischa verliert in dem Dahingeschiedenen eines seiner wertvollsten Vorstandsmitglieder. der mit seiner Herzensgüte sich mit besonderer Hingebung den Liebeswerken dieser ältesten und angesehensten Wiener südischen Wohltätigkeits-Institution widmete. Der „Verein für Krankenpflege und Unterstützung handlungsangehöriger Israeliten" beklagt in S. Heit den Verlust seines verdienstvollen langjährigen Präsidenten, wie der Verstorbene überhaupt jede Vereinigung, welche dem Fortschritte und jüdischer Wohltätigkeit dient, zeitlebens förderte. Seiner Familie war er ein überaus zärtlicher Gatte, Vater und Verwandter. Als er vor acht Jahren sein 70. Geburtsfest beging, da kam die Verehrung seiner zahlreichen Freunde in solenner Weise zum Ausdruck, die sich auch jetzt, anläßlich seines am 4. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisses kundgab. Begleitet von den tieftrauernden Angehörigen, Freunden, Bekannten und Vertretern industrieller, kommerzieller, sowie philanthropisch und menschenfreundlich wirkender Vereinigungen wurde Herr 3. Heit am 4. ds. 3« Grabe getragen. Im Trauerhause waren erschienen: die greise Schwägerin des Verblichenen, Frau Trebitsch, welche den nun Dahingeschiedenen gleichwie desß'N ihm vor wenigen Monaten vorangegangene Gattin fürsorglich betreute, mit den Familienmitgliedern, der ehemalige Abgeordnete Constantin Noske. in Vertretung der Kultusgemeinde Dr. Leopold Kohn, die Herren Moriz Breitner. Sam. Goldmann, Jakob Kann und Carl Lemberg er namens der „Chewra Kadischa". für den „Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten" Vizepräses Josef Jelinek mit den Vorstandsmitgliedern Alexander Kühl. kais. Rat Julius Stern, sowie Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, dem Vereinsarzte Dr. M. H o r o v i tz und mehreren Mitgliedern, ferner bemerkte man kais. Rat Messing er, Kommerzialrat Leov. Wiener, Apotheker B. Rothziegel, den Präsidenten des Vereins „Einheit". Bernhard Hofbauer, Herrn und Frau Hugo Kadisch. Direktor Wiener von der Zuckerfabrik Redlich. Restaurateur Khuner. die Prokuristen des Hauses Heit mit dem gesamten Personale u. v. a. m. Unter den von Oberkantor Fuchs und Kantor Hirsch mit dem Chorpersonale vorgetragenen Trauerpsalmen wurde der Sarg auf den Leichenwagen getragen und nach dem Zentralfriedhofe gebracht, in dessen Zeremonienhalle Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmemvfundenen Nachruf hielt, worauf die Herren M. Breitner und kais. Rat. Dr. Lieben im Namen der beiden vorerwähnten Korporationen mit bewegten Worten Abschied nahmen. Nun wurde der Sarg gehoben und zur Familiengruft geleitet und an der Seite seiner am 17. Jänner verstorbenen Lebensgefährtin zur ewigen Ruhe gebettet. Bereiu zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Der im 71. Vereinsjahre stehende Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten versendet soeben seinen 69. Rechenschaftsbericht. Dieser Verein, der seit langer als sieben Dezennien eine wichtige soziale Aufgabe erfüllt, findet seltsamerweise in der Judenschaft Oesterreichs nicht jene male-

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