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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Mochs Wochenschrfft Sette 533 deni er ungekannt, verkannt, prinzipiell, systematisch, sogar schulmätzig extra et intra verunstaltet, seinen Weg durch die Welt nimmt, eine terrestrische Ubiquität, eine allgemeine Bodenständigkeit und Zeitbeständigkeit sich bewahrt und bewährt hat: eist der Geist des Judentums und seines biblischrabbinischen Schristtums. dem auch für die Beherrschung der Lust das Losungswort (Spr. 15, 24) entlehnt werden kann: „Empor zur Höhe führt unaufhaltsam der Lebensweg den kundigen Weisen". Vom AabrmarKt des Lebens. Die Juden in der Marine Italiens. Die italienischen Blätter beschäftigen sich noch, immer mit dem vor einiger Zeit durchgeführten Unternehmen der italienischen Marine in den Dardanellen. Es wird besonders hervorgehoben, daß sich unter der Mannschaft und den Offizieren, welche sich, bei diesem kriegerischen Unternehmen besonders heldenmütig benähmen, eine große Anzahl von Juden befand. Besonsonders hervorragend waren die Leistungen der Offiziere Delta Rocca, Carasso, Toscana und Pardo. Insbesondere aber ist es der jüdische Marineoffizier Diego Pardo, dessen Lob die italienische Presse singt. Pardo ist noch nicht 30 Jahre alt und hat schon eine glänzend^ militärische Earriere zu verzeichnen. Bei allen Unternehmungen, welche Italien in den letzten 12 Jahren zur See zu unternehmen hatte, war Pardo aktiv beteiligt und hat eine hervorragende Rolle gespielt. In dem tripolitanischen Kriege war er einer der ersten, der in Benghasi gelandet ist, war Kommandant des Kreuzer „Tevere" in Tobruk und wurde mit verschiedenen organisatorischen Arbeiten betraut. Seine Litern wähnten ihn noch immer in Tobruk und waren nicht wenig erstaunt, aus den Blättern zu erfahren, daß er an der Aktion m den Dardanellen so hervorragenden Anteil genommen hat. Pardo ist ein Bologneser, woselbst sein Vater comm. Napoleone Pardo eine geachtete soziale Stellung einnimmt. Cm Verband der jüdischen Gemeindrn m Südafrika. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Bloemfountein (Südafrika), W. Ehrlich, hat für den 6. August nach Bloemfountein eine Konferenz der Delegierten aller Judengemeinden von Südafrika und Rhodesien einberufen, um über die Gründung eines autoritativen Verbandes der jüdischen Gemeinden in Südafrika und Rhodesien schlüssig zu werden. Wohl besteht bereits sowohl in Südafrika als auch in Rhodesien je ein Gemeindeverband, doch soll der große Gemeindebund der beiden britischen Kolonien mit der Autorität ausgestattet werden, die gesamte Iudenschaft der beiden Festländer bei der britischen Zentralregierung zu vertreten. Das älteste Hrus von Paris. Wie an der Hand urkundlichen Materials kürzlich festgestellt wurde, befindet sich das zweifellos älteste Haus von Paris in der Rue Montmorency 51. Ts stammt, wie eine Inschrift in der Höhe des ersten Stockwerkes besagt, aus dem Iahre 1407 und gehörte dem berühmten Nicolaus Flamellus, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts darin starb. In der Kulturgeschichte Frankreichs spielt Flamellus, der im Rufe der Zauberei und Alchymie stand (so sollte er den Stein der Weisen gefunden haben), eine nicht unbedeutende Rolle. Vor allem sei daran erinnert, daß er im Iahre 1393, als die Iuden aus Paris vertrieben werden sollten, eine Reihe von Flugschriften zu ihren Gunsten verfaßte, die den Iuden freilich nicht viel halfen. Flamellus fügte zu seiner Aktion dann noch eine Transaktion, indem er die Liegenschaften der Ausgewiesenen für billiges Geld erwarb, wodurch er zum reichen Manne würde. Gelehrte jüdische Kaufleute. Ein Bürger der Stadt Erlangen, Kaufmann Eduard Goldstein, hat bei der philosophischen und außerdem bei der juristischen Fakultät der Universität auf Grund größerer staatswissenschaftlicher und juristischer Arbeiten den Doktorgrad erworben. Dr. Goldstein hat sich, neben einer anstrengenden und erfolgreichen Berufstätigkeit, selbst auf das Gymnasialabiturium vorbereitet und dann Jurisprudenz und Staatswissenschaft studiert. — Ein ähnlicher Fall wird aus Berlin gemeldet, bei dem es sich allerdings nicht um die Erlangung der Doktorwürde, wohl aber um ein gelehrtes und tiefgründiges Werk handelt, das ein Kaufmann geschaffen hat und das bei den Männern der Wissenschaft Aufmerksamkeit erregt. Der Bankier Mar Schlesinger, früher Mitinhaber des alten angesehenen Bankhauses Abraham Schlesinger, hat in jahrelanger Arbeit eine „Geschichte des Symbols" geschrieben, die im Verlage von Leonhard Simion erschienen ist. Das umfangreiche Werk, das erstaunliches Wissen und kritische Eindringlichkeit erweist, verdient die Aufmerksamkeit ernsthafter Leser. Jiddisch. Was Jiddisch ist. wird in einem von Prof. Julius H. Greenstone verfaßten Essay folgendermaßen erklärt: Jiddisch ist wesentlich eine Golussprache. Während die Juden überall die Sprache des Landes redeten, in dem sie wohnten, bedienten sie sich gleichzeitig für ihren eigenen Gebrauch eines Dialektes, den sie selbst ausbildeten. So entstand das spanische, das griechische, das persische, das deutsche Jiddisch oder, wenn man will, das Jüdisch-Spanisch, das Jüdisch-^Griechisch. das Jüdisch- Persisch, das Jüdisch-Deutsch. Das Jüdisch-Deutsch ist entstanden jn den Judengassen der deutschen Städte im Mittelalter. Die Absonderung der Juden in eigenen Stadtvierteln, ihre freiwillige oder gezwungene Abgeschlossenheit von der christlichen Bevölkerung ermöglichte ihnen die Entwicklung einer eigenen Sprache, welche das damals gesprochene Deutsch zur Grundlage hatte und welche sie auch dann noch beibehielten, als sie aus Deutschland vertrieben waren und sich in anderen Ländern niedergelassen hatten. Die Folge davon war, daß dieser Dialekt, sobald er mit anderen Sprachen in Berührung kam, fremde Wörter und Ausdrücke aufnahm, so daß das irr Polen gesprochene Jüdisch-Deutsch verschieden ist von dem in England oder Amerika gesprochenen. Es entstehen zahlreiche Provinzialismen sowohl hinsichtlich der Aussprache wie auch bezüglich der Wörter und Redensarten, so daß die Juden des einen Landes diejenigen des anderen Landes nur schwer verstehen können. Das Sprachgut an sich ist aber immer dasselbe, das vorlutherische Deutsch in Verbindung mit vielen hebräischen Wörtern und Sätzen. Es versteht sich von selbst, daß die jüdischen Dialekte, als die Sprachen des Ghettos, entstanden und ausgebildet in einer mit jüdischen Sitten und Gebräuchen gesättigten Atmosphäre, viele hebräische Ausdrücke und Begriffe in sich aufnahmen, weil diese eben am besten geeignet waren, die Dinge und Ideen entsprechend wirderzugeben. Da das jüdische Leben im Ghetto eng verwachsen war mit der jüdischen Religion und die jüdische Religion ihrerseits wiederum in intimster Wechselwirkung stand mit der hebräischen Sprache, der Sprache des Heiligtums, so mußte der Dialekt, die Umgangssprache in diesen Kreisen, bewußt oder unbewußt aus dem Hebräischen Hunderte und Tausende, von Wörtern sich aneignen, die dem ganzen Volke durchaus vertraut und geläufig waren. Die große Vertrautheit der Iuden mit der Bibel und der liturgischen Literatur bewirkte, daß die aus diesen Quellen entlehnten Ausdrücke leicht

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