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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-09 · 32 (9.8.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
32 (9.8.1912)
Date
1912-08-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«sssssssassnsessns ec.tc 630 Dr. Mochs Wochenfchrfft Nr. SZ besondere Rücksicht zu genießen. Nun hat der derzeitige Obmann des Hagenbundes Schmers Ausführungen für „unwahr" erklärt und sich über den angeblichen Betrag von einer Viertetmillion lustig gemacht und ist überhaupt so ausgetreten, daß überall zu lesen war, Schwer werde aus dem Stadtrat hinaus und in den Gerichtssaa! hineingehen. Aber das fällt dem braven Manne gar nicht ein. Was liegt an einem Tatbestand. Man wird schon etwas chrisllichsozial behaupten und beweisen und der Held von Polna wird nicht beschädigt werden. Seine Personalaffäre steht aber auch der größeren Sache nach und kömmt in zweiter Linie. Wie sich der eine Stadtrat Schwer auch benommen haben mag — sicher ist es, daß wieder von christlich sozialer Seile ein Vandalismus vorliegt gegen eine künstlerische Vereinigung, die man rücksichtslos Zerstört hat._ Zur EittwanderungsriuschriLnKurrgsLrill tu den UereimAleu Staaten. In der letzten Woche sind neue Gerüchte von Pogroms aus Rußland nach dem Westen gedrungen, ein Umstand, der Amerika wieder eine verstärkte Einwanderung zuführen dürfte. Daher freut es uns, daß unsere vor wenigen Wochen an dieser Stelle gebrachten Ausführungen zu den Einwanderungsnovellen in weiteren Kreisen hüben und drüben Beachtung gesunden haben und mancherlei Zustimmung begegneten. Mit derselben Angelegenheit beschäftigt sich ein Artikel der „Oesterreichischen Kolonialzeitung", der gleichfalls den antifreiheitlichen, antislavischen und antikacholischen Standpunkt der Bill hervorhebt. Ich freue mich,' nach diesem Artikel berichten zu können, daß man wenigstens von einer Seite unseren Landsleuten moralisch zu Hilfe gekommen ist, indem der Präsident der Kolonialgesellschaft, Hof- und Gerichtsadookat Dr. Weisl, schon vor Jahren statistische Daten veröffentlichte, aus denen genau meine Behauptung nachgewiesen wurde, daß nämlich die analphabetischen Elemente der Einwanderung, namentlich die österreichischen, einen verschwindend kleinen Prozentsatz zur amerikanischen Verbrecherwelt stellen. Freilich scheint, nach dem Artikel zu schließen, diese advokatorische Hilfe nur das merkwürdige Resultat gezeitigt zu haben, daß das nordamerikanische Hande^samt seitdem die Veröffentlichung der betreffenden Daten einstellte. Die scharfe Verurteilung der Einwanderungsnovellen freut mich um so mehr, als der Verfasser in leiser Polemik gegen meinen Artikel die Einführung der Bill nicht für ein Unglück, sondern für ein Glück für unser Vaterland hält. Ich stimme ihm zu, wenn er glaubt, daß die Einführung der Bill unsere kulturell rückständige Bevölkerung des Ostens, gleichviel welchen Glaubens, moralisch zum Besuche der öffentlichen Schulen zwingen würde. In weitschauender Weise glaubt er, daß die Ablenkung der Einwanderung aus dem Industriestaat des Nordens in die Agrikulturstaaten des Südens eine enorme Hebung des österreichischen Exportes zur Folge haben würde. Wer bürgt uns aber dafür, daß auch hier wieder einmal Oesterreich nicht um eine Armee zu spät kommen würde, um eine Armee von Exporteuren nämlich? Wenn Oesterreich z. B. in Brasilien nur an achter Stelle der importierenden Staaten steht, dürfte auch eine österreichische Masseneinwanderung in den Süden nicht so schnell diese Verhältnisse ändern. Auch gibt der Verfasser zu, daß iin^ merhin Tausende der Einwanderer bis dahin zugrunde gerichtet würden, wenn auch die klimatischen Verhältnisse einerseits besser wären, als in den amerikanischen Großstädten, andererseits die österreichischen Einwanderer weniger ausgebeutet durch Hungerlöhne würden, wie in den Vereinigten Staaten. Und daß selbst die großartigen jüdischen Schutzgesellfchaften den jüdischen Einwanderer nicht immer vor Schundbezahlung schützen können, dafür lagen mir neulich einige drastische Beispiele vor. So schließt denn der Verfasser gleich mir mit einem Appell an unser Handelsamt, aber nicht, daß es sich der nordamerikänischen Einwanderer annehmen, fondern den breiten Auswanderungsstrom rechtzeitig nach den südamerikanischen Republiken ablenken soll. Dieser Appell kann ja bald wieder traurige Aktualität gewinnen. Schlafen auch die Dillingham- und Lodgebill durch den wüsten Präsidentenkamps einen unruhigen Sommerschlummer, so können, wenn die Präsidentenfrage gelöst ist, Rassenhaß, Glaubensfanatismus und wilder Konkurrenzkampf, diese drei alten Feinde des Iudentums, sich vereinigen, um den fremden Einwanderer von Amerika abzuhalten. War doch schon die Aufstellung der Kandidatur Wilsons ein trauriges Zeichen dafür gewesen, da dieser ein Vorkämpfer einer Antieinwanderungsbill seit Iahrzehnten ist. Möglich - aber, daß auch ein republikanischer Kronprinz, zur Regierung gelangt, einiges Oel in sein Reformfeuer gießt. Die amerikanischen Regierungen haben fast mit den Einwtzy-- derern die Erfahrung gemacht, welche sich in dem <Zatz, des Fürsten Felix Schwarzenberg über die Juden, aus-' spricht: „Laßt mich mit den Juden in Ruhe, denn seit den Pharaonen ist es jeder Regierung übel ergangen,, die mit ihnen sich zu schaffen machte." Diese Erkenntnis, dürfte auch drüben zum Durchbruch gelangen, was bte: Einwanderung der Kleinen und Kleinsten betrifft, dieso oft in der zweiten und dritten Generation schon Große und Größte waren. C. Benedikt. Die Aviatik vor Jahre« «ich gegemviirtig. Die „Neue Freie Presse" vom 31. Oktober 1383 enthielt im Beiblatte „Natur und Völkerkunde" folgende Studie yon Dr. B. Placzek unter dem Titel „Absonderliche Flugart der Tauben im Altertume". In einem bedeutsamen alten Buche, das aus dem sechsten Jahrhundert u. Chr. stammen mag. (Berescyirh Rabba, Kap. 39), findet sich eine noch viel ältere, als etwas ganz Bekanntes angeführte Beobachtung, die für die Evolutions-Lehre, besonders für das ■ Gesetz der Variabilität von nicht geringem Belange sein dürste. . „Alle anderen Vögel ruhen vom Fliegen aus auf einem Baume oder auf einem Felsen. Die Taube hingegen, wenn sie im Fluge ermattet, hält nur abwechselnd einen Flügel in Ruhe (ausgespannt), indetz sie sich mir dem andern Flügel weiter-, schwingt." Diese Tatsache ist als eine Auslegung des Psalm-- verses 55, 7 gegeben, die sich dem Wortlaute: „daß ich fliegendausruhen könne", besser anpatzt als die gewöhnliche Heber-- setzung. Eine solche unterschiedliche Eigenthümllchkeir, welche jener Taubenspecies den im dtruggle kor lii'e nicht zu unterschätzenden Vortheil eines raschen Dauerfluges gewährte und sie >owol für den Wettbewerb beim Ausfinden der Nahrung als für die Flucht vor gefiederten Raubthieren besonders ertüchtigte, wird in keiner bezüglichen Monographie erwähnt und ist sie keinem Taubenzüchter bekannt, scheint also bei der fortschreitenden Domesticatwn dieser Vögel, weil eben der Mensch die Nähr- und Wehrsorge für sie übernommen, auher Hebung gekommen und zugleich mit den entsprechenden Muskel- und Knochenpartien verkümmert zu sein. Die Lebewesen pflegen ja, was sie „gottlob nicht mehr nöthig haben", mit der Zeit zu verlieren. Charles Darwin, dem ich im Jahre 1880 diese alte Notiz mit Bezug aus die hohe Wichtigkeit, die der Erotzmeister der Entwicklungslehre den geringsten Abweichungen in Etructur und Gewohnheiten der Tauben in seinen Werken beilegt (vornehmlich das „Variieren usw., 1., Cap. 6), mittheilte, sprach in seinem Antwortschreiben v. 24. Nov. den Zweifel an der mechanischen Möglichkeit dieser seltsamen Flugart aus. Da gegenwärtig Theorien der Flugtechnik noch ganz andere „Enten" aufflattern lassen — man wird ja bald statt: „Sattle mir den Hippogryph" sagen können: „Heize mir die geflügelte Lokomotive" — erschien mir der erwähnte vicarirende Flügelgebrauch der Taube gerade nicht unwahrscheinlich, und richtete ich an den eminenten Physiker in Wien, Herrn Dr. Fr- I- Pisko, die Anfrage: „Halten Sie die beschriebene distincte Flugart der Taube nach aerodynamischen Gesetzen für möglich?" Ich erhielt nachstehende Auskunft: „Ich

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