Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 32 (9.8.1912)
- Date
- 1912-08-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kr. 32 Dpa Bloch’s *******m Zentralorgan für die gesamten Unter essen des Judentums. -n rrn- Wien, 9. August 1912 LrsiDeLnt jeden Fr et lag. Brief-Adresse: Wien, IX/i. Hahngaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift, Wie«. OO" —- -=DO p Dexugsprris für Vesterrrirtz: C Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für's Analand: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2 nal gespal» H kene Peiirzeile 4« Heller. G o O— -■ —Qo ° Cr O ■-- -Oo n. ft. Pofisparftaffenamk (Neartng-Verk ebr mr.SiO.976. Redaktion und Administration. ®i»n u/i. Hahugaffe Nr. 15. 'reieL'oi» ^r. 14.847. QO - —— -Do Inhalt: Leitartikel: Christiichsoziale Kultur. — Zur Einwanderungseinschränkunflsb-ll in den Bereiiugicn Stuatrn. — Die Aviatik vor 30 Jahren und gegenwärtig. — Vom Jahrmarkt des Lebens: De Inden in der Marine Italiens. Ein Verband der jüdischen Gemeinden in Südafrika. Das älteste Haus von Paris. Gelehrte jüdische Kaufleute. I dd sch. Zur Lage der Juden in Jemen. — Kardinal Fischer. — Korrespondenzen: Samuel Heit. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten. Lazar Bloch. Protestkundgebung gegen einen antisemitischen Kwort in Galizien. Professor Baron Emanuel Herczel. Ein jüdischer Septemvir in Kroatien. Unterbrechung der Assentierung an den jüdischen hohen Fe ertagen. Bischof Balthazär gründendes Mitglied der „Jto". Die Aufdeckung der Biutlüge in Posen. Professor Doktor Nahum Slouschz in Angola. Die Regelung der jüdischen Auswanderung. Minister Herbert Samuel künftiger Staatssekretär für Irland. Jüdische Unteroffiziere in der rumänischen Armee. Die Leiden der russischen Juden. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus der Synagoge. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. ClzristUchso;iale Kultur. Wer je noch gezweifelt hat, daß die Christlich-Sozialen und ihre Herrschaft eine Katastrophe sind für Bildung und Kultur, der wurde jetzt durch die Vorgänge beim Hagenbund eines Besseren belehrt. Diese Künstlervereinigung hat ein kommunales Lokal in der Zedlitzgasse gepachtet und mit beträchtlichen Kosten und Mühen hergerichtet. Nun wurde ihr jedoch zum 1. September gekündigt mit der schönen Motivierung, daß man das Lokal für Abhaltung von Märkten oder andere kommunale Zwecke brauchte. Die Vereinigung hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um wenigstens einen Aufschub der Kündigung bis nach der Herbstausstellung zu erwirken. Man mutz nämlich wissen, daß der Sommer eine finanziell sehr schlechte Zeit für die bildenden Künstler ist, welche sich zu dieser Zeit meist bei der Arbeit auf dem Lande befinden und keine Möglichkeit zum Absatz ihrer Werke haben, weil auch das kaufkräftige Publikum in der Sommerfrische weilt. Erst auf der Herbstausstellung kommen Künstler und Käufer wieder zusammen, und nun können die Vereinigung und ihre Mitglieder wieder zu Geld kommen. Die Herbstausstellung ist also eine Lebensfrage, und wenn man auch gerade die Markthalle des Hagenbundes angeblich so dringend braucht, um gerade an dieser Stelle statt Bilder und Statuen Obst und Gemüse zu verkaufen, so hätte man doch wenigstens die paar Wochen noch zuwarten können, um den Betroffenen die Gelegenheit zur materiellen Erholung zu lassen. Man darf zwar der Ansicht sein, daß eine Majorität im Rathause, welche über achthundert Millionen Schulden gemacht hat, die soziale Pflicht habe, einer angesehenen Künstkervereinigung überhaupt nicht den Garaus zu machen und ihr ein Obdach zu bieten. Aber über solche Anwandlungen sind Christlich-Soziale erhaben. Sie kündigten dem Hagenbund nicht nur rücksichtslos, sondern sie machten auch die Herbstausstellung unmöglich. Nun können die Künstler ihre Werke nirgends zur Besichtigung und vor die Käufer bringen und die Angestellten der Vereinigung werden auf das Pflaster gesetzt. Warum nun kein Aufschub? Weil die Gemeinde das Lokal des unglücklichen Hagenbundes den Teilnehmern des Eucharistischen Kongresses als Speisehalle zur Verfügung stellen will. Ob es nun der Lucharistische Kongretz ist oder ein anderer — kann eine kleine Magenfrage eine grotze künstlerische Angelegenheit umbringen? Man hätte wohl zur Not für einige Tage noch ein anderes Speiselokal gesunden, oder der Hagenbund hätte mit der Ausstellung gewartet. Der Vorwand ist also kläglich, und .der wahre Grund der Kündigung liegt darin, datz der Hagenbund auf den Greislerstandpunkt der Christlich-- Sozialen gestoßen ist, welche die Kunst verachten. Das ist übrigens ein recht merklwürdiges Schicksal. Denn der Hagenbund hat sich ursprünglich großer Protektion im Rathaus zu erfreuen gehabt, als man dort die Bildungsfeindlichkeit noch leugnete. Er vereinigte Kunst und Antisemitismus und war in der Absicht gegründet, Juden den Beitritt zu verwehren. Aber einerseits liefe sich bei der großen Teilnahme der Inden am künstleröschen Leben dieser Standpunkt auf die Dauer nicht einhalten, andererseits halten es die Christlich-Sozialen sehr bald satt, Kunstmäzen zu spielen, und ließen den Hagenbund fallen. Als sich der Vorstand der Vereinigung jetzt an die Oeffentlichkeit mit Klagen gegen die Gemeindeverwaltung wendete, ergriff zur Antwort ein sehr bekannter Herr das Wort. Der Held von Polna, den man arzch anders bezeichnet hat, der siegreiche Ueberwinder des armen Schustergesellen Leopold Hilsner, der mit sehr imponierender Sti'mmenmajorität gewählte Stadtrat Schwer erhob sich zu einer gewaltigen Erklärung im Stadtrat und erzählte, daß die Stadt für den Hagenbund riesige Opfer gebracht, im Laufe der Zeit eine Vierüeb million hergegeben hätte und daß speziell er selbst aufopfernd für die Vereinigung gewirkt hätte. Allerdings hätte die Vereinigung vor vier Jahren (!) sich der hohen Freundschaft unwürdig erwiesen. Der Stadtrat Schwer sei vom Vorstand des Hagenbundes, der sich nach seiner Darstellung wirklich sehr brutal benommen hätte, als Gast gröblich beleidigt worden, Lueger hätte sich sehr geärgert, man hätte eine kommunale Unterstützung eingestellt und der Hagenbund hätte das Recht verloren.