Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3022013--21356-3046445
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 525 Nt. 31 Dr. Blochs Wochenschrift Herrn Karl B e r g e l aus Proßnitz und Herrn Braun aus Brünn, welche durch eifrige Betätigung und Sammlungen einen recht namhaften Beirag unserer Gemeinde zuführten. Gräfenberg. „Wegen eines Menschen bleibt die Welt nicht stille stehn." Obwohl der in weiten Kreisen bekannte Sanitätsrat Dr. Nudvlf H a t s ch e k, Chefarzt der Prißnitz'schen Wasserheilanstalt und Sar.aLüriuw, krankheitshalber nicht in Gräfenberg weilt, hat die Surion dennoch ihren Höhepunkt erreicht, alle Kurhäußr sind überfüllt, ein Fest reiht sich ans andere und die P. T. Badegäste ergötzen sich hier im wahrsten Sinne des Wortes an Gottes freier Natur, denn nicht umsonst führt Gräfenberg den Namen „die Perle Schlesiens". Hier pulsiert noch jüdisches Leben, sowohl in der orthodoxen Restauration Grünbaum, als auch in der „Austria" bei Selenko wird jeden Freitag abends und Samstags vormittags Gottesdienst abgehalten; für jüdische, verarmte Erholungsbedürftige ist wohl nicht gesorgt. Es fehlt eine derartige Institution, dennoch werden solche Arme in hinreichendem Maße unterstützt. Auch andere Wohltaten werden im Stillen geübt; die Kultusgemeinde Freiwaldau geht daran, einen konfessionellen Friedhof zu errichten und da hat Herr Karl Berget aus Proßnitz, welcher derartigen Institutionen ein lebhaftes Interesse entgegenbringt, sich in den Dienst der guten Sache gestellt, und es ist ihm auch gelungen, durch Sammlungen bei den P. T. Kurgästen jüdischen Glaubens einen recht namhaft hohen Betrag für diesen Zweck der Kultusgemeinde Freiwaldau zuzuführen. Es ist wahrhaft für den stillen Beobachter ein erhebendes Bewußtsein, diesem verfolgten Stamme anzugehören, zu sehen, daß der jüdische Wohltätigkeitssinn laut den Geboten unserer heiligen Schrift im Judentume fortlebt und wahrlich nie verlöschen wird. S. B. Budapest. (Todesfall.) Das Leichenbegängnis' des Großindustriellen Emil Neuschloß, Chefs der Firma Karl Neuschloß und Sohn, der nach langem Leiden im Alter von 76 Jahren in Ischl verschieden ist. fand hier am 23. v. M. statt. Emil Neuschloß beteiligte sich außer an seinem großen Holz- und Zimmermannsgeschäfte auch an vielen anderen Unternehmungen. So entstand unter seiner Mitwirkung aus einem bei Nasic entrierten Waldgeschäfte die Nasicer A.-G.; der Verstorbene war ferner Mitglied der Keramischen Fabriks-A.-iG. und der Lomuser Wakdindustrie-A.-O.; vor einigen Jahren gründete er die Waldverwertungs-AZG. Von seinen Fachgenossen wurde er zum Vizepräsidenten des Landesvereins der ungarischen Holzhändler gewählt; für seine vielfache Betätigung auf volkswirtschaftlichem Gebiete ist er mit dem Franz Joses-Orden, dem belgischen Leopold- Orden und dem Orden der Eisernen Krone dritter Klasse ausgezeichnet worden. Feuilleton. Der älteste Doman in der Weltliteratur.*) Von G. Götz. Berlin. Jahrzehnte hindurch hatte Achikar im assyrischen Reiche das Kanzleramt bekleidet. Wegen seiner Klugheit und der vielen Dienste, die er seinem Königreich Sanherib, dem aus dem Bibel bekannten Belagerer Jerusalems, geleistet hatte, war er bei Freund und Feind als weiser Minister bekannt. Er bewahrte den Siegelring des Königs und hatte über Wohl und Wehe Tausender von Untertanen zu entscheiden. Auch sein Reichtum schien unermeßlich. Er hatte sechzig Schlösser und sechzig Frauen, aber keine von ihnen hatte ihm ein Kind geschenkt. Das quälte ihn, und auf der Götter Rat nahm er seiner Schwester Sohn Nadan an Kindesstatt an, damit er der Erbe feines Amtes und seiner *) Aus der „Franks. Ztg." Güter sei. Wie ein Königssohn wurde Nadan erzogen und wuchs prächtig heran; der Oheim selbst unterwies ihn in Künsten und Wissenschaften und lehrte ihn den unerschöpflichen Vorn seiner Weisheit und Erfahrung in Form von Sinnsprüchen und Sentenzen. So wurde Nadan. wie die Sage erzählt, der Nachfolger des Achikar und der erste Diener seines Königs. Den Greis aber reute sogleich die schlechte Wahl, die er getroffen, und der Rat der Götter; denn Nadan handelte nicht nach seinen Worten, sondern mißhandelte die Menschen und verschwendete sein Gut. Der Undankbare ließ sich von seiner Habgier sogar soweit hinreißen, seinen Onkel und Wohltäter durch gefälschte Briefe, die er dem Könige in die Hände spielte, zu verleumden und des Hochverrats zu zeihen.' Achikar, im Gefühle seiner Unschuld, schweigt. Der König aber, von Nadan beschwatzt, sieht gerade darin ein Geständnis seiner Schuld und verurteilt ihn zum Tode. ' Zum Vollstrecker wird ein Beamter bestellt, dem Achikar vor Jahr und Tag einmal das Leben gerettet hat. Als dieser ihn auf seinem Weinberge nahe der Hauptstadt aufsucht, versteht es Achikars Frau, ihn von der Unschuld ihres greisen Mannes zu überzeugen und dazu zu bewegen, anstatt ferner einen ihrer Eunuchen hinzurichteu. Auf diese Werse wurde Achikar gerettet, während die Nachricht von seinem Tode durch die Lande ging. Der Pharao von Aegypten, der Erbfeind des assyrischen Reiches, wurde darob übermütig und erklärte siegesgewiß dem Sanherib einen Krieg, der mit den Waffen des Geistes aus getragen werden sollte. Er solle ihm einen Mann schicken, der mitten zwischen Himmel und Erde eine Burg zu bauen und auf jede Frage Antwort zu geben vermöchte, dann sollten den Assyrern die dreijährigen Einkünfte des ägyptischen Reiches gehören, wenn aber nicht, dann müsse Sanherib ihm den gleichen Tribut zahlen. Da herrschte große Trauer im Lande, und alles wünschte den weisen Minister herbei, der nicht mehr war. In dieser Not gestand der Scharfrichter seinen Ungehorsam und daß Achikar noch lebe. Sofort wurde der steinalte, gebrochene Mann herbeigeführt und erklärte sich bereit, alle Rätzel und Aufgaben zu lösen. Zu diesem Zwecke richtete er zwei Adler dazu ab. zwei kleine Knaben in die Lüfte zu tragen, und lehrte wiederum diese Kinder, hoch oben scheltend zu rufen: ,,Gebt Ton und Mörtel, Bausteine und Ziegel, ihr Bauleute, die ihr müßig seid!" Als des assyrischen Reiches Abgesandter reiste er sodann unter falschem Namen nach Aegypten, führte dem Pharao sein Wunder vor, beantwortete alle an ihn gerichteten Fragen und ging auch aus dem Rätselwettstreit als Sieger hervor. In Glanz und Pracht kehrte er mit Geschenken reich beladen als Sieger nach Ninive zurück. Stolz und weise lehnte er jede Belohnung ab, nur für seinen Lebensretter erwirkte er Straffreiheit und für sich die Erlaubnis, an seinem Neffen Nadan beliebige Rache zu nehmen. Bei Wasser und Brot sperrte er ihn in eine Kämmen am Eingang seines Hauses und ließ ihn in den ersten Tagen gehörig durchprügeln. Im weiteren Verlauf aber hielt er ihm jedesmal, wenn er die Schwelle seines Hauses betrat, eine Strafpredigt und führte ihm in Sprüchen, Gleichnissen und Fabeln täglich mehreremale die Gemeinheit und Dummheit seiner Handlungsweise vor Augen. Wir mögen zweifeln - Nadan aber, so wird erzählt,- war dieser geduldigen Weisheit und überlegenen Ruhe des Achikar nicht gewachsen. Vor innerer Qual und Pein schwoll er wie ein Schlauch immer mehr und mehr an, bis er — platzte. Einen Roman hat man diese für unseren Geschmack wenig spannende Erzählung genannt, und mit dieser Bezeichnung geht sie durch die Literaturgeschichte. Ist sie nun wirtlich ein Roman? Ein Roman, so gut wie die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.