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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 618 Dr. Wachs Wochechhrist Nr. S1 erworben würde. Ueber die Art der Erwerbung berichtete Dr. Scherzer das folgende: Wahrend meines Aufent- Haltes in.Peking kamen eines Morgens zwei Juden in das Hotel der britischen Gesandtschaft und boten mir eine riesige Thorarolle zum Verkaufe an. Die beiden jüdischen Abkömmlinge trugen chinesische Tracht, glichen aber in ihren Zügen weit mehr Mohammedanern als Chinesen, was wohl hauptsächlich daher kommen mochte, daß dieselben mehr mit den elfteren als mit den letzteren sich vermischten. Ihr Gesicht war oblong, die Augen waren nicht geschlitzt, sondern gerade und tiefliegend, die Nase etwas gebogen, der Haarwuchs am Kinn und an den Backen sehr reichlich. Sie kanten aus Kai-fang-fu, einer ehemaligen Iudenkolonie, welche etwa um das Jahrtausend nach Beginn der jetzigen Zeitrechnung von den aus Samarkand und Bochara eingewanderten jüdischen Handelsleuten gegründet wurde, allmählich aber ganz verarmte und schließlich in der eingeborenen Bevölkerung völlig ausging. Gegenwärtig sind davon nur mehr wenige Spuren in verfallenen Häusern und in Trümmern der einstigen Synagoge übrig geblieben, während die NachkomMen sogar die Sprache ihrer Eltern vergessen haben. Für ihre Einwanderung aus Bockhara spricht namentlich auch der Umstand, daß dieselben aus jener Stadt ihre Schriften sowie ihren Rabbiner kommen ließen. Als aber vor etwa 150 Iahten ihr Rabbiner starb, besaßen sie nicht Mohr die Mittel, um einen Er-, satz aus Bockhara sich zu verschaffen. Nach Ansicht des Dolmetsches der britischen Gesandtschaft in Peking, Doktor Edkins, wurde die vbenerwähnte Thorarolle vor ungefähr 200 Iahten vom vorletzten Rabbiner in Kaifang-fu für die dortige IudengeMtinde geschrieben. Es sollen in China iM ganzen nur 13 Abschrfften der fünf Bücher Moses vorhanden gewesen fein, von welchen sechs nach England und zwei nach Nordamerika wanderten, während eine Abschrift angeblich in einer Moschee in Peking aufbewahrt ist. Außer dem mir zum Ankäufe angebotenen EreMplare, von welchem die Besitzer, wie sie sagten, nur seht schwer und aus dem' Grunde sich trennten, um die Rückreise in ihte Heimat bestreitkn zu können, gibt es in China nur noch drei Eremplare von Thorarollen. Die jüdHche Auswanderung im' Monat Mai. Im Verlause des Monate Mai 1912 sind, laut der offiziellen Statistik im Newyorker Hafen, .4819 jüdische Einwanderer gelandet, und zwar 2752 Männer und 2067 Frauen und Kinder. Von den jüdischen Einwanderern kamen aus Rußland 2820, Oesterreich-Ungarn 1088, England 283, Türkei 152, Rumänien 91, Frankreich 92, und der Rest aus verschiedenen anderen Ländern. Auch diesmal zeigt sich das gewöhnliche traurige Bild, daß von den 4819 jüdischen Einwanderern 3668 sich in Newyork niederließen und her kleine Rest in die verschiedenen Teile des Landes weiterzog. Unter den 4819 Einwanderern befanden sich 904 Kinder unter 14 Iahten und 690 Mädchen ohne jede Begleitung. Von den genannten jüdischen Einwanderern erklärten 907 nicht schreiben zu können und 63 von ihnen wurden zurückgeschickt. Die 4819 eingewanderten Iuden hatten insgesamt 148.222 Dollar bares Geld mit sich. Handelskrise infolge Judenvertreibung. Wie erinnerlich, wurden in den letzten zwei Iahren in der Buchara wiederholt größere Jüdenausweisungen vol^ogen. Da es sich in diesem Falle zumeist um wohlhabende jüdische Familien handelte, welche seit Iahrzehnten in den betreffenden Ortschaften, hauptsächlich in SaMiarkand, wohnen, so hat diese ungerechte Maßregel auf den gesamtst Handel in der Buchara und Afghanistan einen geradezu verheerenden Eindruck geübt. Im russischen Handelsministerium laufen täglich Beschwerden darüber ein, daß die Ausweisung der bucharischen Iuden eine Handelskrise in Afghanistan zur Folge hatte, welche täglich größere Dimensionen annimmt. Aus diesem Grunde sinnt Man in russischen Regierungskreisen über Mittel!, wie dieser Krise Einhalt geboten werden könnte, ohne die ausgewiesenen Iuden wieder in die Buchara zurückzurufen. In den von der Krise betroffenen Gebieten selbst ist Man allerdings der Meinung, daß dies kaum gelingen werde und daß selbst die Repatriierung der bucharischen Iuden, vorausgesetzt, daß diese wieder zurückkehren möchten, kaum mehr geeignet wäre, die angerichteten Schäden gutzumachen und den Handel in seiner alten Blüte wieder herzustellen. Das Londoner jüdische Theater geschlossen. Vor kaum drei Monaten wurde in London unter großen Feierlichkeiten das neuerbaute jüdische Theater eröffnet und nun komMt die Nachricht, daß dieses junge jüdische Kunstinstitut wegen Mangelnder Unterstützung seitens des Publikums geschlossen werden mußte. Die Direktion des Theaters, insbesondere Direktor Feinmann, hat wohl weder Mühe noch Geld gespart, um in dem jüdischen Theater sowohl was die Stücke als auch was die Künstler betrifft^ Erstklassiges zu bieten, aber es hat sich eben gezeigt, daß selbst in London ein Theater, auf dessen Bühne jiddisch gespielt wird, heute keine Zukunft mehr hat. Selbst die Anteilscheine, welche bei Gründung des Theaters ausgegeben wurden, konnten trotz der Moralischen Unterstützung angesehener Gesellschaftskreise nicht alle an den Mann gebracht werden. Ein jüdischer Offizier in — Rußland. In Livland starb vor einigen Tagckl plötzlich! der jüdische Kaufmann Jsaac Freimann. Der Verstorben^ war russischer Offizier im' Ruhestande. In den siebziger Iahren diente er in der russischen Armee und hät sich so verdient gemacht, daß er vom gemeinen Sio^ daten bis zu allen russiWen Iuden zugänglichen Chargen emporstieg und dann schließlich für seine besondere Tapferkeit und Tüchtigkeit ausnahmsweise zum Offizier befördert wurde. Mit diesem Titel quittierte er dann den Militärdienst und hatte, was' in Rußland sWerlich eine Seltenheit ist, bis an sein Lebensende alle Rechte eines Offiziers der russischen Armee. Ein Gottesdienst in Esperanto. Bei den internationalen Esperantokongressen war es bisher üblich, Festgottesdienste mit E-predigten und -gesängen in den christlichen Kirchen abzuhalten. Angesichts der Tatsache, daß in der Stadt Krakau, in welcher der diesjährige Kongreß stattfindet, eine sehr bedeutende jüdische Gemeinde besteht, wandte sich Herr Rektor Saphra an das Organiza Komitato mit der Anregung, auch einen Festgottesdienst im israelitischen Tempel in Erwägung zu ziehen und sich Mit dem Rabbiner und der Gemeindevertretung in Verbindung zu setzen. Das geschah! Der Herr Rabbiner war sofort einverstanden, und heute empfing der Herr Rektor die Nachricht, daß die Gemeinde eingewilligt und die nicht unbedeutenden Kosten von 150—200 Kronen Zur Verfügung gestellt hat. So wird am 15. August, morgens 10 Uhr in der Krakauer Synagoge, gleichzeitig Mit 'den andern Konfessionen ein Festgottesdienst in Esperanto: Predigt und Gesänge (unter anderm Psalm III) abgehalten werden. Die 'Predigt ist Herrn Mektor Saphra übertragen worden. Jesaja und die Eleganten Frauen seiner Zeit. In der Zeitschrift „Neue Frauenzeitung und Frauenkultur" (Verlag der G. Braupschen Hofbuchdruckerei in Karlsruhe i. B.), dem Organ des Deutschen Verbandes

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