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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Aeite 516 dir. 31 der nötigen Geldmittel, teils durch persönliches Anteilnah me an den Fahrten. ' Außerdem gab es viele' -Züden^. welches die." HW bereisten, um die zehn Stämme äüMfinden.'' 'MlerWgss haben sie dieses Ziel nicht erreicht, aber ihr'Werk Var doch nicht vergebens, da durch ihre Reisen die' ttiipii schaftliche Welt gar manches erfahren hat, was bis dahin in Dunkel gehüllt war. Einige dieser Reisenden haben bei dieser Gelegenheit sich speziell nach, .^er Lage der Juden in den verschiedenen Ländern erkinkdigt. Im 16. Jahrhundert bereiste ein gewisser. Ionadab. Nvrd^ afrika. Von ihm wird berichtet, daß er 28 Sprächen verstand, die der damaligen zivilisierten Welt noch unbekannt waren. Er lebte viele Jahre in Afrika und übte die Gewohnheiten und Sitten, der Verschiedenen Völker, deren Sprache er auf diese Weise erlerntes Im 17. Jahrhundert machten Juden noch viel größere Reisen. Der jüdische Forscher Tereira. bereiste die Philippineninseln, China und Amerika und hat große Abhandlungen darüber geschrieben. Im 18. Jahrhundert ist das Werk des Tobias Kohen, des Sohnes des Metzer Rabbiners Moses Kvhen Rerol, berühmt geworden, und das Ende jenes Jahrhunderts bezeichnet den Anfang der modernen Epoche der jüdischen geographischen Forschungen. Seit jener Zeit hat es Hunderte von Juden gegeben, die durch ihre Reisen und wissenschaftlich-geographischen Forschungen bekannt geworden sind. Besonders sind zu erwähnen die Namen von Samuel Romanelli und Josef Wolf, zweier Autoritäten als Kenner von Buchara und den benachbarten asiatischen Ländern, Rathaniel Jsaacs, eines der ersten Forscher im Zululand und Natal in Afrika, nnd Nathan Pollak, der berühmt geworden ist durch seein Werk über Neuseeland. Kapitän Binger hat zwei große Seen in Afrika entdeckt, Kapitän Foa hat Nordafrika bereist und interessante geographische Tatsachen aufgefunden. Zu erwähnen ist ferner Emin Pascha, dessen eigentlicher Name Eduard Schnitzer war. Emin Pascha und Louis Lucas waren die beiden größten und berühmtesten Afrikaforscher, ganz zu schweigen von Pro-' fessor Vambery, der jetzt in orientalischen Dingen als' die größte Autorität gilt. Vambery hieß eigentlich Bamberger; er war der Liebling des abgefetzten türkischen Sultans. Er war es auch, der den Zionistenführer Herzl bei dem Sultan eingeführt hat. Mehrere Juden haben sich auch an den Expeditionen nach dem Nordpol beteiligt; wir nennen die Professoren Heilperin, Besjels! und Israel. Die vorstehenden Angaben bilden nur einen geringen Teil dessen, was die Juden auf dem Gebiets der Länderforschung geleistet haben. Ueberhaupt sind cs erst wenige Jahrzehnte her, seitdem man angefangen hat, Untersuchungen anzustellen über die Leistungen der Juden auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft. So weiß man z. V. erst seit kurzer Zeit, daß spanische und portugiesische Juden Columbus nicht nur mit Geld unterstützt haben, sondern daß auch bei seiner Fahrt nach Amerika viele Juden beteiligt waren. Sein Schiffsarzt war ein Jude und zugleich ein bekannter Forfchüngsreisender, und vor wenigen Monaten hat man sogar die überraschende Entdeckung gemacht, daß Columbus selbst von Juden stammte. Weber ei« Kapitel mittelalterlicher Kulturgeschichte schreibt Wilhelm von Buttlar im „Leipziger Tageblatt": Der schwarze Tod. die Volksgeißel des vierzehnten Jahrhunderts, erschließt dem Kulturhistoriker eines der düstersten Kapitel unserer Vergangenheit. Neben ihrer natürlichen Folgeerscheinung^ der Verödung der Länder, durch die sie nkit totbringenden Schritten einherzog, interessieren den Forscher besonders die übrigen nicht weniger betrübenden Erscheinungen im Volksleben, die durch dys. große Sterben hervorgerufen wurden. Begegnen wir in den. lleberlieferungen alter Chroniken auch reichlich öfr sagenhafter Ausschmückung dieser Begebenheiten, so bildet doch schon der Historisch erwiesene Kern eines der schwärzesten Kapitel der mittelalterlichen Kulturgeschichte Deutschlands : die Erscheinung der Geißler und die Judenverfolgungen. Das ganze Mittelalter hindurch können wir einen tiefen Haß gegen die Juden wahrnehmen, der sich oft in grausamen Verfolgungen Luft schaffte. Zur näheren Erklärung der Ursachen dieses Hasses dient die Stellung der Juden innerhalb der damaligen politischen Gemeinwesen. Die Ansicht, das deutsche Kaisertum sei eine Forh setzung des römischen, verschaffte dem deutschen Kaiser die uneingeschränkte Herrschaft, ja gewissermaßen das Eigentumsrecht üb,er die Juden. Der „Schwabenspiegel" führt dies mit den folgenden Worten an: „Die Juden gab der König Titus zu eigen in des Königs Kammer, dafür sollen füe noch d.es Reiches Knechte sein und er soll sie auch schirmen". Eine Folge dieser den damaligen Zeitverhältnissen entsprechenden Rechtsanschauung war sogar die, daß 'Kaiser Albrecht I. sein vermeintliches Anrecht auf die Juden gegen König Philipp IV. von Frankreich geltend machte, und die französischen Rechtsgelehrten sprachen sich in dem darüber entstandenen Prozeß zugunsten des deutschen Kaisers aus. Philipp schickte deshalb alle in seinem Lande lebenden Juden nach Deutschland, natürlich aber, nachdem er sie all ihrer Habe beraubt hatte. Obwohl nun dfe Juden dem deutschen Kaiser allein unterstellt waren, ging, wie die meisten übrigen seiner Sonderrechte und Einkünfte, auch dieses nach und nach auf die Reichsstände und unmittelbaren Reichsfürsten über. Um so lieber maßten sich diese das Patronat über die Juden an, als das hohe Schutzgeld, das die Juden zu zahlen hatten, für sie eine nie versiegende Quelle des Einkommens bildete. Obgleich also das eigene Interesse zum mindesten eine Schonung der jüdischen Bevölkerung geboten hätte, finden wir wiederholt im Mittelalter blutige Judenverfolgungen, die teils durch Fanatismus und Religionsschwärmerei, mehr noch durch Raublust und Gewinnsucht hervorgerufen wurden. Und die kgiserstche Majestät war nur zu bereit, die Niedermetzelung durch Sühnebriefe für billige Buße zu verzeihen. Solche Verfolgungen finden wir beispielsweise in- Süddeutschland, besonders in Bayern, in den Jahren 1096, 1276 u.nd 1285. Als äußere Veranlassung wird von den Schriftstellern, die derselben Erwähnung tun, meist die Ermordung eines Christenkindes angegeben, das die Juden von einem alten Weibe gekauft haben sotten, oder der vermeintliche Diebstahl einer Hostie. Die Unerweislichkeit dieser Beschuldigung änderte an der dadurch hervorgerufenen Gesinnung der christlichen fanatischen Bevölkerung nichts. Sjtbort, der Geschichtsschreiber der Juden in Sachsen, sagt darüber: „Eine angeblich gestohlene Hostie — die, wie sich erweisen läßt, oft nur von Fürsten verpfändet worden, höchstens von einem Juden gekauft war —, leine Beschuldigung des Wuchers, der in jener Zeit noch in gar keine genauen Grenzen gewiesen, teilweise selbsterlaubt war — der Vorwand eines Kindesmordes, dies sind die gebräuchlichsten Anlässe zu allgemeinem Angriff, der fast immer obendrein die gänzliche Verbannung zur Folge hatte. Nur einmal, in späterer Zeit, fm Hussitenkriege, erscheint die Beschuldigung vom Verrat an Feinde als vorgeblicher Grund einer solchen Ausweisung. Ja, die Ausstände waren oft nur Ausbrüche zügelloser Volkswut, beson-

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