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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-08-02 · 31 (2.8.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
31 (2.8.1912)
Date
1912-08-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Blochs kennt, weiß. Wachen Anteil diese Sonntagsruhe an der ganzen derouten, wirtschaftlichen Lage hat, weiß, wie sie jede Entfaltung, jeden ökonomischen Aufschwung lähmt. Für die Bevölkerung eines Landes ist eine wöchentliche 24stündige Ruhe erforderlich, aber sie gerade für alle Bewohner ohne Unterschied der Konfession auf den Sonntag zu verlegen, ist unbedingt ein unzulässiger religiöser Zwang, der die schlimmsten Folgen haben mutz. 2n diesem! Erlasse, der bei uns im Westen, wo die religiösen Gegensätze nicht so grell gepaart sind, zumindest keine verheerende Wirkung hat, liegt so viel mittelalterliche Finsternis und ein derart rücksichtsloses autokratisches Machtbewutztsein unserem' Volke gegenüber, dessen Zugehörige doch insgeheim' nur als Parias gelten, daß die späten Enkel diese Gesetzgebung einmal betrachten werden, so wie sie heute die rostigen Inquisitionsgeräte der Folterkammer mit Abscheu und Grauen besehen. Ich schreibe unter dem! unmittelbaren Eindruck der Wirkung dieser Sonntagsruhe, die auch dem! harmlosesten Reisenden in galizischen Städten auffallen muß. Am Freitag nachmittag sperrt her jüdische Kaufmann seinen Laden, stellt der jüdische Gewerbetreibende steine Arbeit ein, um sie erst Montag wieder aufzunehmen. Kommen dazwischen noch ein paar jüdische Feiertage, dann ist der Jude in Galizien gezwungen, halbe Wochen lang zu ruhen — und zu fasten. Denn der Ataat macht ihn auf diese Weise wohl zum Rentier, gibt ihm aber nichts weniger als Coupons, sondern höchstens Steuervorschreibungen, denen er nicht einmal' Nachkommen könnte, wenn er selbst Tag und Nacht arbeitete. Welch erzieherischen Einfluß eine derartige Lebensweise auf ein Volk haben muß, wie derart Handel und Gewerbe gestützt und gehoben werden — das ist durch die öffentliche Meinung Europas längst gekennzeichnet worden. Der Ruf, den Galizien in der westeuropäischen .Handelswelt genießt, ist ein Erfolg seiner Verwaltung, die systematisch Verwahrlosung und Elend züchtet. Ein Reigen von Anlagen, an deren Spitze die ungeheure Emigration in Galizien schreitet! Oekonomisch hat diese Verfügung sicherlich, ein Fiasko gezeitigt, ihrem inneren Bestände nach ist sie unethisch, religiös im Höchsten Maße intolerant. Wie paradox und lächerlich erscheint diese durchgeführte Sonntagsruhe in allen kleinen jüdischen Städtchen, wo die Juden diesen über sie verhängten Ruhetag nicht einmal durch bessere Kleidung feiern, da sie die Tradition ihres Ruhezeremoniells bereits am Vortage erfüllt haben. Warum sollte für den Teil der jüdischen Bevöl^rung Galiziens und der Bukowina nicht dasselbe gelten, wie für manche Ausnahmsgewerbe, z. B. Gastwirte, Kaffeesieder, für die es ein Verbot der Sonntagsarbeit überhaupt nicht gibt und die nur verhalten werden, ihren Angestellten an einem Tage der Woche einen Ruhetag einzuräuMen. Warum wurde in Bosnien Rücksicht auf die mohammedanische Bevölkerung genommen, warum verrichtet dort die Regierung nicht auch eine derartige Missionsarbeit durch die Einführung der 'Sonn- und Feiertagsruhe? Wie einsichtsvoll kann doch das Gesetz sein» wenn es sich nicht gerade IM eine jüdische Sache handelt. Schon beim Erscheinen des Gesetzes über die Sonntagsruhe in den Fabriken ist der damalige Reichsratsabgeordnete Dr. I. S. Bloch in fulminanter Rede gegen die Beeinträchtigung jüdischer Interessen aufgetreten. Nun soll der Tanz von neuem losgehen. Wir haben inzwischen die große Farce unserer staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung auf der Schaubühne Oesterreichs öfters in Szene gehen sehen und werden nun wieder Gelegenheit haben, den Ausbrüchen einer Wochenschrift «5 gehässigen Majorität zu folgen, die einen ihr derart vom Staate eigenhändig zubereiteten Konkurrenzvorteil nicht aus den Händen lassen und Mit aller Macht verteidigen Mrd. Denn in der Tendenz dieser Majorität liegt es, dem armen Lande wohl Wasserstraßen zu geben, aber nichts, was sie auf ihnen transportieren könnten. Thekla Blech-Merwin. Indische Forsch»ngsre»se«dr. Das jüdische Volk ist ein Wandervolk. Wenig Ruhe hatte der Jude in den Länder^, die er sich zur Heimat erkoren. Es kam ein neuer König oder eine neue Regierung, und es war aus mit der jüdischen Seßhaftigkeit. Da hieß es: Fori mit Sack und Pack von Haus und Hof, um neue Wohnstätten zu suchen. Ia. es kam so weit, daß der wandernde Jude zur stehenden Redensart wurde nicht nur unter dein Juden selbst, sondern sogar bei den übrigen Völkern. Allerdings handelt es sich dabei nur um unfreiwMge Wanderschaft. Man war gezwungen, seine Heimat zu Verlassen, wenn man sein Leben retten wollte. Aber es gibt auch Juden genug, die aus freien Stückein nNd aus eigenem Antriebe die Welt bereisten, zu demf Zwecke, etwas Neues, etwas Unbekanntes zu erforschen. Wir meinen also jene Juden, welche durch ihre Wanderungen die Wissenschaft und die Literatur bereichert haben. Schon in dein alten religiösen und rabbinischep Schriften finden wir zahlreiche geographische Bemerkungen über verschiedene Länder. Aber rn der nachtalnnH-I dischen Zeit wurden besondere Werke geschrieben von jüdischen Reisenden, welche viele Länder durchforscht haben, die früher noch unbekannt gewesen waren. In den geographischen Werken von Abraham ihn Esra finden wir Angaben über Engend und Palästina, die zu ihrer Zeit große Bedeutung hatten. Einer seiner Freunde. Benjamin von Tudela. hat so viele Länder bereist und so viele Gegenden durchforscht, daß seine Werke noch heutigen Tages von hohem Werte sind. Bekanntlich geschieht in dem Reisewerke dieses Gelehrten auch der jüdischen .Gemeinde von Straßburg Erwähnung. Seine Reisebeschreibung ist fast in alle europäischen Sprachen übersetzt worden. Außer Abraham ibn Esra und Benjamin von Tudela ist aus jener Zeit noch Pethachja aus Regensburg bekannt geworden, der insbesondere Polen, Südrußland, Böhmen, Griechenland und Palästina bereist hat. Im 13. Jahrhundert haben 300 Rabbiner aus Frankreich die Reife nach Palästina unternommen und damit ihr Leben aufs Spiel gesetzt, weil es den Juden damals verboten war, Palästina zu betreten. Aber die Rabbiner waren so begeistert von den Zionsliedern Juda Halevis, daß sie keine Gefahr scheuten, und sie haben ihr Ziel denn auch glücklich erreicht. Im 14. Jahrhundert war es leichter für die Juden, nach Palästina zu kommen. In der Tat hat denn auch ein jüdischer Forscher namens Estori Parchi fünf Jahre in Palästina und dessen Nachbarländern verbracht und ein geographisches Werk geschrieben, das noch jetzt als gewißenhafchi Arbeit betrachtet wird. Viel bedeutender aber war die Rolle der Juden als Forschungsreisende im 15. Jahrhundert. Damals machte sich überhaupt die Bewegung geltend, unbekannte Gegenden der Welt zu bereisen und alle Meere zu befahren, in der Hoffnung, neue Weltteile zu finden: und die Juden haben zu einem großen Teile beigetragen zu dem Erfolge dieser Reiseunternehmungen. Alle Bek richte jener Zeit ermahnen die großen Verdienste, welche Juden um die Entdeckung der oft- und westindischen Jnfeln sich erworben haben, teils durch Bereitstellung

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