Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 30 (26.7.1912)
- Date
- 1912-07-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022012--21340-3046428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sette 510 Dr. Blvchs AZochrnschrfft Nr. 30 Farben kund: es ist das ausgehende Mittelalter, eine realistische Zeit." » Und nun zu seiner Schilderung der damaligen Juden und ihrer Gebräuche.. Die Schilderung der Passahfeiey, die er mit solcher .Treue und Lebendigkeit vorführt, rst ihm — wie er es selbst einmal schreibt — gelungen. Die Haggada dient ihm zur Grundlage, und er muh selbst wohl Sederabende mitgemacht haben, „Siehe, das ist die Kost". „Die kleine Legende von den Gelehrten zu Bene Brak". „Das Lied vom Böcklein" sind wörtliche Uebersetzungen und stammen von seinem Freunde Moser. Die Frankfurter Juden kannte er teils aus eigener Anschauung, teils aus dem Buche von Schudt. Die gelungene Beschreibung der Synagoge und des Gottesdienstes sei besonders erwähnt. Held des Romanes sollte das genannte mittelalterliche Judentum werden, und es sind die einzelnen Personen weniger herausgearbeitet und nur typischer Natur/. Und so steht in diesem Plane stark unter dem Einfluß Scotts und der Romantik (Szene vor dem Fr. Ghetto). Gewiß stehen im Vordergrund der jugendliche Rabbi Abraham und ihm gegenüber der spanische assimilierte Abarbanel. Und das läßt auch auf den zweiten Plan Heines schließen, sich selbst zum Helden des Romans zu machen: Heine (Feuchtwanger, 88), „der seinen Uebertritt rechtfertigen will, der Heine, den die Tragik des Gegensatzes zwischen Nazarenertum und Hellenentum bedrängt . . . ." Da sollte zunächst der Kontrast zwischen Heine und Goethe eine Rolle spielen, der Kampf zwischen' Nazarenertum und Hellenentum, wie er zwischen Heinen und der Außenwelt, und wie er in Heines Innerem selbst sich abspielte. Heine schreibt (1. Juli 1825): „Daß ich Dir von Goethe nichts geschrieben, und wie ich ihn in Weimar gesprochen, und wie er mir recht viel Freundliches und Herablassendes gesägt, daran hast Du nichts verloren. Er ist nur noch das Gebäude, worin einst Herrliches geblüht, und nur das war's, was mich an ihm interessierte. Er hat ein wehmütiges Gefühl in mir erregt, und er ist mir lieber geworden, seit ich ihn bemitleide. Im Grunde aber sind Goethe und ich zwei Naturen, die sich in ihrer Heterogenität abstoßen müssen. Er ist von Haus aus ein leichter Lebemensch, dem der Lebensgenuß das Höchste und der das Leben für und in der Idee wohl zuweilen fühlt und ahnt und in Gedichten ausspricht, aber nie tief begriffen und noch weniger gelebt hat. Ich hingegen bin von Haus aus ein Schwärmer, d. h. bis zur Aufiopferung begeistert für die Idee, und immer gedrängt, in dieselbe mich zu versenken, dagegen aber habe ich den Lebensgenuß begriffen und Gefallen daran gefunden, und nun ist in mir der große Kampf zwischen meiner klaren Vernünftigkeit, die den Lebensgenuß billigt, und alle aufopfernde Begeisterung als etwas Törichtes ablchnt, und zwischen meiner schwärmerischen Neigung, die oft unversehens aufschießt und mich gewaltsam ergreift- und mich vielleicht einst wieder in ihr uraltes Reich hinabzieht, wenn es nicht besser ist zu sagen: hinaufzieht: denn es ist noch die große Frage, obj der Schwärmer, der selbst sein Leben für die Idee hingibt, nicht in einem Momente mehr und glücklicher lebt, als Herr von Goethe während seines ganzen sechsundsiebzigjährigen egoistisch behaglichen Lebens. Doch ein anderes Mal mehr hievon: heut ist mir der Kopf ganz matt von unsäglichen Abmühungen. W i r st auch jenes Thema im „Rabbi" wiederfinden. — Dieser Gegensatz sollte nun durch den deutschen und spanischen Juden dargestellt werden. Don Isaak sollte der Träger der Idee werden. „Der Kontrast zwischen Don Isaak und Schuda Abarbanel und besonders zwischen Don Isaak und Rabbi Abraham von Bacherach ist der Kontrast zwischen Heinrich Heine und Moses Moser." (F. p. 97.) Heine wollte als zweiten Plan, wie aus Briefen hervorgeht, kaum die Frage der Judentaufen freimütigst behandeln, sicherlich aber ein Problem, das ihn im Innersten bewegte. Und dabei ist auch der Einfluß Scotts und der Romantik mehr und mehr zu^ rückgetreten und der echte Heine mehr zum Durchbruch gekommen. Bedeutung für die deutsche Literatur und wesentlichen Einfluß auf das Schaffen anderer hat das Fragment nicht gehabt. Für den Psychologen Heine aber ist es und seine Entstehungsgeschichte von größtem Interesse. (F. 114 f.) Heine sehnte sich nach einem Ideal, an das er sich klammern konnte. So redete er sich autosuggestiv fort und fort den Glauben an stets wechselnde Ideale ein, der aber wieder und wieder von seinem materialistisch zersetzenden, kritischen Witz zerstieben mußte. So warf er sich als 19jähriger einem mystischen Katholizismus in die Arme; so redete er sich später die große Leidem schuft für seine Cousine ein: so begeisterte er sich in seiner Berliner Zeit für die Größe jüdischen Wesiens und jüdischer Geschichte: dann war es ein politisches und zum Schluß wieder ein religiöses Ideal, an das^ er sich zu klammern suchte. Aber alle dieße Ideale hielten nicht stand vor seiner kritisierenden Vernunft. Wie nun Heine an die Größe der jüdischen Sache glauben wollte und nicht glauben konnte, die Sehnsucht und das Unvermögen, an ein Ideal stark, unbeirrt und unerschütterlich zu glauben, diese wehe, ohnmächtige Sehnsucht, die im Gefühl ihrer Ohnmacht zuletzt in bittet ren Sarkasmus umschlägt, zeigt die Entstehungsgeschichte des Fragments in seltener Klarheit. Palästina- und Orieutreisen zu besonders ermäßigten Preisen. In Ergänzung dos in Nr. 25 vom 21. Juni d. J. der »Oesterreichischen Wochenschrift« veröffentlichten Prospektes über die von dem seit mehr als drei Jahrzehnten bestehenden und bestens eingeführten und empfohlenen Jerusalemer Reisebureau, Demetrius N. Domian & Phil. Kieferdorf & C o., in diesem Jahre zum ersten Male organisierten außergewöhnlich billigen Palästina- und Orientreisen »außer Saison«, erlaubt sich der Unterzeichnete hiemit der verehrten Leserwelt noch die weitere, jedenfalls sehr willkommene Mitteilung zu machen, daß sich das Jerusalemer Bureau, im Interesse einer möglichst allgemeinen und dauernd regen Beteiligung und Benützung seiner ungewöhnlich günstigen Offerte, mittlerweile entschlossen hat, die Giltigkeitsdauer des neuen, äußerst reduzierten Sommer¬ und Herbst-Reisetarifes noch bedeutend zu verlängern und denselben auch noch für die eigentlichen Wintermonate: November, Dezember und Jänner in Kraft zu erklären, so daß der erhöhte Tarif nur noch für die drei eigentlichen »Saisonmonate« des Jahres: Februar, März und April, in Betracht kommt. Zu dem will aber das Jerusalemer Bureau in ganz besonderer Konnivenz noch ein üebriges tun, indem es bei einer größeren Teilnehmerzahl auf je 10 Personen für den Organisator einer Gesellschaftreise, oder für jede andere beliebige, etwa durch das Los zu bestimmende Person der Reisegesellschaft, für die Touren in Palästina und Egypten, ein für die ganze Dauer der Reise und die Benützung jeden Arrangements derselben gütiges, von allen Unkosten entbundenes Freibillet ausstellt. Solch außerordentlich entgegenkommendes Anerbieten dürfte noch von keiner Seite gemacht worden sein und wird es durch dasselbe jetzt namentlich auch allen denjenigen Palästina- und Orient- Reiselustigen, welche sich genötigt sehen, mit ihren Mitteln und ihrer Zeit möglichst ökonomisch und wählerisch zu Rate zu gehen, fast das ganze Jahr über leicht gemacht, durch Inanspruchnahme und Benützung der guten Dienste des Jerusalemer Bureaus, auf die denkbar günstigste, vorteilhafteste, bequemste und billigste, ja nach den Umständen nahezu kostenlose Weise mit einer äußerst unterhaltenden, ergötzenden und instruktiven Palästina- und Orientreise an das lang ersehnte Ziel ihrer heißen Wünsche zu gelangen. So hofft und bittet denn das Jerusalemer Bureau, daß cs jetzt unter den von ihm angebotenen ganz ausnahmsweisen und ungemein vorteilhaften Bedingungen, namentlich auch die europäische jüdische.Allgemeinheit zu seiner recht zahlreichen und dauernden Klientel zählen darf, zumal das Bureau in Jerusalem auch mit allen jüdischen Verhältnissen und Institutionen im Lande auf das genaueste vertraut ist und deswegen gerade auch speziell