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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-26 · 30 (26.7.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 508 Nr. 30 Dr. Blochs Wochenschrift der Donau in Ungarn ins Wassrr stürzten und dem Ertrinkungstod nahe waren. Major Korb ließ den Einjährigen vor die Front des Bataillons treten und heftete ihm nach einer Ansprache das Kreuz an die Brust. Prag. (Promotion.) Herr Oskar Karpelis aus Auipitz in Mähren, Kand. der Theologie an der Hochschule für die W-ssenschast des Judentums zu Berlin, ist am 1l. d. im Festsaale der deutschen Karl-Ferdinands-Universität zu Prag zum Doktor der Philosophie promoviert worden. Feuilleton. Zur Entstehung des „Rabbi von Kacharach". Von I. Wertheim (Wien). Heines Taufe, die Entstehung seines „Almansor" und „Rabbi" fallen um dieselbe Zeit. Zwei Tage nach seiner Taufe schreibt er an seinen Freund Moser: „Der „Rabbi" schreitet nur langsam vorwärts, jede Zeile wird abgekämpft, doch drängts mich unverdrossen weiter, indem ich das Bewußtsein in mir trage, daß nur ich dieses Buch schreiben kann und daß das Schreiben desselben eine nützliche, gottgefällige Handlung ist." Zehn Monate früher hatte er seinem Freunde bereits mitgeteilt: „Aus meiner Denkungsart kannst Du wohl abstrahieren, daß mir die Taufe ein gleichgültiger Akt ist, daß ich ihn auch symbolisch nicht wichtig achte, und daß er in den Verhältnissen und auf die Weife, wie er bei mir geschlossen würde, auch für andere keine Bedeutung hätte. Für mich hätte er vielleicht die Bedeutung, daß ich mich der Verteidigung der Rechte meiner unglücklichen Stammesgenossen mehr weihen würde." Um jene Zeit ist das Klagelied des geknechteten Iudenvolkes, die bittere Satire auf das Renegatentum, der „Almansor", beendet, der den Uebertritt Almansor ben Abdullas und seine verhaltene Wut darüber ingrimmig schildert, und wahrscheinlichauch das Gedicht „Einem Abtrünnigen", das in den Zeilen ausklingt: „Gestern noch ein Held gewesen. Ist man heute schon ein Schurke." Der folgende Brief an Moser (25. Oktober 1833) ist von großer Bedeutung für den Charakter des Werkes: „Blutwenig habe ich diesen Sommer geschrieben. Ein paar Bogen an den Memoiren. Verse gar keine. Am Rabbi wenig, so daß kaum ein Drittel davon geschrieben ist. Er wird aber sehr groß, wohl ein dicker Band, und mit unsäglicher Liebe trage ich das ganze Werk in der Brust. Ist es ja doch ganz aus der Liebe hervorgegangen, nicht aus eitel Ruhmbegier. Im Gegenteil, wenn ich der Stimme der äußeren Klugheit Gehör geben wollte, so würde ich es gar nicht schreiben. Ich sehe voraus, wieviel ich dadurch verschütte und Feindseliges herbeirufe. Aber eben auch, weil es aus der Liebe hervorgeht, wird es ein unsterbliches Buch werden, eine ewige Lampe im Dome Gottes, kein verprafselndes Theaterlicht. Ich habe viel Geschriebenes in diesem Buche wieder ausgelöscht, jetzt erst ist es mir gelungen, das Ganze zu fassen, und ich bitte nur Gott, mir gesunde Stunden zu geben, es ruhig niederzuschreiben. Lächle nicht über dieses Gackern vor dem Eierlegen. Lächle auch nicht über mein langes Brüten, so ein gewöhnliches Eänseei (ich meine nicht Dr. Gans) ist schneller ausgebrütet, als das Taubenei des heiligen Geistes. Du hast vergessen, mir paar Notizen mitzuteilen, die ich in meinem letzten Briefe zum Behufs des Rabbi verlangte. Dem Dr. Zunz lasse ich für seine Mitteilung über die.spanischen Iuden tausendmal danken. Obschon sie höchstdürftig ist, hat Zunz mir doch mit einem einzigen scharfsinnigen Wink mehr genützt, als einige vergeblich durchstöberte Quartbände, und er wird unbewußt auf den Rabbi influenziert haben.. Da Zunz kein Formelmensch ist, so kann ich einen besonderen Brief sparen, indem ich Dir mitteile, was Du ihm sagen sollst. Dieses besteht noch darin: 1. daß ich ihn liebe, 2. daß ich ihn schätze, 3. daß ich wünschet er hätte die Güte, mir anzuweisen, wo ich gute Notizen finde über die Familie der Abarbanels (auch Abraval-. nels genannt). Im Basnage habe ich wenig gefunden. Die schmerzliche Lektüre ward Mitte vorigen Monats endlich vollendet. Was ich speziell suchte, habe ich eigentlich nicht darin gefunden, aber viel Neues entdeckte ich, und viele neue Ideen und Gefühle werden dadurch in mir aufgeregt. Das Ganze des Buches ist großartig, und einen Teil des Eindrucks, den es auf mich gemacht, habe ich den 11. September in folgender Reflexion angedeutet: An Edom! Ein Iahrtausend schon und länger Dulden wir uns brüderlich: Du, Du duldest, daß ich atme. Daß Du rasest, dulde ich. — Manchmal nur, in stillen Zeiten, Ward Dir wunderlich zu Mut, Und die liebevollen Tätzchen Färbtest Du mit Deinem Blut! — Ietzt wird unsre Freundschaft fester. Und noch täglich nimmt sie zu. Denn ich selbst begann zu rasen, Und ich werde fast wie Du! Aber wie ein Wort das andere gibt, so gibt auch ein Vers den anderen, und ich will Dir zwar unbedeutendere Verse mitteilen, die ich gestern Abend machte» als ich über die Weenderslraße trotz Regen und Wetter spazieren ging und an Dich dachte, und an die Freude, wenn ich Dir einmal den Rabbi zuschicken kann, und ich dichtete schon die Verse, die ich auf den weißen Umschlag des Eremplares als Vorwort für Dich schreiben würde — und da ich keine Geheimnisse für Dich habe, so will ich Dir schon hier jene Verse mitteilen: Brich aus in lauten Klagen, Du düst'res Märtyrerlied, Das ich so läng getragen Im flammen stillen Gemüt. Es dringt fn alle Ohren, Und durch die Ohren ins Herz: Ich habe gewaltig beschworen Den tausendjährigen Schmerz. Es weinen die großen und kleinen. Sogar die kalten Herrn, Die Frauen und Blumen weinen, Es weinen am Himmel die Stern'! Und alle die Tränen stießen Nach Süden, im stillen Verein, Sie fließen und ergießen Schall in den Iordan hinein. Als Heine den Torso seinem Verleger (18. Iuli 1840) zur Veröffentlichung im vierten „Salon"1eil übersandte, ist es ihm nur „zeitgemäßes Manuskriptmaterial"!, „das unschuldige Lamm". das die Aufmerksamkeit der Zensur von dem brüllenden Löwen, dem „Börne", ablenken soll. Ich habe dies alles vorausgeschickt, um es uns umso erklärlicher zu machen, wie wenig sich der Dichter, wie! wir bald hören werden, mit mittelalterlichen Chronikstudien beschäftigt hat, was aus seinen Briefen in. den Iahren 1823—25 hervorgeht. Dem Aufsatze liegt das

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