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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-26 · 30 (26.7.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 506 Dr. Blochs Woche-nfchM Nr. 30 einen Ruhetag genießt, es nun -- ausgesprochen werden möge, daß die jüdischen Postangestellten am Sabbath freibekommen und am Sonntag arbeiten, hingegen die christlichen Angestellten umgekehrt am Sabbath arbeiten und am Sonntag ruhen mögen. Die Deputation wies! darauf hin, daß eine solche Einrichtung nicht nur der vollständigen Religions- und Gewissensfreiheit ent-, sprechen würde, sondern auch für den Fiskus eine Ersparnis bedeuten würde, da in England im Postdienste, für Sonnlagsarbeit erhöhte Löhne bezahlt werden, und die jüdischen Postbediensteten naturgemäß auf die Erhöhung des Sonntagslohnes verzichten würden. Die Deputation habe sich deshalb veranlaßt gesehen, in dieser Angelegenheit beim Postminister vorzusprechen, weil durch die jetzigen Zustände die Juden, von denen der größte Teil den Sabbath halten möchte, sich vom Postdienste fernhält, so daß in England jüdische Post- und Tele^ graphenbeamte eine Seltenheit bilden. Generalpostmeister Herbert Samuel empfing die Vertreter der Judenschaft mit besonderer Freundlichkeit und erklärte, daß er in dieser Frage bloß Vertrauensmann sei, der die Verpflichtung habe, in erster Linie die Interessen desj ihm anvertrauten Post- und Telegraphenwesens zu vertreten. Der Vorschlag selbst habe sehr viel Verlockendes an sich, und er ist gerne bereit, die Frage eingehend zu studieren, obgleich er nicht verschweigen könne, daß deri Post- und Telegraphendienst gerade an den Samstagen der schwierigste ist. Andererseits sei er geneigt, falls ihm entsprechendes jüdisches Veamtenmaterial präsentiert würde, sie anzustellen und dabei die Wünsche der De^- putation nach Tunlichkeit zu berücksichtigen. Leopold de Rothschild dankte dem Postminister' für seine freundlichen Zusagen, worauf sich die Deputation zurückzog. Das Denkmal für Herr und Frau Isidor Strauß. Das Komitee zur Errichtung eines dauernden Denkmals für die bei der „Titanic"-Katas1rophe ertrunkenen Eheleute Isidor Strauß hat auf Anregung des Kassaverwalters Jakob H. Schiff beschlossen, zum ewigen Andenken an die Genannten in Broadway im westlichen Newyork einen großen 'öffentlichen Park zu errichten, der den Namen der Verstorbenen tragen wird. Den Park wird ein Brunnen mit allegorischen Figuren, welche die Vorzüge der Verstorbenen symbolisieren werden, zieren. Ableben der ersten jüdischen Kommunalschuldirektorin in Amerika. Aus Newyork wird uns geschrieben: Die Ende vorigen Monats während einer Studienreise in Paris verstorbene Miß Julia Richman, Bezirksschulinspektorin der Newyorker städtischen Schulen, war eine der hervorragendsten Pädagoginnen und Sozialpolitikerinnen von Amerika. Sie war die erste Jüdin, die im Alter von 36 Jahren die Stelle einer Schuldirektorin an einer der größten Kommunalschulen von Newyork bekleidete. Die Verstorbene, die ein Alter von 56 Jahren erreichte, hatte sich auf dem Gebiete der Schulreform große Verdienste erworben, und ihren Anregungen sind auch zahlreiche Institutionen zu danken, welche sich auf die Reform der Jugendfürsorge und insbesondere die Fürsorge der tagsüber verlassenen Kinder beziehen. Seit dem Jahre 1903 war Miß Richman Bezirksschulinspektorin im Unteren Eastend, wo sie auch hervorragende soziale Arbeit leistete, durch welche sie sich den Ehrennamen „Mutter der Ostendkinder" erworben hat. Vortrag des Bürgermeisters von Newyork in einer nationakfüdffchen Schute. Maü berichtet der „N. I. K." aus Newyork: Jüngst besuchte der Bürgermeister der Stadt Newyork, Mr. Gaynor, die nationaljüdische Schule in Madison Street und äußerte sich hochbefriedigt über die Leistungen der Anstalt. Die Leitung der Schule richtete nun an Mr. Gaynor, der ein gründlicher Kenner der Bibel ist, die Bitte, in den Schulräumen einen Vortrag über die Propheten Israels zu halten, dessen Reinertrag der Anstalt gewidmet sein soll. Mr. Gaynor erklärte sich mit Vergnügen bereit, dieser Einladung demnächst Folge zu leisten. Spende des Königs von Bulgarien für ein jüdisches Kurhofpitak. König Ferdinand von Bulgarien, der gegenwärtig in Bad Pistyan zur Kur weilt, hat dem dortigen Oberrabbiner eine Spende von 200 Franken für das zu errichtende jüdische Kurhospital übermittelt. Der offizielle Bericht über dir Lage der Juden im Pemen. Wie uns aus Konstantmop el berichtet wird, hat der Großrabbiner der Türkei aus dem PeMen einen offiziellen Bericht erhalten, durch welchen die von einem Jerusalemer Blatte geschilderten Verfolgungen der yemenitischen Juden vollinhaltlich bestätigt werden. Der Droßrabbiner begab sich sofort zum Großvezir, um von ihm möglichst rasche Remedur zu verlangen. Die Antwort oes Großvezirs war durchaus keine befriedigende. Anstatt sofort einzugreifen, forderte er vom Großrabbiner einen detaillierten Bericht mit Nennung der beschuldigten Beamten und her geschädigten Personen. Bedenkt man, daß der am 10. Juli an das Eroßrabbinat gelangte Bericht vom 2. Mai datiert ist, daß also ein Brief von Konstantinopel nach dem Pemen erst in zwei Monaten sein Ziel erreicht, so bedeutet die Haltung des Großvezirs nichts .anderes, als eine stillschweigende Duldung der Vorgänge im Jemen, und es ist begreiflich, daß die Antwort des Großvezirs eine große Mißstimmung hervorgerufen hat. Eine Konferenz orientalisch,er Rabbiner. Aus Kairo wird der „N. I. K." gemeldet: Der Rabbiner der hiesigen aschkenasischen Gemeinde, Herr M. Cohen, ist bemüht, eine Konferenz sämtlicher Rabbiner und Chachamim des Orients einzuberufen, die über die aktuellen religiösen Fragen des orientalischen Judentums beraten und eine Rabbinerorganisation mit dem Sitze in Jerusalem schaffen soll. Auch ist die Gründung einer neuen großen Jeschibah in Jerusalem geplant, die speziell für den Orient geeignete Rabbiner ausbilden soll. Mit der Vorbereitung der Rabbinerkonferenz beschäftigt sich ein besonderes Komitee, das auch die Materiellen Mittel für die Durchführung der ganzen Aktion aufbringen will. Nationalkonferenz jüdischer Wohlfahrtsorganisationcn in Amerika. Vom 9. bis zum' 12. Juni hielt die Nationalkonferenz jüdischer Wohltätigkeilsgesellsichaften ihre 7. zweijährige Versammlung in Cleveland ab. Die Wohltätigkeilsorganisalionen von ganz Amerika waren vertreten. Unter andern Dingen standen auf der Tagesordnung die Frage der von ihren Familienhäuptern im Stich gelassenen Familien, der gefallenen Mädchen, der Fürsorge für schwindsüchtige Arme, der Altersversorgung der im Dienste sozialer Fürsorge stehenden Personen und der „Chaluka" in Palästina. Bemerkenswert ist der von Julius Rosenwald aus Chicago gemachte Vorschlag gegen die ewigen Stiftungen. Der Referent möchte die Stiftungen so abgefaßt wissen, daß sie in 25 oder 50 Jahren aufgebraucht sein können, anstatt daß diese, an eine engbegrenzte Klausel gebunden, sich auf Taufende von Jahren erstrecken. „Ich möchte", sagte er, „diese ewigen Stiftungen abgeschafft sehen und hoffe, daß bald

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