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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-26 · 30 (26.7.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Blvchs Wochenschrift Sette 805 Mendl usw. von so vielen jüdischen Familien besucht, daß sie an manchen Orten bei weitem die Mehrzahl bilden,- aber nirgends hört man das Geringste von einem llebelwollen oder gar Beleidigungen dieser Gäste, welche ja in Tirol nichts verdienen wollen, sondern nur ihr Geld ausgeben! Der frühere Landesverband für Fremdenverkehr hätte allerdings auch auf „Kitzbühel" belehrend einwirken können, allein der frühere Leiter dieses Verbandes, der jetzt verstaatlicht wurde, Herr Dr. Rohn, sagte ja selbst als durchgefallener Wahlwerber um das Reichsratsmandat in öffentlicher Wählerversamwlüng, „die Juden seien parasitäre Existenzen, mit denen man nicht verkehren kann", eine Anwahrheit, wie sie nicht krasser sein kann, nachdem es in Innsbruck und ganz Tirol nicht einen einzigen Juden gibt, der nicht einem ehrlichen, achtbaren Berufe nachginge. Von dieser, sozusagen offiziellen Seite ist daher eine Besserung nicht zu erwarten. Drum wird es Sache unserer Abgeordneten sein, wenn die Subventionen zur Hebung des Fremdenverkehres zur Diskussion gelangen, datz man den betreffenden Herren den Standpunkt ordentlich klar macht, damit nicht Gelder aus dem allgemeinen Steuersäckel zur Unterstützung antisemitischer Ortschaften Verwendung finden. Ich lebe seit dem Jahre 1868 in Innsbruck, glaube die Verhältnisse von Nord- und Südtirol genau zu kennen und kann daher meinen jüdischen Glaubensgenossen mit gutem Gewissen empfehlen, nur ganz um geniert nach Tirol zu kommen, sie werden sich da sicher wohl fühlen und neugestärkt in ihre Heimat zurückkehren. Ich bitte um vollinhaltliche Aufnahme meiner Zuschrift und zeichne hochachtungsvoll Louis Bauer. Eröffnung der Ausstellung des „Bezalel" in Karlsbad. Sonntag den 21.. ds. wurde die vom Prager Verein ..Bezalel" unter Mitwirkung eines besonderen Damen- und Herrenkomitees veranstaltete Ausstellung der Erzeugnisse der Jerusalemer Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Anwesenheit eines zahlreichen Publikums, sowohl Einheimischer als Gäste, eröffnet. Der Obmann des Prager Vereins, Herr Dr. Wel t sch, wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, datz gerade Karlsbad, wo Natucschönheit und Grotzstadtbetrieb sich zu unvergleichlich schönem Bunde vereinen, wo Gewerbefleitz und Kunstsinn so harmonisch gepaart, wo der Fremdenstrom aller Nationen in ruhiger Bewegung zusammenflietzt, der geeignete Ort sei, einerseits von dem Schaffen der auf deni alten palästinensischen Boden neu verpflanzten Arbeits- und Kulturstätte rühmliches Zeugnis abzulegen, andererseits aber auch wirksame Förderung dieser em'irnent jüdisch-sozialen und jüdischen Gesamtheit zu Nutz und Ehre gereichenden Bestrebungen zu finden, damit die berühmten Heilquellen Karlsbads in diesem Falle zu einer Quelle des Heiles werden für die Institution des „Bezalel". Anschließend an diese Ansprache, vermittelt Ehrw. Herr Dr. Ziegler in seiner Festrede Entstehungsgeschichte, Ziele und bisherige Wirksamkeit des „Bezalel", der seinen Namen von der Bibel herleitet und, deren Intentionen getreu, dem Gedanken des sittlichen Wertes, redlichen Arbeitsverdienstes gegenüber dem herabwürdigenden Almosen auch für die Juden in Palästina zum Durchbruche verhelfe. Auf dem Amwege der allgemeinen Kultur ist man also wieder zu den Gütern der alten, jüdischen Kultur, die Wohltätigkeit durch Arbeitsgebüug zu üben, zurückgekehrt. Redner berührt die Bedeutung des jüdischen Handwerks überhaupt, erwähnt die vornehmsten bisherigen Ausstellungen, darunter die in Berlin." Wien; Prag und vielem anderen Großstädten, und fordert alle Juden zu werktätiger Unterstützungdes ' AüsstellungSzweckes auf. Bei dem nun folgenden Rundgange durch den kleinen, aber geschmackvoll arrangierten Ausstellungsraum im nächst dem Goetheweze vorzüglich gelegenen „Sanssouci" ward reichliche Gelegenheit geboten, die wirklich erlesenen Erzeugnisse, insbesondere die Teppiche. Silberfiligransachen, Metall- und Olivenholzarbeiten zu bewundern, und sowohl von Fachleuten als Laien wurden die Originalität, technische Ausführung und Preiswertheit der Arbeiten, die schon am ersten Tage nennenswerten Absatz fanden, anerkannt. Der Eröffnungsfeier hatten u. ä. seitens der Bezirkshauptmannschaft Bez.-Komm. Dr. Ahkig, ferner der Bürgermeister Dr. Pfeifer und viele Kurgäste beigewohnt. Dom jüdischen Bürgerklub in Czernowitz. Sonntag den 14. l. I. fand in den Klublokalitäten des jüdischen Bürgkrklnbs in Czernowitz eine Versammlung jüdischer Bürger statt. Der Vizeobmann dcs Vereines Dr. Goldberg erstattete das Referat in der Frage der geplanten Einführung der konfessionellen Schule in Czernowitz und beantragte eine gegen diese Absicht gerichtete Resolution, deren Inhalt dem Gemeinderate und der Landesregierung mitzuteilen wäre. An der Debatte beteiligten sich die Herren Hermann Lichtendorf, Gronich und Advokat Dr. Moy^r Ebner. Dr. Ebner verwahrte sich entschiedenst dagegen, daß die geplante Errichtung zweier christlich-deutscher Schulen als jüdische Frage behandelt wird. Es sei auch unverständlich, daß die hiesigen offiziellen Nationaljuden von der sogenannten jüdischen Nationalpartei gegen diese Absicht in leidenschaftlicher Weise remonstrieren. Der jüdische Gemeinderatsklub habe doch bei der Einführung der nationalen Schulen mitgewiikt. An die rumänischen, rutheniscken und polnischen Schulen gliedern sich nunmehr auch die deutschen und jüdischen Schulen an. Die von den Vorrednern zum Ansdrucke gebrachten Befürchtungen, es könnte die Separation der christlich-deutschen und jüdischen Kinder zu unabsehbaren Folgen für die Juden führen, seien maßlos übertrieben. Die Juden der Bukowina sind stark genug, auch eine Steigerung des christlichdeutschen Antisemitismus zu überdauern. Die 800 christlich-deutschen Kinder in den etwa 10 städtischen Volksschulen verteilen sich auf die einzelnen Klassen und Abteilungen, so daß kaum 2 oder 3 Kinder für jeden Raum in Betracht kommen. Es sei unserer unwürdig, fuhr Redner unter dem Beifall der Versammlung fort, das Zusammensein unserer Kinder mit den wenigen christlich-deutschen Volksschülern so hoch anzuschlagen, daß wir darüber an unsere Edre und nationale Würde vergessen. Wenn es den Deutschen recht ist, die Kulturgemeinichaft mit den deutschsprechenden Juden äußerlich zu lösen, dann werden die Deutschen selbst die Folgen dieser Separation tragen. Freisinnige Deutsche werden auch Bedenken haben, ihre Kinder in einer stark konsiffionell gefärbten Schule erziehen zu laffen. Die konfeffionelle Schule ist speziell vom jüdischen Standpunkte lange nicht so nachteilig als von dem allgemeinen Standpunkte einer zeitgemäßen modernen Jugenderziehung. Der Kamps gegen die konsissionelle Schule ist daher keine jüdische, sondern eine Kulturfrage und nur aus diesem Gesichtspunkte kann es Redner billigen, daß in leidenschaftsloser Weise der gesetzliche Beschwerdeweg gegen die geplante Neueinführung betreten werde. Nach Annahme der von Dr. Goldberg beantragten Resolution erstattete der Vizeobmann des jüdischen Bürger klubs Herr Selig Wagschal das Referat über die noch immer schwebende Rabbinerfrage. Redner tadelte in heftioen Worten das Vorgehen dcs vom Kultuspräsidenten inspirierten Zeitungsorganes „Volkswehr", welches in der letzten Zeit un qualifizierbare Angriffe gegen den Oberrabbiner richtete. Nach einer lebhaften Debatte, an welcher sich die vorgenannten Herren beteiligten, wurde elne gegen diese Angriffe und das Vorgehen des Kultusvorstandes gerichtele Resolution unter lebhaftem Beifall der Versammlung angenommen. Die Sabbathruhr der jüdischen Postbeamten m England. Vorige Woche erschien beim englischen Generalpostmcister Mr. Herbert Samuel eine Deputation jüdischer Notabler, um den Chef des englischen Postwesens zu bitten, den jüdischen Postbedienstelen die Möglichkeit zu bieten, am Sabbath zu ruhen. 'Die Deputation bestand aus Leopold de Rothschild. D. L. Alexander, Q. Henriquez, A. E. Franklin. I. Prag, B. S. Strauß, M. Jakobs und den Redakteur des „Iewish Chronicle", M. Duparg. Der Sprecher der Deputation machte dem Generalpostmeister, der bekanntlich selbst Jude ist, einen interessanten Vorschlag, auf welche Weise sowohl die Juden ihren Sabbath, als auch die Christen ihren Sonntag heiligen könnten. Der Vorschlag ginA dahin, datz. nachdem jeder Postbedienstete in England

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