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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-26 · 30 (26.7.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
30 (26.7.1912)
Date
1912-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 30 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 499 Unfällen und im Todesfälle haben sie resp. ihre Angehörigen genau dieselben Ansprüche an die Berufsgenossenschaft (Knappschaft) wie die deutschen Arbeiter. Die Leute werden mit der Zeit in der Lage sein, nicht nur für sich und ihre Angehörigen zu sorgen, sondern auch einige hundert Mart im Jahre zu sparen, mit denen sie nach Belieben am Ende des Jahres in das Land der Freiheit auswandern oder in die Heimat zurückkehren können, um einem weiteren Trupp Platz zu machen. Wir gedenken auf diese Weise alljährlich bis zu 6000 Mann die Mittel zur Auswanderung zu beschaffen. Datz sie in Amerika, mit einem Zeugnis der deutschen Gruben versehen, sofort lohnende Arbeit finden, ist wohl zweifellos. — Wir dachten ein Kulturwerk allerersten Ranges zu vollbringen, und werden uns durch Ausdrücke wie „Schachtfutter" usw. und Ansichten, die durch keinerlei. Sachkenntnis getrübt find, keineswegs beirren lassen. * * * Einen ferneren Erfolg unserer Tätigkeit erblicken wir in dem nachstehenden, uns dieser Tage zugegangenen Schreiben: „Die Berg-Verwaltung der Vereinigte Königs- und Laurahütte, Aktiengesellschaft, Betriebsabteilung Laurahüttegrube, Laurahütte O.-S., 8. Juli 1912. An Herrn Siegfried Wiener. Kattowitz. Die Informationen über die jüdischen Arbeiter auf den Nachbarwerken sind befriedigend ausgefallen und wollen auch wir welche beschäftigen. Die jüdischen Arbeiter würden bei dem nachstehenden Arbeitgeber: Firma und Wohnort: Betriebsleitung Laurahüttegrube: Art der Betriebs- und Arbeitsstelle: Grubenbetrieb Ficinus-Schacht: Post: Laurahütte: Bahnstation: Laurahütte, Kr. Kattowitz: Provinz: Schlesien, zu den nachstehenden Bedingungen als Grubenarbeiter in Arbeit treten, mühten sich der für die Arbeitsstelle geltenden Arbeitsordnung unterwerfen und sich verpflichten, die gesetzlich vorgeschriebenen Beiträge für die Versicherungskasse zu leisten. Die jüdischen Arbeiter haben das Recht, am Sonnabend (Schabbes, jüdischer Sadbath) zu feiern. Die dadurch versäumten Schichten können, soweit es gesetzlich zulässig, ist, am Sonntag oder auch durch Ueberschichten ganz oder teilweise eingeholt werden. Für jüdische Küche wird gesorgt werden. Verpflichtungsdauer: 6 Monate mindestens. Tägliche Arbeitszeit: 10 bis 11 Stunden. Taglöhne: von 2.80 bis 3.00 Mark. Akkordlöhne: als Füller von 3.00 bis 4.50 Mark und darüber, als Häuer von 4.00 bis 6,00 Mark und darüber. Die Lohnzahlung erfolgt am 15. jeden Monats. Am 1. jeden Monats kann eine Abschlagszahlung gewährt werden. Wir wollen es vorläufig mit 60 Arbeitern versuchen. Nachdem die Schlafhäuser eingerichtet und wir mit den Leistungen der Leute zufrieden sein werden, soll die Zahl auf 150 bis 200 Arbeiter erhöht werden. Wohnung mit Feuerung und Beleuchtung. Strohsack, wollener Schlafdecke, für monatlich 2.00 Mark. Die jüdischen Arbeiter werden in einem besonderen Hause, gesondert von den andern Arbeitern, untergebracht. — Laurahüllegrube, 8. Juli 1912. gez. Schultzik, Fahrsteiger." * * Vor etwa acht Tagen hat eine Sitzung von Vertretern der grotzen jüdischen Organisationen und zwar der Vertreter der I. C. A. (Herr Kommerzienrat Carl' Leopold Netter), des Hilfsvereins (die Herren Dr. James Simon und Dr. Paul Nathan), der Grotzloge und der Logen (Sanitätsrat Dr. Maretzki und der Vizepräsident der Grotzloge), der „Alliance Israelite Universelle" (Leiter des Deutschen Bureaus Dr. Markus), der Kattowitzer Loge und des dortigen Arbeitsamtes (Herr Wiener, Kattowitz) stattgefunden, über deren Verhandlungen indessen zurzeit Näheres nicht mitgeteilt werden kann. Nur soviel darf hier gesagt werden, daß in dieser Sitzung mit aller Deutlichkeit der historische Werdegang dieser neuen sozialen jüdischen Aktion festgestellt wurde, datz ferner für eine Beurteilung der Angelegenheit. wie sie Herr Dr. Theilhaber öffentlich ausgesprochen hat, nicht der allergeringste Anlatz gegeben sei und datz nur mit der allergrößten Vorsicht und Ueberlegung von Anfang an an die Versuche herangetreten ist. Das war übrigens schon durch die sorgsame Anteib nahme der hervorragenden Männer, die an der Spitze unserer größten Organisationen stehen, verbürgt. Vom Jahrmarkt des Lebens. Die jüdische Gemeinde in Athen. In einem französischen Blatte schreibt der bekannte jüdische Gelehrte Moise Schwab folgende interessante Beobachtungen über die jüdische Gemeinde in Athen. In dieser Weltstadt, deren Bevölkerung hauptsächlich von Fremden und Weltreisenden lebt, stellt das jüdische Element gegenwärtig einen sehr bescheidenen TeA dar. Die jüd. Gemeinde zählt jetzt kaum 40 Gemeinden. Es ist aber gar kein Zweifel, datz sie unter der Füh rung des sehr eifrigen Gemeindepräsidenten A. Constantinitz, eines an der Pariser technischen Hochschule diplomierten Ingenieurs, einer grötzeren Zukunft entgegengeht. In seiner Gesellschaft verbrachte ich mit mehreren Reisenden dieses Jahr bei dem Korrespondenten italienischer Zeitungen, Herrn Taimi, den traditionellen Sederabend. Dieser jüdische Journalist gibt schon seit längerer Zeit die periodische Zeitschrift „Le Chronographe israelite" heraus und ist auch der Herausgeber der jüngsten, griechisch-jüdischen Zeitung „Israelitiki Epitheoresis" (Jüdische Revue). Ein anderes nicht minder eifriges Mitglied des Gemeindevorstandes ist der Advokat ca-- muelidis, der sich nicht scheut, den Vornamen Ie?us zu führen. Die jüdische Gemeinde von Athen ist vor nicht langer Zeit entstanden. Sie setzt sich, aus Juden zusammen, die aus Korfu. Zante, Saloniki, ja sogar aus Konstantinopel eingewandert sind. Der Rabbiner Joseph de Tchaves, der auch die Vorbeterfünktionen versieht, stammt aus Smyrna. Er erteilt den Kindern den Religionsunterricht, führt sie in den Gottesdienst ein, so datz man an den sabbathlichen und anderen festlichen Gottesdiensten vier- bis fünfjährige Knaben, in den Talith gehüllt, in der Synagoge sehen kann. Die Synagoge ist in der Melidonystratze im ersten Stockwerke eines gewöhnlichen Hauses untergebracht, dessen Aeutzeres durch kein Symbol die Synagoge verrät. Sie ist nett^ aber ohne jeden Lurus. Die Lichtverteilung zeigt den Einflutz der griechischen Kirche. Die dreizackigen Kandelaber sind auf der Erde plaziert, zwischen der in der Mitte untergebrachten Estrade und der Bundeslade. Der Gottesdienst an Feiertagen, der nach orientalischem, aber mehr italienischem als sephardischem Ritus ^abgehalten wird, dauert alles in allem anderthalb Stunden. Piutim werden keine gesagt. Am ersten Tage des Pesfachfestes spricht der Vorsteher das Talgebet, mehr singend als ‘ sprechend, und zwar geschieht dies bei der Rückstellung der Thorarolle vor Schlietzung der Bundeslade. Hingegen wird das Gebet für das Königshaus vor Verlesung der Thora, beim Ausheben derselben aus der Bundeslade, verlesen. , > Ein toleranter Jude!. Der Name des reichen portugiesischen Juden dePinto ist mit der Geschjichte Amsterdams eng verknüpft. Dafür erbringt der bekannte Schriftsteller Herr I. H. RöMng, im „Niews v. d. Dag" den Beweis. Er veröffentlicht

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