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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-19 · 29 (19.7.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 480 Nr. 29 Dr. Brochs WochMschrfft selten vorgelegt wird, soll hier angeregt werden. Inwiefern werde ich in meinem und dmch meinen Beruf dem jüdischen Volke dienen? So fragen wir heute. Noch vor nicht langer Zeit — und es soll auch heute noch Vorkommen — lautete die Nebenfrage anders: Wird es nötig sein, zur Erreichung meines idealen Berufes mich taufen zu lassen? Wie ideal solche Berufe sein müssen, zu deren Erreichung die Hauptbedingung ist, aus dem Verbände seiner Nächsten auszutreten, feige und charakterlos einer Volksgemeinschaft den Rücken zu kehren, Iaht sich unschwer erraten. Auf unsere Frage gibt es nur eine Antwort: Seine Sache ernst nehmen, etwas gründlich erlernen und rechtschaffen ausuben, ein ganzer Mann sein. Auf das 7tpaTt£iv (daß man recht handle) kommt es an, nicht auf das eö teoco^elv (daß es einem nur gut gebe). Man weiß, wie ganze Erwerbszwelge in Verruf gekommen sind, weil einige unserer Stammesgenoffen in unverantwortlicher Weise nur auf sich bedacht wären. Der Jude darf nimmer vergessen, daß der geringste Fehler, den er begeht, seinem ganzen Volke zur Last gelegt wird. Und das ist das Wichtigste, das Verantwortlichkeitsgefühl zu Wecken, das Einstehen des einen für den andern. Woher sollen weiters berechtigte Anklagen gegen uns kommen, wenn wir sagen können: Wir handeln recht. Und schon das Leben auf der Hochschule muß darnach eingerichtet .sein. Nach einem mehr oder weniger gegängelten Leben in der Mittelschule steht es dem Studenten jetzt frei, die Vorlesungen zu besuchen oder nicht. Die Scharen verbummelter Studenten geben Zcugnis, daß auch die akademische Lernfreibeit ihre Schattenseiten hat. — In der Mittelschule hat er schon die Entscheidungen seiner arischen Kollegen vernommen, ob sie zu einer klerikalen oder deutschnationalen Verbindung gehen werden, eine scheinbar wichtigere Frage als die der Berufswahl, und dem jüdischen Studenten sind auch zwei Möglichkeiten offen: in eine deutschfreiheitliche (lies: aus Juden plus Paradegoi bestehende) oder in eine jüdischnationale Verbindung einzuspringen. Wir möchten ihm raten: in keine von beiden. In die erstere nicht, weil sie deutsch sein will und jüdisch ist, in die letztere nicht, weil sie jüdisch sein will und deutsch ist. Ebensowenig ist das Saufen, Schlagen, Krakeelen und Bummeln jüdisch, wie die Kommilitonen der Deutschfreiheitlichen deutsch sind. Und wenn man doch den Drang in sich spürt, sich studentisch auszuleben, und was kann das anderes bedeuten, als sich psychisch und physisch stärken zu wollen? Da gibt es genügend Gelegenheit, jüdisch-akademischen Vereinigungen beizutreten, die ohne Vernachlässigung traulicher Geselligkeit zur geistigen Ausbildung ihrer Mitglieder ein wesentliches beitragen, und jüdische Turn- und Sporlvereine, die Bedeutendes zur körperlichen Hebung der Juden leisten. — Zum Hochhalten und freien Kampfe fürs jüdische Volk bedarf es keiner Schwerter und Gegröhle feuchter Kehlen. Mannhafter Selbstbesinnung tut es not und Entsagen fremder Sitten. Auch im Entsagen liegt Mut! I. Wertheim. Landesverband für jüdische Statistik und Lmigrations- -wchen M Galizien. Eine Anzahl jüdischer Persönlichkeiten in Krakau hat, angeregt durch die Erfahrungen Während der letzten Regierungsenquete über die Emigrationsfrage in Galizien sich entschlossen, einen Landesverband für jüdische Statistik und Emigrationswesen in Galizien mit dem Sitze in Krakau ins Leben zu rufen. Die Statuten des Verbandes wurden bereits der kompetenten Behörde zur Genehmigung überreicht, und sobald dieselbe Herabgelangl ist, wird der Verband seine schon lange entbehrte Tätigkeit beginnen. Die Haupttätigkeil des Verbandes wird sich nach drei Richtungen hin erstrecken: 1. Sammlung und Veröffentlichung genauer statistischer Daten aus dem gesamten jüdischen kulturellen, sozialen und Wirtschaftlichen Leben der Juden in Galizien. Dieses Material soll von Zeit zu Zeit im Wege einer periodischen Druckschrift der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden. 2. Organisierung des Emigrationswesens durch Gründung von Emigrationsbureaus für Emigranten, in welchen den jüdischen Auswanderern genaueste und verläßlichste Daten über alle die Emigration betreffenden Fragen erteilt werden sollen. 3. Rechtsschutz der Emigranten, besonders aber Schutz vor Ausbeutung durch gewißenlose Agenten, Gründung von Arbeitsvermittlungsbureaus ic. Der Landesverband wird in allen größeren und kleineren Städten Galiziens Ortsgruppen, Vertrauensmänner und korrespondierende Mitglieder haben, um auf diese Weise das gesamte Emigrationswesen im Lande zu beherrschen und die verläßlichsten statistischen Daten zu erlangen. Professor Philippsons Rücktritt vom Vorsitz des Gemeindebnndes. Herr Prof. Philippson, der langjährige verdienstvolle Führer des. Gemeindebundes, hat in einem Schreiben vom 7. Mai dem Ausschuß die Niederlegung seines Amtes angezeigt. Dieser Entschluß ist allgemein mit aufrichtigem Bedauern ausgenommen worden. Die Stimmung, die der freilich lange zu befürchtende Entschluß in dem Ausschußkollegium aus gelöst hat, findet ihren Ausdruck in der nachstehenden Adresse, in der die ei stimmig erfolgte Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des D. I. G.-B. ausgesprochen wird: Hochverehrter Herr Professor! Wertgeschätzter, lieber Herr Kollege! So sehr uns Ihr unwiderruflicher Entschluß, den von Ihnen mit ebenso viel Hingebung wie reichen Erfolgen während mehr als anderthalb Jahrzehnten geführten Vorsitz im Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde niederzulegen, betrübt hat, so erfüllt uns doch ein Gefühl freudiger Dankbarkeit darüber, daß unser vielbewährter Führer uns seine unschätzbare Mitarbeit nicht entziehen will. Sie haben sich, verehrter Herr Professor, entschlossen, in Reihe und Glied einzutreten, wir aber sind der Meinung, daß der Titel eines Vorsitzenden des D. I. G.-B. von dem Namen Philippson nicht zu trennen ist. Dieser Empfindung gibt der in unserer Sitzung vom 3. Juni d. I. einstimmig gefaßte Beschluß, Sie zum Ehrenvorsitzenden des Deutsch-Israelitischen Gemeindrbundes zu ernennen, Ausdruck. Möge ein gütiges Geschick Sie unserem Bunde, dessen von Freund und Gegner anerkannte maßgebende Bedeutung Ihr Werk ist, dessen zahlreiche, segensvoll wirkende Institutionen durch Ihre Initiative ins Leben gerufen worden sind, recht lange iu altgewohnter Frische und Tatkraft erhalten; wir alle werden, wie wir in guten und schweren Tagen treu zu Ihnen gestanden haben, auch weiterhin Ihres bewährten Rates uns dankbar erfreuen und auf Ihre Mitwirkung stolz sein. Verehrungsvoll Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes (Unterschrift sämtlicher Ausschußmitglieder.) Paris. Am 7. Juli fand hier unter dem Voisitze des Vizepräsidenten Fr. Philippson die Generalversammlung der „Jca" statt. Der greise Präsident Lebt« war aus gesundheitlichen Gründen an der Teilnahme verhindert Dem Bericht sei folgendes entnommen: Dr. Sigismund Sounenfeld ist in den Ruhestand getreten. Für ihn wurden D. Cazes und L. Oungre zu Direktoren der Gesellschaft ernannt, die ihr Amt gemeinsam mit E. Meyerson versehen. Für die 21 jüdischen Kolonien im Gouvernement Cherson (Rußland) mit ihren 19.000 Seelen wurden 1911 45.000 Rubel als Beisteuern in Form von Maschinen, sonstigen landwirtschaftlichen Geräten und Vieh verausgabt. Die jüdischen Landwirte in Bessarabien-Podolien (Rußland) beanspruchten 34.000 Rubel an Subventionen und für jüdische Kolonisation im Nordwestgebiete Rußland wurden 25.000 Rubel verausgabt. Die jüdischen Kolonien, die die „Jca" in Argentinien gegründet hat, zählen heute über 20.000 Seelen mit 2‘ 5.097 m2 kultiviertem Land und 80.000 Stück Großvieh. Auch in den anderen Ländern Amerikas hat die Beteiligung der Juden an der Landwirtschaft große Fortschritte gemacht. Die jüdischen Bauerngüter in den Vereinigten Staaten werden heute auf 3000 geschätzt. Der Bericht verbreitet sich dann über die günstige Entwicklung der Kolonisation in Palästina und schließt mit der Tätigkeit der „Jca" in Galizien. Er konstatiert eine normale Vorwärtsentwicklung auf allen Gebieten, auf die die „Jca" ihre Tätigkeit erstreckt hat. v IirstaMrrililg dies? itmit Oberrabbiners von Rom. Unter überaus großen Festlichkeiten fand,am 30. Juni die Installierung des neuen Oberrabbiners von Rom, Dr. Angelo Sazerdoti, statt. Der Feier wohnten auch die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden bei. Der Präsident der jüdischen Gemeinde in Rom, Comm. Sereni, gedachte in seiner Einführungsrede des verstorbenen Oberrabbiners Castiglioni und rief insbesondere damit einen mächtigen Eindruck hervor, daß er der jüdischen Soldaten, welche in Tripolis für die Ehre des Vaterlandes kämpfen, mit besonderer Wärme gedachte und zwei Begrüßungstelegramme vorlas, welche die Oberrabbiner von Tripolis und Benghasi „an ihre Glaubensgenossen und Kompatrioten in Rom" gerichtet haben. Oberrabbiner Dr. Sazerdoti hielt eine Jnaugu-

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