Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Str. 29 Dr. Blochs WochenschrLft Sette 469 S. Goldmann und Jakob Kann, die Gemeinderate Eder, Dr. Hein, Kodischek, Löhner, Melcher, Dr. Mittler, Schäfer und Stein, Bezirksvorsteherstellvertreter vom II. Bezirk Blasel, Bezirksrat Förster mit einer Abordnung der deutsch-freifinnigenPartei im IX. Bezirk, Obmann des Tempelvereines für den IX. Bezirk Gottlieb Bettelheim mit den Vorstandsmitgliedern den Herren Dr. Knöpfelmacher und Ignaz Simon,' Bezirksrat Dr. Brady mit einer Abordnung des Vereines „Donau-Club", eine Abordnung des „Freiheitlich-Sozialen Vereines im II. Bezirk", Bezirksrat Fischer, Magistratssekretär Dr. Wilhelm Löwy, die Hof- und Gerichtsadvoka^en Dr. Alfred Grünbaum, Dr. Joseph Jerusalem, Dr. Moriz Schnabl und Gemahlin, der Präsident des israel. Humanitätsvereines „Eintracht" („B'nai B'rith"). Direktor des Baron Springerschen Waisenhauses Alexander Hecht, die Med. Doktoren Dr. Sigm. Stiasny, Dr. Edmund Kohn, Dr. Moriz Laub, Dr. I. L. Braun dann ferner: akademischer Maler David Kohn, die Prokuristen Ernst Ehrenseld, Ingenieur Kraßny und Richard Wiener, der Vorsteher der Fleischhauergenossenschaft Engelhart, Gewerberat Stoll, Kommerzialrat Jerusalem, Generaldirektor Sauerbrunn, Restaurateur Sigmund Tonello, die Industriellen Wilhelm Bachrach, Ernst Götzl, Ernst Hirsch, Adolf Hofbauer, Kremenetzky, Heinrich Lederer, Adolf Moser, Ernst Simon, Doktor Bela Taussig und Julius Wolf, eine Abordnung des Vereines der „Fortschrittsfreunde", bestehend aus den Mitgliedern Streletz und Löwenberg, die Präsidentin des Ausspeisungsvereines für den XV. Bezirk Frau Regine Landeis, für den Verein Frauenhort Frau kaiserl. Rath Anna Hirsch, die Vorsteher des Ausspeisungsvereines für den XVI. und XVII. Bezirk Benedikt Schmidek, Oltomar Katz und Samuel Fischer, vom Versorgungshaus Frau Jda Diamant und Verwalter Brösler rc. Die trauernden Familienmitglieder des Verstorbenen bis auf die Witwe Frau Eugenie Frank waren vollzählig erschienen. Frau Frank war der Leichenfeier fern geblieben, weil der Entschlafene dies letztwillig verfügt hatte, mit der Begründung, daß er sein ganzes Leben hindurch getrachtet habe, seiner Gattin jede Aufregung zu ersparen und auch die Aufregung bei der Leichenfeier ersparen wolle. Mit dem Schlage 12 Uhr wurde der Sarg aus der Beisetzkammer in die Zeremonienhalle getragen und auf eine Bahre auf der Estrade gestellt. Zu beiden Seiten der Estrade war je ein städtischer Diener in Galauniform postiert. Nachdem die Hinterbliebenen zu Häupten des Sarges sich ausgestellt hatten, nahm die Trauerfeier mit dem Vortrage der Totengesänge von Oberkantor Don Fuchs und begleitet vom I. Kantor M aty as und dem Chorp rsonale ihren Anfang. Nach dem rituellen gesanglichen Teil trat Oöerrabbiner Doktor Güdemann vor und würdigte in seiner Grabrede in innig warmer Weise die Verdienste Franks, der erst vor wenigen Jahren in der Ocffentlichkeit hervorgetreten ist und der sich nicht dazu gedrängt hat, sondern gedrängt worden ist. Die wenigen Jahre, die er als Vorstandsmitglied der israel. Kultusgemeinde und als Mitglied des Gemeinderates gewirkt, haben ihm zahllose Anerkennungen gebracht. Ec war der Mann, der es mit seiner Pflichterfüllung gerecht und ernst nahm, der seine Meinung offen und ehrlich ausgesprochen hat und deshalb auch allseits geschätzt und geehrt war. Dr. Güdemann berührte am Schluffe seiner Trauerrede auch das glückliche Familienleben Franks, der ein edler Mensch, ein zärtlichst liebender Gatte, ein treuer Bürgerr und ein guter Jude war. Der Präsident der israel. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, nahm dann in tief zu Herzen gehenden Worten namens des Gesamtvorstandes von dem toten Kollegen Abschied, worauf der geschäftsführende Vizebürgermeister Dr. P o r z e r namens der Gemeindevertretung in kurzer Rede dem verstorbenen Gemeinderate Worte der Anerkennung und des Lobes zollte, der mannhaft seine Meinung im Gemeinderate zum Ausdrucke gebracht habe. Er war immer, trotz der verschiedenen Wege, die die Parteien gehen, für die Ehre und das Ansehen der Vaterstadt eingetreten. Der Wiener Gemeinderat, welcher Partei er auch angehören möge, wird, so schloß Dr. Porzer, dem Verstorbenen ein ehrenhaftes Andenken bewahren. Im Namen des fortschrittlichen Verbandes des Wiener Gemeinderates widmete Gemeinderat L o h n e r dem Verstorbenen herzliche Worte des Abschiedes. Als letzter sprach der Präsident des israel. Humanitäts- Vereines Eintracht („B'nai B'rith) Direktor des Baron Springerschen Waisenhauses Alexander Hecht. Der Sarg wurde dann zur letzten Ruhestätte getragen und in das Grab gesenkt. Um V41 Uhr war die Trauerfeier zu Ende. * * * Rede des Präsidenten der israel. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern an der Bahre des Vorstandsmitgliedes Gemeinderat Max Frank. Für den Vorstand unserer Kultusgemeinde spreche ich ein letztes Wort, ein Abschiedswort dem teueren, dahingeschiedenen Kollegen. Er war der Jüngsten einer unter uns, der Jüngsten an Lebensjahren in dem Rate der Alten, der Jüngsten an Dienstjahren; kaum 5 Jahre gehörte er dem Vorstande an, aber seine Stellung in demselben war eine prominente, eine hochgeachtete. Wenn er sprach, hatte er das Ohr der Versammlung, denn er sprach nur, wenn er etwas zu sagen hatte und sein Wort war ein inhaltsreiches, geschöpft aus reicher kaufmännischer Erfahrung, aus dem intensiven Studium der Angelegenheiten der Gemeinde und aus seinem übervollen, guten Herzen. — Dem Haushalte der Gemeinde widmete er seine Fürsorge. Die Ordnung in demselben zu erhalten, war er bestrebt. Vielfache vortreffliche Anregungen bildeten seine erschöpfenden Berichte, welche er alljährlich über den Rechnungsabschluß des vergangenen und über den Voranschlag des künftigen Jahres der aufmerksam zuhörenden Versammlung vortrug. Aber dieses umsaffende Gebiet war nicht das einzige, welches er kultivierte. In noch höherem Maße nahm er Anteil an Wohltätigkeits-Institutionen unserer Gemeinde, an den bestehenden, sowie an neu aus seiner Initiative zu schaffenden. Er, dem es versagt war, Vater zu sein» war der liebevollste, aufopferndste Vater von Waisenkindern, von armen, hilflosen, verlassenen Kindern, und da schwebt mir vor eine Szene, deren Zeuge ich war. die Eröffnung einer von ihm mit anderen wohltätigen Mitgliedern unserer Gemeinde geschaffenen Kinder Heimstätte. Mit welcher Freude, welcher Herzlichkeit er diese armen, verlaffenen Kinder aufnahm, nicht allein die verwaisten, sondern auch die. mitunter noch beklagenswerteren, welche beim Leben ihrer Eltern doch des Schutzes derselben beraubt waren. An der Gründung und Leitung der Horte für schulpflichtige Kinder, an Ausspeisungsvereinen für solche, an der Schaffung und Ausgestaltung des Seehospizes, an der Toynbeehalle, an all dem war er in hervorragendster Weife beteiligt und mitwirkend. Ebenso aber auch bei dem Vereine für unentgeltlichen Arbeitsnachweis und bei dem Hilfsvereine für die notleidende Bevölkerung in Galizien. Und in der viel umfaffenden Tätigkeit, sowie in all seinem Wirken und Handeln war es besonders ein reges Pflichtgefühl, das ihn leitete. — In der Ansprache aus ehrwürdigem Munde, welche wir soeben vernahmen, wird Bezug genommen auf den Thora-Abschnitt, den wir am letzten Sabbate lasen Nach diesem Abschnitte, dem letzten des IV. Buches Mofis, wird, wie am Schluffe eines jeden dieser Bücher, uns zugerufen das Wort chasak! sei stark, verzage nicht, der Abschluß bedeutet nicht das völlige Ende! Und so bedeutet auch der Abschluß dieses Lebens nicht das Ende seiner Wirksamkeit. Fort wirkt der reiche Segen, den er gespendet, segensvoll bleibt sein Andenken erhalten in den Herzen Hunderter von Kindern, denen er Vaterstelle vertreten, in den Herzen unserer Gemeinde, segensvoll das Andenken an den lieben, unvergeßlichen Kollegen in den Herzen unseres Vorstandes. Secher zaddik livrocho! Ein Wort an unsere Jungmannschaft. In diesen Tagen verlaßen mehrere hundert jüdische Abiturienten die Mittelschule und mit dem Reifezeugnis und dem Geburtsschein in der Tasche tritt an sie dre bange Frage heran: Was nun? Es ist nicht Zwrck dieser Zeilen, unseren jungen Akademikern bestimmte Weisungen für ihre Berufswahl zu geben, sondern wir wollen mit ihnen nur eine prinzipielle Erörterung pflegen. — Eine Frage, die bei einer solch wichtigen Entscheidung fast nie oder nur