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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-19 · 29 (19.7.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
29 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 Seite 491 Dr. Blechs WochMchrfft rationsrede, in welcher er sich hauptsächlich gegen die unter den Juden Italiens überhandnehmende Irreligiosität wkndetc und das Versprechen abgab, mit allen Mitteln gegen diese Krankheit im italienischen Judentum anzukämpfen. Dr. Sazerdoti war der jüngste der Konkurrenten um .den pielumworbenen Posten in Rom, er zählt noch nicht ganz 30 Jahre und ist ein Schüler der Rabbinerschule in Florenz. Generalmspeltor Lmanuel Steiner. Vorige Woche starb in Salonique der Generalinspektor der orientalischen Eisenbahnen Em. Steiner im Alter von 69 Jahren. Der Verstorbene stammte aus Böhmen, trat nach Absolvierung seiner technischen Studien als Ingenieur in die Dienste der Eisenbahnbauk Unternehmung Banjaluka, wo er bald zum Inspektor ernannt wurde. Seit dem Jahre 1876 bekleidete der Verblichene den Posten eines Inspektors und später Generalinspektors der orientalischen Eisenbahnen mit dem Sitze in Salonique. Die orientalischen Eisenbahnen haben Generalinspektor Steiner ihren ganzen heutigen Aufschwung zu verdanken. In der österreichisch-ungarischen u. deutschen Kolonie in Salonique nahm er eine führende Stellung ein, und viele kulturelle und soziale Einrichtungen danken ihm ihre Entstehung. So war er viele Jahre hindurch Vizepräsident des österreichisch-ungari-, scheu Hilfvereines, Begründer und Präsident des deutschen Schulvereines und der deutschen Schule dieser Gesellschaft, die fast ausschließlich von jüdischen Schülern besucht wird. Das Leichenbegängnis fand unter überaus großer Teilnahme der türkischen Behörden, sowie der Vertreter aller Rationalitäten und Konfessionen statt. KWmew als Jubelstadt. In Kischinew, der Hauptstadt der russischen Pogrome, ist soeben die Jubelfeier anläßlich der hundertsten Jahreswende der Besitzergreifung Bessarabiens durch Rußland abgeschlossen worden. In Bessarabien hat es viel früher Juden gegeben als Christen und die Anwesenheit von Juden in Bessarabien ist historisch, viel früher festzustellen, als selbst diejenige der Türken. Unter türkischer Herrschaft ging es den Juden ziemlich gut, und erst unter russischer Herrschaft begann für sie die Serie der großen Leiden, die von Zeit zu Zeit in blutigen Pogromen ihren Kulminationspunkt erreicht. Das Leben der Juden in Bessarabien steht in den letzten zwei Jahrzehnten im Zeichen des berüchtigsten Pogromagitators Krufchewan, der ein dickleibiges Buch voll Lügen über die Juden in Bessarabien geschrieben und' damit nicht nur °die russische Bevölkerung gegen die Juden verhetzt, sondern auch Kaiser Nikolaus für sich eingenommen hatte. Dieses unglückselige Buch, das der Ausgangspunkt der blutigsten Judenverfolgungen in Rußland geworden, war die Veranlassung, daß Kruschewan vom Kaiser Nikolaus in Audienz empfangen und eine eigenhändige Widmung „für das ausgezeichnete, lehrreiche Werk" erhalten hat. Aus Anlaß der Jubelfeier wurde beschlossen, diesen blutrünstigen Judenfeind der jüngsten Zeit auf dem schönsten Platze von Kischinew ein Monument zu stellen, das im Wege öffentlicher Sammlungen zustande gebracht werden soll. Und so sollen die Juden von Bessarabien und hauptsächlich von Kischinew durch dieses Schandmal tagtäglich daran erinnert werden, daß in Rußland der gewissenloseste Anführer von Mördern und Räubern unsterblich wird, wenn er die Mordbuben gegen die Juden führt. Wer die Lage der russischen Juden kennt, wird es begreiflich finden, daß die 100,000 Rubel, welche die Festlichkeiten in Kischinew gekostet haben, zum allergrößten Teile von den Juden, den Hinterbliebenen der Opfer der Kischinew-Pogrome, erl preßt worden sind. Und man wird sich auch darüber nicht zu verwundern haben, daß vielleicht auch das Kruschewan-Denkmal mit jüdischem Geld errichtet wer-' den wird. Sympathiekundgebung des Kaisers von Rußland für die Antisemiten. Geradezu sensationell wirkt in den russisch-politischen Kreisen ein Depeschenwechsel, der vor einigen Tagen zwischen der Zentralleitung des politischen Verbandes „Der Doppeladler" in Rußland und Zar Nikolaus stattgefunden hat. Der ungewöhnlich herzliche Ton, in welchem der Kaiser von Rußland eine Huldigungsdepesche der genannten ertrem antisemitischen Organisation beantwortet und seine Sympathien für die Bestrebungen des Verbandes ausgedrückt hat, haben nicht nur die Juden Rußlands, sondern auch die friedfertigen Elemente der russischen Gesellschaft auf das peinlichste berührt und beunruhigt. Diese kaiserliche Sympathiekundgebung für den Verband der Antisemiten der Tat, wie sich der „Doppeladler" zu nennen pflegt, hat gerade jetzt eine um so größere und beunruhigendere politische Bedeutung, als es bekannt ist, daß die ganze Ritualmordhetze in Kiew von diesem Verbände ausgegangen ist, in dessen Druckerei auch jene aufreizende Darstellung des angeblich an dem Knaben Iuschtschinsky verübten Ritualmordes ausgegangen ist. Warschau. Das hiesige Emigrations- und Auskunftsbüro hielt kürzlich seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Dr. Goldflamm entwarf in seiner Begrüßungsrede ein Bild der jüdischen Emigration und erhob schwere Vorwürfe gegen die großen Organisationen und die maßgebenden jüdischen Kreise, die der Emigrantenfürsorge nicht das nötige Interesse und die durch die Lage geforderte Hilfe entgegenbringen. Aus dem verlesenen Rechenschaftsbericht geht hervor, daß im Jahre 1911 1871 erwachsene Personen, die 1921 Kinder mit sich führten, die Hilfe des Büros in Anspruch genommen haben. In 2613 Fällen wurde Auswanderern Rat und Auskunft und auch Hilfe, besonders bezüglich der Erlangung von Auslandspässen zuteil. In mehr wie 7000 Fällen beschränkte sich die Auskunft auf die geeigneten und billigsten Reisegelegenheiten. 7480 Emigranten wurden von den Aerzten unentgeltlich untersucht. Das Emigrations- und Informationsbüro zählt nur 120 Mitglieder. Seine Einnahmen beliefen sich auf 4771 Rubel. Die Jahresrechnung schließt mit einem Kasfabestande von 217 Rubel. Ein Gewissenszwang gegen Mische Arbeiter. Aus Warschau schreibt man der „N. I. K.": Große Empörung hat hier das Vorgehen einiger jüdischer Fabrikbesitzer hervorgerufen. In den großen Schuhfabriken unserer Stadt, deren Eigentümer Juden sind, werden christliche und jüdische Arbeiter beschäftigt. Bisher feierten nun die christlichen Arbeiter am Sonntag und die jüdischen am Sonnabend. Einige Fabrikbesitzer fanden schon seit längerer Zeit an diesem Zustande kein Gefallen und erschwerten in jeder Weise die Arbeitsbedingungen derjenigen jüdischen Arbeiter, die die Sabbathruhe beobachteten. Nunmehr entschlössen sich die.Fabrikbesitzer zu einem radikalen Mittel. Sämtliche jüdischen Arbeiter mußten sich schriftlich verpflichten, auf die Sabbathruhe zu verzichten und mit ihren christlichen Kollegen am Sonntag zu feiern. Wer die Erklärung nicht unterschrieb, wurde einfach an die Luft gesetzt. Unter diesen Umständen sehen sich zahlreiche jüdische Arbeiter genötigt, dem Machtgebot ihrer Brotherren zufolge und sehr gegen ihren Willen den Sabbath zu entweihen. Man befürchtet, daß das böse Beispiel der jüdischen Schuhfabrikanten auch in anderen Industrien, z. B. der Kleiderkonfektion, die gleichfalls zum großen Teile in jüdischen Händen ist, Nachahmung finden wird.

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