Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 29 (19.7.1912)
- Date
- 1912-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Mochs Wochenschrift Seite 485 Tirol" ist wohl etwas zu ungerecht mit Tirol verfahren und hat dabei nicht bedacht, daß er mit se'nem Artikel auch Geschäftsleute trifft, die den jüdischen Familien ebenso freundlich enigegenkommen, wie den christlichen. Bei den schweren Erwerbsverhälin'.ssen muh wohl jeder trachten, zu verdienen, und wer den Verdienst bringt, der muh entsprechend behandelt werden. Des-, halb bilden solche Artikel wie der „Los von Tirol" eine schwere Schädigung nicht nur des einzelnen, sondern des ganzen Landes. Eine objektive Beurteilung und Verurteilung einzelner Fälle, in welchen gegen die Juden ungerechtfertigt gehetzt wird, wird nicht gleich einen Schluß auf ein; syste-> matische Hetze im ganzen Lande ziehen. Das wäre un-? gerecht. Auch die Juden lieben die Gerechtigkeit! Bozen, 15. Iuli 1912. Hotel „Walther von der Vogelweide" Karl Roller, Besitzer. Auszeichnung für Tapferkeit. Das deutsche Bureau der Alliance Jsraölite Universelle teilt uns mit: Herr Elmaleh, der Leiter der Schule der Alliance Jsraöl'te Universelle in Fez, der beim Einsturz eines Hauses im dortigen Mellah im November 1911 mit eigener Lebensgefahr eine Frau und fünf Kinder vom sicheren Tod errettet hatte, wurde von der Carneqie-Sl'ftung in Anerkennung seme^ mutiaen Tat mit einer Bronzemedaille und einem Preis von 200 Francbedacht. Die griechischen Aerzte für das obligate Schächten. Vor einigen Tagen fand in Wolo ein Kongreß der Aerzte Griechenlands statt, d eisen wichtigster Beratungsgegenstand die Bekämpfung der Tuberkulose war. Der Chefarzt Dr. Eurepides aus Larissa wies in seinem Referate darauf hm, daß, während statistisch nachgewiesen ist, bah in den letzten zwanzig Fahren fast jeder Arzt in Griechenland durchschnittlich jährlich 4—5 Tuberkulöse zu behandeln habe, er, Dr. Eurepides, dessen Klientel zum größten Teile aus Inden bestehe, während der ganzen zwanzig Iahre insgesamt nicht mehr als fünf Fälle von Tuberkulose aufzuweisen hatte. Welchem Umstand, warf nun Dr. Eurepides die Frage auf. ist nun der staunenswerte Widerstand der Inden gegen diese schreckliche Krankheit zuzuschreiben? Die Inden leben in durchaus bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Sie wohnen sehr oft in Kellerwohnungen und müssen viele Stunden des Tages hindurch schwer arbeiten, um das trockene Brot zu verdienen. Welchem Umstande ist es also doch zuzuschreiben, daß sie gesundheitlich viel höher stehen, als die anderen Elemente der russischen Bevölkerung. Dr. Eurepides kam.nun auf Grund langjähriger Untersuchung zu dem Schlüsse, daß die Ursache hiefür ausschließlich in der strikten Einhaltung der jüdischen Speisegesetze liege. Die verläßlichsten und gewissenhaftesten Tierärzte, führte Dr. Eurepides weiter aus, die Schächter verhalten sich sehr strenge bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes des Tieres, das den Inden zur Nahrung dienen soll. Die Schechitavorschriften der Inden entsprochen den strengsten hygienischen Anforderungen der Neuzeit, und gerade die strenge Einhaltung dieser Vorschriften seitens der Inden Griechenlands bringt es mit sich, daß sie eine hygienisch einwandfreie Nahrung genießen und dadurch gewissermaßen immun bleiben gegen die Tuberkulose. Dr. Eurepides schlug nun dem Kongreß vor, die Regierung aufzufordern, alle Schlachthäuser Griechenlands dazu zu verhalten, die Schlachtungen strenge nach den Vorschriften der jüdischen Schechitah vorzunehmen. Dieser Vorschlag, der vom Kongresse angenommen wurde, hat in Griechenland begreiflicherweise mächtigen Eindruck hervorgerufen und beschäftigt die gesamte griechische Presse, Bezeichnend hiefür ist, daß der Polizeidirektor der Stadt Wolo tags darauf den Schäch er der Judengememde Wolo zu sich kommen, den ganzen Prozeß der Schechitah und Bedikah ertlären und noch am selben Nachmittage am Schlach Hofe deinonstrieren ließ. Dieser Vorführung des Schächtens wohnten auch die meisten Mitglieder des Kongresses bei. Die Mitarbriler des Professors Metfchmkoff. Wie aus der Allgemeinen Presse bekannt ist, hat der berühmte Professor Metschnitoff in Paris ein neues Serum gegen das typhöse Fieber erfunden. In einem Interview, das der Gelehrte einem Pariser Iournalisten gewährt hat, erklärt derselbe, daß er diesen großen Erfolg zum großen Teile seinem Mitarbeiter Dr. Besredka vom Pasteuri.rstitut zu danken habe. Dr. Besedka ist einer jener russischen Iuden, wie sie zu Hunderten ihre Heimat verlassen müssen, um ihren Fähigkeiten entsprechend ihre Studien im Auslande fortzusetzen, da sie infolge der berüchtigten Prozentnorm von den russischen Hochschulen ausgeschlossen sind. Dr. Besredka ist überdies ein ausgezeichneter Hebräer, der gleich seinem Vater, einem bekannlen hebräischen Schriftsteller, für hebräische Zeitungen arbeitet. Jean Iaques Rousseau über dns Judentum. Iean Iaques Rousseau, dessen 2OOiäh:iger Geburtstag jetzt nicht nur in Frankreich, sondern in der gesamten zivilisierten Welt gefeiert wird, hat sich in seinen zahlreichen Werken nur ein einzigesmal, und auch da nur nebenbei, über Iuden und Iudentum geäußert. Es ist dies im vierten Buche seines im Iahre 1762 erschienenen Werkes „Emile". Rousseau zitiert dort als Beweis.dafür, wie geringes Gewicht die Autorität der Kirche in wissenschaftlichen oder philosophischen Fragen besitzen könne, die Geschichte der Iuden. Diese Stelle ist an sich noch heute sehr interessant und verdient als Beitrag zum Andenken des großen französischen Schriftstellers ins Gedächtnis gerufen zu werden: „Kennen Sie überhaupt viele Christen, die sich der Mühe unterzogen hätten, all das. was das Iudentum gegen sie vorzubringen hat, sorgfält'g zu untersuchen? Hat schon ein Christ irgend etwas über das Iudentum gelesen, so war es nur in den Büchern der Christen. Wahrlich eine feine Art, sich über die Argumentationen der Gegner zu unterrichten. Aber wie sollte man es auch anders anstellen? Wenn jemand von uns Bücher zu veröffentlichen wagen würde, in welchem günstige Meinungen über das Iudentum offen ausgesprochen werden, so würden wir sowohl den Autor als auch den Verleger und sogar den Bibliothekar bestrafen. Diese Politik ist bequem und ist am sichersten. Recht zu behalten. Es ist überhaupt ein Vergnügen, Menschen anzugreifen, die nicht zu sprechen wagen. Aber selbst diejenigen unter uns, die in der Lage sind, mit Iuden Gespräche zu führen, sind durchaus nicht besser dran. Die Unglücklichen haben Angst vor unserer Diskretion. Die Tyrannei, die man gegen sie übt, macht sie furchtsam. Sie wissen, wie wenig Gerechtigkeit und Grausamkeit der christlichen Nächstenliebe kostet. Was könnten sie also zu sagen wagen, ohne sich dem auszusetzen, daß wir sofort sie der Blasphemie anklagen. Die Gewinnsucht macht uns übereifrig, und sie sind zu reich, um nicht Unrecht zu haben. Die Gelehrtesten und Aufgeklärtesten sind in der Regel die Vorsichtigsten. Ihr könntet ja irgend einen Elenden bekehren, der bezahlt wird, um Böses über seine Religion zu sagen. Ihr könntet irgend ein niedriges Subjekt zum Sprechen bringen, der Euch alles zugibt, um Euch zu schmeicheln. Und Ihr würdet dann triumphieren über seine Unwissenheit oder über seine Feigheit, während die Gelehrten der Iuden still lächeln würden über Eure Dummheit.