Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 28 (12.7.1912)
- Date
- 1912-07-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 4-6 Dr. Vlochs WochenschM Nr. 28 und überzeugt loben. Und darum war sein Bestreben von Anbeginn an darauf gerichtet, seine Bühne auf eine künstlerische Höhe zu erheben und auch dort zu erhalten. Und datz ihm dies gelang, beweist der brillante Besuch des Theaters, das trotz eines Wochenetats von 240 Pfund mit nennenswertem Gewinn arbeitet. Nicht minder gut, wie das Opernpersonal, sind die Schauspieler dieser Bühne. Denn der „Remple of Art“ bringt auch Schauspiele. Ich sah ein Fragment aus Mosenthals „Deboräh", brillant dargestellt von Frau Fe in mann und Herrn War mann, dann einen Einakter des polnischen Jargondichters Mark Orenst e i n „Der Spleen meiner Frau", in dem zwei prachtvolle Komiker, die Herren Ben Amy und Jeliazo das Publikum glänzend amüsierten. Und was mir hier besonders auffiel, war der Wohllaut, den das „Jiddisch" ausströmt, wenn es so gut gesprochen wird, wie von diesen Künstlern. Um halb 2 Uhr nachts war die Vorstellung beendigt, und. hochbefriedigt ging das Publikum heim, um nach kurzer Nachtruhe wieder an das schwere Tagewerk zurückzukehren. In London selbst war noch ein lebhaftes Treiben: Tingeltangels und öde Music Halls haben jetzt, da der Londoner sich von den geistigen Anstrengungen der „Season" erholen mutz, ihre fetten Wochen. Diese Eilfertigkeit, mit der der Engländer sich wieder dem seichten Vergnügen in die Arme wirft, mit der er nach vier kurzen, etwas ernsten Wochen, in seiner freien Zeit wieder nur Sportsmann ist, gibt doch zu denken. Denn bis jetzt hat Hyppolite Ta ine in der Kulturgeschichte der Menschheit noch keine Widerlegung seines Satzes gefunden, datz das Kunstbedürfnis eines Volkes ein Barometer für dessen künftige Entwicklung ist. In dem unendlichen, reichen London veMmmern zwei Opernhäuser, müssen die Schauspielbühnen dem ödesten Lustspiel fronen, blühen die Tingeltangels, regiert der Sport. Und die armen jüdischen Arbeiter Whitechapels haben aus eigenerbescheidener Kraft ihrer Kunst ein liebenswürdiges, schönes Heim gebaut, und lieben es wie ein Gotteshaus. An diesem Abende freute ich mich wieder einmal darüber, datz ich Jude bin. Ktteratwr. Dr. Samuel Krauß, Professor an der Tsr. Theolog. Lehranstalt. in Wien. Die galiläIschen Synagogenruinen. Vortrag, gehalten am 16. Dezember 1911 in Berlin. Gesellschaft für Palästina-Forschung. 3. Veröffentlichung. Der inhaltsreiche Vortrag des gelehrten Verfassers hat in weiten Kreisen Interesse und Aufmerksamkeit geweckt. Nicht bloß Fachmänner, selbst gebildete Laien lesen diesen Vortrag mit Genuß. ' Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ vom 14. Mai 1912 brachte über diesen Vortrag folgende interessante Besprechung: „Man könnte meinen, daß für die übergroße Mehrzahl der Gebildeten nicht viel Interessantes herauskommen werde, wenn ein jüdischer Gelehrter vor einer wissenschaftlichen Gesellschaft über Synagogenruinen in Galiläa fepricht. Durch die uns vorliegende dritte Veröffentlichung der Gesellschaft für' Palästinaforschung, die einen Vortrag von Prof. Dr. Samuel Krauß über das genannte Thema wiedergibt, lernt man anders urteilen; allerdings scheint der Wiener Orientalist auch über die seltene Gabe zu verfügen, seine Stoffe erst mit lebendigem Geist zu durchdringen, ehe er sie anderen darbietet. Der Kraußsche Vortrag knüpft an die Ergebnisse der von Watzinger, Kohl und Hiller vor mehreren Jahren nach Nordpalästina unternommenen Expedition an. Damals wurden zahlreiche altjüdische Gebets- und Versammlungsstätten im Lande Galiläa festgestellt und aufgedeckt. In Ed-Dik diente das Haus nur Beratüngszwecken, denn ihm fehlte das Sanktuar; sonst aber waren es Synagogen im eigentlichen Sinne gewesen, die last alle auf Bergrücken mit Fernsicht lagen. Um so seltsamer dann, daß in zwei Fällen der Betraum vertieft angelegt ist, bis zu 2 m' unter der Eintrittsschwelle. Krauß aber weist nach, daß der Talmud, auf Psalm 130, 1 gestützt, dies ausdrücklich fordere. Reich scheint die Verwendung von dekorativem Schmuck der Wände gewesen zu sein, während Fußboderimosaik vermieden wurde. Delphine, Vögel, Lämmer, Löwen, dazu der siebenarmige Leuchter fanden sich als Motive. In Djisch aber war am Türsturz der Front ein Adler mit Guirlanden angebracht, und zwar in derselben Art wie an dem nicht sehr entfernten römischen Tempel von Kades. Dieser Umstand leitet zur Errichtungszeit der Synagogenbauten über, und es ist dafür von besonderer Wichtigkeit, daß hier überall die Gebetrichtung nicht nach Jerusalem wies, sondern nach Norden, in entgegengesetzter Richtung; die galiläischen Juden haben also der heiligen Stadt beim Gebet den Rücken gekehrt. Professor Krauß erklärt die befremdende Tatsache etwas mühsam und übergeht in solchem Zusammenhänge den Hinweis darauf, daß alle diese Synagogen etwa im 2. Jahrhundert n. Chr., jedenfalls nach Hadrians Regierung erbaut sein dürften. In dieser Zeit aber, bis Gairacalla ungefähr, heißt Jerusalem Aclia Capitolina und ist entweiht. Der Adler von Djisch bestärkt überdies die ohnehin gebotene Annahme, daß die römische Verwaltung energisch auf Unterlassung zentralistischer Bestrebungen achtete. Da nun die Juden nicht nach Süden gewendet beten durften (und wohl ebensowenig nach dem parthischen Osten), es nach Westen, d. h. gen Rom hin, aber nicht wollten, so nahmen sie die Richtung nach Norden. Mit Recht macht Krauß noch eine Anzahl von sachdienlichen Vorschlägen für künftige Nachforschungen. Sie werden eine Zeit zu erhellen haben, von der wir mit Sicherheit vorerst sehr wenig aussagen können.“ Dr. L. Roth, Die Geschichte der Gaonim. Preis Iv 2. — Essegg 1909. (Druck und Verlag von Ludwig Weber, Heiltronn.) „Die Hilfe“. Wochenschrift für Politik, Literatur und] Kunst. Herausgegeben von Dr. Friedrich N a u in a n n. Nummer 27. 4. Juli 1912. Aus dem Inhalt: Friedrich Naumann: Kunst und Volkswirtschaft. — Paul Rohrbach: Deutschland — Frankreich. — Wilhelm Heile: Niedergang des Parlamentarismus? — Erich Eyck: Wahlreform' in England. — Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Otto Bollnow: Rousseau und Voltaire II. — Paul Z sch or lieh: Eine Reise in Algerien TV. — Karl Grunsky: Eine Maßregelung. — Alfons Paque t: Kamerad Fleming. Roman. — Politische Notizen. — Fortschritt (Buchverlag der „Hilfe“), G. m. b. H., Berlin-Schöneberg: „Nord und Süd“. Herausgeber und Chefredakteur: Prof. Dr. Ludwig Stein, Berlin W., Lützowufer 5a. Preis pro Quartal 6 Mark. — Juliheft. Inhalt: VorausgeschickK ist ein Aufsatz des Herausgebers Prof. Dr. Ludwig Stein,, der dem englischen Staatsmanne „Arthur James Balfour“ gewidmet ist; auch ein Bildnis Balfour’s ist dem Hefte beigegeben. Die Reihe der glänzenden Namen beginnt darauf Karl Max Fürst Lichnowsky mit einem Artikel: „Deutschenglische Mißverständnisse“; ihm folgen: der Direktor der Deutschen Bank A. von Gwinner, Oberbürgermeister Dr. Wermuth, Professor Th. Schiemann, Heinrich Prinz zu Scliönaich-Carolath, Botschafter a. D. von Holleben, Graf Posadowsky, Vize-Admiral Karl Galster, Graf von Kanitiz, Ernst Basseimann, Vize-Admiral a. D. v. Ahlefeld ^„Deutschenglische Entspannung“), Präsident des Hansabundes Pro-, l'essor Dr. Rießer, Hugo Stinnes, Direktor der Bayerischen Handelsbank Freiherr von Pechmann („Eine reale Basis für den Frieden?“), Geh. Reg.-Rat Dr. von Boettinger, Graf von Scliwerin-Löwitz, Geheimrat Wilhelm Wundt, Dr. Walther Rathenau („Den Finger auf die Wunde“), August Thyssen sen., Chefredakteur des „Berl. Tagebl.“ Theodor Wolff; Geh. Reg.-Rat Dr. Gottfried Zoepfl behandelt in eingehender Weise den „deutsch-englischen Gegensatz in der Weltwirtschaft“, während Oberstleutnant a. I). le Juge den Leser über „Bedeutung und Wert der englischen Landarmen“ unterrichtet. — Baron A. de Rothschild gibt noch eine Ergänzung zu seinem Artikel im Juniheft, und Chefredakteur J. L. Garvin, der damals nur' wenige Zeilen senden konnte, vertritt jetzt in längerer Ausführung über) „Die Zukunft der englisch-deutschen Beziehungen“ den englischen Standpunkt. — Nicht minder wertvoll sind unten den anderweitigen Beiträgen des Juliheftes die Mitteilungen Dr. Scliifferers, der an der Studienfahrt der Vereinigung) für staatswissenschaftliche Fortbildung in Rußland (Juni, 1912) teilgenommen hatte, über die russischen Verhältnisse, hauptsächlich über die neuerdings in Angriff genommen«^ Agrarreform; über „Rußland und die Mongolei“ informiert recht gut Dr. Adrian Polly in Petersburg. — Auf ein ganz anderes Gebiet führt Dr. W. Sörrensen’s Aufsatz: