Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 28 (12.7.1912)
- Date
- 1912-07-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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€*8* 474 Dr. Blochs einzugehen und alle jene Umstände zu ergründen, welche die richtige Entwicklung dieser Frage in vieler Beziehung beeinflussen, und ich habe auch in dieser Richtung mich im Parlamente geäußert. Ich muh diese Angelegenheit naturgemäß mit grober Vorsicht behandeln, denn ich gehöre ja einer anderen Konfession an, und gerade aus diesem Grunde ist es meine Pflicht, die Frage mit der größtmöglichen Vorsicht, dem größten Takte und dem Weitestgehenden Liberalismus zu behandeln. Seien Sie überzeugt, daß das Schicksal der Juden in dieser Beziehung in den Händen der Juden selbst liegt. Insoferne Sie mit jenem Gewichte und jenem einheitlichen Willen auszutreten vermögen und auftreten wollen, die zur vollständigen und vollkommenen Entwicklung einer solchen Angelegenheit notwendig sind, so werde ich derjenige sein, der Ihnen mit der größten Freude in dieser Hinsicht zu Hilfe eilen, und an der Erlangung Ihrer Autonomie Mitwirken wird. Ich will es glauben und hoffen, daß Sie auf dem Wege, den Sie betreten, fortschreiten, Ihre Ziele erreichen und dann in noch höherem Maße das moralische Kapital jener Iuden repräsentieren werden, welche auch in der Vergangenheit einen wertvollen Förderer der kulturellen Entwicklung und des Fortschrittes in Angarn dargestellt haben." Die Deputation begab sich hierauf zum Ministerpräsidenten Ladislaus v. Lukacs, der auf die Ansprachen des Hofrates Szekel-y gleichfalls die Zusicherung gab, daß, obgleich er amtlich mit der Sache nichts zu tun habe und die Angelegenheit nicht hinreichend kenne, die politffche und kulturelle Bedeutung der Iudenschaft für den Aufschwung Ungarns jedoch so hoch einschätze, daß er selbstverständlich immer bereit sein werde, auch diese Angelegenheit mit dem besten Wohlwollen zu fördern. Der Ministerpräsident versprach auch, nunmehr die ganze Frage der Autonomie der jüdischen Konfession eingehend zu studieren und ihre Erledigung zu beschleunigen. Ci« »euer israelitischer Tempel in Triest. Donnerstag den 27. Juni, abends um 1jit< Uhr fand die feierliche Einweibun« des neuen ifraelitifcken Tempels statt. Die israelitische Gemeinde besaß bis jetzt in Triest vier Bethäuser in der Altstadt, welche in Anbetracht ihrer Lage, ihres Fassungsraumes sowie in' ästhetischer Hinsicht manches zu wünschen übrig ließen. Dank einem ansehnlichen, vom verstorbenen Mitgliede der Gemeinde, Moses llsiglio gespendeten Betrage konnte man nun an die Verwirklichung des langgehegten Planes der Errichtung eines würdevollen Tempels schreiten. Der neue Tempel befindet sich in der Donizettigasse. Es wurde für die Errichtung des Gebäudes ein internationaler Konkurs ausgeschrieben, für welchen 45 Projekte eingesendet wurden. Nach Zuweisung der Preise fand man, daß einige dieser Projekte, obwohl von hohem künstlerischen Werte, so doch nicht in allem den praktischen Forderungen entsprachen. Um eine praktische - Lösung der Tempelfrage zu beschleunigen, beschloß die israelitische. Gemeinde, den Bau des neuen Tempels an den Triester Architekten Berlam zu vergeben, der im Vereine mit seinem Sohne ein neues Projekt ausarbeitete. Die beiden Architekten schöpften die Idee zum neuen Tempelbau in den ältesten Architekturen des Orients. Von den maurisch-mohammedanischen Traditionen, welche von vielen Erbauern von Synagogen befolgt wurden, abweichend und dem israelitischen, Kultus Rechnung tragend, wählten sie den Stil Zentralsyriens, wo in der Gegend von Hauran fast gleichzeitig mit dem romanischen Stil Europas eine Kunstform blühte, welche zwar die fundamentalen Formen des klassischen römischen Stiles bewahrte, aber doch dem Material und dem Gefchmacke der Bewohner Palästinas entsprach und ganz besonders dem Geiste der israelitischen Religion eignet. Dieser Monumentalbau steht nun vollendet da und ist bestimmt, eine der Sehenswürdigkeiten Triests zu werden. Ganz aus massivem Marmor gebaut, bietet er von seinem Turmbau, aus welchem die Tafeln der zehn Gebote errichtet sind, einen herrlichen Ausblick. Im Innern ist der Tempel mit goldenem Mosaik dekoriert. Der neue Tempel besitzt auch eine sehr schöne Orgel und in einem Anbaue befindet sich die Kanzlei der Gemeinde. Der heutigen Zeremonie wohnten der Statthalter Prinz Hohenlohe mit Statthalterei-Vizepräsidenten Grafen Attems, der Podesta Dr. Valerio und die übrigen Spitzen der Behörden bei. Wochenschrift 28 Ferner sah. man alle hervorragenden Mitglieder der hiesigenisraelitischen Gemeinde. Die Zeremonie begann mit einem Chorgesang, hierauf erfolgte die Uebergabe der Tempelschlüssel an das Präsidium, während die Orgel spielte. Unter dem Gesänge des zweiten Psalms wurden die Bibeln in die Arche gelegt und das ewige Licht angezündet, worauf Großrabbiner Professor C h a j e s die Festrede hielte Nach dem Gebete für den Kaiser und für die Gemeinde schloß die Zeremonie mit einem Ehorgesange. Anwesenden Gästen fiel namentlich die Tatsache auf, daß kein Kantor bei der Feier funktioniert. hat. Aushilfsweise rezitierte ein Herr Sege einen Psalm. Eine Gemeinde von dem Range der Triester hatte sich für diese außerordentliche Feierlichkeit eines sangeskundigen Kantors versichern sollen und können. Das hätte der Weihe nähr gedient, als z. B. Champagnerbedienung dcr Gäste. Auffallend war ferner die Abwesenheit der Vertreter anderer Konfessionen. Es -st immer ein Zeichen toleranter Gesinnung upd friedlichen Einvernehmens der Bevölkerung, wenn bei einer derartigen Feierlichkeit auch die Spitzen der anderen. Konfessionen die Feier durch ihren ^Besuch auszeichnen. ' Berlin. Unter Leitung seines Vorsitzenden Oberrabbiner Dr. Margulies, Florenz, hat der engere Ausschuß des Pro Falascha-Komitees am 2. Juli in Berlin eine Sitzung gehalten, in der das Arbeitsprogramm für die nächste Zukunft festgesetzt wurde. Nachdem die sehr befriedigenden Berichte über die bisherige Propaganda in fast allen europäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten zur Kenntnis genommen waren, wurde der Beschluß gefaßt, die Hilfsaktion zugunsten der Falaschas unverzüglich zu beginnen. Im Oktober d. I. wird Dr. Faitlovich, dessen zwei frühere Reisen zu den Falaschas von so bedeutendem Erfolg begleitet waren, wiederum nach Abessynien gehen. Er wird sich zunächst in die italienische Kolonie Eryträa begeben, um von dort aus die Expedition zu den Falaschas auszurüsten und die notwendigen Vorbereitungen für die Errichtung einer Schule einzuleiten. Bei den Falaschas selbst wird er sein Augenmerk hauptsächlich darauf lenken, eine größere Zahl junger Leute, die geeignet sind, später als Lehrer unter ihren Landsleuten zu wirken, auszuwählen und der zu gründenden Schule zuzuführen. Die Rundreise bei den Falaschas wird einige Monate in Anspruch nehmen und Ende des Sommers 1913 beendet sein. Dann soll s o f o r t die Schule eröffnet werden und der Unterricht beginnen. Als Sitz der Schule ist A d i g a l a in Aussicht genommen, das an der Grenze zwischen dem Reiche des Negus und der italienischen Kolonie liegt. Bis zur Fertigstellung eines eigenen Gebäudes, für das die italienische Kolonialverwaltung den Grund und Boden zur Verfügung zu stellen bereit ist und die Falaschas als Bauarbeiter herangezogen werden sollen, werden in landesüblicher Weise provisorisch Hütten und Zelte errichtet werden, die Lehrern und Schülern als Unterkunft dienen können. Doktor Faitlovich wird ans seiner Reise von zwei der von ihm früher mitgebrachten und nach europäischer Methode ausgebildeten Falaschas begleitet sein, die auch nach Eröffnung der Schule als Lehrer tätig sein werden. Die Mittel für die Expedition werden aus den bisherigen Erträgnissen der Propaganda bestritten werden können. So steht zu hoffen, daß nach vielfachen Hinderniffen den Falaschas endlich die von ihnen so sehr ersehnte religiöse Unterweisung und die Verbindung mit den anderen Juden gewährt werden können. Berlin. Man schreibt uns: Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums stellt der Presse einen Halbjahrsbericht zur Verfügung, dem wir folgendes entnehmen: Die Zahl der Mitglieder ist wieder in erfreulichem 'Umfange gestiegen, und zwar um 140, so daß die Berichtsperiode mit einem Bestand von rund 1500 Mitgliedern abschlietzt. Großen Beifalls hatten sich zu erfreuen die im vergangenen Winter kostenlos an sämtliche Mr'gl'eder verteilten zweibändigen „Gesammelten Abha. d angen" von Ludwig Philippson, die dessen Söhne aus Anlaß der 100. Wiederkehr seines Geburtstages herausgegeben and in einer größeren Anzahl von Exemplaren der Gesellschaft zur Verfügung gestellt hatten; auch neu hinzutretende Mitglieder erhalten das Werk noch nachgeliefert. Die Gesellschaft hat neu herausgegeben die Schrift: Nikl. Müller, Die