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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 Dr. MMs WoKeMM Seite 473 hat, einem jüdischen Kandidaten zugedacht war. Dieser jüdische Kandidat war auch vorhanden und wäre auch gewählt worden. Es war dies der frühere Kollege Dr. Mahler. Durch einen Familienzwist im jüdischen Lager ist aber Dr. Straucher dem Dr. Mahler in den Rücken gefallen und die Folge davon war, daß es sich dann für uns darum gehandelt hat, ob Herr Hruschka — der, möchte ich sagen, heute schon ein Bukowinaer Kind ist — ein Mann, der die dortigen Verhältnisse kennt und schon unser ist, oder HerrLuzian Brunner, dem es in Wien eingefallen ist, daß er deshalb die Berechtigung habe, in der Bukowina gewählt zu werden, weil er in der Lage ist, Hunderttausende für diese Wahl zu spendieren, (Hört!) gewählt wird, und es war Pflicht von uns Hllen — und in dieser Beziehung haben wir bürgerlichen Parieren in der Bukowina uns nahezu alle gesunden — den Einheimischen gegenüber dem Fremden zu unterstützen. Daß es dazu gekommen ist, daß dadurch Kollege Hruschka, ich muß offen sagen, unter Mitwirkung aller autonomen und aller sonstigen Kräfte gewählt wurde, das ist Herrn Dr. Straucher zu verdanken und wenn die Juden das Mandat verloren haben, ist das ebenfalls ihm zu danken und es muß dies auf seine Rechnung geschrieben werden. Herr Dr. Straucher kann nicht im Namen des Landes davon sprechen, daß die Wahl des Herrn Hruschka ein peinliches Aufsehen im Lande gemacht habe. Ein peinliches Aufsehen hätte es erregt, wenn wir tatsächlich vor ganz Oesterreich gezeigt hätten, daß es genügt, wenn ein Herr aus Wien nur einige Hunderttausend Kronen für Wahlzwecke ausgeben kann, um in der Bukowina gewählt zu werden. Darum hat es auch keineswegs Aufsehen erregt, sondern es war eine Erleichterung und das wollte ich tatsächlich konstatieren. (Lebhafter Beifall.)" Spende des Kaisers für eilte orthodoxe Synagogr. Kaiser Franz Joseph hat der orthodoxen israelitischen Kultusgemeinde in Zigand in Ungarn aus seiner Privatschatulle zum Baue einer Synagoge in dieser Gemeinde 200 Kronen gespendet. Wien. (Eingesendet.) Löbliche Redaktion! Bezugnehmend auf den in Ihrem geschätzten Blatte enthaltenen Artikel „Emigrantenelend" möchte ich folgendes bemerken. Vor sechseinhalb Jahren fuhr ich im Zwischendeck der „Patrizia" (Hamburg-Amerika-Linie) nach Amerika. Meine Erfahrungen während der Reise habe ich in einem Feuilleton der Prager Zeitung „Union" wiedergegeben und geschildert, wie schlecht die Auswanderer da behandelt, ja sogar oft von den Matrosen mißhandelt wurden. Am 6. März 1912 fuhr ich mit der „Argentinia", Eigentum der Austro-Americana, nach Europa. Die Fahrt dauerte 19 Tage bei herrlich schönem Wetter. Ich sowie die vielen Anderen bedauerten nicht, den Weg über Triest genommen zu haben. Die Kost' war eine sehr gute, Offiziere wie Mannschaft liebenswürdig und voll Aufmerksamkeit den Passagieren gegenüber, auch denen am Zwischendeck. Besonders lobend möchte ich die Tätigkeit des Schiffsarztes erwähnen, der sich der am Zwischendeck befindlichen Frauen und Kinder angenommen hatte und sogar bei Nacht nach einer sich in gesegneten Umständen befindenden und kranken Frau drei- bis viermal sich erkundigen kam. Leider habe ich mir den Namen dieses wackeren Mannes nicht notiert. Nicht selten sah ich es, daß Offiziere mit den Kindern der Zwischendeckpaffagiere spielten oder dieselben von einem Ende des Schiffes bis zum andern trugen. Es befanden sich viele Juden am Bord der „Argentinia". Nie aber hörte ich solch häßliche Schimpfworte wie auf dem Dampfer „Patrizia", trotzdem der General-Direktor dieser Linie selbst Jude ist. Achtungsvoll Willy Reiniger, Wien, II., Schreygaffe 8. Der Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mährisch-Ostrau und Umgebung erläßt folgenden Aufruf: An Eltern und Vormünder! Nach dem Schulschluss tritt an viele die Frage heran, was soll aus unseren Jungen werden. Bei der Wahl des Berufes soll der Wunsch des Knaben berücksichtigt werden, denn der Erfolg ist ausgeschlossen, wenn man für ein Fach bestimmt wird, für das man keine Neigung bat, oft wählt aber der Junge einen Beruf, zu dem er nicht geschaffen ist oder seine geistige Veranlagung nicht passt. Darum muss neben der Vorliebe des Knaben für die Berufswahl auch die reifliche Ueberlegung von Eltern und Vormündern bestimmt sein. In den letzten Jahren hat sich die Jugend massenhaft dem Studium zugewendet, und darum ist eine Ueberproduktion von Absolventen verschiedener Lehranstalten geschaffen worden, für die Stellungen nur schwer zu haben sind. Im Handwerkerstande haben immer noch tüchtige ausgebildete Menschen ihr gutes Fortkommen gefunden, und immer noch wird stets eine gute Handwerkerkraft gesucht. Der Unterzeichnete Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mähr.-Ostrau und Umgebung hat es sich statutarisch zur Aufgabe gemacht, Knaben, welche Lust und Liebe zum Handwerk haben, verläßliche Lehrstellen zu besorgen. Beim Vorstande oben bezeichnten Vereines haben sich bewährte Lehrmeister aller Handwerke angemeldet, welche brave Jungen zu tüchtigen Handwerkern ausbilden wollen. Der Hilfsverein wird sich durch die ganze Dauer der Lehrzeit die Aufsicht über den Lehrling Vorbehalten, daß derselbe nicht nur sein Handwerk vollkommen erlernt, sondern auch in Bezug auf Sitten und Moral nicht leidet. Eltern und Vormünder! Wendet euch vertrauensvoll an den Hilfsverein jüdischer Handwerker in Mähr.-Ostrau, derselbe besorgt unentgeltlich die Lehrstelle bei tüchtigen braven Meistern. Mittellose und Waisenknaben werden, wenn sie brav und fleissig sich aufführen, vom Verein nach Tunlichkeit unterstützt. Anmeldungen sind an den Vorstand des Hilfsvereines für jüdische Handwerker in Mähr.-Ostrau schriftlich zu richten. Der neue Rektor der Lemderger Universität. Der neugewählte Rektor der Lemberger Universität, 'Professor Dr. Adolf Beck — ein Jude — wurde im Jahre 1863 in Krakau geboren, woselbst er auch seine Gymnasialstudien verlängerte und im Jahre 1889 zum medizinischen Doktor promoviert wurde. 2m Jahre 1892 erhielt er vom Unterrichtsministerium ein Reisestipendium'. Nachdem er aus dem Auslande zurückgekehrt war, habilitierte er sich an der Krakauer medizinischen Fakultät. 1895 wurde er zum Professor für Physiologie nach Lemberg berufen. Dr. Beck gehört zahlreichen gelehrten Gesellschaften als Mitglied und zum Teile auch als Vorstandsmitglied an und hat auf den verschiedensten Kongressen durch seine Referate, welche stets neue Ergebnisse seiner Forschungen beinhalteten, die Aufmerksamkeit der Gelehrtenwelt in Anspruch genommen. Professor Dr. Beck hat eine ganze Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten aus feinem Fachgebiete veröffentlicht, die zum Teile als selbständige Bücher und zum Teile in den angesehensten Fachzeitschriften der Welt erschienen sind. Professor Dr. Beck schreibt ebenso gut polnisch, deutsch und französisch. Von seinen in deutscher Sprache erschienenen Arbeiten seien hier die wichtigsten erwähnt: „Die Ströme der Rervenzentren", „Ueber den Einfluß des Diphtheriegiftes auf den Kreislauf", „Die Erregbarkeit verschiedener Rervenstellen", „Ueber die Giftwirkung des Harnes". „Ueber die Ermüdbarkeit der Nerven" rc. rc. Ungarische Minister Mer die Autonomie der jüdischen Konfession. Vorige Woche erschien eine Deputation der neologen Iudenschaft beim ungarischen Minister für Kultus und Unterricht, Grafen Johann Zichy, um die Durchführung der Autonomie der jüdischen Konfession in Ungarn zu urgieren. Auf die Ansprache des Führers der Deputation, Hofrat Franz Szekely» erwiderte der Minister : „Mit Freuden habe ich das, was Sie mir hier vortrugen, zur Kenntnis genommen, in dem Glauben und in der Hoffnung, daß dasjenige, was Sie zum Ausdrucke brachten, auch dem Wohle der ungarischen Iudenschaft entspricht. Es ist Ihnen bekannt, daß ich bemüht war, auf die Angelegenheiten der Iudenschaft

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