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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 472 Wk- WlWs Nr. 38 Brüder, der Söhne Esaus, die in Seir wohnen, und sie werden sich vor euch fürchten. Nehmet euch also sehr in acht. Befehdet sie nicht, denn ich werde euch nicht geben von ihrem Lande auch nicht den Tritt eines Fußballens, denn als Erbbesitz habe ich dem Esau den Berg Söir gegeben". Dieses Rätsel kann nur mutmaßlicherweise gelöst werden. Die semitischen Völker, die in Vorderasien wohnten und eines Ursprunges waren, fühlten sich, soweit sie von einander Kenntnis halten, bewußt oder unbewußt als eine Völkerfamilie. Kämpfe, ja sogar anhaltende und erbitterte Kämpfe waren wie noch heute auf der arabischen Halbinsel nichts Seltenes. Aber nach Beendigung der Kriege oder langandauernden Fehden, ließ zwar der Sieger seine volle Macht den Besiegten fühlen, beugte ihn aber nicht bis zur Existenz- Bibel, drei.hinzu. Sie bestehen in der Circumcision, der Verpflichtung den Verwandten beizustehen und in der Gastfreundschaft gegen Jedermann. " , Diese und wahrscheinlich auch andere Satzungen waren mit Minen Unterschieden bei den Nachkommen Jakob-Israels wie Esau-Edoms normative. Von den Jakobiten wird ausdrücklich berichtet, daß sie sich mit andern, wenn auch verwandten Stämmen nicht verschwägerten und daher rassenrein geblieben sind. Dieses dürfte auch, wenn ein von den Ahnen herrührendes Gesetz oder Herkommen zugrunde liegt, bei den Edomitern der Fall gewesen sein. Im Großen und Ganzen haben sie sich ethnisch unvermischt erhalten. Jedoch dürften Eheschließungen zwischen den Gliedern beider Brudervölker vorgekommcn sein, da die sinaitische Gesetzgebung ein§. Ver- Geschlechte ausdrücklich gestattet. erachte nicht den- Edomiten", heißt es im Deuteronomium. „Die dritte Generation darf in deine Gemeinde ausgenommen werden. Es dürften demnach die Individuen beider Brudervölker auch eine physische Gleichheit aufgewiesen haben. Die äußere Erscheinung dürfte bei beiden eine überaus ähnliche gewesen sein. Von ihren zwei Stammvätern berichtet Josephus, daß sie wegen ihrer Aehnlichkeit mit einander verwechselt werden konnten (Antiquitates). Die Edomiter wie die Israeliten waren Bene Jzchak und die Religionsanschauung beider war dieselbe. Daß der Monotheismus der Gottesverehrung der Edomiten zugrunde lag, geht mit Sicherheit daraus hervor, daß in den Berichten der biblisch-historischen Urkunden sie niemals als Götzendiener bezeichnet werden, daß keine Götter derselben erwähnt werden. Wenn in einem Berichte eines späten Historikers, in der Chronik, von „Göttern Edoms" gesprochen wird, so ist dies auf Rechnung der nicht genau zu nehmenden Mitteilungen seiner Quellen zu setzen. Wie die Rabbiner ausdrücklich konstatieren: „Die Mitteilungen der Chronikbücher müssen erst erklärt werden, "“oi wü vk *6« D'ö-n Ebenso ungenau ist Josephus, welcher in später Zeit von einem edomitischen Priester des Götzen Coze spricht. (Antiquitates*). (Fortsetzung folgt.) gefährduug, bis zur Vernichtung seiner Nationalität oder bis schwägerung mit ,einem edomitischen.Äescendenten im .chritten zur Aufhebung seiner ethnischen Individualität. Daraus ist f **r>-1 - -**•■r auch das Berwaltungs- und Regierungssystem der emporgekommenemHxoßreiche zu erklären, daß sie die Länder der besiegten Völker nicht in das Großreich einverleibten, sondern sie als selbständige politische Gemeinwesen bestehen ließen und, sogar manchmal, unter Belastung des jeweiligen Landesfücsten r nur tributär machten. Das siegreiche Volk strebte nicht eigentlich die absolute Herrschaft, sondern die Hegemonie an. Diese wurde aber von den Besiegten dem Sieger, in Anerkennung seiner Vorzüglichkeit, seiner Ueberlegenheit, seines überaus hohen Wertes zugestanden. Bei dem siegreichen, Politischen Aufstieg des jungen, kraftstrotzenden, israelitischen Volkes erkannten die besiegten Völkerschaften die Superiorität desselben au, rühmten seine hohen Eigenschaften, besonders feierten sie die intellektuelle Ueberlegenheit desselben, wie dieses das Deuteronomium 4,6, Moses, dem Volke, nach Anführung seiner Erfolge, zurufen läßt. „Die Völker werden sagen, ein kluges und weises Volk ist diese große Nation". Edom aber wollte die Ueberlegenheit Israels durchaus nicht anerkennen. Alle andern Völker standen in einem entfernten Verwandtschastsverhältnis zuJsraels, Edom aber wie, oben erwähnt wurde, war der Bruder desselben, ja der Zwillingsbruder. Seine Eigenliebe, sein stolzes Herz, gaben es nicht zu, dem Brudervolke große Vorzüge zuzugestehen. Durch das Bewußtsein des eigenen ' hohen, innere« Wertes, konnte er es nicht über sich gewinnen, die geistige Superiorität Israels rühmend hervorzuheben. Kränkend war für ihn der Gedanke, daß dem Brudervolke und nicht ihm die Hegemonie in dem großen Länderkompllx zwischen dem Ailantimschen Meerbusen und dem Euphrat gehören sollte. Ein verzehrender Neid entstand in seiner Seele, Mißgunst nagte an seinem Herzen. Diese verwandelten sich in Haß und Feindschaft. Er wurde der Politische Rivale Israels. Die politischen, sozialen und intellektuellen Zustände Edoms sind uns nicht bekannt. Literarische Zeugnisse sind nicht vorhanden. Noch sind in Petra, im Wadi Musa und in dem ehemaligen Hafenorte Elot keine Ausgrabungen von Forschern gemacht worden, um historische Dokumente, wie in Mesopotamien, an das Tageslicht zu fördern*). Aber wir können doch durch einige Aeußerungen in der Bibel und durch einige versprengte Bemerkungen in der rabbinischen, mündlichen Überlieferung eine Anschauung und eine ungefähre Vorstellung von den geistigen und religiösen Zuständen in Judumäa gewinnen. Esau gehörte vermöge seiner Abstammung zu den Abrahamiden. In diesem Kreise war seit unvordenklichen Zeiten eine Summe von religiösen und sozialen Lehren vorhanden, die sich von Geschlecht zu Geschlecht mit mehr oder weniger Modifikationen fortpflanzten. Die Gottesanschauung war eine monotheistische. Von den herrschenden legalert Normen ist eine kleine Gruppe von Vorschriften bekannt, welche bei den Rabbinen die sieben Noachidischen Gesetze genannt werden. •ro "22 cm ras» rmstü in» Zu diesen kommen aus der Zeit Abraham's sichtbarlich nach der Darstellung der *) Die in letzter Zeit daselbst vorgenommenen Ausgrabungen förderten Dokumente der römischen Kaiserzeit ans Tageslicht. Korrespondenzen. Die „jüdische Politik" des Lueiarriswus. (Der Verlust des zweiten jüdischen Neichsratsmandates in der Bukowina.) Ueber die Ursachen, welche es herbeigeführt haben, daß der Wahlbezirk Suczawa - Sereth - Radautz der jüdischen Wählerschaft verloren ging, wo an Stelle eines jüdischen Abgeordneten der christlichsozialeHruschka gewählt worden ist; wie es möglich war, daß die jüdische Wählerschaft der Bukowina von 105.000 Einwohnern nur Einen Abgeordneten erhielt, während die Deutschen bei 60.000 Einwohner zwei Vertreter in das Abgeordnetenhaus entsenden, gab der Abgeordnete N i k o l a j von W a s s i l k o in der letzten Sitzung des Abgeordnetenhauses, gelegentlich der Agnoszierungsdebatte nach dem stenographischen Protokoll folgende interessante und lehrreiche Ausschlüsse: „Es ist richtig, daß der Wahlbezirk Sereth-Suczawa- Radautz seinerzeit — obwohl er nur 42 Perzent jüdischer Wähler besitzt — wie Herr Dr. Straucher selbst zugegeben *) Bei Josephus heißt es vom König Amazjah nicht, daß er den Göttern Edoms gedient hat, sondern er ergab sich dem Dienste der Götzen, welche er aus dem Lande der A m a l e k i t e r mit sich nachhause geführt hatte. (Antiq. IX. 9. 2.) Das II. Buch der Könige 14., welches von Amazjahs Sieg über die Edomiter berichtet, kennt die Mitteilung des Chronisten gar nichsi Vielleicht hatte Amajzah an den Sitten und an der Lebensführung der Edomiter Gefallen gefunden und sie nachgeahmt. Diese dunkle Kunde dürfte den Chronisten bekannt gewesen sein. Er machte nach eigener Konstruktion die SittenW Göttern Edoms.

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