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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 28 Dr. B!ochs WochMHrift Seite 471 sitz und vom Tau des Himmels von Oben." (Genesis 27, 28, 19.) Die beiden Brüder standen auch in einem liebevollen, friedlichen Verhältnis zu einander. Denn nach einer kurzen Episode der Zwietracht wegen des von Jakob zuerst erhaltenen, väterlichen Segens trat eine aufrichtige Versöhnung zwischen beiden ein, welche bei ihren Nachkommen Jahrhunderte lang dauerte. Die politischen und sozialen Zustände der Patriarchenzeit, die uns die Bibel schildert, sind dieselben, wie sie die Tel-Amarnabriefe als in Palästina herrschende vorführen. Die Völkerwanderung der Stämme, welche von der arabischen Halbinsel nach dem Norden und Nordosten nährend der Dauer von Jahrhunderten vor sich ging, ist zum Stillstände gekommen. Palästina ist vorzugsweise von semitischen Völkerschaften bewohnt, welche unter eigenen Fürsten, Klanhäuptlingen, Gau- und Stadtkönigen standen. Auch Länderkönige werden zuweilen ernannt. Der Boden gehört den einheimischen Besitzern. Jedoch finden fremde Stamme im Laude Aufnahme. Sie können als Nomaden Viehzucht, als Ackerbauer Agrikultur, als Kanfleute Handel und Gewerbe treiben. Die Kenntnis der Schrift ist vorhanden, sie ist die Keilschrift. Briefe und Verträge werden in ihr geschrieben. Die eingewanderten Stämme, welche unter der Anführung und Leitung von Scheichs stehen, genießen vollen Schutz der Obrigkeit. Sie können Grund und Eigentum erwerben, müssen aber durch ein loyales Verhalten des Vertrauens der einheimischen Bevölkerung und der Landesfürsten sich würdig zeigen. Bei Unbotmäßigkeit oder Mißliebigkeit jedweder Art müssen sie das Land verlassen. Ein Recht auf Vollbürgerlichkeit haben sie nicht. Auch können sie dasselbe durch langjährigen friedlichen Aufenthalt nicht erlangen. Die Vererbung des erworbenen Eigentums an Realitäten und Bodenbesitz hat nur solange Gültigkeit, solange die Bewilligung der einheimischen Obrigkeit vorhanden ist. Solche eingewanderte Fremde waren auch die Patriarchen Abraham und Isaak. Abraham hatte außer einer Grabstätte noch kein Bodeneigentum erworben. Isaak scheint eine ausgedehnte Bodeufläche zum Ackerbau gepachtet zu haben. Er kaufte auch einen Teil des Feldes, wo er sein Zelt aufgeschlagen hat, für hundert Kesitah. (Genesis 23, 20.) Isaak hatte, nach den Schilderungen der Bibel von Abraham keinen Landbesitz geerbt, ebenso wenig Jakob von Isaak, wie auch Esau keinen solchen erblich erhielt. In einem der ältesten historischen Berichte wird die Fremdheit des ersten Patriarchen und sein Verhältnis zu Palästina folgendermaßen dargetan: „So spricht der Ewige, der Gott Israels: Jenseits des Stromes wohnten euere Väter, von jeher Terach Vater Abrahams und Vater Nachors und sie dienten fremden Göttern. Und ich nahm euern Vater Abraham von jenseit des Stromes und führte ihn durch das ganze Land Kanaan und vermehrte seine Nachkommen, gab ihm den Isaak. Und ich gab dem Isaak Jakob und Esau und gab dem Esau den Berg Stzir ihn zu besitzen und Jakob und seine Söhne gingen hinab nach Egypten (Josua 24, 2—5)." Während bei der Aufzählung der Söhne Abrahams Jsmael unerwähnt bleibt, obwohl von seinem Besitze an der Grenze Egyptens anderwärts berichtet wird (Genesis 25, 18), wird Esau als gleichberechtigter Sohn Isaaks vorgeführt. Esau wohnte auch sowie Jakob viele Jahre in Palästina, gründete dort eine Familie, erwarb großen Reichtum und trennte sich nur wegen der Größe des Besitzes beider von Kanaan". I: Genesis 36. 6—10 heißt es: „Und Esau nahm seine Weiber und seine Söhne und seine Töchter und alle Seelen seines Hauses und seine Herden und all sein Vieh und all seinen Besitz, den er erworben im Land Kanaan, und zog in ein Land, hinweg von seinem Bruder Jakob, denn ihre Habe war zu groß, um bei einander zu wohnen und es vermochte nicht das Land ihres Aufenthaltes sie zu tragen wegen ihrer Herden. Und es wohnte Esau auf dem Berge Söir. Esau das ist Edom". Nach der Schilderung in der Bibel war die Jagd die Beschäftigung Esau's. Er streifte umher über Feld und Flur, die Tiere des Waldes zu erlegen. Vielleicht gesellte sich zu dieser Betätigung, wie dieses nicht selten der Fall ist, auch der Fischfang. Sein ganzer Charakter wird durchaus in keinem ungünstigen Lichte dargestrllt. Ec ist zwar etwas sinnlich, leicht erregbar und aufbrausend, aber offenherzig, frei von Falschheit und Unaufrichtigkeit. Er ist das Prototyp seiner Nachkommen, feines Volkes, des Volkes Edom. Das Gebirge Söir, westlich vom Wadil el Arabab, welches die Edomiter befassen, ist ein wildes, wüstes, unfruchtbares Gebirgsland, so daß seine Bewohner gezwungen waren, sich von Jagd und Viehzucht die Nahrung zu verschaffen. Aber die höhere Bergkette Dschebal und Eschscherat im Osten des Wadi el Arabah ist mit Kräutern und Bäumen bedeckt, umschließt fruchtbare, mit Bäumen, Sträuchern und Blumen bedeckte Felder, wo gute Ernten erzielt werden, auf welche der Segen Isaaks wohl anwendbar ist. Die Charakterschilderung Esaus seitens der Bibel entspricht noch mehr manchen Aeußerungen der mündlichen rabbinischen Tradition. Ueber die ihm zugewandte väterliche Liebe, heißt es im Midrasch Rabbah, C. 8, V. 7: zum Hohelied „Gewaltig wie der Tod ist die Liebe, das ist jene Liebe, die Isaak dem Esau zuwandte". nan* maa rw ’=> •nrrb pnr Ueber seine Vaterverehruug heißt es Leviticas Rabbah C. 45: „Ein Sohn ehrt seinen Vater, das ist Esau". i.-p m 2*-ca-ja „Die Kleider, in denen er seinen Vater bediente, waren die kostbarsten", vsb nmv vbn \rm .a'bu’ö rn ras rin pa (Deuteronomium Rabbah C. 1.) Ueber die Folgen seiner Ahneuverehrung heißt es: „Es spricht Rabbi Juden: Als Israel im Begriffe war, mit ihm (Esau) Krieg zu führen, da zeigte Gott dem Moses den Berg, auf welchem die Patriarchen begraben waren, und sprach zu ihm: Moses, sage den Israeliten, ihr könnet ihm nicht beikommen, bis jetzt verlangt er noch den Lohn für die Ehrung, die er denen erwiesen hat, die auf diesem Berge die letzte Ruhe gefunden haben: insnn nanSa 12p San»' isa» yra pr n nax nts*e ib 13 pnap rrasn» -in mix waf? .Taprr *6 trpana ins>aj? r; i*? avn*.-6 p^r an» px an*? •nrn ma piap» iba na ia*a» -na*an naw (Deuteronomium C. 1.) Aus diesen Aeußerungen geht hervor, daß nach der schriftlichen und mündlichen Überlieferung Esau- Edom in einer gewissen Zeit wenigstens nicht als minderwertig angesehen wurde. Esau-Edom verschwindet als Epyuom während eines Zeitraumes von Jahrhunderten aus den biblischen Berichten und tritt erst wieder als Volk in streng historischer Zeit auf den Schauplatz der Geschichte. Als Israel durch sein Land nach Kanaan Vordringen wollte, stand Edom bereits unter der Führung eines Königs, dessen Namen nicht genannt wird, der mit einem großen Heer den Durchzug Israels verhinderte. (Numeri 20. 14—21.) Wiederum breitet sich tiefes Dunkel über die Geschichte Edvms aus, bis es, nachdem es unter Sauls Kämpfen flüchtig erwähnt wird, als eine große Nation mit einem ausgedehnten Ländergebiete erscheint, welches von David mit Krieg überzogen wird und von demselben besiegt und tributär gemacht wird. (ll. Samuel 8, 13. — Psalm 36) Weshalb David mit Edom Krieg führte, wird nicht berichtet. Der Kampf gegen Edom wird zusammen mit Kümpfen gegen andere benachbarte Völker geschildert. Allem Anscheine nach waren diese Kämpfe Eroberungskriege, die der junge Held im Vollgefühl seiner Kraft und im Expansionstriebe seines Volkes unternahm und siegreich zu Ende führte. Warum er aber gegen das Brudervolk so rücksichtslos vorging, erscheint rätselhaft, da doch aus alter mosaischer Zrit die Bekämpfung Edoms und die Besitznahme seines Gebietes untersagt war. Im Deuteronomium 2. 1 ff, spricht Moses zum Volke im Namen Gottes: „Ihr ziehet nun durch das Gebiet euerer

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