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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-12 · 28 (12.7.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
28 (12.7.1912)
Date
1912-07-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 470 Dr. Blochs WochMchrift Nr. -8 ' Ehre Autokorski-Stiftuug. In diesem Sommer Werden es zehn Jahre, seitdem der berühmte jüdische Bildhauer Antokolski aus dem Leben schied. Aus diesem Anlasse hat der gleichfalls berühmte akademische Bildhauer Ginsburg in Petersburg der Gesellschaft zur Perbreitung der Aufklärung unter den Juden Rußlands 500 Rubel als ersten Beitrag zur Errichtung einer Antokolski-Stiftung überreicht. Die genannte Summe ist Uas Erträgnis einiger Vorlesungen, welche Einsburg im letzten Winter über Antokolski gehalten hatte. Die Gesellschaft hat die Absicht, diesen Fonds sowohl aus eigenen Mitteln, als auch durch eine Sammlung unter privaten Persönlichkeiten so zu vergröbern, daß sie eine ansehnliche immerwährende Antokolski-Stiftung gründen könne. Religiöse Strömungen irr Audäa wahrend und nach der Zeit des babylonischen Teils. Von Dr. S. Gelbhaus, Gemeinderabbiner. Die großen Führer in der Zeit der Rückkehr der Juden aus Babylonien waren gestorben. Serubabel, Esra und Nehemias waren von dieser Erde abberufen worden. Die Stimme der Propheten war verhallt und verklungen. Der wehmütige Ruf erklang durch die Reihen und die Lande Judäas: „Es ist kein Prophet mehr und keiner unter uns weiß mehr das Geringste."q.-,!2 nr jnrr wik pu (Psalm 74, 9.) Die politischen Zustände boten keinen erhebenden Anblick dar, die sozialen Verhältnisse waren sehr wenig ermunternd. Aber durch die dominierende Gewalt des persischen Reiches war doch eine gewisse Norm für die staatliche Gestaltung des neugegründeten jungen Staatswesens gegeben. Durch die reformatorischen Taten der Leiter der Rückeinwanderung war doch der Grundstein für die Konsolidierung der gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Zustände gelegt worden. Unklar und verworren aber waren die religiösen Verhältnisse bei der Bevölkerung, welche aus den zurückgebliebenen und den zurückgekehrten Judäern bestand. Josephus meint, daß nach der Eroberung Judäas durch Nebukadnezar das ganze Land ohne Bewohner war, er schreibt: „So blieb ganz Judäa mit Jerusalem und dem Tempel 70 Jahre lang eine Wüste; '0 oh xöv Ba6uXiöv£o)V ßaaiXeug xag 060 cpuXag e^ayaywv ouoev eOvog dg T7jv x&pav auxtöv xaxcjmce. Kal 01a xoöx’ £prj[LOQ Yj ’louoata Tcäaa, %al 'IepoaoXujia, y.al ovaog oiIjaeivev exeatv eSSop^xovxa. (Antiquitates 9, 7.) Allein Josephus hat für seine Annahme keine genügende Grundlage; er folgt hier kritiklos der in seiner Zeit im Schwange gewesenen Ansicht, welche durch eine oberflächliche Erklärung von Prophetenworten entstanden ist. Schon eine äußerliche Betrachtung ergibt die Unmöglichkeit seiner Behauptung. Der Groß-König von Babylon hat drei Feldzüge unternommen, um das judäische Volk niederzuwerfeu. Und erst nach langen, hartnäckigen, blutigen Kämpfen gelang es ihm, dasselbe zu besiegen. Es wäre geradezu unsinnig gewesen, die Auslese seiner sieggewohnten Krieger auf den Schlachtfeldern Palästinas verbluten zu lassen, bloß um das Land in eine Einöde zu verwandeln. Wenn man die Eroberungsart der Assyrer und der Babylonier in Betracht zieht, weiß mau, daß dieselben die bezwungenen Stämme entweder tributär machten oder sie in andere Gegenden deportierten und an ihre Stelle andere unterjochte Tribus verpflanzten, die ihnen Abgaben entrichteten. Auch ist es fast unmöglich, ein ganzes Volk, welches nach Millionen zählt, aus seinem Boden herauszureißen und über einen so weiten, von Wüsteneien durchbrochenen Bodenkomplex, wie der, welcher zwischen Palästina und Mesopotamien sich ausdehnt, ist, in ein anderes Land zu exilieren. Die ökonomischen Voraussetzungen fehlen vollständig, die Transportmittel sind nicht vorhanden. Ja, die allerdürftigste Ernährung einer so großen Menschenmasse mit ihrem Viehstande ist unausführbar. Und eine solche Dislozierung sollte, wie nach Josephus anzunehmen ist, noch dazu in einer kurzen Zeit durchgeführt worden sein? Wirklich aber war der Sachverhalt so, daß ein Teil des judäischen Volkes, bestehend aus den Herren- und Kriegerstämmen ungefähr 17.000 an der Zahl, nach Babylonien transportiert wurde, während der andere 2.eil, bestehend aus dem Laudvolke der mi86i°a plebs der oj?n aus den Leibeigenen und Zinsbauern, im Lande zurückgeblieben war. (Siehe meine Schrift Nehemias S. 6.) Unter der Auswanderung des ganzen Volkes nach Egypten, welche nach der Ermordung Gedaljas geschieht, ist nur die ganze Bevölkerung des Bezirkes des eingesetzten Landpflegers zu v-rsteheu. Mit der Wegfühcuug der Herren- und Kriegcrstäuune war die soziale Lage des Landvolkes eine bessere geworden;: indem es teilweise den ausgedehnten Latifudienbesitz der Optimalen von der großköniglichen Regierung, welche ihn konfiszierte, zur Nutznießung erhielt. Aber seine geistigen Zustände waren noch viel schlechtere wie in früheren Zeiten geworden. Mit der Deportation der Aristokraten haben die judäischen Stämme als Nation zu existieren aufgehört. Sie waren nur noch judäische Untertanen des babylonischen Herrschers. Trauernd ruft das Klagelied: „Unser Lebensodem, der Gesalbte des Ewigen ist gefallen in ihre Netzen, von dem wir meinten, daß wir in seinem Schatten leben werden unter den Völkern." ömrrnBa t&j 'n it»ö ire# nn rrra -wn (Klagelieder 4, 20.) Die zurückgebliebene Landbevölkerung war ohne Führer, ohne Leiter und konnte dem Audrängen der benachbarten Völker keinen Widerstand leisten. Es lag im Regieruugssystem der babylonischen, wie der ihnen vorangegangenen assyrischen Herrscher, obwohl sie Groß- und Weltreiche gründeten, daß die Zügel der Regierung nicht allzu straff waren. Sie breiteten ihr Imperium über die weitesten Länderstrecken aus, ließ-n aber den Völkern weiten Spielraum. So konnte es zuweilen Vorkommen, duß Völker innerhalb des Reiches ihre Grenzen gegen einander vorschieben konnten, ohne die Ahndung des Großherrn zu erfahren, wenn sie sich nur gegenüber der Oberherrschaft des Großkönigs loyal verhielten. Es war daher die Möglichkeit vorhanden, daß an den Grenzen des judäischen Landes die anwohneuden Nationen in das von den mächtigen Kriegerstämmen verlassene Territorium eindringen konnten. Und ist dieses auch von mehreren Nachbaren geschehen. Besonders aber ist es eine Nation, welche in dieser Zeit von Süden her in Judäa einfällt und gewaltsam sich in einem großen Gebiete feststtzt, es ist dieies das Volk Ed om. Dieses Volk steht in einem eigentümlichen Verwaudtschastsverhältnis zu den Judäern. Der größte Teil der vorderasiatischen Nationen bildete damals eine Völkerfamilie, die ihren gemeinsamen Ursprung auf den Ahnherrn Sem zurückführte. Zu diesen Völkerschaften gehörte auch Israel. Während alle diese Völkerschaften fernere oder nähere Blutsangehörige Israels sind, ist Edom oder Esau der leibliche, ja der Zwillingsbruder desselben. Während die hervorragenden semitischen Stämme mit dem Stammvater Israels, mit Abraham, nur in einem verwandtschaftlichen, losen Zusammenhang stehen, ist Edom in direkter Abstammungslinie ein Enkel desselben. Während der erste der Patriarchen nur einen seiner Söhne, Isaak, als den echten Nachfolger anerkennt nach der Verkündigung: „Denn in Isaak wird dir ein Nachkommen genannt werden" (Genesis 21, 12) ist Edom — Esau mit seinem Bruder- Israel gleichgestellt. Während Abraham den erstgeborenen Sohn Jsmael durch seine Frau Sara vertreiben läßt, ohne Einwand zu erheben, während er selber seine Söhne von seiner Frau Ketura wegschickt in das Land des Ostens, hielt Isaak Edom mehr als Jakob und segnet ihn. Ja, er erteilt ihm den Segen fast in denselben Ausdrücken und Worten, wie an Jakob. Zum Letzteren spricht er: „Es gebe dir Gott vom Tau des Himmels und das Fette der Erde." Zum Ersteren sagte er: „Fettes der Erde sei dein Wohn-

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