Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 28 (12.7.1912)
- Date
- 1912-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 28 Sette 469 D e. BkoKs Ioniern eine Buchstabenschrift besaßen und von rechts nach links schrieben. Auf dem Gebiete der technischen Arbeiten ist Israel von Babylon durchaus nicht abhängig, Wie man angenommen hat, und staunenswerte Leistungen sind den Hebräern im Mauerbau und in der Herstellung von Tunnels gelungen. ..Wie großartig ist die Verwendung von fugenrändrigen Quadern, wie sie noch nach Jahrtausenden am Unterbau des Tempels in Jerusalem das Auge des Betrachters fesseln! Wie bemerkenswert ist auch die Durchtunnelung des Tempelberges,, durch die der bekannte Siloah-Kanal wahrscheinlich etwas vor dem Jahre 700 hergestellt wurde! Es war doch eine ganz respektable Leistung, einen Berg hundert Ellen unter seiner Oberfläche in einer Strecke von 1300 Ellen so zu durchgraben, daß. die von beiden Seiten ' vordringenden Arbeiter schließlich zusammentrafen." Auf dem Gebiete der Dichtkunst hat Israel poetische Werke Hervorgebracht, denen sich nichts aus der babylonisch-assyrischen Literatur an die Seite stellen kann. Wohl hat sie den „Parallelismus membrorum" mit babylonischen und ägyptischen Dichtungen gemein, aber von einer Abhängigkeit der jüdischen Poesie braucht dabei nicht die Rede zu sein. Ganz einzigartige Leistungen weist die hebräische Literatur in der Redekunst und der Geschichtsschreibung auf. Wenn man in wissenschaftlicher Hinsicht die Ausbildung der Sternenkunde bei den Babyloniern hervorgehoben hat, so sind doch die „Chaldäer" nur als Astrologen groß gewesen, und es ist ein Zeichen rühmenswerter Selbständigkeit, wenn die Fahnenträger der hebräischen Kultur die Astrologie ablehnten und von den Sternguckern und Himmelsleitern der Babylonier nur mit beißender Ironie sprachen. Auf religiösem Gebiete aber steht die eigenartige Idee des jüdischen Volkes, die in ihrer engen persönlichen Beziehung zum wahren Herrn der Welt als ausgewähltes Volk gipfelt, in einsamer Größe da. Der erst nur keimartige und dann immer mehr entfaltete Monotheismus, die grundsätzliche Geistigkeit der Gottesreligion mit ihrem lauten Protest gegen 'die Gottesbilder, die Erhabenheit über Wahrsagerei und Zauberei, über jede Art orgiastischer Sinnenbefriedigung beim Gottesdienst — das sind die großen, originalen Geistestaten, die das Judentum der Weltkultur gespendet. Dieses religiöse Bewußtsein steht im Zentrum des Geisteslebens der Hebräer und hat alle ihre Anschauungen befruchtet. Daneben jedoch regen sich auch schon ganz selbständige Moralbegriffe. Der Staatsgedanke Israels ist überall von dem Grundprinzip geleitet, daß die Gottheit selbst die oberste Regentin des Volkes sei, wodurch der Volksfreiheit eine breite Bahn gebrochen wird und sich zugleich ein sehr unorientalischer, für die weitere Entwicklung der Menschheit höchst bedeutungsvoller Idealismus entwickelt. Fragt man nun nach dem Ursprung der einzelnen Kulturelemente, die den Hebräern mit verwandten Völkern gemeinsam sind, so tritt Professor König für die Vererbung ein, der zufolge Hebräer sowohl wie Babylonier und andere stammesverwandte Völker Bestandteile ihrer Kultur von einem gemeinsamen Urvolk erhalten haben. Nur bei solchen Momenten der hebräischen Kultur, die sie mit der nicht stammesverwandter Völker gemein hat, kann an eine parallele Entwicklung und an Entlehnung gedacht werden. Ueber den eigentlichen Urquell, der dem hebräischen Geistesleben eigentümlichen Faktoren läßt sich nun zwar nichts Bestimmtes sagen, doch „muß dem Geiste des vergleichenden Betrachters sich in bezug auf den Quellpunkt der Eigenart der hebräischen Kultur das Urteil aufdrängen, daß auch das hundertfältig, positiv, negativ, in den Quellen ausgeprägte Bewußtsein von einem besonderen Ausgangspunkt des Hauptmomentes dieser Kultur als eine geschichtlich gegebene Tatsache anzuerkennen ist." Wochenschrift Tödlicher Unfall eines jüdischen Aviatikers. Aus Newyork wird uns berichtet: Der am 11. Juni d. I. bei College Park infolge eines Unfalles ums Leben gekommene Wright-Flieger Arthur L. Welsch war nicht nur ein ausgezeichneter Aviatiker, sondern auch ein treuer, hingebungsvoller Jude. Er war eilt führendes Mitglied der zionistischen Organisation in Washington. Trotz seiner Jugend — er starb in seinem 31. Lebensjahre — hatte Welsch wiederholt Rekordflüge absolviert. Welsch war ein Schüler der Brüder Wright, welche ihn so lieb gewannen und so großes Vertrauen zu seiner Gewandtheit und zu seinem Mute halten, daß sie ihn zum ersten Instruktor ihrer Schule für Aviatik ernannten. Der junge Welsch erlangte auch als Lehrer rasch eine Berühmtheit und eine große Anzahl bekannter Aviatiker, die in verschiedenen Weltflügen hohe Preise erzielten, gehört zu seinen Schülern. Welsch hinterläßt eine Witwe und ein dreijähriges Töchterchen. Interessant ist, daß Welsch seine Frau in einer zionistischen Versammlung kennen und lieben gelernt hat. Auch Frau Welsch ist ein eifriges Mitglied einer jüdischen Frauenorganisation in Washington. Der Präsident der republikanischen Konvention in Amerika. Viktor Rosewater, der Präsident des National Republican Comittee, welcher die Konvention nach Chicago einberufen und in dem schwierigsten Stadium die Versammlung so geschickt geleitet hatte, ist, wie /.American Israelite" meldet, eines der einflußreichsten Mitglieder der Kongregation Israel-Synagoge von Omaha, im Staate Nebraska, und nimmt an allen jüdischen Angelegenheiten dieser Stadt den lebhaftesten aktiven Anteil. Viktor Rosewater ist der Besitzer und Chefredakteur einer der bekanntesten Zeitungen der Vereinigten Staaten „Bee", welche von seinem Vater begründet wurde. Demolierung einer karaitischen Synagoge. In Iekaterinoslaw haben, wie aus Petersburg berichtet wird, vorige Woche Mitglieder der Schwarzen Hundertschaften des Nachts einen Ueberfall auf die karaitifche Synagoge der genannten Stadt in Szene gesetzt und die Synagoge nahezu vollständig demoliert und die heiligen Bücher zerrissen. Die Polizei, welche allerdings zu spät am Tatorte erschien, wurde von dem Pöbel hart attackiert. Die verhafteten Anführer des Ueberfalles erklärten, sie seien der Vorsitzende und der Sekretär der Organisation der Schwarzen Hundert und gaben zu ihrer Rechtfertigung an, daß sie der Meinung waren, es sei keine karaitische, sondern eine jüdische Synagoge, gegen welche sie den Mob anführten. Der Polizeibeamte nahm diese Rechtfertigung zu Protokoll und gab die Inhaftierten frei. Die Bibel als Literaturbegrimderin. Die englische Bibelgesellschaft teilt in ihrem jüngsten Berichte mit, daß die Uebersetzung der Bibel in die Zigeunersprache vollendet sei. Es ist das jetzt die 440. Sprache, in welcher die Bibel zu lesen ist. Wie in alle übrigen Sprachen wurde auch in die Zigeunersprache die Bibel der Juden sowohl als auch die christliche Bibel übersetzt. Durch diese Bibelübersetzung wurde die Zigeunersprache eigentlich eine Literatursprache. Auch das ist nicht zum erstenmale der Fall. Von den 440 Sprachen, in welche die Bibel bis jetzt übersetzt wurde, hat die überwiegende Mehrheit überhaupt kein einziges literarisches Produkt gehabt, bevor die Bibelübersetzung in die betreffende Sprache erfolgt war. Die Geschichte ihrer Literatur beginnt mit der Uebersetzung der Bibel.