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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Blochs WochenschM Seite 459 ständig geschildert, wollte man nicht ihrer bahnbrechenden Tätigkeit aus philanthropischem Gebiete gedenken. Hier hat Jda Barber Großes geleistet. %ri den achtziger Jahren, als ein notleidender Wiener Student. Mimra. sich vor einen heranfahrenden Eijenbahnzug hinwars und gerettet wurde, gründete sie den A l l - gemeinen S tud e nt e n- Un t er st ütz u n g s - V e r e i n, aus dem die seit Jahrzehnten so segensreich wirkende Wiener „Mensa Academica" entstand; sie richtete damals mit flammender Begeisterung geschriebene Ausrufe an die Frauen Wiens, vielen Hunderten, notleidenden, armen Studenten durch Freitische und Lektionen zu Hilfe zu kommen. Tausende von Zuschriften, ^geradezu elementare Beifallskundgebungen waren dis Antwort. Jda Barber besorgte während der ersten Jahre ganz allein, bei ihrem übrigen großen Wirkungskreise, die Verteilung von Hunderten von Freitischen und Prüsungstaren. Groß, ist die Anzahl der Doktoren. Ingenieure usw., die noch heute, nach Jahrzehnten, Jda Barber ihrer Dankbarkeit Ausdruck geben, für die damals erhaltenen Lektionen, Freitische üsw.. die es ihnen ermöqUctiten, die Studien zu vollenden. So verstand sie es, die Gattin Johann Strauß's. Adele Strauß, zur Mitarbeit zu gewinnen; Johann Strauß entsprach dann gerne ihrer Bitte und dirigierte persönlich zugunsten des Vereines mehrere Wohltätigkeits-Vorstellungen des „Zlgeunerbaron" die ein bedeutendes Erträgnis dem Ilnterstützungsvereine brachten, wodurch Dr. Hoffmann den Studenten- Unterstützungsverein, bald zur „Mensa Academica" erweitern konnte. In den neunziger Jahren gründete Jda Barber zur Unterstützung notleidender Künstlerinnen, den „Verein der Schriftstellerinnen und K ünstlerinne n", durch dessen Hilfe viele notleidende Künstlerinnen künstlerisch weiter arbeiten konnten. Nun steht ihr 70. Geburtstag vor der Türe, da wollen wir es mit Dank registrieren. Wir schätzen in Jda Barber nicht nur die Schriftstellerin; wir schätzen noch höher die Taten und Energie dieser Frau. Austritte aus dem Judentum . Vom 23. Juni bis inkl. 29. Juni 1912. Herzog Marianne, geb. 14. Mai 1898, Wien, III., Dilscheinergasse 3. Iszda Hermine, Private, geb. 14. August 1895, Wien, XXI., Leopoldauerstrasse 81. Kabsowitz Betti, Private, geb. 4. Jänner 1878, Wien, IX., Hebragasse 9. Koppel Moriz, Hotelangestellter, geb. 23. Juli 1878, Wien, III., Erdbergstrasse 9. Ple8s Elsa, Beamtin, geb. 9. November 1887, Ebersberg, IV., Schelleingasse 5. Polatschek Elsa, Modistin, geiu 18. November 1892, Chocin, IX., Pramergasse 29. Robitschek Jakob, Inkassant, geb. 24. Jänner 1864, Wien, XVII., Hauptstrasse 103. Weinberger Moritz, geb. 18. Dezember 1886, Budapest, II., Hillerstrasse 14. Weizmann Hedwig, Lehrerin, geb. 16. April 1893, III., Erdbergstrasse 69. Preßburg. Vorige Woche verschied hier der ob seiner Leutseligkeit wohlbekannte und geachtete Herr Ignatz H e r z f e l d. Vizepräses der hiesigen orthod.-israel. Kultusgemeinde. Stadtrepräsentant und Mitglied fast sämtlicher hiesigen Wohltätigkeits- Anstalten. Nicht nur seine Familie wurde durch dessen Tod in tiefe Trauer versetzt, sondern auch die genannte isr. Gemeinde hat hiedurch einen herben Schlag erlitten, denn der Verblichene hing mit allen Fasern seines Lebens an derselben. Dank des allgemeinen Vertrauens, dessen er sich erfreute, bekleidete er 16 Jahre hindurch das verantwortungsvolle Amt eines Gemeinde-Vorstehers und scheute keine Mühe und kein Opfer, seine vorzüglichen Fähigkeiten in den Dienst der guten Sache zu stellen. Seine Tätigkeit und sein rastloser Eifer für die Interessen dieser Gemeinde bleiben hier unvergeßlich. Welche Achtung derselbe genossen hat. zeigte sich bei seinem Leichenbegängnisse. Unabsehbar war die Reihe der dem Sarge Folgenden. Groß und Klein. Arm und Reich war gekommen, um dem edlen Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Am Friedhofe hielt Herr Oberrabbiner Schreiber einen warm empfundenen Nachruf, in dem er die großen Verdienste des Verstorbenen schilderte. Mährisch-Ostran. (25 - j ä h r i g e s D i e n st j u b i l ä u m.) Montag den 1. Juli beging in aller Stille Herr Kantor und Sekretär Rubin Kläger sein 25-jähriges Dienstjubilaum. Herr Kläger, der am 1. Juli 1887 als II. Kantor und Schächter in den Dienst der israel. Kultusgemeinde Mährisch-Ostrau trat, wußte sich in kurzer Zeit das Vertrauen seiner Vorgesetzten zn erwerben, weshalb ihm nach kaum 3-jähriger Dienstzeit, also im Jahre 1890, das schwierige und vollstes Vertrauen erheischende Amt eines Sekretärs übertragen wurde. Trotz des rapiden und enormen Wachsens der Kultusgemeinde und der damit verbundenen mannigfachen Agenden ist es Herrn Kläger gelungen, das ihm anvertraute Amt in jeder Hinsicht zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten voll und ganz auszufüllen, weshalb auch seine gediegenen Leistungen gar oft in öffentlichen Sitzungen anerkannt wurden. Aber nicht nur bei seinen Vorgesetzten, sondern auch bei allen Mitaliedern der Kultus gemeinde, die je Gelegenheit hatten, mit Herrn Kläger in Fühlung zu treten, so auch bei seinen Amtskollegen und nicht weniger b->i seinen Untergeordneten hat er sich durch seine biederen und festen Charaktereigenschaften die Sympathien zu erwerben gewußt, weshalb ihm allseits mit größter Achtung begegnet wird. Herr Kläger ist ein geborener S t a n i s I a u e r, ist ein Sohn des in Wien durch seinen Wohltätigkeitssinn bekannten Herrn Abraham Kläger und Bruder des am Müllnertemvel im IX. Bezirke wirkenden Oberkantors Herrn Philipp Kläger. Brünn. (Jüdisches Technikerheim.) Für das Studienjahr 1911/12 gelangen im jüdischen Technikerheim vorläufig 10 Freiplätze zur Besetzung. Entsprechend belegte Gesuche sind bis 15. September an den Ausschuß des „Unterstützungsvereines für mittellose jüdische Techniker, Brünn, deutsche Technik" zu senden, woselbst nähere Auskünfte erteilt werden. Brünn. (Silberne Hochzeit.) Herr Siegmund B o g a d, Kaufmann in Brünn, begeht mit seiner Frau Fanny am 8. Juli das Fest der silbernen Hochzeit. Brüx. Mittellose und fleißige jüdische Schüler aus dem Kconlande Böhmen, welche das t. k. deutsche Staats-Oberrealgymnasium in Brüx besuchen wollen, erhalten durch den israel. wohltätigen Frauenverein in Brüx Freitische für das ganze Schuljahr. Zuschriften find zu richten an Prof. Dr. Bi ach in Brüx (Böhmen). Das k. k. Staats-Oberrealgymnasium in Brüx, welches als D o p p e l a n st a l t die Möglichkeit zum Betriebe des R e a l s ch u l - und Gymnasial st udiums gibt, zählt derzeit 344, darunter 50 (fünfzig) jüdische Schüler Berlin. Der bekannte Philosophieprofeffor der Univerfität Marburg Dr. Hermann Cohen begeht morgen feinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaffe hat Siegfried B r u n n in Berlin der dortigen Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums zur Schaffung eines „Hermann Cohen-Lehrstuhles" 100.000 Mark überwiesen. Herr Brunn gehört dem Kuratorium der genannten Berliner Lehranstalt an. Feuilleton. Handel und Wandel in Alt-Kadylo«. Rastlos Pflügt in unserem Zeitalter, mit der stets sich erweiternden stofflichen Fülle neuen Materials ausgerüstet, der Historiker am Riesenacker der Weltgeschichte, oder richtiger: Menschheitsgeschichte, und aus den Tiefen der Erde steigen die Archive herauf, welche umfaffendere „weltgeschichtliche Betrachtungen" durch entzifferte versteinerte Belege und Urkunden ermöglichen, die Kunde des Altertums illustrieren und Irrfahrten wie Eroberungen längst vergangener Epochen wieder ans Tageslicht bringen. Zu den glorreichsten Taten der Wiffenschaft gehören hier jene mehr und mehr in eine glänzende Kette sich schließenden Arbeiten, die den Orient, das alte, durch die geheimnisvollen pelasgischen Einwanderungen erstandene Hellas, Egypten, neuerlich Affyrien-Babylon, dem Nebel der Fabeln entreißen und Vorstufen eines Kulturlebens bloßlegen, welche der Entwicklungslehre stets neue Grundlagen erringen. Champollion, der Geniale, löst, was schier unenträtselbar schien, das vielverschlungene Geheimnis der Hieroglyphensprache und erschließt mit diesem Dietrich Egyptens Vorzeit: Schlieman läßt Trojas Ruinen in den Chor der Geschichtsgestalten auferstehend eintreten und während den Orient ein neues gährendes Leben zu lange vergeffenem, selbstbestimmenden Volksdasein aufzurufen scheint, tritt die affyrische Babylonforschung mit frappanten Entdeckungen auf, die Gestalt Hammurabis als eines auch im hellen Lichte der Geschichte großen Herrschers wird klargestellt — die Deutsche Orientgesellschaft rüstet zu Beginn unseres Jahrhunderts (1901) die Koldewey-Expedition aus und das Auge der Welt blickt wieder nach Babel, der „Pforte zum Himmel" nach keilschristlicher Bedeutung, der „Stätte der Verwirrung", etwa nach dem hebräischen Wortfinne. Das pyramidale, prometheische Streben

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