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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 456 Dr. Blochs Wochenschrift kürzlich unter dem Titel „1879, ein Blatt aus der Geschichte der rumänischen Juden", in Bukarest anonym erschienen ist und von einem „Verrat" handelt, der angeblich von jüdischen Notabeln begangen worden ist. Da dieser tendenziöse Bericht auch in andere Zeitungen übergegangen ist und so den Glauben an dieses Ammenmärchen immer mehr verbreitet, ersuche ich im Interesse der Wahrheit um Ausnahme folgender Zeilen: Also „13 jüdische Notabeln" (ausgerechnet 13!) sollen im Jahre 1879 die jüdische Sache gegen schnöden Sold „verraten" haben. Unter diesen ,.13" werden Männer angeführt, die zu den Besten und Edelsten gehören (so Adolf Weinberg, Saniel Marcus, Dr. Tausig rc.), und sich um die Sache der rumänischen Juden unvergängliche Verdienste erworben haben. Ihr Gewährsmann nennt nur einen mit Namen: Herrn I. B. Brociner (er befindet sich, wie Sie sehen, in guter Gesellschaft), vermutlich weil dieser die Verfasser der Broschüre wegen Verleumdung geklagt hat und die Verurteilung des einen derselben — der andere ist feige ausgekniffen, indem $x die Autorschaft einfach abgeleugnet hat — zu einer Gefängnisstrafe erwirkt hat. Von der Qualifikation der beiden Verfasser und den nichtswürdigen Motiven, welche sie zur Abfassung dieses Pamphlets veranlaßt haben, will ich lieber schweigen, um nicht in eine Untiefe von Gesinnungslumperei hineinleuchten zu müssen. Das Pamphlet hat im ganzen Lande die tiefste Entrüstung hervorgerufen. Zunächst, weil es das Andenken von Männern schmäht und entweiht, das uns allen teuer ist, und sodann, weil hier der Versuch unternommen wird, das Ammenmärchen eines begangenen '„Verrats", das entgegen aller Vernunft und Logik sich in gewissen Kreisen ohne einen Schatten von tatsächlicher Grundlage erhielt, h i st o r i s ch zu beweisen. Zur Kennzeichnung der hierbei befolgten historischen Methode genüge, anzusühren, daß als einziger dokumentarischer Beweis des begangenen „Verrats" eine Erklärung bezeichnet wird, welche 1879 von einigen Herren (es sind übrigens keine 13!) in den rumänischen Zeitungen veröffentlicht wurde und in welcher gegen einen höchst unpolitischen, heftigen Artikel eines jüdischen Blattes, der in jenen Zeiten der leidenschaftlichen Erregung der Geister leicht gefährliche Folgen hätte haben können, Verwahrung einlegten und erklärten, daß die rumänischen Juden ihr Heil von dem Lande selbst erwarteten. Der Rest.ist eiu Gemisch von groben Fälschungen und freier Erfindung. Durch diesen Verrat der 13 Juden soll die Haltung der Signatarmächte des Berliner Vertrages Rumänien gegenüber beeinflußt worden sein! Alan weiß nicht, ob man über diese alberne Historie lachen oder sich über das dreiste Bubenstück entrüsten soll! Jedenfalls ist dieses Pamphlet ein Beweis für die Tatsache, daß auch hier die schlimmsten Feinde der Juden sich im eigenen Lager befinden. Smyrna. Die jüdisch-askenazische Gemeinde zu Smyrna beklagt schmerzerfüllt den Tod ihres angesehenen Mitgliedes, des Herrn Isidor Schapira, der Samstag den 22. Juni a. c. in Wien nach längerem, schweren Leiden verschied. — Der Verstorbene, ein Oesterreicher aus Brody, war der Schwiegersohn des Gijünders und Stifters der jüdisch-askenazischen Synagoge, des Herrn I. Krämer s. A., und kam vor mehr als 15 Iahrstn nach Smyrna, wo er es bald verstand, sich durch sein maunhaftes und charaktervolles Wesen die allgemeinen Sympathien seiner Mitbürger ohne Unterschied der Nationalität und Konfession zu erwerben. Ganz.im Geiste seines Schwiegervaters war er Jude mit Leib und Seele: wo es galt, Juden mit Rat und Tat beizustehen, war er am Platze, aber ganz im Stillen, ohne viel Aufsehen. An seiner Bahre trauern eine Witwe, seine beiden Töchter, sein einziger Sohn und seine Anverwandten, die des tiefsten und schmerzlichsten Beileides der Juden von Smyrna gewiß fein können. — Ein Neffe des Verstorbenen Ist der h u. k. österr.-ung. und königl. spanische Konsulararzt Dr. Angelo Märgulies, der erst Mrzlich vom Sultan mit der hohen Dekoration des Jstahar-Ordens für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurde. Jerusalem. Wir haben bereits in einer der letzten Nummern .(Nr. 20) unseres Blattes über den Verlauf der Festlichkeiten anläßlich des 25jährigen Amtsjubiläums des Herrn Direktors Ephraim Cohn, Jerusalem, berichtet. Wir sind nunmehr in der Lage, die bei dieser Gelegenheit von den offiziellen Vertretern der k. und k. österr.-ung. und kaiserlich deutschen Regierungen ge-- haltenen Ansprachen im Wortlaute zu veröffentlichen. Es dürfte für die zahlreichen Freunde und Gönner der Lämelschule — die bekanntlich eine österreichische Gründung ist! — und der an dieselbe angegliederten Unterrichtsinstitute von Interesse sein, zu erfahren, welch hohe Bedeutung für die kulturelle Entwicklung und die sittliche Hebung der jüdischen Bevölkerung im Heiligen Lande diesen Anstalten auch von den maßgebenden amtlichen Stellen beigemessen wird. Ansprache des k. u. k. österr.-ung. Konsuls, Herrn Ritter von Fran ceski: 25 Jahre sind es her, daß Herr Dir. Ephraim Cohn mit der Reorganisation und Leitung der Lämelschule betraut wurde. Während dieser Zeit hat Dir. Cohn, als Pädagoge und Organisator gleich hervorragend, in unermüdlicher, zielbewußter Tätigkeit, von einem ausgezeichneten Lehrkörper unterstützt, die Lämelschule aus geringen Anfängen zu einer solchen Höhe gebracht, daß sie gegenwärtig mit Recht als ein Hauptfaktor in den Bestrebungen zur Hebung des geistigen und sittlichen Niveaus der hiesigen jüdischen Bevölkerung angesehen werden kann. Indem ich nun in meiner Eigenschaft als Leiter des österr.- ung. Konsulates Herrn Dir. Cohn anläßlich seines 25 jährigen Amtsjubiläums für sein verdienstvolles,'' auch von Allerhöchster Stelle ausgezeichnetes Wirken meine aufrichtige Anerkennung und innigsten Glückwünsche ausspreche, kann ich nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß der hochverdiente Jubilar noch lange Jahre an der Spitze dieser Musterschule für Palästina bleiben möge, zum Wohle und Heile dieser Anstalt. Und so bitte ich Sie. mit mir in den Ruf einzustimmen: Unser hochverehrter Herr Dir. Cohn lebe Hoch! Hoch! Hoch! Ansprache des kaiserlich deutschen Generalkonsuls Herrn Doktor Schmidt: Unser hochverehrter Herr Dir. Cohn blickt heute aus einen Zeitraum von 25 Jahren zurück, die er im Dienste des Unterrichtswesens in der heiligen Stadt zugebracht hat, und mit den Lehrern und zahlreichen Freunden der seiner Obhut unterstellten Anstalten bin ich auch erschienen, um ihm namens des deutschen Konsulats und persönlich meine besten Glückwünsche zu seinem Ehrentage darzubringen. 25 Jahre sind ein erheblicher Abschnitt des kurzen Menschenlebens. Glücklich derjenige, welcher sie im Dienste seiner Mitmenschen in erfolgreicher Arbeit für das ihm anvertraute Werk verwendet hat. Sie, hochverehrter Herr Direktor, sind in dieser glücklichen Lage. Ich kann mir wohl selber darüber ein Urteil bilden, da es mir vergönnt gewesen ist, Ihre hiesige Tätigkeit fast von deren Anfang an zu verfolgen,. Ich brauche nur die engen und bescheidenen Verhältnisse der Edler von Lämel-Schule des Jahres 1887 zu vergleichen mit dem jetzigen Umfange und der jetzigen Bedeutung der Schule und der im Laufe der Jahre angegliederten zahlreichen Anstalten des Hilfsvereins. Ich habe beobachten können, wie Stein an Stein gereiht wurde, bis der stattliche Bau entstanden ist, dessen Segnungen wir uns heute freuen.- Das außerordentliche Aufblühen wäre natürlich nicht möglich gewesen ohne das hilfsbereite Interesse weiter Kreise. Aber es war doch nicht zum wenigsten Ihr stets sachgemäßer Rat und Ihre unermüdliche Tätigkeit und Arbeitsfreude, welche das Interesse geweckt und die Anstalten in so erfolgreicher und erfreulicher Weise gefördert haben. Ihre Arbeiten diesen 25 Jahren ist nicht leicht und mühelos gewesen. Aber für die mancherlei Mühen und Sorgen werden Sie eine Entschädigung finden in dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung und in der Anerkennung, die Ihnen heute von so vielen Seiten für das vollbrachte Werk zuteil wirk Empfangen Sie denn meine herzlichsten Glückwünsche verbunden mit dem Wunsche, daß Sie noch recht lange der segenbringenden Arbeit, in der Sie stehen, mögen erhalten bleiben.

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