Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 454 Nr. 27 Dr. Blochs Wochenschrift treu. Nun wird ihm der Lohn für seine Treue durch die fast einhellige Berufung als Leiter des neuen israelitischen Kmderspitales. Bei dieser Gelegenheit sei des Wirkens der Frau Marie Zappert, der edlen Mutter Dr. Zapperts, auf dem Gebiete der Kinderfürsorge Erwähnung getan. Unter dem Einflüsse ihres Sohnes steht Frau Marie Zapperl seit mehr als 15 Jahren der Wirtschaftsführung des Vereines zur Speisung hungernder Schulkinder, XX., Treustrahe, vor. Ihrem unermüdlichen Wirken ist es zu danken, dah gegenwärtig fast täglich 12 —1500 Kinder ein warmes Mittagmahl erhallen. Ebenso unermüdlich ist deren Tätigkeit im Vereine Settlement. Das vierzigjährige Profefsorenjubilänm des Hofrates Professors Dr. Karl S. Grünhnt. Am 2. Juli beging die Wiener Alma mater ein seltenes Fest. An diesem Tage vollendet einer ihrer besten Söhne, der hervorragende Handelsrechtslehrer Hofrat Dr. Karl G r ü n h u t, das 40. Jahr seiner Zugehörigkeit zum Proftssorenkollegium der Juristenfakultüt. Noch nicht 25 Jahre alt, trat Grünhut im Sommer 1869 als Privatdozent in den Lehrkörper der Wiener Universität, an der er kurz vorher die Rechtsstudien absolviert und den Doktorgrad erworben hatte. Drei Jahre später wurde er zum außerordentlichen Profeffor und bald darauf (1874) zum Ordinarius ernannt. Am 2. d. nachmittags fanden sich in der Wohnung des Hofrates Professors Dr. Karl S. Grünhut, Hietzing, Wolfersberggaffe Nr. 11, die Herren Hofrat Professor Dr. Josef Freiherr Schky v. Koromla und Hofrat Dr. Heinrich Lammasch ein, um ihn zu seinem vierzigjährigen Jubiläum als o. ö. Profeffor der Wiener Universität zu beglückwünschen. Profeffor mtb Dekan Ernst Freiherr von Schwind, der der Deputation angehören sollte, war durch eine plötzliche Reise verhindert. Hosrat Freiherr von Schky überreichte mit herzlichen Glückwünschen ein kunstvoll ausgeführtes Gemälde, das Gebäude der alten und der neuen Universität darstellend, dessen Rahmen eine auf das Jubiläum bezügliche Widmung in lateinischer Sprache trägt. Dem Jubilar wurde auch ein sinniges Geschenk seiner Kollegen überreicht. Es sind dies zwei Originalaquarelle von der Hand des Wiener Malers Erwin P e n d l, die im Aufträge des Profefforenkollegimns der Universität ausgeführt wurden. Das eine Bild zeigt eine Ansicht der alten Universität, in der Hofrat Grün Hut einst seine akademische Lehrtätigkeit begonnen hat, daS zweite die neue Universität, bei welcher besonders die „Jüttdische Ecke" Berücksichtigung gefunden hat. Im Hintergründe sieht man das Herrenhaus, dessen Mitglied Hofrat Dr. Grünhut ist. Die beiden Aquarelle find gemeinschaftlich gerahmt und tragen zwei Widmungstafeln mit den Aufschriften: 1872—1912 und CAROLO SAMUELIGRUENHUT PER OCTO LUSTRA ALMAE MATRIS VINDOBONEN- 818 PROFESSORI COLLEGAE OPTIME MERENTI ORDO JURIS CONSULTORUM D. D.-D. Zu Deutsch: „Karl Samuel Grünhut, dem durch acht Lustren an der Wiener Alma mater wirkenden Profeffor und über alles verdienten Kollegen, die Fakultät der Rechtsgelehrten." Der Unterrichtsminister Dr. Ritter von H u s s a r e k hat an den Univerfitätsprofessor Hofrat Dr. Grün Hut anläßlich deffen 40jährigen Profefforenjubiläums nachstehendes Glückwunschschreiben gerichtet: „Euer Hochwohlgeboren! Am 2. Juli d. I. laufen 40 Jahre seit dem Tage jener Allerhöchsten Entschließung ab, durch welche Se. Majestät Euer Hochwohlgeboren auf die Lehrkanzel des Handels- und Wechselrechtes an der Wiener Universität berufen haben, deren Vertretung seither in Ihren Händen ruht. Wohl kann dieser Tag bei Ihnen, sehr geehrter Herr Hofrat, viele wertvolle Erinnerungen aus der langen vielseitigen und fruchtbaren Lehrtätigkeit wachrufen und Ihnen das sichere Bewußtsein glänzend erfüllter Pflicht verschaffen; zugleich ist es aber ein Gedenktag für die Alma mater, in deren Dienst Sie ihr reiches Wissen und Ihre unermüdliche Arbeitskraft stellen. In dankbarer Verehrung blickt an diesem Tage auch die nach Tausenden zählende Schar der in den verschiedensten Stellungen wirkenden Juristen Oesterreichs zu ihrem hochverehrten Lehrer und Meister empor, dem sie ihre Ausbildung auf einem besonders wichtigen Gebiete ihrer Fachwissenschaft verdankt. Hocherfreut, mich den Angehörigen dieser Schar beizählen zu dürfen, fühle ich mich zugleich glücklich, daß es mir vergönnt ist, in meiner dermaligen Eigenschaft als Chef der Unterrichtsverwaltung, Sie zu dem heutigen Freudentage zu beglückwünschen und Ihnen für die zahlreichen Verdienste um Lehre und Wissenschaft, die Ihnen im In- und Auslande allgemeines Ansehen und dauernde Wertschätzung sichern, auch die dankende Anerkennung des mir unterstehenden Ressorts zu zollen. Gestatten Sie mir, sehr geehrter Herr Hofrat, auch der Hoffnung Ausdruck zu leihen, daß es Ihnen noch durch viele Jahre beschieden fein möge, in voller körperlicher und geistiger Frische als Forscher und Lehrer mit bewährter Meisterschaft zum Nutzen der Wissenschaft und zur Ehre der Wiener Juristenschule zu wirken." Alfred Grünfelds 60. Geburtstag. Die Feier des 60. Geburtstages Alfred G r ü nfelds hat nochmals gezeigt, welch außerordentlicher Wertschätzung er sich m allen Kreisen erfreut. Seine Beliebtheit erstreckt sich nicht nur auf die Gesellschaft, deren Schoßkind er ja seit einer langen Reihe von Jahren ist, sondern das Liebenswerte seiner ganzen Persönlichkeit, die Vornehmheit, die er zu jeder Zeit in Gesinnung und Tat an den Tag legt, und nicht zuletzt seine Fähig-! keit, fremde Größen anzuerkennen und enthusiastisch zu bewundern, machen ihn auch unter den Kollegen zu einem immer gern gesehenen Gast. In der Gesellschaft kennt man ihn, abgesehen von seinen Künstlergaben, als den geistreichen Causeur und nie versiegenden Erzähler köstlicher Anekdoten, die er mit einem Witz und einer Laune vorträgt, wie vielleicht nur noch sein Bruder Heinrich, der Cellist, dem ja wiederholt auch Kaiser Wilhelm mit grobem Vergnügen zuhörte. Tut man einen Blick in Alfred Grünfelds Wohnung, dann sieht man in wahrer Unzahl auch goldene und silberne Kränze und kostbare Kunstgegenstände. Das sind Widmungen, die er erhalten hat und die daran erinnern, daß er niemals, wenn man an ihn appellierte, mit seiner immer unentgeltlichen Mitwirkung bei aller Art Wohltätigkeitsveranstaltungen gekargt hat. Sein Sinn für Wohltätigkeit ist so bekannt, daß seinerzeit unser Kaiser, als sich Grünfeld bei ihm für eine verliehene Auszeichnung in Audienz bedankte, zu dem Künstler sagte: „Das finde ich eben an Ihrer Kunst so besonders verdienstlich, daß Sie sich so oft in den Dienst der Wohltätigkeit stellen." In der Wohnung Grünfelds erschien eine Abordnung der „Grünen Insel", bestehend aus den Herren kais. Rat Dr. Anton Matosch, Direktor A. C. Sponholz und Dr. K. Haas, und überreichte dem Jubilar, der als Inselbruder den Namen „Orpheus" führt, einen Ring mit einem Chrysopras, in den das Bildnis Grünfelds geschnitten ist. Als zweite Deputation erschienen für den Vorstand des Wiener Männergesangvereines Vorstand Dr. Krückl, Schriftführer Klaus, Chormeister Keldorfer und Oekonom Mellich. Sie überbrachte die silberne .Schubertmedaille in besonders kunstvoller Ausstattung. Dr. Krückl beglückwünschte den Jubilar, der bekanntlich Ehrenmitglied des Männergesangvereines ist, mit.folgenden Worten: „Lieber Alfred! Verehrter Künstler und lieber Freund! Wir sind bieder gekommen, um Dir auch zum 60. Geburt-tag herzlich Glück zu wünschen und Dir zu sagen, wie sehr wir Dich in unser He.z geschlossen haben. Wir kamen aber auch, um Dir Dank zu sagen für die vielen künstlerischen Genüsse, die Du ünS in herzlicher, uneigennütziger und wirklich echt wienerischer, freundschaftlicher Weise erwiesen hast.