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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-07-05 · 27 (5.7.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
27 (5.7.1912)
Date
1912-07-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 27 Seite 453 Dr. Blochs Wochenschrift Aller Sprachen Wiederhakl! Ost und West. Nord und Süd. Drahtlos hoch Dein Name klingt; Und dazu das Kaiserlied Jedermann begeistert singt! Wenn auch Stürme Dich umtoben. Berge in den Weg Dir kamen; Ewig wollen wir geloben Hochzuhalten Deinen Namen! Dr. Eduard Pollak. Em Mustertempel der Menschenliebe. Draußen in Purkersdorf, Linzerstraße 21, ist in allerj Stille, für den bescheidenen Sinn der Stifter ein neues Ehrenzeugnis, das Kinderheim dem Betriebe übergeben worden, das die Gemahlin unseres Kultusvorstehers Herrn Max Zirner dem Andenken ihres Vaters zu Ehren errichtet hat. Die Lage des Hauses ist entzückend, das Heim selbst von der Schwelle bis zur Dachluke ein Schmuckkästchen, alle Ansprüche der Hygiene, Kinderwartung. Aufsicht und Verwaltung überboten. Eingebettet in Licht und Luft, in Laub und Blüten, ist hier ein Kinderparadies geschaffen. Wir empfehlen jedem Menschen- und insbesondere jedem Kinderfreunde die Wanderung nach diesem stillen, weihevollen, schon von weitem durch seine Aufschrift kenntlichen und freundlich einladenden Tempel jüdischen Edelsinnes. Wer ihn betritt, wird Gott preisen, der ein Menschenherz zu solchem Tun erweckt, und dieses Menschenherz segrken. Em Manifest gegen die Taufe. In Kiew fand dieser Tage eine große Versammlung statt, an welcher die bedeutendsten Mitglieder der Kiewer Iudengemeinde teilgenommen hatten. Die Versammlung, welche über allgemeine jüdische Fragen in Rußland beriet, nahm auch zu der in Rußland überhand nehmenden Taufbewegung Stellung. Dieser Teil der Beratungen war. voü„ besonderem Interesse und schuf eine feierliche Stimmung, die in der einmütigen Annahme der folgenden Resolution ihren Höhepunkt erreichte: „Mit tiefem Schmerze sehen wir es, daß in der letzten Zeit unter unserer Intelligenz die Fälle des Austrittes aus dem Judentum sich häufen. Es geschieht dies nicht aus innerer Ueberzeugung, wir kennen und empfinden nur zu gut die traurige Lage, in der sich viele von uns befinden, die der menschlichen Rechte und der Möglichkeit beraubt sind, ihre geistigen und körperlichen Kräfte auf dem Gebiete voll auszunützen, für welche sie in sich die Eignung besitzen. Dem jüdischem Volke ist ein Los vielhundertjähriger Bedrückung und Erniedrigung zuteil geworden. Wir begegnen den Verfolgungen auf unserem Lebenswege, und sie begleiten uns bis an das Grab. Aber in unserer tiefen Trauer gibt es auch einen großen Trost, fühlen wir in uns „einen unerschöpflichen Born von Lebenskräften: die Anerkennung der inneren, geistigen Kraft des jüdischen Volkes. Wir, die wir von diesem gepeinigten Volke abstammen, empfinden ein Gefühl des Schmerzes und des Mitleids für diejenigen, die von uns fliehen, für diese Armen im Geiste und ethischem Gefühl. Indem wir Abschied nehmen von diesen Abtrünnigen, die uns für immer verlassen, erklären wir ihnen feierlich, daß unsere Würde und unsere Ehre uns teurer sind, als die Rechte, welche sie um den „Preis der Flucht aus dem Lager der Verfolgten sich erkaufen. Mögen sie erschreckt entfliehen. Wir aber wollen auf unseren Plätzen bleiben, treu und ergeben unserem Volke, dem Volke der großen Leiden und der großen Zukunft." Von der Ausstellung polnischer Maler in Barcelona. In der Ausstellung polnischer Maler, welche in Barcelona stattfand, haben die jüdischen Künstler Muttermilch, Leopold Gottlieb, Stanislaus Zentnerschwer, Elias Nadelmann große Preise erhalten. Zwei große Bilder von Muttermilch hat das städtische Museum von Barcelona angekauft, und die gesamte Presse widmet der jungen Künstlerin und ihren Werken die größte Anerkennung. Jüdische Nomaden. Wie die Zeitschrift „Hacheruth" in Jerusalem meldet, erschien dieser Tage in Tiberias ein Jude, der sich der hebräischen Sprache bedient, und erzählte, daß er einem jüdischen Stamme angehöre, welcher in der Gegend von Aleppo in Zelten wohnt. Er erklärte, im Aufträge seines Stammes gekommen zu sein, um nun in der Nähe von Tiberias ein Terrain ausfindig zu machen, auf welchem die Mitglieder des Stammes ihre Zelte für die Dauer aufschlagen können. Weiters erzählte dieser jüdische Nomade, daß sein Stamm infolge eines Krieges mit benachbarten Beduinenstämmen gezwungen wurde, seinen gegenwärtigen Aufenthaltsort zu verlassen. Da sie nun erfuhren, daß es in der Nähe von Tiberias jüdische Kolonien gebe, hätten sie nun beschlossen, dahin auszuwandern, um.neben ihren Brüdern leben zu können. Seine Aufgabe sei nun, sich von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen und selbst zu sehen, ob diese jüdischen Kolonien tatsächlich eristieren. Korrespondenzen. Antisemitisches aus der Laibacher Handelskammer. In der Laibacher Handels- und Gewerbekammer wurde am 22. Juni vom klerikalen Kammerrat O g r i n der Antrag eingebracht, die Handelskammer möge eine umfassende Propaganda gegen die Ansiedlung jüdischer Geschäftsleute i n Krain einleiten und einen Aufruf erlaffen, in welchem vor Geschäftsbeziehungen mit jüdischen Kausleuten gewarnt wird. Das Plenum der Kammer beschloß gegen den Einspruch der freiheitlichen Slovenen und Deutschen, den Antrag dem Ausschüße zuzuweisen. — Das Rechtschutzbureau der „Oesterreichisch- Israelitischen Union" hat in einer an das Handelsministerium gerichteten Beschwerde eine Sistierung dieses mit Artikel VI des Staatsgrundgesetzes über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger und mit § 302 St.-G. in Widerspruch stehenden Beschluffes verlangt. Wir werden über die Erledigung dieser Beschwerde berichten. * Wien. In der letzten Sitzung der israelitischen Kultusgemeinde wurde Dr. Julius Z a p p e r t, Dozent für Kinderheilkunde, zum leitenden Arzte des neu zu erbauenden Kinderspitales ernannt. Dozent Dr. Zappert entstammt einer alten Prager Familie. Wolf Zappert, unter der Kaiserin Maria Theresia Hofjuwelier in Prag, war sein Ahne, ein Mann, der seinen Namen durch hochherzige Stiftungen verewigt hat. Die Güte und das Gefühl für echtes Judentum find ein Erbteil, welches von feinen Ahnen auf Dr. Zappert überkommen ist. Wenn jemals das Wort gilt: „Nur ein guter Mensch kann ein guter Arzt sein," so muß man sagen, Dr. Läppert jst einer der Berufensten, denn er ist von echter Menschenliebe erfüllt und betätigt diese Grundsätze in seiner Praris. Tr ist aber auch ein treuer Sohn seines Volkes und hat dies glänzend betätigt. Vor mehr als 15 Jahren wurde Dr. Zappert von dem unvergeßlichen Prof. Escherich nach Graz als Assistenzarzt an das dortige Kinderspital berufen. Da erklärten die an diesem Spitale als Pflegerinnen wirkenden Nonnen, daß sie mit einem Juden nicht Zusammenarbeiten und daher ihre Pflegerinnenstellen niederlegen. Dr. Zappert verzichtete auf diese Stelle und auf die glänzende Laufbahn und blieb dem Glauben seiner Väter

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