Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021981-3022009--21279-3046364- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 462 Nr. 27 Dr. Blochs Wochenschrift welche sie haben in ihren Taschen verschwinden lassen. Noch jetzt ist die Herrschaft des Uebermutes geblieben, des Stadtrates ohne Kontrolle, der Freunderlwirtschast, der frechen Verhöhnung der Staatsgrundgesetze. Gegen alle diese Erscheinungen mußte die Opposition mit den denkbar schärfsten Mitteln, mit einem flammenden Bekenntnis der Wahrheit, ohne Furcht vor dem Hausknecktsparagraphen und vor dem Verlust des Mandates, kämpfen. Nicht das ist die größere Ehre, die Kette des Gemeinderates zu tragen, sondern sie im erbitterten Kampfe um das Recht und die Kultur verloren zu haben. Mit viel weniger Leuten, als jetzt die Opposition im Gemeinderate beträgt, sind schon wiederholt die größten politischen Kriege gekämpft und ge" Wonnen worden. Allerdings muß erst der kriegerische Geist vorhanden sein, muß die Minderzahl das Bewußtsein besitzen, unversöhnliche Feinde vor sich zu haben, eine höhere und edle Weltanschauung zu vertreten und für das Mannes- und Menschenrecht zu streiten. Nun soll den freisinnigen und sozialdemokratischen Gemeiuderäten durchaus kein persönlicher Vorwurf im Punkte der Ehrenhaftigkeit oder der besten Absichten gemacht werden. Auch muß anerkannt werden, daß sie sich meist nicht unter dem Schutz der Immunität befinden und sie in großer Gefahr sind, sei es durch kostspielige Prozesse, sei es durch das rohe Vorgehen der Christlich-Sozialen. Aber es gibt Zeiten, in denen man das Mandat anders und mit größeren Opfern ausüben muß. als während einer normalen Situation. Solche Zeiten sind jetzt gekommen. Man muß die Christlich-Sozialen um jeden Preis aus dem Rathause vertreiben. Einmal im Interesse der Residenzstadt und ihres allgemeinen Lebens, dann aber auch, weil Wien der Kopf und das Beispiel ist für die Politik des ganzen Reiches. Nun haben sich aber die Herren von der Opposition durch den Mißerfolg bei den Wahlen allzustark herabstimmen lassen und haben die Kampfesfreude zum großen Teil verloren. Sie haben die Gegnerschaft allerdings nicht aufgegeben, qber sie vertreten diese nur von Fall zu Fall, bei den. einzelnen Geschäftsstückeu und in entgegenkommender Form. Das ist jedoch eine recht undankbare Taktik. Sie kann ja beibehalten werden und man soll immer wieder versuchen, die Beschlüsse der Majorität nach der richtigen Seite zu korrigieren. Aber weit darüber hinaus muß den Christlich- Sozialen gezeigt werden, daß sie unversöhnliche Feinde haben, muß der alte Cato uachgeahmt werden, der jede seiner Reden im römischen Gemeinderat mit den bekannten Worten schloß: „Sm übrigen ist meine Meinung daß Karthago zerstört werden müsse". Die Bevölkerung hat bis jetzt den Eindruck, daß die Opposition im Gemeinderat sich mit den bestehenden Verhältnissen ausgesöhnt habe. Aber so wenig es mit Lug und Trug, mit Verbrechen und Schlechtigkeit eine Versöhnung gibt, ebenso wenig gibt es einen Ausgleich mit den Christlich- Sozialen. Hier muß jene Methode einsetzen, welche Lueger angewendet hat, um seinen Ehrgeiz zu befriedigen. Die Liberalen waren damals gewiß brave Verwalter und korrekte Menschen und doch wurden sie politisch umgebracht durch die Menge der unermüdlichen und gegen ihre Gesamtheit gerichteten Angriffe. Um wie viel leichter müßte dieser Erfolg zu erzielen seiu gegenüber den Christlich-Sozialen, die soviele Sünden auf dem Kerbholz haben und sie noch ständig vermehren. Der Pensious-Weiskirchner, der schwarze Porzer, der Ritual-Schwer, und wie die anderen Kapazitäten heißen, leben und reden aber immer noch und bei dem lauwarmen Wetter der Opposition ist sogar wieder Geßmann aufgetaucht. Da muß etwas anderes einsetzen, als die höfliche Kritik. .Da müssen Stürme kommen, die einen morschen Baum umlegen, auch wenn er äußerlich noch so stattlich aussieht. Die oppositionellen Verbände mögen darüber prinzipielle Beschlüsse fassen und für die nächste Kampagne bereits jetzt die Rollen wegen der Vorbereitung verteilen. Die oppositionellen Gemeinderäte sollen nicht vergessen, daß sie die Wählerschaft als M ä n n e r ihres Vertrauens entsendet hat. «Juden in der „IFA“. Zu dem Artikel auf 8. 431 der letzten Nummer der „Oesterr. Wochensclirift“ bemerke ich, daß mir bei einem Besuch der „IFA“ folgende Namen aufgefallen sind: August Goldschmied (Wien, patentiertes Modell eines starren, lenkbaren Luftschiffes), Louis Breguet (aus der von mir in dem zitierten Vorträge erwähnten Erfinderfamilie), Aeroplan, — Antinometer [nach Prof. Michelsohn (auch von mir behandelt)], hergeslellt von Tauber, Zwätkoff u. Co., Moskau, — W. H. Lines, Pyrton- Hill, Ballon- und Drachen-Meteorographen; Schweißanlagen von Popper, Fisch! u. Co., sowie von R u d. S a 1 z e r,— Prof. Ad. Marcus e, Berlin (über astronomische Erdbestimmung im Luftfahrzeug), — Prof. Schwarzschild, Potsdam, kgl. astropkysikalisch.es Observatorium, Transformator für stereographische Projektion, Ballonsextant usw. Weiteres findet man im Katalog, der in der Einleitung 8. 25 als einen der ersten österreichischen praktischen Aviatiker Simon, ferner den Flugzeugingenieur Mahler und den unglücklichen Ballonkonstrukteur Schwarz, erwähnt: Dr. Grunwald. „EmMautLnelend". In bezug auf die Beschwerde des Herrn. Tiktin in der vorletzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" wird uns von befreundeter und verläßlicher Seite mitgeteilt, daß .die Austro Americana sichjederzeit einer freundlichen, zuvorkommenden und humanen Behandlung der Passagiere und der Emigranten befleißigt und dahinzielende Vorschriften für alle ihre Schiffe längst erlassen hat. Ueber die Beschwerde des Herrn Tiktin wurden Erhebungen angeordnet, und sollten sie sich als begründet Herausstellen, so werden die nötigen Verfügungen von der Direktion in Triest unverzügliche getroffen werden. Newyorker Blätter aller Parteien und aller Sprachen berichten über den Empfang des neuen Prachtdampfers „Kaiser Franz Josef I." der Austro Americana in Newyork. ' ' : Ueber 150 eingeladene Gäste waren gestern Abend an Bord des am Fuße der 50. Str. in Brooklyn liegenden neuen Prachtdampfers der Austro-Americana, „Baiser Franz Josef I.", der vor wenigen Tagen seine Jungfernfahrt nach Newyork beendete, versammelt. Die Dampfer-Gesellschaft war die liebenswürdige Gastgeberin und ließ ein exquisites Menu servieren. Die Schiffskapelle konzertierte und bald herrschte die schönste Stimmung. Alle Besucher besichtigten und bewunderten den Prachtdampfer und gratulierten den Vertretern der Linie aufrichtig zu der neuen Errungenschaft. Als Toastmeister fungierte kaiserl. Rat Dr. S. Breitenseld. Generalkonsul Alexander Ruber von Pereked toastete auf den Präsidenten Taft und Chas. Phelps, der Generalagent der Linie in Newyork, brachte das Hoch auf Baiser Franz Josef aus. Ferner hielten Ansprachen Dr. S. Vreitenfeld, Dr. Andrew von Grimm, M. Cuckor, Emil Fischl, Dr. Fischerauer, der Attache des Generalkonsulates, Alexander von Fest, Sekretär des Oesterreichischen Flottenvereins, der deutsche Vize-Bonsul Erick Hossenfelder, Dr. Joseph v. Grulich, Ignaz Neumayer u. A. Unter den Gästen waren der Stab des österreichisch-ungarischen Generalkonsulates, Vize-Bonsul Erich Hossenfelder und Dr. Braske vom deutschen Generalkonsulate, sowie zahlreiche angesehene Persönlichkeiten der hiesigen österreichisch-ungarischen Bolonie und die Präsidenten landsmannschaftlicher Vereine. . Dr. Eduard Pollack der Spiritus rector der österreichischen Bolonie in Newyork, welcher an Bord dieses neuen österreichischen Prachtschifses von der alten Heimat nach Newyork zurückgekehrt ist, hat dem „Herold" folgenden Hymnus auf den betreffenden Dampfer zugeschickt. Baiser Franz Josef I. Willkommen im Freien Lande! Von allen Großen der hehrste. Umschlingen Dich Freundschaftsbande! Dampfer kommen, Dampfer gehen Ueber'n großen Ocean; Welche Freude Dich zu sehen Austria-American! Ruhig, sicher mit Dir reisen Wellenbürger überall, ' Es erklingen Friedensweisen,