Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 27 (5.7.1912)
- Date
- 1912-07-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Biochs Wocharfchrift Seite 449 das Andenken an die Iudenvertreibung von 1492 und fördert die Sache der menschlichen Brüderlichkeit im allgemeinen. Die Konferenz bedaure jedoch, daß infolge des ungeregelten, geometrisch noch nicht vermessenen und auch sonst nicht ungefährlichen Zustandes des Landes, wie auch mit Rücksicht auf die klimatischen Schwierigkeiten und die hohen Lebens¬ und Arbeitskosten, es ihr nicht möglich ist, einzelnen, Kolonisten zu empfehlen, eine Aufgabe auf sich zu nehmen, die nur von einer mit den nötigen Machtmitteln und Garantien ausgerüsteten Organisation mit Erfolg durchgeführt werden kann." Der Wortlaut dieser Resolution wird sowohl dem Präsidenten der portugiesischen Deputiertenkammer, wie auch der allgemeinen und portugiesischen Presse mitgeteilt werden. Zum Schlüsse sprach sich Zangwill gegen die von verschiedenen Seilen angestrebte Schaffung einer schwerfälligen itoistischen Volksorgonisation, etwa nach dem Muster der zionistischen, aus und erklärte gleichzeitig, dass, falls die Konferenz eine Organisation dieser Form beschliehen Mrde, er sich auher Stande fühle, derselben als Präsident vorzustehen (allgemeine Bewegung), da es ihm unmöglich sei, die Lasten eines solchen Amtes zu tragen. Das Referat Zangwills wurde mit langanhaltendem Applaus angenommen und besonders der letzte Passus seiner Rede hat auf die Versammlung einen solch mächtigen Eindruck geübt, daß die Konferenz beschloß, eine Pause eintreten zu lassen, um in den verschiedenen Gruppen zu diesier neuen Situation Stellung zu nehmen. Rach Wiedereröffnung der Sitzung wurden Zangwill abermals Ovationen dargebracht und zur Wahl des Konferenzbureaus geschritten. In das Präsidium wurden gMäW: Präsident: .Israel Zangwill: Vizepräsidenten: Dr. Jochelmann-Kiew, Dr. Krenberger-Wien, Dr. Finkel stein-Warschau: zu Schriftführern: Ing. Lew- Byalistok, Ing. G i n sf bürg-Zürich, M. Schmidt-Wien, Dr. S. Stein- Warschau, Dr. Wunderlich-Oppeln. Ferner wurde ein Permanenzausschuß eingesetzt, der in den wichtigsten Fragen dem Plenum Vorschläge zu unterbreiten hätte. Die Versammlung beschloss schliesslich, eine Kommission einzusetzen, welche die vorliegenden Re ferate über Angola zu prüfen und bezüglich der Antwort an das portugiesische Parlament Vorschläge zu unterbreiten hätte. Der zweite Konferenzlag. Die Beratungen am zweiten Konferenztage waren vollständig mit der Debatte über die Reorganisation ausgeWlt. Es kam in dieser Debatte wiederholt zu den heftigsten Szenen, man kam schliesslich doch zu einem Einverständnisse, da die einzelnen Gruppen in ihren Privatkonferenzen den Kompromißweg fanden. Der herbeigeführte Friede hat eine enthusiastische Stimmung hervorgerufen. Am zweiten Konferenztage erschien auch der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Dr. Alfred Stern, in der Konferenz und wurde von den .Delegierten mit langanhaltendem Applaus akklamiert. Dr. Stern folgte den Beratungen mit großem Interesse. Zu Wort kam in dieser Sitzung Herr May er'vwitz aus Berlin, der sich gegen beide vorliegenden Projekte aussprach und den Vorschlag machte, eine Kolonisations-Gesellschaft zu gründen mit dem Zwecke, nach eingehendem Studium der vorhandenen Einwanderungsmöglichkeiten grössere Farmerkolonien ins Leben zu rufen. Die Beratungen am Sonntag vormittag. Der ergebnisreichste und wichtigste Tag der Konferenz war entschieden der letzte Tag. Der Samstag, an welchem die Konferenz nicht tagte, wurde zu Kompromißverhandlungen benützt, die auch zu einem günstigen Resultate führten. Vor Beginn der Beratungen zogen sämtliche Delegierte, dem Konferenzbeschlusse entsprechend, an das Grab Dr. Theodor Herzls auf den Döblinger jüdischen Friedhof, um ihrem großen, unsterblichen Führer den Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Es Herrschte eine tiefernste und traurige Stimmung unter den Teilnehmern, denen sich auch zahlreiche Gäste zugesellten. Als erster sprach Israel Zangwill tief empfundene Worte. Tief gerührt begann er damit, dass ihn an diesem Grabe ein Gefühl der Bangigkeit überkomme, das aber, wenn er daran denkt, daß von dem der in diesem Grabe schlummert, zwei große Bewegungen im jüdischen Volke ausgegangm sind, einer großen Hoffnung Platz mache. .Dr. Herzl wurde durch den Zwist, der kn seiner Partei herrschte und selbst seine Person nicht verschonte, allzu früh ins kühle Grab gesenkt. Wir würden sein Andenken am besten ehren, wenn die beiden grossen Bewegungen, deren Urheber er gewesen ist, grosse Arbeiten für das jüdische Volk gemeinsam machen, denn der Kampf ist wohl notwendig, aber nicht der Streit und der Zwist. Aber selbst, wenn wir getrennt marschieren, so wollen wir wenigstens uns das geloben, dass in unseren Reihen, wenn nötig, wohl der Kampf, aber niemals der Zwist herrschen möge. Hierauf sprach Herr Uriason aus Kowna Worte warmen Empfindens. Er gelobte im eigenen Namen wie im Namen der ganzen Konferenz, sowie jener Tausenden von Juden, in deren Vertretung diese Konferenz getagt hat, die Lehren Herzls dadurch zu betätigen, dass die Territorialsten alles aufbieten wollen. um dem jüdischen Volk sein Itoland zu geben. Von lautem Schluchzen aller Anwesenden begleitet, sprach Herr Uriason hierauf das Ll-mole-Rachamin, worauf die erhebende Feier ihren Abschluß fand. Rach Eröffnung der Sitzung wurde die Resolution der Angola-Kommission verlesen und beschlossen, dein Vorschläge nach die Resolution Zangwills als Antwort an die portugiesische Kammer anzunehmen und die weitere Behandlung dieses Projektes dem Itokonseil in London gemeinsam mit der von der Konferenz zu nominierenden Angola-Kommission zu übertragen. Die Aufgabe dieser Kommission wird sein, alle Vorbedingungen betreffend Angola zu studieren, eine Aenderung des portugiesischen Gesetzes vom 15. Juni 1912 in günstigerem Sinne anzustreben und schließlich, falls sie es für notwendig hält, eine Expedition in dieses Land zu entsenden. Dieser Vorschlag wurde von der Konferenz einhellig angenommen. Schlusssitzung. In der Sitzung vom Sonntagnachmittag wurden die Berichte der verschiedenen Kommissionen in Beratung gezogen. Im Verlause der Debatte teilte der Vorsitzende Israel Zangwill mit, dass das wertvolle Mitglied der Konferenz, Herr S ch r i r o aus Baku, eine Anregung gemacht habe, welche, obgleich ihre Durchführung nicht als Beschluß der Konferenz gedacht ist, dennoch von weittragender Wichtigkeit ist. da sie nicht Worte, sondern eine Tat bedeute. Herr Schriro ist in der Ausarbeitung eines Planes zur Schaffung eines Finanzinstitutes begriffen, welches für Landankaufszwecke und zur Gründung größerer jüdischer Kolonien ins Leben gerufen werden soll. Dieses Finanzinstitut soll nicht auf dem Gelbe der kleinen, armen Juden, sondern auf Zeichnungen von Reichen ausgebaut sein soll. Deshalb sollen bloß Shares zu 1000 Pfund Sterling ausgegeben werden. Wie alles, was die